Schweizer Sondermarke zum 500. Geburtstag von Johannes Calvinprint druckenemail versenden

Bern/Schweiz, 28.01.2009 / APD

Die Schweizer Calvin-Briefmarke

Die Schweizer Calvin-Briefmarke

Foto: DIE POST

Zum 500. Geburtstag des Reformators Johannes Calvin (1509-1564) wird die Schweizerische Post am 5. März eine 1-Franken-Sondermarke herausgeben. Der Genfer Humanist und Theologe gehört neben Martin Luther und Ulrich Zwingli zu den grossen Reformatoren des 16. Jahrhunderts.

Die vom 53-jährigen Grafikdesigner Laurent Donner (La Chaux-de-Fonds) gestaltete Calvin-Briefmarke symbolisiert mit drei steinernen Elementen (Gesicht Calvins von der Statue des Reformationsdenkmals, Turm der Kathedrale Saint-Pierre und Fassadenausschnitt der "Maison Mallet") den historischen Charakter des Themas und zeigt die Dimension und Unvergänglichkeit des reformatorischen Erbes von Calvin. Das in Stein gemeisselte Gesicht des Reformators erhält durch den Lichteinfall eine erstaunliche Menschlichkeit und Lebendigkeit.

Johannes Calvin, eigentlich Jean Cauvin, wurde am 10. Juli 1509 im französischen Noyon (Picardie) als Sohn des Notars des dortigen Domkapitels geboren. Nach humanistisch-theologischen Studien in Paris absolvierte Calvin in Orléans und Bourges ein Rechtsstudium, das er 1531 mit dem Lizentiat abschloss. Zu jener Zeit kam er mit den reformatorischen Lehren Martin Luthers in Berührung. Wegen seiner Bekehrung zum Protestantismus musste Calvin Frankreich 1535 verlassen. Er predigte heimlich die neuen Lehren, entkam nur knapp einer Verhaftung, war immer wieder auf der Flucht. Seine Reisen führten ihn in die Schweiz und nach Italien.

Auf seiner Flucht kam er 1535 nach Basel, wo er zum ersten Mal auf Heinrich Bullinger und Guillaume Farel traf. Im Jahre 1536 gab er in Basel sein Werk "Unterweisung in der christlichen Religion" (Originaltitel: Institutio Christianae Religionis) heraus. Im gleichen Jahr hielt ihn auf einer seiner Durchreisen der Prediger und Reformator Guillaume Farel in Genf fest und beschwor ihn, sich dort für die Sache der Reformation einzusetzen.

Der Theologe beteiligte sich in Genf aktiv an der Reorganisation der politischen und sozialen Institutionen der Stadt und kämpfte für ein gerechtes Verhältnis von Staat und Kirche. Seiner Initiative verdankt die Rhonestadt auch das Collège und die Académie, zwei heute renommierte höhere Schulen in Genf.

Calvin demokratisierte auch die Kirchenämter. Er durchbrach das Machtmonopol des Bischofs und des Priesters. Neben dem Pfarrer führte er die Ämter des Diakons, des Ältesten und des theologischen Lehrers ein. Er schuf damit die Voraussetzungen für ein demokratisches System bei der Aufgabenverwaltung einer kirchlichen Gemeinschaft.

Calvins Theologie wurzelt in der paulinisch-augustinischen Tradition. Ihre zentralen Themen umfassen den Glauben an die absolute Souveränität Gottes sowie die Lehre von der Rechtfertigung ausschliesslich aus dem Glauben. Calvin betonte Gottes uneingeschränkte Herrschaft, das Wesen der Auserwählung und Prädestination, die negativen Konsequenzen von Stolz und Ungehorsam, die Autorität der Bibel und die Bedeutung des christlichen Lebenswandels. Der Reformator entwickelte auch eine politische Ethik, bei der durch leistungsorientiertes Engagement versucht werden sollte, begangene Sünden durch gottgefällige Taten zu sühnen.

Von Genf aus brachte Calvin die Reformation nach Frankreich, die Niederlande, Grossbritannien, Polen, Italien und Ungarn. Bis zu seinem Tod am 27. Mai 1564 gab es bereits rund 100.000 reformierte Christen calvinistischer Prägung. Der Calvinismus blieb bis heute ein wichtiger Bestandteil des Protestantismus.

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