Vatikan-Dokument zur Lehre über die Kirche: Stellungnahmen, Erklärungen und Kommentare
- Ökumene
- Ökumene durch Exklusivanspruch in Frage gestellt
- Vatikan betont Einzigartigkeit der Katholischen Kirche
- Vatikan; "Protestantische Gemeinden sind keine Kirchen"
- Papst bringt Protestanten in Rage
- Vatikan: Protestanten haben keine "Kirche"
- Papst düpiert Protestanten
- "Ein Schlag ins Gesicht der Ökumene"
- Rom bleibt Rom ...
- Ohrfeige für Ökumene
- Wo ist die Kirche?
- Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation über die Lehre der Kirche
- "Ein falsches Signal"
- Ein Signal, das nicht weiter bringt
- Römisch, aber nicht katholisch
- Vaticanum II im konservativen Rückspiegel
- Versäumte Chance
- EKD: Vatikan-Dokument brüskiert Ökumene
- Statement des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann
- Hinführung zu den theologischen Hintergründen des neuen Dokuments der Glaubenkongregation über die Lehre der Kirche
- Verantwortliche in Rom wissen um die ökumenische Problematik
- Kardinal Kasper: "Dokument lädt zum Dialog ein"
- Bünker: "Müssen von Rom nicht approbiert werden"
- Der bittere römische Aufguss
- Kirche ist überall dort, wo Menschen sich zu Jesus Christus bekennen.
- Kasper: Ökumenischen Dialog weiterführen
- Rom ordnet seine Herde
- Klarheit statt Auflösung
- Sumus papa? Eramus papa!
- Missverständnisse vermeiden helfen
- Interview mit Kardinal Kasper: "Die Karawane zieht weiter"
- Kardinal Kasper: Ökumene in Wahrheit und Liebe
- "Ökumene bleibt ein Dauerauftrag"
- Reaktion des Bischofsrates der Evangelisch-methodistischen Kirche
- Wenn’s wehtut
- Harte Nüsse von Kardinal Levada
- "Vatikan-Papier streut Salz in offene Wunde"
- Adventisten: Tradition prägt katholisches Kirchenverständnis
- "Zusammen weiterarbeiten"
- Von der Geschwisterlichkeit in die Selbstisolation?
- Vorwärts in die Vergangenheit?
- Der Anspruch der römisch-katholischen Kirche, einzige Kirche Jesu Christi zu sein
- Wir sind Papst – aber wer ist Kirche?
- Zweites Vaticanum "Magna Charta" der Kirche
- Weltweite Evangelisch-methodistische Kirche: Dialog mit "Rom" weiterführen
- Ökumene: Auch für Protestanten gibt es ein "Basta"
- Offener Brief der KirchenVolksbewegung Wir sind Kirche an die Kirchen der Reformation
- Kommentar zur jüngsten Erklärung der Glaubenskongregation
- Bischof Koch mit Offenem Brief zur ökumenischen Situation
- Reinigendes ökumenisches Sommergewitter
- Warum der Vatikan evangelische Kirchen brüskiert
- Das armenische Kirchenoberhaupt Karekin II. über den Dialog der Kirchen nach dem Vatikan-Papier
- Ökumene: Am Scheideweg
- Ökumene: "Das ist nicht nachvollziehbar"
- Vatikanische Kirchenkategorien sind nicht nachvollziehbar
- Was ist eine Kirche?
- Evangelischer Bischof Weber: Einzelne Kirche ist nicht die Wahrheit
- Zur Diskussion um das Subsistit: "Was bedeutet Einheit?"
- Für mehr ökumenische Achtsamkeit
- Ökumenische Irritationen
- Undifferenzierte Kritik des Kirchenbunds am Vatikan
- Zurück zur Rückkehr-Ökumene
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Ökumene
Ökumene durch Exklusivanspruch in Frage gestellt 
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Bern/Schweiz, 10.07.2007 / SEK
Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) nimmt die heute veröffentlichte Stellungnahme des Vatikans zum Exklusivanspruch der römisch-katholischen Kirche zur Kenntnis. Er sieht wesentliche Errungenschaften der Ökumene in Frage gestellt.
Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) nimmt zur Kenntnis, dass der Vatikan erneut den Versuch unternimmt, den Kirchen der Reformation ihr Kirchesein abzusprechen. In einem heute durch die Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichten Schreiben wird die römisch-katholische als die eine, einzig wahre Kirche bezeichnet. Dies geschieht im Rahmen einiger Klärungen, die durch «irrige Interpretationen» von Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils nötig geworden seien.
Mit Sorge stellt der SEK fest, dass sich die römisch-katholische Kirche durch den Rückzug auf sich selber aus der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen ausschliesst. Sie versteht sich selbst exklusiv als in historischer Kontinuität mit der von Christus eingesetzten Kirche und stellt damit wesentliche Errungenschaften des ökumenischen Dialogs in Frage.
Nach evangelischem Verständnis ist Kirche überall dort, wo im Sinne des Evangeliums gepredigt, Abendmahl und Taufe gefeiert und die Kirche ihre Verantwortung für die Welt wahrnimmt. Grundlegend ist, dass die Kirche nicht selber die Wahrheit ist, sondern auf die Wahrheit in Christus hinweist. Die Kirchen der Reformation können sich darum in vollem Sinne als Kirchen verstehen und gleichzeitig die römisch-katholische Kirche als Schwesterkirche erkennen.
Die reformierten Kirchen in der Schweiz sind fest entschlossen, weiterhin mit den römisch-katholischen Mitchristinnen und Mitchristen – verbunden durch die gemeinsame Taufe und den gemeinsamen Glauben – als Kirche Jesu Christi unterwegs zu sein. Unser gemeinsamer Auftrag ist der Gottesdienst, das Bezeugen des Evangeliums in unserer Gesellschaft und der Dienst am Menschen.
Vatikan betont Einzigartigkeit der Katholischen Kirche 
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Wien/Österreich, 10.07.2007 / ORF
Pressestimmen: ORF
In einem Schreiben betont die vatikanische Glaubenskongregation die Einzigartigkeit der Katholischen Kirche. Ausdrücklich wird dabei den protestantischen Gemeinschaften das Recht abgesprochen, sich als "Kirche" zu bezeichnen.
Zur Begründung heißt es in dem Dokument "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche", Protestanten und andere christliche Gemeinschaften, die nicht den Papst anerkennen, könnten sich nicht auf die "apostolische Sukzession" berufen. Damit ist die katholische Lehre gemeint, wonach sich Päpste und Bischöfe noch heute auf den Auftrag Jesu Christi an die Apostel zur Glaubensverbreitung berufen.
"Nicht Kirchen im eigentlichen Sinn"
"Deshalb sind sie "nicht Kirchen im eigentlichen Sinn", sondern "kirchliche Gemeinschaften", wie die Konzils- und Nachkonzilslehre bezeigt", heißt es in einem Kommentar der Glaubenskongregation zu dem Dokument. Die Verfasser räumen allerdings ein, dass "diese klaren Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben". Aber es sei "nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel "Kirche" zuschreiben könnte", heißt es weiter. Allerdings hätten die protestantischen Gemeinschaften "zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert".
"Antworten auf Fragen..."
Das neue Dokument mit dem Titel "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" befasst sich mit der 1964 veröffentlichten Konstitution "Lumen gentium" (Licht der Völker) des Zweiten Vatikanischen Konzils, in der es heißt, die Kirche Christi sei in der katholischen Kirche "subsistiert" (verwirklicht). Dies bedeute nicht, heißt es, dass die katholische Kirche von der Überzeugung ablasse, die einzige wahre Kirche Christi zu sein. Das acht Seiten lange Dokument ist vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, unterzeichnet.
"Dominus Iesus"
Bereits im Jahr 2000 hatte das Dokument "Dominus Iesus", das die damals von Kardinal Joseph Ratzinger geführte Glaubenskongregation herausgebracht hatte, für viel Wirbel gesorgt. Kritiker sprachen von einer "kalten Dusche für die Ökumene". In dem Schreiben wurde der Unterschied zwischen den "echten Teilkirchen" mit Apostolischer Sukzession der Bischöfe - die orthodoxen und die orientalischen Kirchen - und den "kirchlichen Gemeinschaften" ohne Apostolische Sukzession - den protestantischen Kirchen - herausgestrichen, da Letztere keine "Kirchen im Vollsinn" seien. Dies hatte zu Unmutsäußerungen von protestantischer Seite geführt.
Vatikan; "Protestantische Gemeinden sind keine Kirchen" 
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Berlin/Deutschland, 10.07.2007 / Die Welt
Pressestimmen: Die Welt
Für die Ökumene ist es ein herber Schlag: Der Vatikan hat ein neues Dokument über das eigene Kirchenverständnis veröffentlicht, in dem sich die katholische Kirche erneut von den Protestanten abgrenzt – die evangelische Kirche fühlt sich brüskiert.
Nur in der katholischen Kirche bestehe die von Jesus Christus begründete Kirche weiter, betont die Glaubenkongregation in fünf „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ . Der Vatikan wolle aber an der Ökumene festhalten, wurde bekräftigt. Das vorliegende Schreiben sei auf Grund von „irrigen Interpretationen“ des Zweiten Vatikanischen Konzils der sechziger Jahre nötig geworden, heißt es. Papst Benedikt XVI. habe die vom Präfekten der Kongregation, Kardinal William Levada, unterzeichneten Antworten „gutgeheißen, bestätigt und deren Veröffentlichung angeordnet“.
Die Tür zur Ökumene bleibt offen Entgegen auch unter katholischen Theologen verbreiteten Interpretationen habe das von Papst Johannes XXIII. einberufene Konzil keine Wende im Kirchenverständnis eingeläutet. „Das Zweite Vatikanische Konzil wollte diese Lehre nicht verändern, es wollte sie vielmehr entfalten, vertiefen und ausführlicher darlegen.“
Den aus der Reformation hervorgegangenen christlichen Gemeinschaften könne nach katholischem Verständnis kein Kirchenstatus zuerkannt werden, heißt es in dem vom Sekretär der Kongregation, Erzbischof Angelo Amato, mit unterzeichneten Dokument. Grund sei die fehlende „apostolische Sukzession im Weihesakrament“.
Ohne sakramentales Priestertum gebe es jedoch keine „vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums“, so das Papier. Da die Orthodoxen im Unterschied zu den Protestanten „trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen“, seien sie als Kirchen anzuerkennen.
Kardinal Lehmann sieht darin Chancen für einen Dialog mit Protestanten
Kardinal Karl Lehmann hat dennoch zur Fortsetzung des ökumenischen Dialogs aufgerufen. „Die erneute katholische Stellungnahme der Glaubenskongregation mag besonders in ihrer Knappheit und Dichte hart erscheinen, aber sie lässt grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn. „Die Gleichsetzung Kirche = katholische Kirche wird eingeschränkt.“
Dies ermögliche eine echte Ergänzung und einen aufrichtigen Dialog. Nach den Worten des Kardinals hat die Glaubenskongregation offenbar wegen anhaltender Fehldeutungen die vom Zweiten Vatikanischen Konzil formulierte katholische Lehre über die Kirche erneut wiederholt.
Dabei sei sich die Glaubenskongregation der ökumenischen Tragweite ihres Dokuments bewusst. Zwar habe die katholische Kirche ihren Anspruch nicht preisgegeben, dass man die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche findet. Sie habe aber ihren Absolutheitsanspruch im Sinne einer puren Identifikation reduziert und erblicke in den anderen christlichen Glaubensgemeinschaften „eine wirkliche Anteilnahme am Kirchesein“. Der eigene Anspruch dürfe nicht zu irgendeiner Überheblichkeit führen, betonte Lehmann. Denn durch die Spaltungen sei auch die Fülle der katholischen Kirche eingeschränkt. Die Konzilslehre über die Kirche ist nach Ansicht des Kardinals zwar eine bleibende Norm, „aber keine abschließende Endstation, sondern eher verheißungsvoller Anfang“. Die Theologie müsse sich um ein tieferes Verständnis des Kircheseins einschließlich des Amts-Verständnisses bemühen.
Bischof Huber kritisiert Vorsatz in Brüskierung der Ökumene
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bezeichnete das neue Vatikan-Dokument dagegen als Brüskierung der Ökumene. Die in Rom vorgelegten „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ der Glaubenskongregation seien eine „vertane Chance“, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber in Hannover. Nach wie vor würden evangelische Kirchen abgewertet. Die Hoffnung auf einen positiven Wandel der Ökumene sei „erneut in die Ferne gerückt“.
Huber kritisierte vor allem, dass das neue Dokument insbesondere den Kirchen der Reformation die Anerkennung als „Kirchen im eigentlichen Sinn“ erneut verweigere. Damit erweise es sich als „unveränderte Neuauflage der anstößigen Aussagen“ der umstrittenen Vatikan-Erklärung „Dominus Jesus“. In vollem Bewusstsein der innerkatholischen wie der ökumenischen Diskussion seit dem Jahr 2000 würden die damaligen Aussagen wiederholt. Huber: „Von Fahrlässigkeit kann niemand mehr sprechen; es handelt sich um Vorsatz.“
In den vergangenen Jahren seien viele Vorschläge gemacht worden, um die anstößige Ausdrucksweise zu überwinden, reformatorische Kirchen seien „nicht Kirchen im eigentlichen Sinn“, so Huber. „Es würde ja auch vollständig reichen, wenn gesagt würde, die reformatorischen Kirchen seien 'nicht Kirchen in dem hier vorausgesetzten Sinn', oder sie seien 'Kirchen anderen Typs'“, bekräftigte der Berliner Bischof. Aber keine dieser Brücken seien vom Vatikan betreten worden. Insofern seien diese „Antworten“ eine vertane Chance.
Die Einsicht, dass ökumenische Fortschritte wechselseitigen Respekt für das „Kirchesein des ökumenischen Partners“ voraussetzen, bleibe in dem neuen Dokument unberücksichtigt, fügte Huber hinzu. Er hoffe, dass die ökumenische Sensibilität, von der die Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen in Deutschland weithin geprägt seien, sich dennoch bewahren lasse. Die römischen „Antworten“ jedoch ließen einen tieferen Sinn für die Relativität des eigenen Standpunkts vermissen. „Dadurch wirken sie ökumenisch brüskierend.“
Der Gedanke freilich, auch der römisch-katholischen Kirche könnten Elemente fehlen, die anderen Kirchen wichtig sind, erhalte in dem neuen Dokument keinen Raum, kritisierte Huber. Als Beispiel nannte er den Respekt vor der Urteilsfähigkeit der Gemeinden, der gleiche Zugang von Frauen zum geistlichen Amt oder die Einsicht in die Fehlbarkeit des kirchlichen Lehramts.
(C) Tageszeitung Die Welt
Papst bringt Protestanten in Rage 
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Pressestimmen: Financial Times Deutschland
Der Papst hat den Vorrang der katholischen Kirche bekräftigt und damit einen Sturm der Entrüstung entfacht. Nach Ansicht Benedikts XVI. gehören die Protestanten gar keiner Kirche an.
In einem am Dienstag im Vatikan veröffentlichten und vom Papst gebilligten Dokument wird dargelegt, dass andere christliche Vereinigungen wie etwa die Protestanten keine Kirchen im eigentlichen Sinn seien. Aber auch die orthodoxen Kirchen leiden demnach unter einem Mangel, weil sie den Papst nicht anerkennen.
Das Dokument mit dem Titel "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" wurde von der Glaubenskongregation im Vatikan unter Leitung von Kardinal William Levada erstellt, jenem Gremium, dem Benedikt XVI. vor seiner Wahl zum Papst vorstand.
Dass der Vatikan den Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgingen, den Titel "Kirche" nicht zubilligt, wird damit begründet, dass diese Gemeinschaften "nach katholischer Lehre die apostolische Sukzession im Weihesakrament nicht besitzen". Deshalb fehle ihnen ein wesentliches Element des Kircheseins, weswegen sie nach katholischer Lehre nicht Kirchen im eigentlichen Sinn genannt werden könnten.
Die Ostkirchen besäßen dagegen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente - "und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie". Allerdings leide die orthodoxe Kirche unter einem Mangel, weil sie das Primat des Papstes nicht anerkenne und ihr damit ein inneres Wesenselement fehle.
"Schritt in die völlig falsche Richtung"
Das Dokument ist in fünf Fragen und Antworten formuliert und bezieht sich im Wesentlichen auf die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils, jener Versammlung von 1962 bis 1965, die als entscheidender Schritt zur Modernisierung der katholischen Kirche gilt. Man wolle einige Ausdrücke daraus klären, "die in der theologischen Diskussion in Gefahr sind, missverstanden zu werden", heißt es.
Zugleich räumte der Vatikan aber ein, dass "in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, kraft der ihnen vorhandenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit die Kirche Christi gegenwärtig und wirksam ist".
Bei Protestanten und katholischen Laien erntete das Dokument Kritik. "Die Einsicht, dass ökumenische Fortschritte wechselseitigen Respekt für das Kirchesein des ökumenischen Partners voraussetzen, bleibt unberücksichtigt", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber. Das Dokument sei eine vertane Chance auf dem Weg zur Annäherung von Protestanten und Katholiken. Die niedersächsische Landesbischöfin Margot Käßmann ergänzte im NDR: "Ein solches Dokument zur jetzigen Zeit ist ökumenisch fatal. Wir sind sehr wohl Kirche nach unserem Verständnis."
Die katholische Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" sprach von einem traurigen Signal. Sigrid Grabmeier, Mitglied des Bundesteams von "Wir sind Kirche", sagte der "Leipziger Volkszeitung", für Deutschland sei dies ein Schritt "in die völlig falsche Richtung".
© 2007 Financial Times Deutschland
Vatikan: Protestanten haben keine "Kirche" 
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Wien/Österreich, 10.07.2007 / Die Presse
Pressestimmen: Die Presse, Wien
Protestanten würden nur "kirchliche Gemeinschaften", keine "Kirche" bilden, heißt es in einer Schrift aus dem Vatikan. Katholiken hätten zudem Vorrang. Protestanten sind empört.
Der Vatikan hat die universelle Vorrangstellung der katholischen Kirche erneut bekräftigt und damit vor allem bei Protestanten einen Sturm der Entrüstung entfacht. In einem am Dienstag im Vatikan veröffentlichten und von Papst Benedikt XVI. gebilligten Dokument wird bekräftigt, dass die protestantischen Kirchen keine "Kirchen im eigentlichen Sinn" seien. Auch die orthodoxen Kirchen litten demnach unter einem "Mangel", weil sie den Primat des Papstes nicht anerkennen. Die russisch-orthodoxe Kirche lobte den Vatikan in einer ersten Reaktion für seine "Ehrlichkeit".
Mit dem Dokument bestätigte die katholische Kirche die im Schreiben "Dominus Iesus" (2000) und in dem Dokument "Lumen Gentium" (1964) des Zweiten Vatikanischen Konzils festgelegte Lehre. Der Text mit dem Titel "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" wurde von der Glaubenskongregation im Vatikan unter Leitung von Kardinal William Levada erstellt. Das ist jenes Gremium, dem Benedikt XVI. vor seiner Wahl zum Papst vorstand.
Das Schreiben analysierte dabei vor allem den Satz aus "Lumen Gentium": "Die Kirche [Christi]... ist verwirklicht in der katholischen Kirche". Damit ist gemeint, dass die von Jesus Christus gegründete Kirche in der katholischen Kirche ihre "Vollgestalt" besitzt, während den anderen christlichen Kirchen jeweils bestimmte Elemente fehlen.
Keine Kirchen, sondern "kirchliche Gemeinschaften"
Der Vatikan sieht die Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgingen, nicht als "Kirchen im eigentlichen Sinn". Diese Gemeinschaften würden "nach katholischer Lehre die apostolische Sukzession im Weihesakrament nicht besitzen", begründet der Vatikan. Deshalb fehle ihnen ein wesentliches Element des Kircheseins. Somit können sie nach katholischer Lehre nicht "Kirchen im eigentlichen Sinn", sondern nur "kirchliche Gemeinschaften" genannt werden.
Die Ostkirchen besäßen hingegen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente. Allerdings litten die orthodoxen und orientalischen Kirchen ebenfalls unter einem Mangel, weil sie das Primat des Papstes nicht anerkennen und ihnen damit ein "inneres Wesenselement" fehle.
"Ehrliche Erklärung" ist Orthodoxen lieber als Diplomatie
Die russisch-orthodoxe Kirche lobte den vom Vatikan veröffentlichten Text für seine eindeutige Position. "Das ist eine ehrliche Erklärung. Sie ist viel besser als die so genannte kirchliche Diplomatie", sagte der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kirill. Das Dokument zeige "wie nah beziehungsweise wie fern wir einander sind". Das sei eine Grundvoraussetzung für einen "ehrlichen theologischen Dialog".
Kritik von Protestanten
Bei Protestanten und der romkritischen Laienbewegung "Wir sind Kirche" stieß das Dokument auf Kritik. "Die Einsicht, dass ökumenische Fortschritte wechselseitigen Respekt für das Kirchesein des ökumenischen Partners voraussetzen, bleibt unberücksichtigt", erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber. Er nannte das Dokument "ökumenisch brüskierend".
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sieht das umstrittene Dokument dagegen als "Ansporn". Der Text sei "ein Dokument der Klarheit des eigenen Bekenntnisses und zugleich der Würdigung, ja auch einer zwar begrenzten, aber wesentlichen Anerkennung des ekklesialen (kirchlichen, Anm.) Charakters der anderen christlichen Glaubensgemeinschaften", erklärte Lehmann weiter. Das ökumenische Gespräch lebe von beidem.
(C) Die Presse, Wien
Papst düpiert Protestanten 
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Hamburg/Deutschland, 10.07.2007 / Der Spiegel + Agentu
Pressestimmen: Der Spiegel
Es gibt nur eine wahre Kirche, und zwar die Katholische - dass Papst Benedikt die traditionelle Position des Vatikans jetzt so stark betont, ist ein schwerer Rückschlag für die Ökumene. Die protestantischen Bischöfe sind empört.
Hamburg - Protestanten wie auch andere Glaubensgemeinschaften werden in einem offiziellen Dokument des Vatikan als mit "Mängeln behaftet" bezeichnet, bei ihnen handele es sich lediglich um "kirchliche Gemeinschaften". Zur Begründung der Besonderheit der Katholischen Kirche heißt es in dem Text, Protestanten und andere christliche Gemeinschaften, die nicht den Papst anerkennen, könnten sich nicht auf die "apostolische Sukzession" ("Nachfolge") berufen. Damit ist die katholische Lehre gemeint, wonach sich Päpste und Bischöfe noch heute auf den 2000 alten Auftrag Jesu Christi an die Apostel zur Glaubensverbreitung berufen.
"Deshalb sind sie 'nicht Kirchen im eigentlichen Sinn', sondern 'kirchliche Gemeinschaften', wie die Konzils- und Nachkonzilslehre bezeigt", heißt es in einem Kommentar. Der Vatikan wies darauf hin, der Text enthalte keine neuen Positionen, sondern bringe die bekannte römische Haltung in Erinnerung. "Auch wenn diese klaren Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben, ist nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel 'Kirche' zuschreiben könnte." Allerdings heißt es, dass die protestantischen Gemeinschaften "zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben".
Benedikt XVI. bestätigte mit dem Text die Erklärung "Dominus Iesus", die er 2000 als oberster Glaubenshüter der Kirche verfasst und die heftige Diskussionen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche ausgelöst hat. Die Kirche wolle ihre Einzigkeit betonen, weil einige Theologen diesen Punkt weiterhin missverstünden, hieß es in dem Text, den Ratzingers Nachfolger an der Spitze der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, veröffentlichte.
Nach der Erlaubnis der lateinischen Liturgie erneuerte der ehemalige Kardinal Joseph Ratzinger damit innerhalb weniger Tage zum zweiten Mal einen traditionellen Standpunkt der Katholischen Kirche, der in der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils gelockert worden war.
Huber: "Es handelt sich um Vorsatz"
Das Dokument dürfte insbesondere die Bemühungen um ein ökumenisches Miteinander mit protestantischen und orthodoxen Kirchen erschweren. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, bezeichnete die Erklärung des Papstes als versäumte Chance. Die Hoffnung auf einen Wandel der Ökumene sei damit erneut in die Ferne gerückt.
Huber nannte es bezeichnend, dass die in "Dominus Iesus" besonders umstrittenen Aussagen über die protestantischen Kirchen unverändert wiederholt worden seien. "Von Fahrlässigkeit kann niemand mehr sprechen. Es handelt sich um Vorsatz", erklärte er. Huber sagte weiter: "Paradox ist der römisch-katholische Ökumenismus nicht nur auf den ersten Blick; er ist es auf Dauer."
Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann sagte: "Ein solches Dokument zur jetzigen Zeit ist ökumenisch fatal. Wir sind sehr wohl Kirche nach unserem Verständnis."
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, räumte ein, die Stellungnahme erscheine in ihrer Knappheit und Dichte möglicherweise hart. Sie lasse aber grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern auch theologisch als Kirchen zu achten.
Der Text des Papstes beschreibt die orthodoxen christlichen Kirchen als wahre Kirchen, die von einer Wunde gezeichnet seien. Auf Latein wird hier das Wort "defectus" benutzt. Die Verletzung rührt demnach aus der Tatsache her, dass sie die päpstliche Führung nicht anerkennen.
In den protestantischen Konfessionen sei die Wunde aber noch tiefer. Es sei kaum zu erklären, wie ihnen der Titel Kirche zuerkannt werden könne. Der Dialog mit anderen Christen bleibe aber "eine der Prioritäten der katholischen Kirche".
(C) Nachrichtenmagazin Der Soiegel
"Ein Schlag ins Gesicht der Ökumene" 
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Essen/Deutschland, 10.07.2007 / WR
Pressstimmen: Westfälische Rundschau
Rom. Rechtzeitig bevor der Proteststurm losbrach, hatte sich Papst Benedikt XVI. in die Ferien in die Berge abgesetzt. Niemals zuvor in seiner Amtszeit ist eine Verlautbarung des Kirchenstaates auf derart harsche Kritik gestoßen wie die jetzt veröffentlichte Dokument zur Einzigartigkeit der katholischen Kirche.
Selbst Theologen, die dem Deutschen auf dem Petrusstuhl durchaus nahe stehen, reagierten gestern in Rom mit Kopfschütteln. Schroff, hart und kompromisslos sei das Nein an die Adresse der Protestanten. Erst vor drei Tagen die faktische Rehabilitation der traditionellen, lateini-schen Messe, nun die Breitseite gegen Protestanten.
"Ökumenisch brüskierend" und "paradox", nannte Wolfgang Huber, Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, das Dokument.
Selbst der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, ging vorsichtig auf Abstand. Die Vatikanerläuterung "mag besonders in ihrer Knappheit und Dichte hart erscheinen". Dann warnte er kaum verhüllt vor "Überheblichkeit" Roms - das grenzt fast an bischöflichem Ungehorsam.
Da überrascht nicht die Reaktion der Reformbewegung "Wir sind Kirche": Es handele sich schlicht um einen "Schlag ins Gesicht der Ökumene". Auch die Betonung in dem Dokument der Glaubenskongregation, dass es sich keineswegs um neue Positionen handele, sondern nur nochmal sattsam Bekanntes in Erinnerung gerufen wurde, ändert nichts an der Brisanz.
Mit der Veröffentlichung setzt der Vatikan kurz nach der Aufwertung der lateini- schen Messe seinen konservativen Kurs fort. Ausdrücklich bestätigt das Dokument die im Jahr 2000 vom damaligen Glaubenspräfekten Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst, herausgebrachte Erklärung "Dominus Iesus".
Keine Kirchen "im eigentlichen Sinn"
Diese hatte erhebliche Irritationen in der Ökumene ausgelöst, weil darin steht, die anderen christlichen Kirchen seien "nicht Kirchen im eigentlichen Sinn".
Huber erklärte, die umstrittenen Passagen aus "Dominus Iesus" seien damals mitunter als missverständlich und "Fahrlässigkeit" entschuldigt worden. Nun könne niemand mehr von Fahrlässigkeit sprechen. "Es handelt sich um Vorsatz." Die Bischöfin der Evangelischen Landeskirche von Hannover, Margot Käßmann, nannte es im NDR "ein Trauerspiel, das ökumenische Pflänzchen so austrocknen zu lassen". Ein solches Dokument sei zur jetzigen Zeit "ökumenisch fatal", kritisierte Käßmann.
Das neue Dokument befasst sich vor allem mit dem Satz aus der 1964 veröffentlichten Konstitution "Lumen gentium" (Licht der Völker) des Zweiten Vatikanischen Konzils, in der es heißt, die Kirche Christi sei in der katholischen Kirche "subsistiert" (verwirklicht). Dies bedeute nicht, heißt es, dass die katholische Kirche von der Überzeugung ablasse, die einzige wahre Kirche Christi zu sein. Die Glaubenskongregation begründet die besondere Rolle der katholischen Kirche damit, dass die Protestanten und andere christliche Gemeinschaften, die den Papst nicht als Nachfolger von Petrus anerkennen, sich nicht auf die "apostolische Nachfolge" berufen könnten. Weil sie sich damit nicht auf den Auftrag Jesu an seine Jünger, den Glauben zu verbreiten, berufen könnten, dürften sie auch nicht als Kirchen im eigentlichen Sinne bezeichnet werden.
(C) Westfälische Rundschau/WAZ Mediengruppe
Rom bleibt Rom ... 
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Hamburg/Deutschland, 10.07.2007 / Die Zeit
Pressestimmen: Die Zeit
Von Robert Leicht
Rom bleibt Rom ...
... und alle anderen Kirchen wären gar keine – wenn es nach dem Vatikan und seiner neuesten Erklärung ginge. Doch die Ökumene ist stärker.
Als Kardinal Joseph Ratzinger, der damalige Vorsitzende der römischen Glaubenskongregation, zum Papst gewählt worden war, glaubten manche, Züge einer neuen Aufgeschlossenheit, ja sogar ökumenischer Offenheit an ihm wahrzunehmen. Ganz abgesehen von der vermeintlichen Versöhnlichkeit gegenüber seinen alten Kritikern, etwa Hans Küng. Seit Dienstag, 12.00 Uhr, kann man solche Hoffnungen – oder Illusionen – getrost vergessen. Rom bleibt Rom, das ist die Botschaft der neuesten Erklärung aus der Glaubenskongregation. Und so wie bei der jüngst dekretierten Erlaubnis, die Messe wieder verstärkt in Latein lesen zu lassen, der Grundsatz angewandt wurde „Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein“, wurden nun Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils auch zum Verhältnis zu den reformatorischen Kirchen auf den alten Zustand zurückgeführt.
Einen wesentlichen Unterschied allerdings gibt es zwischen den beiden Vorgängen: Während die Ordnung der Messliturgie allein innere Angelegenheit der römisch-katholischen Kirche ist, betrifft die Bestimmung des Verhältnisses zu den anderen Kirchen die Ökumene – und ist daher ein Skandal.
Zumal man es früher anders gehört hatte. Das Zweite Vatikanum hatte nämlich für dieses Verhältnis eine Formulierungsvariante gewählt, die viele hoffen ließ. Bis dahin hatte es geheißen, die Kirche Jesu Christi „ist“ die römisch-katholische Kirche. Man musste das einschlägige lateinische Verb „est“ so übersetzen: „ist nur“ die katholische Kirche. Das Konzil wählte nun die lateinische Formulierung „subsistit in“, und das konnte man so lesen: Die wahre Kirche lebt in der römisch-katholischen Kirche, aber (vielleicht) nicht nur dort.
Was immer dieser Unterschied letztlich bedeuten mochte – das jüngste Dokument aus Rom hebt ihn restlos auf: Zwischen „subsistit in“ und „est“ gibt es nämlich demnach gar keinen Unterschied. Ergo: Rom bleibt Rom. Was in der römischen Erklärung „Dominus Jesus“ aus dem Jahr 2000 mit ihren Seitenhieben auf die anderen Kirchen noch als Versehen betrachtet werden konnte, ist nun unter Papst Benedikt XVI. zu einer mit vollem Bewusstsein vollzogenen Rückwendung geworden. Und das hat weitreichende Folgen.
Denn mit diesem Dekret werden zum einen all jene diskreditiert und dementiert, die aus jenem verbalen Unterschied Zukunft für die Ökumene gewinnen wollten. Nicht zuletzt gilt dies für den römischen Kurienkardinal Walter Kasper, der immerhin schon einmal von „Kirchen anderen Typs“ denken und reden konnte. Zum anderen werden aber all jene Kritiker im Protestantismus nachträglich bestätigt, die seit der „Gemeinsamen Erklärung“ zur Rechtfertigungslehre vor zehn Jahren die Verständigungsbestrebungen zwischen protestantischen und katholischen Kirchenführern verurteilten, weil Rom sowieso nur an einer „Rückkehr-Ökumene“, also an einer bedingungslosen Unterwerfung der reformatorischen Kirchen, interessiert sei. Und wer drittens je auf ein gemeinsames, zwischen Rom und den anderen Kirchen verabredetes Abendmahl, gesetzt hatte, wenigstens auf Ökumenischen Kirchentagen, kann das nun getrost auf den St. Nimmerleinstag vertagen.
Roma locuta, causa finita? Der alte Spruch, wonach eine Akte geschlossen ist, wenn der Vatikan gesprochen hat, gilt aber nicht mehr. Nicht einmal mehr innerhalb der katholischen Kirche, jedenfalls nicht mehr effektiv – wie immer sie sich selber aus römischer Sicht definiert. Der ökumenische Geist, der an der Basis der Christenheit und in den Gemeinden nicht nur „subsistiert“, sondern lebt, lässt sich nicht mehr abtöten. Deshalb bleibt der Trost, dass der Heilige Geist nach biblischem Zeugnis weht, wo allein er, und nicht etwa die eine oder andere kirchliche Autorität, es will.
( C) Die Zeit,
Ohrfeige für Ökumene 
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Weimar/Deutschland, 10.07.2007 / TLZ
Pressestimmen: Thüringische Landeszeitung
Von Hartmut Kaczmarek
Benedikt enttäuscht all jene, die gehofft hatten, dieser Papst sei gerade wegen des ihm vorauseilenden konservativen Rufs prädestiniert dafür, mit überraschenden Schritten und Gesten die Kirche im 21. Jahrhundert nach vorne zu bringen und auch die Konservativen dabei mitzunehmen. Der Papst aus Deutschland begeistert zwar die Menschenmassen, aber kirchenpolitisch stehen die Zeichen eher auf Rückschritt denn auf Fortschritt.
Die Wiederzulassung der Messfeier nach altem Ritus und in lateinischer Sprache ist erst wenige Tage her. Und jetzt brüskiert der Vatikan gleich alle, die seit Jahren auf Fortschritte in der Ökumene drängen, ja, sie in einem zunehmend säkularer werdenden Umfeld geradezu für notwendig halten. Die Empörung bei den Protestanten ist nachvollziehbar. Aber auch in vielen katholischen Gemeinden wird der erneut bekräftigte Alleinvertretungsanspruch der katholischen Kirche nur Kopfschütteln hervorrufen. Sicher: Es steht eigentlich nichts Neues im Vatikan-Papier. Aber dass es jetzt noch einmal so ausdrücklich betont wird, ist schon ein starkes Stück.
Die Ohrfeige für die Ökumene aus Rom wird noch lange nachhallen. Sie wird den Dialog der Kirchen belasten. Aber sie wird hoffentlich eins nicht auslösen: Eine Verstimmung und Entfremdung auf der regionalen und lokalen Ebene. Dort arbeitet man Hand in Hand, wie beispielsweise in Thüringen bei der Organisation des Elisabethjahres. Christliches Gedankengut in einer atheistischen Umgebung zu verbreiten - das können beide Kirchen nur gemeinsam leisten. Deshalb gilt: Treibt die Ökumene vor Ort voran - Rom hin oder her.
(C) Thüringische Landeszeitung
Wo ist die Kirche? 
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Wien/Österreich, 10.07.2007 / Kathpress
Ein "kurzer Kommentar" von Kardinal Christoph Schönborn zur Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation
Kardinal Christoph Schönborn hat in einem "kurzen Kommentar" zur am Dienstag veröffentlichten Erklärung der Glaubenskongregation ("Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche") Stellung genommen:
"Die christlichen Kirchen" - wir sind an diese Pluralform gewöhnt. Es gibt in Österreich einen "Ökumenischen Rat der christlichen Kirchen", in dem 14 christliche Kirchen ihre Gemeinsamkeit zu leben und zu bezeugen versuchen. Und doch heißt es im Glaubensbekenntnis, im "Credo": "Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche".
Wo ist sie, die "eine" Kirche? Nur am Zielpunkt? Am Ende der irdischen Pilgerschaft der Geschichte? Das Zweite Vatikanische Konzil hat hier eine Antwort versucht, die seither nicht zu einem Ende der Debatte, sondern eher zu einer nicht enden wollenden Diskussion geführt hat. In seiner Kirchenkonstitution ("Lumen gentium") sagt das Konzil: Die Kirche, die Jesus Christus gewollt und gestiftet hat, "diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, subsistiert in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird".
Was heißt "subsistiert"? Der große Konzilstheologe Gerard Philips hatte gewarnt, Ströme von Tinte würden wegen dieses Ausdrucks fließen. Sie tun es bis heute. Denn die Sache selbst ist komplex und lässt sich nicht in eingängige Schlagworte fassen.
Ich habe als Redaktionssekretär des "Katechismus der Katholischen Kirche" (KKK) selber erlebt, wie viele Debatten es beim Erarbeiten dieses Glaubensbuches der katholischen Kirche zu dieser Frage gab. Das Resultat war, so glaube ich, eine klare und verständliche Darlegung der Lehre des Konzils (vgl. die Nummern 813 bis 822 des KKK).
Die Debatte ging freilich weiter. Die Erklärung "Dominus Jesus" aus dem Jahr 2000 hat zu heftigen Vorwürfen geführt, vor allem die Aussage in Nr. 17 dieser Erklärung, den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen sei der Titel "Kirchen" vom Zweiten Vatikanischen Konzil deshalb nicht zugeschrieben worden, weil sie "nicht Kirchen im eigentlichen Sinn" seien und deshalb vom Konzil und den ihm nachfolgenden Dokumenten als "kirchliche Gemeinschaften" bezeichnet würden.
Im jetzt veröffentlichten Dokument wird auf diese Frage klärend Bezug genommen. Es habe verschiedene Anfragen über die Bedeutung dieser Aussage gegeben. Ich selber habe als Mitglied der Glaubenskongregation die Frage gestellt, ob dieser Satz in "Dominus Jesus" die Lehre des Konzils getreu wiedergebe. Die jetzt veröffentlichte Erklärung betrachte ich als eine befriedigende Antwort auf meine damalige Anfrage.
Der Kern der Frage war und ist: Was macht "Kirche" aus? Die katholische Antwort war und ist: die Fülle der "Heilsmittel die Christus seiner Gemeinschaft anvertraut hat. Dazu gehören wesentlich: die apostolische Sukzession und die Eucharistie. Beide sind in den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen nicht im vollen Sinn gewahrt geblieben. Sie sind deshalb auch nicht im vollen Sinne als "Kirchen" zu bezeichnen, wie dies etwa für die orthodoxen Schwesterkirchen gilt, die das Bischofsamt in der Nachfolge der Apostel und die Eucharistie ganz bewahrt haben.
Sind dann die evangelischen Kirchen nicht "Kirchen"? Im staatlichen, zivilen Sinne sicher. So werden sie auch bezeichnet. Im Sinne der Lehre des Konzils? Ich erinnere hier an einen zu wenig bewussten und bekannten Punkt: Für nicht wenige Vertreter unserer orthodoxen Schwesterkirchen ist es bis heute so, dass sie sich schwer tun, überhaupt die christliche Taufe der anderen Kirchen anzuerkennen. Für manche Mönche vom Berg Athos sind die anderen "Kirchen" überhaupt nicht anerkennbar. Sie vertreten einen Standpunkt, den auch früher manche katholische Theologen vertreten haben: Außerhalb der orthodoxen, rechtgläubigen Kirche gibt es keinerlei Kirchlichkeit. Hier gilt ein "Alles oder Nichts"-Prinzip.
Mit dem Zweiten Vaticanum hat die katholische Glaubenslehre einen entscheidenden Schritt der Klärung getan: "Kirche" existiert konkret. Sie ist keine abstrakte Idee. Sie ist dort, wo Petrus ist, wo sein Nachfolger die Herde Christi leitet. Sie ist dort, wo in der Gemeinschaft mit ihm und den rechtmäßigen Bischöfen die Eucharistie gefeiert wird. Deshalb sagt das Konzil, sie sei "verwirklicht" ("subsistit") in der katholischen Kirche.
Aber außerhalb ihres "sichtbaren Gefüges" gebe es eine Fülle an "Elementen der Heiligung und Wahrheit", die wirklich zur Kirche Jesu Christi gehören. Wo immer diese Elemente zu finden sind, dort sind Elemente der Kirche, wenn auch die Kirche nicht voll verwirklicht ist. Deshalb, so heißt es in dem neuen Papier aus Rom, gelte, dass "diese (aus der Reformation hervorgegangenen) Gemeinschaften selbst - wegen der verschiedenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die in ihnen wirklich vorhanden sind - zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben".
Auf diese Klarstellung habe ich gehofft. Sie ist erfolgt, und sie ist meines Erachtens eine klare Darlegung dessen, was das Konzil gelehrt hat. Hier ist die Grundlage der Ökumene, wie sie das Konzil gewollt hat, ohne Verwischen der Unterschiede, in Achtung vor dem jeweils eigenen Verständnis des anderen und in der notwendigen Offenheit, das Wirken des Geistes Gottes wahrnehmen zu können, wo immer es sich zeigt.
Heißt das "Schluss der Debatte"? Sicher nicht. Denn alle diese Fragen, so wichtig sie sind, haben nur dann einen Sinn, wenn sie in die größere und um vieles drängendere Frage münden: Wie können wir alle, die wir den Namen Christi tragen und Christen genannt werden, Seinem Auftrag gerecht werden, allen Völkern, allen Menschen Zeugnis von Ihm zu geben? Und dazu tut es not, dass wir, wie Er gebetet hat, "eins seien".
Dr. Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien
Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation über die Lehre der Kirche 
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Mediencommuniqué der Schweizer Bischofskonferenz (SBK)
In dem heute in Rom veröffentlichten Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ und einem zugehörigen amtlichen Kommentar werden Problemkreise behandelt, über die sich bereits das Zweite Vatikanische Konzil im gleichen Sinn geäussert hat. Das Dokument ist von besonderer ökumenischer Bedeutung. Denn es will namentlich Klarheit über die Bedeutung der Lehre des Konzils schaffen, dass die von Jesus Christus gestiftete Kirche in der katholischen Kirche verwirklicht ist („subsistiert“).
Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Bischof Kurt Koch hat zum besseren Verständnis eine „Hinführung zu den theologischen Hintergründen des neuen Dokuments der Glaubenskongregation über die Lehre der Kirche“ verfasst. Sie ist auf der Internetseite der SBK - www.sbk-ces-cvs.ch - öffentlich zugänglich gemacht.
Bischof Koch erinnert in seinem Text daran, dass die grösste Schwierigkeit in der ökumenischen Verständigung heute im unterschiedlichen Kirchenverständnis liegt: Während die reformatorischen Gemeinschaften sich als Teil der einen Kirche in jeweils unterschiedlicher Gestalt verstehen, beansprucht die katholische Kirche, nicht bloss Teil der einen Kirche zu sein, sondern dass in ihr die eine Kirche Jesu Christi konkret verwirklicht ist. So wird im Dokument der Glaubenskongregation daran erinnert, dass nach katholischer Auffassung die reformatorischen kirchlichen Gemeinschaften nicht „Kirchen im eigentlichen Sinn“ genannt werden können.
Damit ist nach dem Dokument der Glaubenskongregation offenkundig, dass weder die reformatorischen Kirchengemeinschaften das Selbstverständnis der katholischen Kirche, noch die katholische Kirche dasjenige der reformatorischen Kirchengemeinschaften voll anerkennen können. Diese Feststellung bedeutet für die Schweizer Bischofskonferenz, den Weg der Ökumene fortzusetzen und den Dialog über die theologisch sehr unterschiedlichen Sichten der Kirche zu ermutigen.
Freiburg i. Ü., 10. Juli 2007
Schweizer Bischofskonferenz, CH-1700 Freiburg
"Ein falsches Signal" 
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Wien/Österreich, 10.07.2007 / GEKE
"Mit Befremden, aber ohne Beunruhigung" nimmt die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ein heute durch die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichtes Dokument zur Kenntnis. Die durch Papst Benedikt XVI gutgeheissenen "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" stellen in fünf Abschnitten das Selbstverständnis der römisch-katholischen als einzig wahre Kirche dar und sprechen den Kirchen der Reformation ihr Kirchesein ab. Sowohl die Argumentation als auch die Kürze des Dokuments der Glaubenskongregation sorgten für Irritation.
"Ökumenisch so weitreichende Aussagen bedürfen einer stärkeren argumentativen Grundlage", betonte der GEKE-Präsident Thomas Wipf heute. Dem Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche könne zudem vom evangelischen Verständnis her nicht zugestimmt werden. Die Reformation habe den Blick auf die ursprünglichen Kennzeichen der Kirche gelenkt. Diese seien die reine Predigt des Evangeliums und die rechte Verwaltung der Sakramente. Wipf: "Das – und nicht mehr – braucht es, um als authentischer Ausdruck der einen Kirche Jesu Christi gelten zu können". Die Gleichsetzung einer verfassten Kirche mit der geglaubten Kirche Jesu Christi sei aus evangelischer Sicht undenkbar. "Alles Äusserliche ist fehlbar, also auch die evangelische und die römisch-katholische Kirche", so Wipf weiter.
Das Präsidium der GEKE, dem Thomas Wipf vorsteht, begrüsse es jedoch, dass das Papier zugestehe, die Hauptaussagen ergäben sich ,nach katholischer Lehre’. Dies räume den Kirchen der Reformation ein, nach evangelischer Lehre argumentieren zu können. Diese hätten freilich kein zentrales Lehramt, sondern stellten sich immer neu dem Diskurs. Durch diese stetige Selbsprüfung sei es auch möglich gewesen, 1973 mit der Leuenberger Konkordie ein starkes und handlungsfähiges Ökumenemodell zu erarbeiten. "Die Konkordie beruft sich auf die reformatorische Erkenntnis, dass Wort und Sakrament entscheidend sind. Das Evangelium konstituiert Kirche, nicht die apostolische Sukzession im Weihesakrament." Damit seien die Kirchen der Reformation einen Schritt weiter: "Wir erkennen die römisch-katholische als Kirche an. Es ist und bleibt bedauerlich, dass dies andersherum nicht möglich gemacht wird", so Wipf.
Neben den theologischen Problemen gehe es noch um eine andere Frage, resümierte Thomas Wipf. "Von einem solchen Papier geht ein falsches Signal aus. Die Herausforderungen dieser Welt schreien förmlich danach, dass die Kirchen zusammenarbeiten. Gemeinschaft ist kein hehres Ziel, sondern unsere Aufgabe. Klarheit in der Lehre ist eminent wichtig - aber Gemeinschaft in Zeugnis und Dienst ist das, was die Welt von uns erwartet."
*** Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft ***
Ein Signal, das nicht weiter bringt 
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Hannover/Deutschland, 10.07.2007 / VELKD
Erklärung des Catholica-Beauftragten der VELKD, Landesbischof Dr. Friedrich Weber (Wolfenbüttel), zum Dokument „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ der Kongregation für die Glaubenslehre
Das am heutigen Tag veröffentlichte Dokument zur römisch-katholischen Lehre von der Kirche ist am 29. Juni (Peter und Paul) von William Kardinal Levada, dem Präfekten der Glaubenskongregation, unterzeichnet worden.
Das Papier beantwortet 5 Fragen, die sich insbesondere um die Erläuterung des Satzes aus dem Konzilsdokument des Zweiten Vaticanums „Lumen gentium“, die Kirche Jesu Christi „subsistiere“ in der katholischen Kirche, befassen. Beigefügt ist ein Kommentar, der die Antworten auf die Fragen noch einmal erläutert.
Das Dokument, das zu Beginn vehement erklärt, das Zweite Vatikanische Konzil habe keine neue Lehre von der Kirche entwickelt, kommt zu dem Ergebnis, dass das „Subsistieren“ zwar im Sinne einer Identifikation zu verstehen sei, aber nicht im Sinne einer exklusiven Identifikation. Es bestätigt damit die geltende Lehre, dass es auch in den von Rom getrennten kirchlichen Gemeinschaften „Elemente der Heiligung und Wahrheit“ zu finden seien.
In der Einschätzung der von Rom getrennten Kirchen wird noch einmal unterschieden: Es gibt orthodoxe Kirchen, die Teil- oder Ortskirchen genannt werden können, weil in ihnen die historische Sukzession im Bischofsamt fortlebt und darum die Eucharistie in ordentlicher Weise gefeiert werden kann; dagegen haben die evangelischen Kirchen diese Sukzession und damit das Weihe- und Altarsakrament nicht bewahrt und sind deshalb nicht Kirchen im eigentlichen Sinn.
Die „Antworten“, die alles andere als neu sind, richten sich vor allem gegen Personen in der eigenen Kirche, die sich auf dem Feld der Ökumene zu weit vorwagen. In neueren katholischen Entwürfen einer Lehre von der Kirche im Bereich der wissenschaftlichen Theologie werden auch nichtkatholische Kirchen als Kirchen angesprochen, die Einzigkeit und Einzigartigkeit, wie sich die Kirche Jesu Christi in der römisch-katholischen Kirche verwirklicht, wird hinterfragt. Selbst Kardinal Walter Kasper hatte im Blick auf die nichtkatholischen Kirchen von verschiedenen „Kirchentypen“ gesprochen. Solche „irrigen Interpretationen“ (Einleitung) will das Dokument zurückweisen. Daran, dass ihm das gelingt, kann man zweifeln.
Denn schon die Einschätzung, die Kardinal Lehmann dem Dokument zukommen lässt, macht hellhörig. Er nennt die Lehre des 2. Vatikanischen Konzils einen „neuen Schritt für die Lehre von der Kirche“; und er erklärt, die Stellungnahme lasse Raum, die anderen „Kirchen“ nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten – ohne hier zwischen orthodoxen und evangelischen zu unterscheiden.
Man könnte auf das Dokument mit Zorn oder Unverständnis reagieren – mich macht der Text eher traurig. Denn hier wird zum einen sichtbar, wie sich die offizielle Lehre der Kirche immer weiter von den ökumenischen Realitäten entfernt, die in vielen benachbarten evangelischen und katholischen Gemeinden an der Tagesordnung sind. Wenn in den „Antworten“ zum x-ten Mal den evangelischen Kirchen ihr Kirchesein abgesprochen wird, dann wird das in vielen katholischen Gemeinden auf pures Unverständnis stoßen, denn in den Gemeinden werden evangelische Gemeinden als echte Kirchen-Gemeinden wahrgenommen. Es bleibt die Frage, warum dieses Signal jetzt und immer wieder gesendet wird und nicht eins, das weiter bringt.
Zum anderen ist es wirklich schade, wie sich die vatikanische Theologie selbst isoliert, indem sie sich und ihre theologischen Grundsätze in solcher Weise absolut setzt. Indem die „Antworten“, wie der verstorbene Kirchenhistoriker und Ökumeniker Jörg Haustein es einmal für die römisch-katholische Kirchenlehre insgesamt formulierte, „eigene partikularkirchliche Sonderlehre zum Maßstab allen christlichen Redens und Glaubens von Kirche machen“, verhindern sie einen konstruktiven Dialog, den der Kommentar zu den „Antworten“ doch gerade eröffnen will. Ein Dialog aber ist ohne Eingehen auf die hermeneutischen und theologischen Grundsätze der Partner nicht möglich.
Darum unterstreicht das neue Dokument aus Rom die Dringlichkeit, in kommenden ökumenischen Dialogen die Fragen ökumenischer Hermeneutik und ökumenischer Methodik aufzugreifen. Wir müssen – so scheint es – zunächst neue Voraussetzungen für konstruktive Dialoge schaffen, bevor wir uns erneut den Sachfragen des Dialogs zuwenden können. Der Kommentar zu den „Antworten“ und die Einschätzung von Kardinal Lehmann haben dafür ein Gespür. Darin liegt in aller Trauer doch auch wieder ein gutes Maß Hoffnung.
Römisch, aber nicht katholisch 
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Bensheim/Deutschland, 10.07.2007 / KI-EB
Schreiben der Glaubenskongregation enttäuscht ökumenische Hoffnungen
Mit "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" werden Prä-zisierungen des römisch-katholischen Kirchenverständnisses vorgenommen, die für den ökumeni-schen Dialog brisant sind. Dabei geht die Verlautbarung theologisch nicht über "Dominus Iesus" (2000) hinaus.
Innerkatholischer Konflikt um das Verständnis von Kirche
Die Glaubenskongregation stellt in diesem von Papst Benedikt XVI. autorisierten Schreiben fest, dass das römische Kirchenverständnis im Sinne der Konzilskonstitution "Lumen gentium" exklusiv zu verstehen sei.
Bewusst hatte man damals formuliert, dass die verfasste römisch-katholische Kirche nicht identisch "ist" mit der im Credo bekannten katholischen und apostolischen Kirche Jesu Christi, sondern "verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird" (LG 8).
Adressaten des heutigen Schreibens sind in erster Linie die Bischöfe, Theologen und Theologinnen der eigenen Kirche, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Debatte über das römische Kirchenverständnis so kontrovers wie das Konzil selbst führen. Schon der vom Vatikan gemaßregelte frühere Franziskaner Leonardo Boff hatte ja betont, dass die einzige Kirche Christi "auch in anderen christlichen Kirchen subsistieren kann". Ähnliche Positionen vertreten heute viele katholische ÖkumenikerInnen. Ihnen wie auch dem Präsidenten des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, der in jüngster Zeit von verschiedenen "Typen von Kirche" sprach, wird klar widersprochen.
Ökumenische Abgrenzungen
In Bezug auf den Protestantismus wird erneut unterstrichen, dass die aus der Reformation hervor-gegangenen evangelischen Kirchen nicht als Kirchen, sondern als "Gemeinschaften" tituliert wer-den müssen, da sie in für Rom wesentlichen Fragen des priesterlichen Amtes und der sog. Apostolischen Sukzession erhebliche "Defekte" aufweisen. Auch gegenüber der ostkirchlichen Ekklesiologie werden bestehende Abgrenzungen präzisiert. Wenn mit "Schwesterkirchen" nur die in Gemeinschaft mit Rom stehenden Ostkirchen gemeint sind, bringt die Erklärung nichts Neues.
Sind darüber hinaus mit dem unpräzise verwendeten Begriff "Ostkirchen" auch die (noch) nicht in Gemeinschaft mit Rom stehenden Orthodoxen Kirchen gemeint, bedeutet dies, dass die panorthoxe Kirchengemeinschaft sich nicht an und für sich als Schwesterkirche zur römisch-katholischen Kirche verstehen kann.
Evangelische Einschätzung
Letztlich kann wie 2000 zu Dominus angemerkt werden, dass hier keine allgemeine, also "katholische", sondern allenfalls eine römische Ekklesiologie im Mittelpunkt steht. Man will eben nicht dem näherkommen, was zu allen Zeiten, von allen und überall als die eine Kirche Jesu Christi geglaubt wird. Auch die neue Erklärung aus Rom will vielmehr die "eigene partiklarkirchliche Sonderlehre zum Maßstab allen christlichen Redens und Glaubens von Kirche machen", wie Jörg Haustein beriets 2000 in Bezug auf "Dominus Iesus" feststellte. Damit werden die ekklesiologischen Fragen erklärt, aber nicht geklärt.
Die evangelischen Kirchen sollten dankbar für ihr inklusives theologisches Prinzipienverständnis sein und auf allen Ebenen theologische Argumente gegen jenes exklusive konservative Lehramtsverständnis ins Spiel bringen. Die Ökumene am Ort wird dies aber nicht mehr erschüttern können.
Dr. Walter Fleischmann-Bisten und Alexander Gemeinhardt
Konfessionskundliches Institut des Evangelischen Bundes, D-64602 Bensheim
Vaticanum II im konservativen Rückspiegel 
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Kommuniqué zu: "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche"
Das Dokument der Glaubenskongregation setzt der durch "Dominus Iesus" (2000) ausgelösten Diskussion über die Interpretation der Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnis der Kirche Jesu Christi zur Römisch-katholischen Kirche ein Ende. Es verordnet der katholischen Theologie eine konservative Auslegung der konziliaren Ekklesiologie und schließt damit Interpretationsspielräume, an die sich im ökumenischen Dialog die Hoffnung auf eine ökumenisch flexiblere Praxis der römischen Kirche geheftet hatte. Bestärkt fühlen kann sich die traditionalistische Konzilskritik, die sich außer an der Liturgiereform vor allem an der Modifikation des römischen Exklusivanspruchs durch die Kirchenkonstitution entzündet hat.
Theologische Einschätzung
In der Sache gehen die vatikanischen "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" nicht über die Erklärung "Dominus Iesus" hinaus. Unter Verweis auf die Diskussion in der Konzilsaula vor dem Ökumenismusdekret wird aber die exklusivistische Interpretation des "subsistit", die "Dominus Iesus" noch in einer Fußnote untergebracht hat, zum Haupttext gemacht und zur kirchlich verbindlichen Position im Blick auf die anderen Kirchen erhoben. Ebenso wird die Position der zeitgleich mit "Dominus Iesus" durch Indiskretion bekannt gewordenen (und auch in diesem Dokument nicht genannten) Note der Glaubenskongregation über den Ausdruck "Schwesterkirchen" ausdrücklich in den Lehrbestand aufgenommen.
Während es - über den Wortlaut von "Dominus Iesus" hinausgehend – von den anderen "Kirchen und (!) kirchlichen Gemeinschaften" heißt, dass in ihnen kraft der vorhandenen Elemente der Heiligung und Wahrheit "die Kirche Christi gegenwärtig und wirksam ist", soll das Konzil die Formel, dass die Kirche Jesu Christi in der römisch-katholischen Kirche "subsistiert", gewählt haben, um auszuschließen, dass die einzige Kirche Jesu Christi auch in christlichen anderen Kirchen verwirklicht sein könnte. Gegenüber einem einfachen "ist" bringe der Ausdruck "subsistiert in" lediglich klarer zum Ausdruck, dass außerhalb der römisch-katholischen Kirche "vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit" zu finden seien.
Man muss die Offenheit würdigen, mit welcher Rom diese ekklesiologische und ökumenische Sicht darlegt, wohl wissend, dass sie beim ökumenischen Partner schmerzhafte Reaktionen auslösen muss. Das gilt nicht nur für die evangelischen Kirchen, denen das Kirchesein im eigentlichen Sinne "nach katholischer Lehre" abgesprochen wird. Den Ostkirchen wird zwar bescheinigt, dass sie den Titel "Teil- oder Ortskirchen" verdienen und "Schwesterkirchen der kirchlichen Teilkirchen genannt" werden; wegen der fehlenden Gemeinschaft mit Rom leide ihr Teilkirchesein jedoch "unter einem „Mangel". Den Vorwurf einer Rückkehrökumene will das Lehramt nicht gelten lassen, sondern vertraut darauf, dass aufgrund des ökumenischen Dialogs die anderen Kirchen diejenigen Elemente bei sich selbst entdecken oder stärken, die zum vollen Kirchesein gehören und "auf die katholische Einheit hindrängen".
Ökumenische Perspektiven
Ökumene kann auch aus evangelischer Sicht nur vorankommen, wenn sie sich nicht am Wünschbaren orientiert, sondern an dem, was die jeweilige theologische Tradition vorgibt und ermöglicht. Die restriktive Auslegung, der die katholische Tradition in dem Dokument unterzogen wird, ruft jedoch starke Bedenken hervor. Die Formulierung "subsistiert in" war nicht nur von den Konzilsbeobachtern, sondern auch von einflussreichen römisch-katholischen Theologen als Indiz einer ökumenische Öffnung verstanden worden und bildete in der Folgezeit einen Hauptangriffspunkt traditionalistischer Konzilskritik. Auch in anderen Fragen, etwa der Religionsfreiheit, ließ sich das Konzil zu Antworten herausfordern, deren Neuheit sich einer Deutung sperrt, wonach lediglich Vorhandenes "entfaltet, vertieft und ausführlicher dargelegt" wurde. Die vom Konzil ausgelöste ökumenische Erwartung würde bei einer Lesart, wie sie heute die Glaubenskongregation für die Konzilstexte durchsetzen möchte, rückblickend völlig unerklärlich. Die Texte verdienen eine Hermeneutik, die sie im Licht der von ihnen ausgelösten Dynamik interpretiert, statt diese Dynamik einem eng verstandenen Buchstaben zu opfern.
Offene ekklesiologische Fragen
Von den offenen Problemen der jeweiligen Ekklesiologie ist in den amtlichen Texten auf beiden Seiten wenig zu spüren. Das vatikanische Dokument bekräftigt, dass nicht-katholische Kirchen Mittel des Heils sein können und dass durch die Trennung der Christen "die katholische Universalität an ihrer vollen Verwirklichung in der Geschichte gehindert" ist. Es differenziert aber nicht ausreichend zwischen den biblisch bezeugten Grundvollzügen von Kirche und ihren jeweiligen geschichtlichen Ausgestaltungen und leistet damit einem institutionellen Exklusivismus Vorschub. Die evangelische Seite pflegt sich einen ekklesiologischen Inklusivismus zugute zu halten, neigt aber zu einem Umgang mit der reformatorischen Tradition, der konfessionelle Spaltungen nicht mehr als Zerbrechen der „wahren Einheit“ der Kirche wahrnimmt und nicht genügend bedenkt, dass im Kriterium der rechten "Verwaltung der Sakramente" (Augsburger Bekenntnis Art. 7) ein mit anderen Kirchen geteiltes Element von Sichtbarkeit gegeben ist, das einer Vergleichgültigung der Strukturfrage entgegensteht. Insofern hat es eine dialogoffene Hermeneutik, die sich durch die Existenz der anderen auf Ungesagtes der eigenen Tradition aufmerksam machen lässt und sich nicht identitätslogisch verschließt, auf römisch-katholischer wie auf evangelischer Seite weiterhin schwer.
Dr. Walter Schöpsdau
Konfessionskundliches Institut des Evangelischen Bundes, D-64602 Bensheim
Versäumte Chance 
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Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, nimmt Stellung zu der Veröffentlichung der römischen Kongregation für die Glaubenslehre "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten
bezüglich der Lehre über die Kirche" vom 10. Juli 2007
1. "Der katholische Ökumenismus mag auf den ersten Blick paradox erscheinen." So heißt es in dem amtlichen Kommentar zu den "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche", die heute von der römischen Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlicht worden sind. Paradox ist der römisch-katholische Ökumenismus nicht nur auf den ersten Blick; er ist es auf Dauer. Daran ändert leider auch das neue Dokument nichts. Es will zwar anerkennen, dass es auch außerhalb der römischen Kirche "echte kirchliche Wirklichkeiten" gibt. Aber insbesondere den Kirchen der Reformation verweigert es zugleich die Anerkennung als "Kirchen im eigentlichen Sinn".
2. Neu ist das nicht. Die "Antworten" selbst verweisen ausdrücklich auf die Erklärung "Dominus Iesus", die die Kongregation für die Glaubenslehre unter ihrem damaligen Vorsitzenden Joseph Kardinal Ratzinger im Jahr 2000 veröffentlicht hat. Der Stein des Anstoßes in der Erklärung "Dominus Iesus" war insbesondere der Satz: "Die kirchlichen Gemeinschaften ..., die den gültigen Episkopat und die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, sind nicht Kirchen im eigentlichen Sinn". Ökumenisch Gesonnene auf beiden Seiten waren bemüht, diese Formulierung als missglückt und missverständlich, mithin als Fahrlässigkeit zu entschuldigen. Der jetzt veröffentlichte Text der Glaubenskongregation, der die Unterschrift des neuen Präfekten William Kardinal Levada trägt, aber vom Papst ausdrücklich "bestätigt" wurde, erweist sich jedoch als unveränderte Neuauflage der anstößigen Aussagen von "Dominus Iesus". In vollem Bewusstsein der innerkatholischen wie der ökumenischen Diskussion seit dem Jahr 2000 werden die damaligen Aussagen wiederholt. Von Fahrlässigkeit kann niemand mehr sprechen; es handelt sich um Vorsatz.
3. Von vielen Seiten, auch von hoher Stelle in der römischen Kurie, wurden in den vergangenen Jahren Vorschläge gemacht, um die anstößige Ausdrucksweise zu überwinden, die reformatorischen Kirchen seien "nicht Kirchen im eigentlichen Sinn". Es würde ja auch vollständig reichen, wenn gesagt würde, die reformatorischen Kirchen seien "nicht Kirchen in dem hier vorausgesetzten Sinn", oder sie seien "Kirchen anderen Typs". Aber keine dieser Brücken wird in den "Antworten" betreten. Insofern sind diese "Antworten" eine vertane Chance. Die Einsicht, dass ökumenische Fortschritte wechselseitigen Respekt für das Kirchesein des ökumenischen Partners voraussetzen, bleibt unberücksichtigt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die ökumenische Sensibilität, von der die Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen in Deutschland weithin geprägt sind, sich bewahren und weiterentwickeln lässt. Zuletzt wurde durch die Unterzeichnung der Vereinbarung über die wechselseitige Anerkennung der Taufe am 29. April 2007 für diese Art ökumenischer Sensibilität ein wichtiges Zeichen gesetzt.
4. Die römischen "Antworten" jedoch lassen einen tieferen Sinn für die Relativität des eigenen Standpunkts vermissen; dadurch wirken sie ökumenisch brüskierend. Sie werfen erneut die Frage auf, worin nach römisch-katholischem Verständnis das Ziel ökumenischer Verständigung besteht. Die "Antworten" sehen dieses Ziel darin, dass die in der römischen Kirche bereits gegenwärtige "Fülle der katholischen Kirche ... zunehmen muss in den Brüdern und Schwestern, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen." Da die römisch-katholische Kirche nicht von der Überzeugung ablässt, "die einzige wahre Kirche Christi zu sein", ist damit der von ihr beschrittene ökumenische Weg vorgezeichnet. Geschah es im Blick auf diesen Weg, dass der evangelischen Auffassung von Ökumene von römischer Seite unlängst vorgehalten wurde, sie gehe nur die "Hälfte des Weges"? Nach evangelischem Verständnis muss in der Tat ein ökumenischer Weg gefunden werden, der die Anerkennung des römischen Primats und die Bindung der Apostolizität der Kirche an die bischöfliche Amtssukzession nicht als unumgängliche Voraussetzungen ökumenischer Verständigung ansieht.
5. Der neue Text der Glaubenskongregation knüpft an die Aussage des II. Vatikanischen Konzils an, wonach die Kirche Christi in der römisch-katholischen Kirche "subsistiere". Die Frage liegt nahe, warum dort der Ausdruck "subsistiert in" und nicht einfach das Wort "ist" gebraucht wird. Man spürt den "Antworten" ab, wie schwer sie sich mit dieser Frage tun. Denn mit der Aussage des II. Vatikanischen Konzils ist der Weg verstellt, die römisch-katholische Kirche und die wahre Kirche Christi einfach gleichzusetzen. Die "Antworten" legen jedoch allergrößten Wert darauf, dass dadurch die katholische Lehre über die Kirche nicht verändert wurde. Der Ausdruck "subsistiert in" soll freilich zugleich zum Ausdruck bringen, dass außerhalb des Gefüges der römisch-katholischen Kirche "vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit" zu finden sind, "die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen". Diese Einsicht könnte so fruchtbar gemacht werden, dass zwischen der "katholischen (also: umfassenden) Einheit" und der römisch-katholischen Kirche differenziert wird. Diese Möglichkeit wird in den "Antworten" so wenig genutzt wie in der Erklärung "Dominus Iesus" aus dem Jahr 2000.
6. An einer Stelle des Kommentarteils wird eine Sensibilität dafür erkennbar, dass die Unterscheidung zwischen den "Kirchen im eigentlichen Sinn" und den kirchlichen Gemeinschaften, denen der Name "Kirche" vorenthalten wird, "bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht" hat. Mit folgendem Argument wird trotzdem an dieser Unterscheidung festgehalten: Diese Gemeinschaften "nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an; ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden." Hier ist immerhin der Ausdruck "Kirche im eigentlichen Sinn" vermieden und durch die weniger anstößige Formulierung "Kirche im katholischen Sinn" ersetzt. Der Gedanke freilich, auch der römisch-katholischen Kirche könnten Elemente fehlen, die anderen Kirchen wichtig sind – zum Beispiel der Respekt vor der Urteilsfähigkeit der Gemeinden, der gleiche Zugang von Frauen zum geistlichen Amt oder die Einsicht in die Fehlbarkeit des kirchlichen Lehramts – , erhält keinen Raum. Deshalb wird die Einsicht in die Relativität der eigenen Position sofort wieder zurückgenommen. Dabei läge genau darin die Chance, unterschiedliche Sichtweisen miteinander ins Gespräch zu bringen. Das kann freilich nur gelingen, wenn keine Seite von vornherein einen Anspruch darauf erhebt, der Wahrheit näher zu sein als die andere.
7. Die Fragen, auf die der Text der Glaubenskongregation antwortet, kommen im wesentlichen nicht aus anderen Kirchen, sondern aus "katholischen Kreisen". Die Glaubenskongregation ist spürbar beunruhigt darüber, dass neue Beiträge des theologischen Nachdenkens immer noch und immer wieder "nicht ... frei sind von irrigen Interpretationen." Sie sortiert säuberlich zwischen "gesunder Lehre", für die sie selbst zuständig ist, und "irrigen Interpretationen". In reformatorischer Perspektive hingegen ist es nicht immer schon im Vorhinein ausgemacht, wer irrt und wer in der Wahrheit ist. Aber auch in der katholischen Diskussion wird der neue Text der Glaubenskongregation die Frage nicht zum Schweigen bringen, ob die Vorstellung von einer abgestuften Nähe zur Wahrheit, wie sie bisher vom römisch-katholischen Lehramt vertreten wird, vor der biblischen Botschaft Bestand hat.
8. "Die Zukunft der Kirche wird eine ökumenische sein. Das entspricht der Verheißung Jesu Christi, und es entspricht - in Deutschland ebenso wie an anderen Orten - den praktischen Notwendigkeiten von Zeugnis und Dienst der Kirche. Darin kann uns auch die Kongregation für die Glaubenslehre nicht irre machen. Die ökumenische Zukunft der Kirche bedeutet aber nicht die Auflösung und Nivellierung aller konfessionellen Profile, sondern die Überwindung ihres trennenden Charakters." Diese Sätzen beenden die Stellungnahme, mit der Präses Manfred Kock, mein Vorgänger im Amt des Ratsvorsitzenden der EKD, am 5. September 2000 auf die Veröffentlichung der Erklärung "Dominus Iesus" reagiert hat. Sie gelten heute genauso wie vor sieben Jahren.
Die Hoffnung auf einen Wandel der ökumenischen Situation ist mit dem heute veröffentlichten Dokument zwar erneut in die Ferne gerückt. Aber "wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden" (Römer 5,3-5).
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), D-30419 Hannover
EKD: Vatikan-Dokument brüskiert Ökumene 
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Pressestimmen: epd
EKD-Ratsvorsitzender Huber: Vertane Chance
Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat das neue Vatikan-Dokument zum katholischen Kirchenverständnis als Brüskierung der Ökumene bezeichnet. Die in Rom vorgelegten "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" der Glaubenskongregation seien eine "vertane Chance", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber am Dienstag in Hannover. Nach wie vor würden evangelische Kirchen abgewertet. Die Hoffnung auf einen positiven Wandel der Ökumene sei "erneut in die Ferne gerückt".
Huber kritisierte vor allem, dass das neue Dokument insbesondere den Kirchen der Reformation die Anerkennung als "Kirchen im eigentlichen Sinn" erneut verweigere. Damit erweise es sich als "unveränderte Neuauflage der anstößigen Aussagen" der umstrittenen Vatikan-Erklärung "Dominus Iesus". In vollem Bewusstsein der innerkatholischen wie der ökumenischen Diskussion seit dem Jahr 2000 würden die damaligen Aussagen wiederholt. Huber: "Von Fahrlässigkeit kann niemand mehr sprechen; es handelt sich um Vorsatz."
In den vergangenen Jahren seien viele Vorschläge gemacht worden, um die anstößige Ausdrucksweise zu überwinden, reformatorische Kirchen seien "nicht Kirchen im eigentlichen Sinn", so Huber. "Es würde ja auch vollständig reichen, wenn gesagt würde, die reformatorischen Kirchen seien ’nicht Kirchen in dem hier vorausgesetzten Sinn’, oder sie seien ’Kirchen anderen Typs’", bekräftigte der Berliner Bischof. Aber keine dieser Brücken seien vom Vatikan betreten worden. Insofern seien diese "Antworten" eine vertane Chance.
Die Einsicht, dass ökumenische Fortschritte wechselseitigen Respekt für das "Kirchesein des ökumenischen Partners" voraussetzen, bleibe in dem neuen Dokument unberücksichtigt, fügte Huber hinzu. Er hoffe, dass die ökumenische Sensibilität, von der die Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen in Deutschland weithin geprägt seien, sich dennoch bewahren lasse. Die römischen "Antworten" jedoch ließen einen tieferen Sinn für die Relativität des eigenen Standpunkts vermissen. "Dadurch wirken sie ökumenisch brüskierend."
Der Gedanke freilich, auch der römisch-katholischen Kirche könnten Elemente fehlen, die anderen Kirchen wichtig sind, erhalte in dem neuen Dokument keinen Raum, kritisierte Huber. Als Beispiel nannte er den Respekt vor der Urteilsfähigkeit der Gemeinden, der gleiche Zugang von Frauen zum geistlichen Amt oder die Einsicht in die Fehlbarkeit des kirchlichen Lehramts.
Statement des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann 
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Bonn/Deutschland, 10.07.2007 / DBK
zur Veröffentlichung des Dokumentes "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" der Kongregation für die Glaubenslehre am 10.07.2007
1. Die römische Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlicht am 10. Juli 2007 ein Dokument unter dem Titel „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“, das in fünf Fragen und Antworten, die in einem ausführlicheren „Kommentar“ erläutert werden, aufgebaut ist. Sie beziehen sich auf die Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass nämlich die Kirche Jesu Christi „in der katholischen Kirche verwirklicht ist („subsistit“), die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird“ (Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“, Art. 8, künftig: LG). Diese Aussage gehörte immer schon zur Lehre über das Geheimnis der Kirche, hat aber durch das Zweite Vatikanische Konzil eine Präzisierung erfahren.
2. Die Aussage, dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche „subsistiert“, wird gewöhnlich übersetzt: „... ist verwirklicht in der katholischen Kirche“. Der Begriff Subsistenz kommt vor in der Lehre der Kirche über die Dreifaltigkeit Gottes (ein Gott in drei Personen) und über Jesus Christus (eine Hypostase/Person in zwei Naturen). Im Verständnis von LG 8,2 erschließt sich der genaue Sinn des Ausdrucks „Subsistenz“ aus dem Kontext. Es geht jedenfalls um die eine und einzige Kirche Jesu Christi, die ihre konkrete Existenzform in der katholischen Kirche hat.
Die Glaubenskongregation macht deutlich, dass die Verwendung des Ausdrucks die Kirche Jesu Christi „subsistiert“ in der katholischen Kirche keine Veränderung in der Überzeugung von der substantiellen Identität der Kirche Jesu Christi mit der katholischen Kirche mit sich bringt: Die Kirche Jesu Christi ist in der katholischen Kirche als konkretes Subjekt und geschichtliche Wirklichkeit anzutreffen.
3. Früher ist diese substantielle Identität dadurch zum Ausdruck gekommen, dass man sagte: Die Kirche Jesu Christi ist („est“) die katholische Kirche. Nun hat aber das Zweite Vatikanische Konzil – und darin besteht bis heute ein wichtiger neuer Schritt für die Lehre von der Kirche und für das ökumenische Gespräch – zugleich erklärt, „dass (auch) außerhalb ihres Gefüges (nämlich der katholischen Kirche) vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen“ (LG 8,2; vgl. auch das Dekret über den Ökumenismus, Art. 3). Um beides, nämlich die substantielle Identität mit der katholischen Kirche und die Existenz ekklesialer Elemente in anderen Glaubensgemeinschaften, widerspruchslos denken und sagen zu können, hat das Konzil nach langer Diskussion die etwas schwierigere Formulierung „subsistit“ statt des vieldeutigeren „ist“ („est“) gewählt: Die konkrete Existenzform der von Jesus Christus gestifteten Kirche findet man in der katholischen Kirche, ohne den anderen christlichen Gemeinschaften außerhalb von ihr die Existenz kirchlicher Elemente abzusprechen.
4. Man muss also beides festhalten: den Anspruch der katholischen Kirche auf substantielle Identität zwischen der Kirche Jesu Christi und ihr und der Anerkennung kirchlicher Elemente außerhalb von ihr selbst. Das kirchliche Lehramt hat nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil immer wieder Interpretationen zurückgewiesen, dass die Kirche Jesu Christi auch in anderen Gemeinschaften „subsistiere“, wie etwa der eine Gott in drei Personen lebt oder wie ein Baum einen Stamm hat mit vielen Zweigen. Darum sagt das Konzil: „Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen.“ (Art. 8,2)
5. Diese differenziertere Sicht wurde nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils öfter klargestellt: z. B. in den Erklärungen der Glaubenskongregation „Mysterium ecclesiae“ (1973), „Communionis notio“ (1992), „Dominus Jesus“ (2000) sowie in der Notifikation zu dem Buch „Kirche: Charisma und Macht. Versuch einer militanten Ekklesiologie“ von Leonardo Boff (1985), aber auch in den Enzykliken, z. B. „Ecclesiam suam“ von Paul VI. (1964) und in „Ut unum sint“ von Johannes Paul II. (1995).[1]
Jetzt wird derselbe Sachverhalt im Abstand einiger Jahre wiederholt. Offenbar haben nach der festen Überzeugung der Glaubenskongregation trotz so vieler lehramtlicher Äußerungen die genannten Fehldeutungen nicht aufgehört.
6. Die Glaubenskongregation ist sich im Blick auf dieses Dokument der ökumenischen Tragweite bewusst. Dies kommt besonders auf den letzten Seiten des Kommentars zum Ausdruck. Die katholische Kirche erblickt in den anderen christlichen Glaubensgemeinschaften eine wirkliche Anteilnahme am Kirchesein. Sie konnte ihren Anspruch auf eine substantielle Identität nicht preisgeben, hat aber ihren Absolutheitsanspruch im Sinne einer puren Identifikation reduziert. Wenn sie an dieser substantiellen Identität mit der Kirche Jesu Christi festhält, vertritt sie dennoch kein exklusives, absolutes Identitätsmodell.
Dadurch wird die bleibende Identifikation weiträumiger und erhält auch eine innere Offenheit und Unabgeschlossenheit. Die Gleichsetzung Kirche = katholische Kirche wird eingeschränkt. Dies ermöglicht eine echte Ergänzung und einen aufrichtigen Dialog. Es wird auch deutlich, dass es nach beiden Seiten hin ein – gewiss verschiedenes – Defizit in der „Vollständigkeit“ der eigenen kirchlichen Existenz und ein Sollen zu einer tieferen Einheit gibt.
Die erneute katholische Stellungnahme der Glaubenskongregation mag besonders in ihrer Knappheit und Dichte hart erscheinen, aber sie lässt grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten. Der eigene Anspruch darf nicht zu irgendeiner Überheblichkeit führen, denn durch die Spaltungen ist auch die Fülle der katholischen Kirche eingeschränkt. Mit Recht sagt das Zweite Vatikanische Konzil: „Aber gerade die Spaltungen der Christen sind für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katholizität in jenen Söhnen (und Töchtern) wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer völligen Gemeinschaft getrennt sind. Ja, es wird dadurch auch für die Kirche selber schwieriger, die Fülle der Katholizität unter jedem Aspekt in der Wirklichkeit des Lebens auszuprägen.“ (Dekret über den Ökumenismus, Art. 4)
Diese Einsichten gehören insgesamt zu den wichtigsten Früchten des Zweiten Vatikanischen Konzils. Daran ändert selbstverständlich auch dieses neue Dokument nichts.
Das Dokument der Glaubenskongregation vom 10. Juli 2007 spornt vielmehr die Theologie an, ehrlich und mutig auf diesem Weg weiterzugehen. Die Formulierung des Zweiten Vatikanischen Konzils in LG 8,2 ist eine bleibende Norm, aber keine abschließende Endstation, sondern eher verheißungsvoller Anfang. Die Aufgabe, die vor uns liegt, ist groß. Dabei geht es besonders um das tiefere Verständnis des Kircheseins, einschließlich des Verständnisses des Amtes und besonders der apostolischen Sukzession. Darüber gibt es zur Zeit weltweit Gespräche, die hoffen lassen.
In diesem Sinne will der Text gelesen und verstanden werden: Es ist ein Dokument der Klarheit des eigenen Bekenntnisses und zugleich der Würdigung, ja auch einer – zwar begrenzten, aber wesentlichen – Anerkennung des ekklesialen Charakters der anderen christlichen Glaubensgemeinschaften. Das ökumenische Gespräch lebt von beidem.
Mainz/Bonn, 10.07.2007
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1 Die Übersetzungen dieser Erklärungen erschienen z. T. in der Reihe Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Nr. 107, 148, 67. Die Erklärung „Mysterium ecclesiae“ aus dem Jahr 1973 findet sich in: Nachkonziliare Dokumentation, Band 43 (Trier 1975).
Hinführung zu den theologischen Hintergründen des neuen Dokuments der Glaubenkongregation über die Lehre der Kirche 
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von Bischof Kurt Koch
Anlässe und Hintergründe
Im Jahre 2000 erschien die Erklärung der römischen Kongregation für die Glaubenslehre „Über die Einzigartigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche“ mit dem Titel „Dominus Iesus“. Sie war als Beitrag zum interreligiösen Dialog gedacht und wollte mitten im Heiligen Jahr das christliche Bekenntnis zur Einzigartigkeit Jesu Christi vertiefen, was ein zentrales ökumenisches Anliegen ist. Als solches wurde es allerdings kaum wahrgenommen. In den öffentlichen Auseinandersetzungen standen vielmehr die kleineren Abschnitte über die Kirche im Mittelpunkt. Vor allem die Aussage, dass die apostolische Sukzession im Weiheamt und die Fülle des eucharistischen Geheimnisses für die katholische Kirche grundlegend sind und dass deshalb die aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften nicht als „Kirchen im eigentlichen Sinne“ bezeichnet werden können, hat zu heftigen Disputen geführt.
Auf diese kritischen Reaktionen und Auseinandersetzungen zurückkommend sieht sich sieben Jahre nach dieser Erklärung die Kongregation für die Glaubenslehre veranlasst, zu dieser Thematik erneut Stellung zu nehmen auf der einen Seite mit dem Dokument „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre der Kirche“ und auf der anderen Seite mit einem „Kommentar“, in dem das Dokument eingehender erklärt wird. An erster Stelle wird festgehalten, dass das Zweite Vatikanische Konzil keine neue Lehre über die Kirche entwickelt hat, sondern die von der Tradition überkommene Lehre entfalten und vertiefen wollte. Die zweite und dritte Antwort rufen die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils in Erinnerung, dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche „subsistiert“ (= „verwirklicht ist“). Bei der vierten und fünften Antwort wird dargelegt, warum die katholische Kirche die orthodoxen Kirchen als „Kirchen“ bezeichnet, wohingegen sie den aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften den Titel „Kirche im eigentlichen Sinn“ nicht zuspricht.
Auf den ersten Blick mag dies als eine nur schwer verständliche und noch schwerer vermittelbare Aussage erscheinen. Denn auf der empirischen Ebene werden selbstverständlich auch die aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften als Kirchen wahrgenommen, und sie verstehen und bezeichnen sich selbst auch als solche. Vor allem in Ländern wie Deutschland und der Schweiz, in denen die christlichen Konfessionen eng neben- und miteinander leben und sich bereits zahlenmässig beinahe die Waage halten, werden auch von den Katholiken die aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften als „Kirchen“ erfahren.
Das Dokument der Glaubenskongregation stellt aber – wie bereits „Dominus Iesus“ – die strikt theologische Frage nach dem eigentlichen Wesen der Kirche und sieht dieses in den aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften nicht voll verwirklicht. Es wird zwar betont, dass auch in ihnen die Kirche Jesu Christi „gegenwärtig und wirksam“ ist, dass sie aber aufgrund des Fehlens der apostolischen Sukzession im Weiheamt und der vollen Fülle des eucharistischen Geheimnisses nicht „Kirchen im eigentlichen Sinne“ genannt werden können.
Differenzen im Kirchenverständnis
Zu dieser Aussage sieht sich die katholische Kirche veranlasst, weil sie nicht auf der einen Seite die Glaubensüberzeugung vertreten kann, dass das eucharistische Geheimnis und die apostolische Sukzession zum Wesen der Kirche Jesu Christi gehören, und auf der anderen Seite zugleich urteilen könnte, dass kirchliche Gemeinschaften, die eben diese Wirklichkeiten nicht, zumindest nicht im gleichen Sinn, zum unaufgebbaren Wesen der Kirche zählen, dennoch im gleichen Sinn als Kirchen anerkannt werden können. Dies ist mit dem Ausdruck „nicht Kirchen im eigentlichen Sinne“ gemeint. Kardinal Walter Kasper hat diese Aussage dahingehend präzisiert, dass die aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften „Kirchen eines anderen Typs“ oder ein „neuer Typ von Kirche“ seien. Damit wird auch dem Selbstverständnis dieser reformatorischen kirchlichen Gemeinschaften entsprochen, die bewusst nicht Kirche im katholischen – und orthodoxen – Sinn sein wollen, sondern ihr Kirchesein von ihrer spezifischen Tradition her profilieren, beispielsweise als „Kirche der Freiheit“, wie auf reformierter Seite neuerdings oft pointiert herausgestrichen wird.
Der eigentliche strittige Punkt besteht dabei in der Frage, ob es angesichts einer Vielzahl von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in der geschichtlichen Wirklichkeit die eine Kirche Jesu Christi als konkretes Subjekt überhaupt gibt. Davon ist die katholische Kirche überzeugt, weshalb sie das „subsistit“ (ist verwirklicht in) nur von der katholischen Kirche aussagt. Denn in katholischer Sicht ist die Kirche Jesu Christi nicht unsichtbar und ungreifbar hinter den vielfältigen menschlichen Bildungen verborgen; es gibt sie vielmehr als geschichtliche Wirklichkeit in der katholischen Kirche, die sich im Glaubensbekenntnis, in den Sakramenten und in der apostolischen Nachfolge ausweist. Demgegenüber tendieren die reformatorischen kirchlichen Gemeinschaften dahin, die Einheit der Kirche bereits in der Summe aller bestehenden Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu sehen, so dass man von verschiedenen „Subsistenzen“ (Verwirklichungen) der von Christus gegründeten Kirche ausgehen müsste. Demgemäss wären die grossen westlichen Konfessionen bloss zwei verschiedene Formen oder Varianten der einen Kirche Jesu Christi. In dieser auf reformierter Seite vertretenen pluralistischen Sicht der Einheit der Kirche kann sich aber die katholische Kirche nicht wieder finden. Die beiden grossen Kirchengestalten im weltweiten Christentum sind ohnehin die Kirchen des Ostens auf der einen und die Kirche des Westens auf der anderen Seite, während die aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften Sonderentwicklungen nur innerhalb der Westkirche sind.
Hier scheint auch der tiefste Grund auf, dass Kardinal Walter Kasper als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen bereits vor Jahren im Blick auf das fünfhundertjährige Jubiläum der Reformation im Jahre 2017 die entscheidende Frage an die aus der Reformation hervor gewachsenen kirchlichen Gemeinschaften gerichtet hat, wie sie sich heute selbst verstehen: ob sie die Reformation – wie die Reformatoren selbst – als Reform und Erneuerung der einen universalen Kirche verstehen können, oder ob sie die Reformation als ein neues Paradigma verstehen, das sich durch eine bleibende Grunddifferenz „protestantisch“ vom Katholischen abgrenzt? Oder anders gewendet: Teilen die reformatorischen Gemeinschaften heute noch die Überzeugung und Absicht der Reformatoren, die nicht die Bildung einer neuen Kirche, sondern die Wiederherstellung der alten Kirche wollten, oder gehen sie davon aus, dass es sich bei den reformatorischen Gemeinschaften um neue kirchliche Bildungen handelt? Weil es von der Beantwortung dieser entscheidenden Frage abhängt, welches Ziel der ökumenischen Bewegung anvisiert wird, bleibt zu hoffen, dass diese Anfrage zu sinnvollen und weiterführenden Gesprächen zwischen den reformatorischen Gemeinschaften und der katholischen Kirche über das theologische Wesen der Kirche führt.
Das römische Dokument macht damit erneut deutlich, dass die zweifellos grösste Schwierigkeit in der ökumenischen Verständigung heute im unterschiedlichen Kirchenverständnis liegt: Die reformatorischen Gemeinschaften verstehen sich als Teil der einen Kirche in jeweils unterschiedlicher Gestalt. Davon unterscheidet sich das Selbstverständnis der katholischen Kirche grundlegend, insofern sie nämlich beansprucht, dass sie nicht bloss ein Teil der einen Kirche ist, sondern dass in ihr die eine Kirche Jesu Christi konkret verwirklicht ist. Damit aber ist offenkundig, dass weder die reformatorischen Kirchengemeinschaften das Selbstverständnis der katholischen Kirche voll anerkennen können noch die katholische Kirche dasjenige der reformatorischen Kirchengemeinschaften. Diese harte, aber realistische und ehrliche Feststellung kann nur bedeuten, dass wir in der Ökumene heute nur dann weiterkommen können, wenn wir über die theologisch sehr unterschiedlichen Sichten der Kirche miteinander ins Gespräch kommen.
Vergewisserung über das ökumenische Ziel
Dieser Schritt erweist sich auch deshalb als unabdingbar, weil sich hinter den verschiedenen Verständnissen der Kirche auch sehr unterschiedliche Sichten des Ziels der Ökumene verbergen. Dass in den bisherigen Phasen der ökumenischen Bewegung auf der einen Seite erfreuliche und weitgehende Konsense über sehr viele Einzelfragen erzielt werden konnten, dass sich aber auf der anderen Seite die noch bestehenden Differenzpunkte im nach wie vor recht unterschiedlich profilierten Verständnis der ökumenischen Einheit der Kirche selbst bündeln und dass somit das Ziel der ökumenischen Bemühungen zwischen den verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften noch immer strittig ist, dies macht die eigentliche Paradoxie in der gegenwärtigen Situation der Ökumene aus.
Dieses Problem hängt vor allem damit zusammen, dass jede Kirche ihr spezifisches konfessionelles Konzept von der Einheit ihrer eigenen Kirche hat und verwirklicht und von daher beinahe selbstverständlich bestrebt ist, diese konfessionelle Konzeption auch auf das Ziel der Ökumenischen Bewegung zu übertragen, so dass sich in der Diskussion um das Ziel der ökumenischen Bewegung die unterschiedlichen Kirchenverständnisse wiederholen und auswirken.
Wir stehen deshalb heute vor einer grundlegenden Unterscheidung der Geister zwischen zwei verschiedenen Konzeptionen der Ökumene, nämlich zwischen einem Ökumenismus, für den sich die orthodoxen Kirchen und die katholische Kirche einsetzen und der weiterhin die sichtbare Einheit der Kirche anstrebt und für diese Einigung betet und arbeitet, und einem Ökumenismus, der sich mit dem heutigen Zustand der Vielheit und Verschiedenheit der Kirchen zufrieden gibt und die Einheit der Kirche bereits in der gegenseitigen Anerkennung der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften erblickt, die sich dann nicht mehr zu einen bräuchten, sondern sich in ihrer Verschiedenheit, freilich auch in ihrer teilweise bekenntnismässigen Widersprüchlichkeit, gegenseitig annehmen sollen.
Letztere – von den reformatorischen Gemeinschaften – vertretene Sicht stellt sich für die katholische Kirche zumindest als widersprüchlich dar und kann von ihr nicht geteilt werden, weil auf diesem Weg die eine Kirche Jesu Christi letztlich in einen unverbundenen Pluralismus von Kirchen aufgelöst würde, die gleichsam nur noch auf dem Weg der Addition die eine Kirche Jesu Christi bilden würden. Die katholische Kirche aber will gleichsam mehr Ökumene und erblickt deren Ziel deshalb in der Wiedergewinnung der sichtbaren Einheit der Kirche Jesu Christi.
Das römische Dokument legt seinen Finger erneut auf die unerledigten Aufgaben und in die eigentliche Wunde in der heutigen ökumenischen Situation und fordert diese heraus, die unaufschiebbaren Fragen des theologischen Kirchenverständnisses und des Ziels der ökumenischen Bewegung entschieden anzugehen. Das römische Dokument kann insofern gerade kein Hindernis für die Ökumene darstellen, sondern bildet eine Herausforderung zu mutigen weiteren Schritten in der Ökumene, die sich entschieden auch der Frage nach der Wahrheit des Glaubens stellen muss.
Mgr Kurt Koch, Bischof von Basel
Verantwortliche in Rom wissen um die ökumenische Problematik 
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München/Deutschland, 11.07.2007 / Erzbistum München
Ökumenereferent des Erzbistums München Armin Wouters empfiehlt "undramatische Lesart"
München/Deutschland - 11.07.07. Eine "undramatische Lesart" des neuen am 10. Juli, veröffentlichten Dokuments der Römischen Glaubenskongregation - "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" - hat der Ökumenereferent im Erzbischöflichen Ordinariat München, Ordinariatsrat Armin Wouters, empfohlen. Das Dokument erinnere erneut an die römisch-katholische Lehre über die Kirche. Es bestärke die für den ökumenischen Dialog notwendige Voraussetzung „klarer Identität“, wie sie bereits das Zweite Vatikanische Konzil in der dogmatischen Konstitution über die Kirche "Lumen gentium" und alle entsprechenden darauf folgenden Dokumente formuliert hätten.
Das neue Dokument wie auch der dazu beigegebene offizielle Kommentar zeigten, dass die Verantwortlichen in Rom sich der ökumenischen Problematik sehr wohl bewusst seien. Es handle sich "im Fluss einer anhaltenden ökumenischen Diskussion über die Lehre von der Kirche um eine Klarstellung der Glaubenskongregation". Als solche sei sie deutlich, könne jedoch nicht als grundsätzlich abweisend interpretiert werden. Es bleibe auch weiterhin notwendig, sich in der Ökumene darüber zu verständigen, wie die von Christus gestiftete Kirche verfasst sein muss.
Nach römisch-katholischer wie orthodoxer Auffassung gehörten die sieben Sakramente und das dreigestufte kirchliche Amt unabdingbar zum Wesen der Kirche. Es handle sich dabei nicht um nachträglich hinzugefügte Beigaben. Die katholische Kirche könne nicht hinter den Anspruch Christi zurückgehen. Dies dürfe auch in der Ökumene nicht aus dem Blick verloren werden. Die evangelische Seite wisse, dass für die katholische Kirche das dreigliedrige geweihte Amt Bischof, Priester, Diakon "zum Wesentlichen der von Christus gewollten Grundgestalt der Kirche gehört". Ebenso sei klar, dass es hierin mit reformatorischen Überzeugungen keine Übereinstimmung gebe. Das Dokument nehme jedoch nichts zurück von dem, was an Anerkennung, Wertschätzung und Übereinstimmung im ökumenischen Dialog erreicht worden sei. Die Stellungnahme des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zu dem Dokument wertete Wouters als "ökumenisch wegweisende Interpretation, die den gegenwärtigen Stand der ökumenischen Diskussion ungeschönt darstellt".
Kardinal Kasper: "Dokument lädt zum Dialog ein" 
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Rom/Italien, 11.07.2007 / Vatikan
Ein Statement von Kardinal Walter Kasper
Die Erklärung der Glaubenskongregation "Zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" hat in raschen ersten Reaktionen bei evangelischen Christen zu Irritationen geführt. Eine ruhige zweite Lektüre wird zeigen, dass das Dokument nichts Neues sagt, sondern die schon bisher vertretene Position der katholischen Kirche in knapper Zusammenfassung darlegt und erläutert. Deshalb ist keine neue Situation entstanden und auch kein sachlicher Grund zu Empörung oder ein Anlass sich brüskiert zu empfinden gegeben. Jeder Dialog setzt Klarheit über die unterschiedlichen Positionen voraus. In diesem Sinn waren es gerade evangelische Partner, die in letzter Zeit einer Ökumene der Profile das Wort redeten. Wenn nun die Erklärung das katholische Profil darlegt und ausspricht, was uns aus katholischer Sicht leider noch immer trennt, dann hindert dies nicht den Dialog sondern fördert ihn.
Eine sorgfältige Lektüre des Textes macht deutlich, dass das Dokument nicht sagt, die evangelischen Kirchen seien keine Kirchen, sondern sie seien keine Kirchen im eigentlichen Sinn, d.h. sie sind nicht in dem Sinn Kirchen wie die katholische Kirche sich als Kirche versteht. Das ist für jeden auch nur halbwegs Unterrichteten eine pure Selbstverständlichkeit. Denn die evangelischen Kirchen wollen gar nicht Kirche im Sinn der katholischen Kirche sein; sie legen Wert darauf, ein anderes Kirchen- und Amtsverständnis zu haben, das Katholiken wiederum nicht für das eigentliche halten. Hat nicht das jüngste evangelische Dokument über Amt und Ordination etwas Ähnliches getan und in der Sache behauptet das katholische Kirchen- und Amtsverständnis sei aus evangelischer Sicht nicht das eigentliche?
Wenn ich nach der Erklärung "Dominus Jesus" formulierte, die protestantischen Kirchen seien Kirchen anderen Typs, so war dies nicht – wie einige Reaktionen von evangelischer Seite vorauszusetzen scheinen – ein Gegensatz zu der Formulierung der Glaubenskongregation sondern der Versuch einer sachgemässen Interpretation, an der ich festhalte. Das um so mehr als Katholiken nach wie vor von evangelischen Landeskirchen, von der EKD als der Evangelischen Kirche Deutschlands, von der VELKD als der Vereinigten evangelisch lutherischen Kirche Deutschlands, von der Church of England usw. sprechen. Die Erklärung der Glaubenskongregation tut nichts anderes als dass sie zeigt, dass wir dabei das eine und selbe Wort Kirche nicht völlig in demselben Sinn gebrauchen. Eine solche Feststellung dient der Klarheit und damit dem Fortschritt des Dialogs.
Grundlage des Dialog ist freilich nicht das, was uns trennt sondern das Grössere, das uns verbindet. Deshalb sollten wir nicht überlesen, was die Erklärung positiv über die evangelischen Kirchen sagt, nämlich dass Jesus Christus in ihnen zum Heil ihrer Glieder wirksam gegenwärtig ist. Das ist im Blick auf die Vergangenheit keineswegs eine selbst-verständliche Aussage; sie schliesst die Anerkennung der Taufe ein und – bei allen wichtigen bestehenden Unterschieden – nach dem II. Vatikanum auch eine Reihe von positiven Aussagen über das evangelische Abendmahl (Ökumenismusdekret, 22). So wird in der Erklärung nichts von den erreichten ökumenischen Fortschritten zurückgenommen, sondern auf die ökumenische Aufgabe hingewiesen, die noch vor uns steht. Diese Unterschiede sollten uns aufregen und nicht diejenigen, die sie beim Namen nennen. Das letztere ist vielmehr eine dringliche Einladung zu einem sachbezogenen weiterführenden Dialog.
Bünker: "Müssen von Rom nicht approbiert werden" 
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Wien/Österreich, 11.07.2007 / Die Presse
Pressestimmen: Die Presse (Wien)
Von Daniela Tomasovsky
Ein Schreiben aus Rom lässt das Grundproblem der Ökumene – was ist wahre Kirche? – wieder virulent werden.
Für den Vatikan gibt es nur eine Kirche, in der sich das volle Wirken Jesu Christi entfaltet: die römisch-katholische. Das hat Kardinal William Levada, Leiter der Glaubenskongregation, in einem am Dienstag veröffentlichten – von Papst Benedikt XVI. „gutgeheißenen und bestätigten“ – Dokument klargestellt. Zur Begründung der Besonderheit der katholischen Kirche heißt es in dem Text, Protestanten und andere christliche Gemeinschaften könnten sich nicht auf die „apostolische Sukzession“ berufen. Christus habe eine einzige Kirche als „Versammlung der Gläubigen gestiftet“, die durch alle Zeit fortbestehe. Diese allgemeine Kirche verwirkliche sich („subsistit in“) in der katholischen Kirche.
An sich sind diese Aussagen nichts Neues: Zuletzt hat Joseph Ratzinger in der Enzyklika „Dominus Jesus“ (2000) – damals Leiter der Glaubenskongregation – den Monopolanspruch der katholischen Kirche bestätigt. Dennoch hagelte es wieder Protest – vor allem von Seiten der Protestanten. Die Ostkirchen kommen im neuen Dokument relativ gut weg: „Sie verdienen, da sie kraft der apostolischen Sukzession ,wahre Sakramente besitzen‘, den Titel ,Teil- oder Ortskirchen‘ und werden Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt.“
Den reformierten Kirchen fehle hingegen dieses wesentliche konstitutive Element des Kircheseins – sie seien daher nach katholischer Lehre keine „Kirchen“ im eigentlichen Sinn, sondern nur kirchliche Gemeinschaften.
„Nicht Fahrlässigkeit, sondern Vorsatz“
„Damit erweist sich das Dokument als unveränderte Neuauflage der anstößigen Aussagen der umstrittenen Vatikan-Erklärung ,Dominus Jesus‘“, kritisiert Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. In vollem Bewusstsein der innerkatholischen wie der ökumenischen Diskussion seit dem Jahr 2000 würden die damaligen Aussagen wiederholt. „Von Fahrlässigkeit kann niemand mehr sprechen; es handelt sich um Vorsatz.“
Auch Michael Bünker, evangelischer Bischof A.B. von Österreich, ist über die römische Erklärung unglücklich. „Besonders bedauerlich ist, dass die ökumenischen Gespräche der letzten Jahre zu keinen Änderungen geführt haben. Eine größere Einheit der Kirchen ist unter diesen Vorzeichen kaum zu erwarten. Was ich aber auch sagen möchte: Die evangelische Kirche ist nicht davon abhängig, von Rom approbiert zu werden.“
Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) äußert sich in einer Aussendung „mit Befremden, aber gelassen“ zu dem Schreiben. Theologisch könne dem Kirchenverständnis nicht zugestimmt werden. „Nach der gemeinsamen Überzeugung von Lutheranern, Reformierten und Methodisten ist die wahre Kirche Jesu Christi überall dort zu finden, wo das Evangelium rein gepredigt wird und die Sakramente evangeliumsgemäß gereicht werden. Dies geschieht nicht in einer Kirche allein, sondern in vielen.“
Thomas Wipf, Präsident der GEKE, begrüßt, dass das Papier zugestehe, die Hauptaussagen ergäben sich nach „katholischer Lehre“. Es gehe aber nicht nur um theologische Probleme, sondern: „Von einem solchen Papier geht ein falsches Signal aus. Die Herausforderungen dieser Welt schreien förmlich danach, dass Kirchen zusammenarbeiten. Lehrmeinungen sind eminent wichtig – aber sie sind für uns nicht kirchentrennend.“
„subsistit in“ statt „est“
Das unterschiedliche Kirchenverständnis ist seit jeher ein Grundproblem der Ökumene. Das aktuelle Schreiben geht vor allem auf die 1964 veröffentlichte Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils ein: Hieß es vor dem Konzil noch, dass die Kirche Jesu Christi die katholische Kirche „ist“, wird in „Lumen Gentium“ der Ausdruck „est“ durch „subsistit in“ (offiziell übersetzt mit „konkret verwirklicht“, richtig aber eigentlich „verweilt“ bzw. „hält sich in“) ersetzt. Mit dieser Formulierung wollte das Konzil der Tatsache gerecht werden, dass es außerhalb der katholischen Kirche Formen der Heiligkeit bis hin zum Martyrium gibt. Dass über die Bedeutung des „subsistit in“ noch viel Tinte fließen werde, sah schon der Hauptredakteur von „Lumen Gentium“, G. Philipps, voraus.
Bedeutete es einen Schritt in Richtung Ökumene? „Es formuliert das Selbstverständnis der (katholischen) Kirche nicht mehr in ,splendid isolation‘, sondern nimmt auch Kirchen und kirchliche Gemeinschaften wahr, in denen die Kirche Jesu Christi wirksam gegenwärtig ist, die aber nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen“, schreibt Kardinal Kaspar im Jahr 2004. Das „subsistit in“ sei aber keineswegs Grundlage eines ekklesiologischen Pluralismus. „Die katholische Kirche ist nicht nur eine Kirche neben anderen Kirchen. Die katholische Kirche beansprucht von sich nach wie vor, die wahre Kirche Jesu Christi zu sein, in der die ganze Fülle der Heilsmittel gegeben ist, aber sie nimmt ihn jetzt dialogisch im Blick auf die anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften wahr“, so Kaspar.
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Stichwort: APOSTOLISCHE SUKZESSION
Theoretisch kann jeder katholische Bischof seine Weihevorgänger bis zu den zwölf Aposteln und damit bis Jesus Christus zurückverfolgen. Die apostolische Sukzession ist die ununterbrochene Weitergabe des Bischofsamtes mittels der Bischofsweihe. Diese „Kette der Handauflegungen“, als Vollmachtsweitergabe verstanden, ist bereits im Neuen Testament bezeugt (Apg. 14,23, Apg. 20, 28; 2Tim. 1,6).
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© Die Presse, Wien, Print-Ausgabe vom 12. Juli 2007
Der bittere römische Aufguss 
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Frankfurt am Main/Deutschland, 11.07.2007 / Frankfurter Rundscha
Pressestimmen: Frankfurter Rundschau (FR)
Von Astrid Hölscher*
Es gebe nur eine wahre Kirche Christi, und das sei die katholische. Das sagt Rom seit Jahrhunderten als schlagendes Argument gegen jedwede christliche Konkurrenz. Ein "alter Teebeutel", zum wiederholten Mal aufgebrüht, bemerkt denn auch der rheinische Protestant Jens Peter Iven zur jüngsten Klarstellung aus dem Vatikan. Nun kommt es beim Tee auf die Sorte an: Manche werden beim dritten, vierten, fünften Aufguss kräftiger, mitunter bitter; andere schmecken lediglich fad. Der römische Aufguss verbindet beide Geschmacksnoten.
Nicht umsonst kommen bitterste Reaktionen aus der katholischen Kirche. Von unten, wo Gemeinschaft erprobt und erlebt wird. Von einem "überflüssigen Schlag ins Gesicht der Ökumene" spricht die Bewegung "Wir sind Kirche" und fühlt sich düpiert. Zu Recht; denn die Stoßrichtung des römischen Dokuments ist zuvörderst eine innerkirchliche. Die eigenen Schäflein, die sich im Reformdrang zu weit von der Herde entfernen könnten, gilt es einzufangen. Daran zu erinnern, wer die allein selig machende Kirche ist.
Das zweite Signal gilt den Orthodoxen, deren Nähe Papst Benedikt XVI. bei jeder Gelegenheit sucht. Sie werden von Rom immerhin als "Kirche" anerkannt, wenn auch mit dem Makel behaftet, dass sie den Papst nicht als Oberhirten akzeptieren. Darin vermögen die zwar keinen Fehler zu erkennen, aber das Moskauer Patriarchat lobt schon mal den "ehrlichen theologischen Dialog".
Bleiben die Protestanten, die nach katholischer Lehre keine richtige Kirche sind, andererseits nicht bloß Sekte. Auch außerhalb Roms, so heißt es im Kommentar zu dem neuen Dokument, gebe es "echte kirchliche Wirklichkeiten" und "Elemente der Heiligung und der Wahrheit". Die Protestanten reagieren auf zweierlei Weise; beide erprobt seit der "Dominus-Iesus"-Erklärung über die Einzigartigkeit der katholischen Kirche aus dem Jahr 2000.
Wir sind Kirche, lautet selbstbewusst die eine Linie. Diesen Status müssten sich die Protestanten nicht von Rom beglaubigen lassen. Aus dieser Sicht mag man die schale Note eines erneuten Alleinvertretungsanspruchs bedauern oder mit einem trotzigen "Jetzt erst recht" zum ökumenischen Kirchentag 2010 in München mobilisieren.
Die andere Variante ist laute Empörung über die Anmaßung Roms, die jeden ökumenischen Fortschritt bedrohe. Nicht "fahrlässig", wie der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, betont, sondern mit "Vorsatz". Dass der Vatikan weder die protestantischen Kirchen noch ihre Pastoren und Bischöfe als gleichwertig akzeptiert, spaltet mindestens so tief wie das verweigerte gemeinsame Abendmahl.
Vergessen wird über dem akuten Streit leicht, dass auch die Protestanten sich derzeit stärker auf ihre Eigenheit und Einzigartigkeit besinnen. Gerade Huber, der in seinem bei Herder erschienenen Buch für eine "Ökumene der Profile" wirbt und protestantische Errungenschaften hervorhebt. Die Priesterschaft aller Gläubigen, die herausragende Bedeutung der Gemeinde, die Teilhabe von Frauen. Die Reformatoren Luther, Calvin oder Zwingli wollten ja keineswegs Filialen begründen, sondern die katholische Kirche von ihren Verirrungen befreien und zur Nachfolge Christi zurückführen. So gesehen, gibt es viele wahre Kirchen - aus der jeweils eigenen Perspektive.
* Astrid Hölscher ist Redakteurin der Frankfurter Rundschau (FR) in Frankfurt am Main
© Frankfurter Rundschau, Frankfurt am Main
Kirche ist überall dort, wo Menschen sich zu Jesus Christus bekennen. 
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Zürich/Schweiz, 11.07.2007 / SEA
Stellungnahme der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) zum Dokument "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" der Kongregation für die Glaubenslehre:
Nach Auffassung der Schweizerischen Evangelischen Allianz ist Kirche an keine Institution gebunden. Die weltweite Kirche besteht aus allen Menschen, die sich frei für ein Leben mit Jesus Christus entschieden haben und ihm bewusst nachfolgen. Damit widerspricht sie dem neuen Dokument des Vatikans.
Das am 10. Juli veröffentlichte Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation über die Lehre der Kirche zementiert die irrige Meinung, wonach die von Jesus Christus gestiftete Kirche in der katholischen Kirche verwirklicht sei. Die Schweizerische Evangelische Allianz entgegnet dieser Lehre entschieden mit den Aussagen des Neuen Testaments, das als Grundlage für das Verständnis von Kirche gilt.
„Wo zwei oder drei versammelt sind ...“
Die Gemeinde Jesu ist keine Institution, sondern sie besteht aus den „Herausgerufenen“ (ecclesia). Wo Menschen für sich persönlich in Anspruch nehmen, dass Jesus Christus für ihre Sünden am Kreuz gestorben ist, wo sie von falschen Wegen umkehren, sich innerlich durch den Heiligen Geist erneuern lassen, sich zu Jesus bekennen und ihm nachfolgen – da ist Kirche. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich selbst mitten unter ihnen“, sagt Jesus (Mt 18, 20). Die SEA vertritt die Auffassung vom „Priestertum aller Gläubigen“, welche die weltweite Gemeinde bilden (in welchen Kirchen, Denominationen und Strukturen auch immer). Sie sind der Körper, dessen Haupt Christus ist (1Kor 12).
Christus allein die Wahrheit
Kirchen, seien es lokale Gemeinen oder Kirchenverbände, sind Gemeinschaften von Gläubigen, die sich sowohl in ihrer Erkenntnis als auch in ihren Gaben und Fähigkeiten als ergänzungsbedürftige Glieder des weltweiten Leibes Christi, der weltweiten Gemeinde, verstehen. Kirchen selbst können weder die Wahrheit noch heilsspendend sein, sondern sie verkündigen das Evangelium von Jesus Christus, der das Heil und die Wahrheit ist.
Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) ist eine Bewegung von Christinnen und Christen aus reformierten Landeskirchen, evangelischen Freikirchen und christlichen Organisationen. Sie besteht aus 80 lokalen Sektionen mit rund 550 Gemeinden und 90 christlichen Organisationen. Die Basis der SEA wird auf rund 250 000 Personen geschätzt. Die SEA ist eine von weltweit 127 nationalen Allianzen mit schätzungsweise 420 Millionen Gleichgesinnten.
Kasper: Ökumenischen Dialog weiterführen 
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Rom/Italien, 11.07.2007 / Kathpress
Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper zum neuen Vatikandokument
Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, sieht in der jüngsten Erklärung der Glaubenskongregation zum Kirchenverständnis "eine dringliche Einladung zu einem sachbezogenen weiterführenden Dialog" zwischen den Kirchen. Jeder Dialog setze Klarheit über die unterschiedlichen Positionen voraus. Gerade die evangelischen Partner hätten in letzter Zeit einer "Ökumene der Profile" das Wort geredet, so Kasper. "Wenn nun die Erklärung das katholische Profil darlegt und ausspricht, was uns aus katholischer Sicht leider noch immer trennt, dann hindert dies nicht den Dialog, sondern fördert ihn", stellte der Kardinal am 11. Juli fest.
Die Erklärung "Zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" habe in ersten Reaktionen bei evangelischen Christen zu Irritationen geführt, so Kasper. Eine "ruhige zweite Lektüre" werde zeigen, dass das Dokument nichts "Neues sagt, sondern die schon bisher vertretene Position der katholischen Kirche in knapper Zusammenfassung darlegt und erläutert". Deshalb sei keine neue Situation entstanden. Es gebe auch keinen sachlichen Grund zu Empörung, und niemand müsse sich brüskiert fühlen.
Das Dokument sage nicht, die evangelischen Kirchen seien keine Kirchen, sondern sie seien "keine Kirchen im eigentlichen Sinn, das heißt, sie sind nicht in dem Sinn Kirchen, wie die katholische Kirche sich als Kirche versteht", erläuterte der Kardinal. Das sei "für jeden auch nur halbwegs Unterrichteten eine pure Selbstverständlichkeit", denn die evangelischen Kirchen wollten gar nicht Kirche im Sinn der katholischen Kirche sein. Sie legten Wert darauf, ein anderes Kirchen- und Amtsverständnis zu haben. Laut Kasper hat das jüngste evangelische Dokument über Amt und Ordination etwas Ähnliches getan und in der Sache behauptet, dass nämlich das katholische Kirchen- und Amtsverständnis aus evangelischer Sicht nicht das eigentliche sei.
Die protestantischen Kirchen seien - so der Kardinal weiter - "Kirchen anderen Typs". Die Erklärung der Glaubenskongregation tue nichts anderes, "als dass sie zeigt, dass wir dabei das eine und selbe Wort Kirche nicht völlig in demselben Sinn gebrauchen". Eine solche Feststellung dient der Klarheit und damit dem Fortschritt des ökumenischen Dialogs.
Grundlage des Dialogs sei freilich "nicht das, was uns trennt, sondern das Größere, das uns verbindet", hob Kasper hervor. Deshalb sollte nicht überlesen werden, was die Erklärung positiv über die evangelischen Kirchen sagt, "nämlich dass Jesus Christus in ihnen wirksam gegenwärtig ist". Das sei im Blick auf die Vergangenheit keineswegs eine selbstverständliche Aussage; sie schließe die Anerkennung der Taufe ein und - bei allen wichtigen bestehenden Unterschieden - nach dem Zweiten Vaticanum auch eine Reihe von positiven Aussagen über das evangelische Abendmahl, betonte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen.
In der Erklärung werde daher nichts von den erreichten ökumenischen Fortschritten zurückgenommen, sondern auf die ökumenische Aufgabe hingewiesen, die noch vor den Kirchen steht. "Diese Unterschiede sollten uns aufregen und nicht diejenigen, die sie beim Namen nennen", so der Kardinal.
Rom ordnet seine Herde 
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Pressestimmen: Berliner Umschau
Der Vatikan setzt seinen Weg zur Einheit der Kirche mit einem neuen Vorstoß fort
Ein Kommentar von Martin Müller-Mertens
Was mag es über eine Gesellschaft aussagen, in der Selbstverständlichkeiten zu hektischen Fragen nach der Legitimität ihrer offenen Formulierung provozieren? Papst Benedikt XVI. hat den christlichen, den religiösen Alleinvertretungsanspruch der römisch-katholischen Kirche erneuert. Die Formulierungen, aber auch die Reaktion deuten darauf hin, daß es kein selbstgefälliger Ausbruch, sondern ein überlegter Schritt im Bemühen um eine neue Rolle des Vatikans war.
Der Anspruch selbst ist so normal, daß er die Kommentierung im Grunde überflüssig macht. Der Nachfolger des Apostels Petrus hat ausdrücken lassen, was Grundlage seines Wirkens, seines Amtes ist. Er ist der Fels, auf den Gott seine Kirche setzt. Daran muß man nicht glauben – der Verfasser dieser Zeilen tut es auch nicht. Dem Papst diese Position abzusprechen, sich auch nur darüber zu wundern, hieße jedoch, ihm den katholischen Glauben als Grundlage seiner Handlungen und Denkweise in Frage zu stellen. Sofern jene dies tun, deren Kirchentage die auch spirituelle Beliebigkeit zum Qualitätsmerkmal erhoben haben, dann sagt dies etwas über die Entwicklung des Christentums seit etwa 1500 aus und macht rational nachvollziehbar, weshalb manchem Katholiken in diesem Zusammenhang bei dieser Gelegenheit der Begriff der Häresie einfällt.
Hätte die Heilige Inquisition, die aktuell den Satz von der einzig gottgewollten Rolle der römischen Kirche aussprach, nur das eigene Selbstverständnis formuliert, die Äußerung wäre nicht mehr als ein nebensächlicher Kommentar für das Sommerloch gewesen. Seine Bedeutung erlangt die Positionierung jedoch durch den strategischen Zusammenhang, in dem sie zu sehen ist. Es ist nicht auszuschließen, daß Benedikt und die Seinen das Tempo der seit geraumer Zeit zu beobachtenden katholischen Offensive anzuziehen gedenken.
Deren Grundzüge der bekannten Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche ließen sich bereist bei Johannes Paul II. beobachten, als er die anderen Konfessionen, auch Religionen als „Gott suchend“ charakterisierte und damit das Angebot zur Integration in die römische Kirche bei gleichzeitiger Wahrung des Gesichts offen darstellte. Die Ähnlichkeit mit den jetzigen Äußerungen ist zu offensichtlich, als daß man sie übersehen könnte. „Die Einheit des Episkopats, von der 'der Bischof von Rom [...] als Nachfolger Petri das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament [ist]' (16), dauert durch die Jahrhunderte vermittels der apostolischen Nachfolge fort und ist auch das Fundament der Identität der Kirche einer jeden Zeit mit der Kirche, die Christus auf Petrus und auf die anderen Apostel gebaut hat“, schrieb Benedikt erst dieser Tage in einem ausführlichen Brief an die Vertreter seiner Kirche in China. Wie ernst der jüngste Vorschlag des Oberhauptes der Orthodoxen auf Zypern, Erzbischof Chrysostom II., nach einem Treffen zwischen dem Papst und Alexi II. ist, muß noch abgewartet werden. Daß das öffentlichkeitswirksame Fremdeln zwischen dem Dritten Rom mit dem Ersten nach dem Wegfall des Herkunftshindernisses vor zwei Jahren zwischen Identitätssorgen und dem Spiel mit der Fusionsoption pendelt, ist jedoch deutlich zu erkennen. Vielleicht deutlicher, als es sich die unmittelbar Beteiligten bereits eingestehen wollen. Wie es mit der Anglikanern weiter gehen soll, deren innere Auseinandersetzungen um die Priesterweihe von Homosexuellen erst in diesem Jahr wieder eskaliert sind, wird man abwarten müssen. Im Prinzip ist die katholische Nebenlinie in Form der Scheidungsinstanz von Heinrich VIII. jedoch bei Gelegenheit fällig.
Wer Gott sucht, dem wird grundsätzliche Fähigkeit und prinzipieller Wille bescheinigt, ihn auch zu finden. Wer nicht Kirche im eigentlichen Sinne genannt werden kann, der ist unvollkommen im römisch-katholischen Sinne, jedoch nicht verloren. Er kann die Ökumene verwirklichen, in dem er sich dem Papst anschließt. Wer dies nicht tut, handelt eben nicht nach Gottes Willen. So dürfte die Äußerung, die von Benedikt geprüft und für richtig befunden wurde, gemeint sein.
Natürlich kann man sich fragen, weshalb der Vatikan gerade jetzt vorstößt und es wäre zu einfach, dies mit den Personalien seit 1979 zu beantworten. Die Antwort auf diese Frage gibt jedoch die Landesbischöffin von Hannover, Margot Kässmann. „ Wir sind sehr wohl Kirche nach unserem Verständnis“. Dem Hinweis einer auf Gott bezogenen Grundsätzlichkeit das hilflos-beliebige Fuchteln mit „unserem Verständnis“ entgegenzustellen, skizziert den Zustand der protestantischen Kirche, zumindest in Deutschland und Europa.
Die Strategie des Vatikan liegt dabei schon seit Jahren recht offen auf dem Tisch: Einigung mit den Orthodoxen und den Anglikanern bei durch deren eigenes Treiben beförderter Bedeutungslosigkeit der Protestanten in Europa. Bleiben die Evangelikalen in den USA, deren Niveau erkennbar ein anderes ist und mit denen man in Rom leben muß und auch wird. So soll Luthers Abweichung korrigiert und die römische Kirche in ihrer Bedeutung auch als politischer Faktor aufgewertet werden. Letzteres wird spätestens dann an Bedeutung gelangen, wenn angesichts bevorstehender ökologischer, wohl auch politisch-gesellschaftlicher Zusammenbruchsszenarien Spiritualität an Bedeutung gewinnt und für nicht wenige Menschen als Antwort erscheint. Sehr wahrscheinlich, daß man auch diese Option im Vatikan mitdenkt.
Sollte der Vatikan mit dieser Strategie erfolgreich sein, so wäre dies nur zu begrüßen. Nicht, weil man sich eine Rückkehr der päpstlichen Allmacht wünscht. Jedoch sind die Protestanten in der christlichen Religion praktisch die Entsprechung der Liberalen in Politik und Gesellschaft – also der objektiv reaktionärste und zersetzenste Teil. Rom stattdessen ist ein Gegner von Format, der dann notwendigen Auseinandersetzung würdig. Und das sich eine gesellschaftliche Zukunft in absehbaren Auseinandersetzungen, nicht in der gradlinigen Fortführung des Gegenwärtigen herausbildet, dürfte man im Vatikan wissen. Deshalb ordnet man die Herde.
* Martin Müller-Mertens ist Chefredakteur der Berliner Umschau, der 1999 gegründeten Tageszeitung aus der Hauptstadt
© Berliner Umschau, Berlin
Klarheit statt Auflösung 
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Würzburg/Deutschland, 12.07.2007 / Die Tagespost
Pressestimmen: Die Tagespost
Von Guido Horst*
Pawlow lässt grüßen. Die Veröffentlichung der fünf Fragen und Antworten zur Lehre über die Kirche durch die vatikanische Glaubenskongregation am Dienstag hatte die zu erwartende Reizwirkung. Da man dies schon im August 2000 nach dem Bekanntwerden der Instruktion „Dominus Iesus“ verfolgen konnte, lohnt es nicht, den erneuten Schwall an Kritik, Betroffenheit oder gleichmütiger Distanz zu kommentieren. Nichts Neues eben – weder aus Rom noch von evangelischer Seite. Aber in Rom wird man gewusst haben, dass Erklärungen wie die jüngste aus dem Hause Levada vor allem im protestantischen Raum, und im deutschen allemal, nicht gerade schmeichelhaft wirken. Musste Rom nochmals jenen Reizmechanismus auslösen, der an die Pawlowschen Hunde erinnert?
Offensichtlich schon. Das Papier der Glaubenskongregation ist an die Katholiken gerichtet, an die eigenen Leute – Bischöfe, Priester, Missionare, Ordensleute, Theologen und gläubigen Laien. Wenn sich Rom an die Lutheraner oder die aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften richtet, dann lädt man ein zum (theologischen) Dialog, regt Gebets-Initiativen an, sucht Gemeinsames und haut ihnen nicht beständig die Kirchenlehre des Zweiten Vatikanums um die Ohren. Jetzt aber wollte der Vatikan – mit ausdrücklichem Einverständnis des deutschen Theologen-Papstes – wieder „nach innen“ reden, denn in den eigenen Reihen scheint sich jener unheimliche Prozess fortzusetzen, der zwar mit einer einleuchtenden Beschreibung der katholischen Kirche durch das letzte Konzil begann, dann aber anfing, genau dieses Bild aufzulösen wie ein Kunstwerk im Säurebad.
Im Grunde hat der Vatikan jetzt wieder getan, was er schon Anfang Juni notwendig fand, als der „Osservatore Romano“ in einer offiziellen „Nota“ die von der „Schule von Bologna“ unter Leitung des inzwischen verstorbenen Kirchenhistorikers Giuseppe Alberigo herausgegebene Sammlung von Konzilsdekreten heftig kritisierte. Die Edition gehe von der Vorgabe aus, so der vatikanische Einwand, die geeinte Kirche der Patriarchate sei im Mittelalter in eine Ost- und eine westliche Papst-Kirche zerfallen – ein Bruch, den das Zweite Vatikanum eigentlich rückgängig machen wollte, wenn nicht Paul VI. die Notbremse gezogen und den Primat festgeklopft hätte.
Immer wieder nimmt Rom Stellung, wenn innerhalb der Kirche versucht wird, den Eindruck zu erwecken, als sei mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eigentlich alles anders geworden. Selbst Benedikt XVI. sprach dies an, in seiner ersten Weihnachtsansprache am 22. Dezember 2005 vor der römischen Kurie, als er sich gegen die von der „Schule von Bologna“ entwickelte „Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruchs“ und die damit verbundene Interpretation des Zweiten Vatikanums wandte. Diese, so sagte der Papst damals, habe „Verwirrung“ geschaffen.
Es ist ein Prozess, der nicht zum Stillstand kommen will. Das letzte Konzil hat erläutert, vertieft, verdeutlicht und gelehrt – auch in Fragen der Liturgie. Und ein „Geist des Konzils“ löst das alles wieder auf und will die Menschen glauben lassen, im Grunde habe das Zweite Vatikanum etwas ganz anderes und teilweise das Gegenteil gewollt. Auch das „Motu proprio“ zur „alten“ Messe kann man als Teil aller Aktionen Roms lesen, diesen Konzilsgeist wieder in die Flasche zu bekommen.
Und wenn der Papst schon ein „Motu proprio“ durchsetzt, mit dem das alte römische Messbuch wieder zum Salz einer Erneuerung der Liturgie im Sinne des Konzils werden soll, dann ist beim Thema „Kirche“ erst recht Vorsicht angesagt. Die Glaubenskongregation muss handeln, wenn das Kirchenbild in den Köpfen der Kirchenmitglieder zu wabern beginnt. Und da denken Papst und Glaubenspräfekt zunächst einmal nicht an den Cattolica-Beauftragten der Lutheraner oder Landesbischöfin Käßmann, sondern daran, wie beim eigenen Personal die Stimmgabel beim Wort „Kirche“ klingt.
Auch der Ortsbischof im Missionsbistum, der vielleicht nicht von einer theologischen Elite-Fakultät kommt, oder die Katecheten im fernen Asien und in Lateinamerika sollen wissen, dass das Zweite Vatikanum eben nicht die Lehre über die Kirche geändert hat, wie es das Papier der Glaubenskongregation direkt eingangs bekräftigt. Das immer wieder zu verdeutlichen ist eine Notwendigkeit in einer Kirche, die mitten in der Welt zu wirken hat und von den unterschiedlichsten Meinungen und Einflüssen umgeben ist. Wenn Katholiken von und über die Kirche sprechen, dann sollen sie das in Einheit tun – und nicht in der vom Papst beklagten „Verwirrung“.
Den Auflösungstendenzen setzt Rom die klare Lehre entgegen, die im Laufe der Jahrhunderte immer weiter entfaltet, aber nie geändert wurde: Es gibt nur eine Kirche, weil es nur einen Jesus Christus gibt, der in seiner Kirche lebt. Nicht die Menschen gründen Kirchen, die sich dann vereinigen oder weiter teilen können, sondern die Tatsache, zum Leib Christi zu gehören, ist der Kirche wesensmäßig vorgegeben. Und um die eine Kirche Jesu Christi in der Welt zu verwirklichen, ist – wiederum wesensmäßig – die apostolische Sukzession im Bischofsamt und die besondere Stellung des Nachfolgers Petri als Garant der Einheit unverzichtbar. Über diese Lehre kann auch kein Papst verfügen. Er kann sie nur weitergeben und erläutern.
*Guido Horst ist der Römische Korrespondent der in Würzburg erscheinenden Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur "Die Tagespost"
© Die Tagespost, Würzburg vom 12.07.2007
Sumus papa? Eramus papa! 
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Köln/Deutschland, 13.07.2007 / n-tv Nachrichtenfern
Pressestimmen: n-tv Nachrichtenfernsehen
Zwischenruf von Manfred Bleskin
Wir sind Papst, jubelte es landauf, landab durch manch Medium, als aus Joseph Alois Ratzinger Benedikt XVI. wurde. Viele, vielleicht nicht nur Katholiken, werden es wohl tatsächlich so empfunden haben. Hierzulande kam querbeet so eine Deutschlandfahnenstimmung à la religieuse auf, als seit Jahrhunderten wieder ein Landsmann auf dem Stuhl Petri Platz nahm.
Benedikt könne nicht da weitermachen, wo Ratzinger aufgehört hatte. Dachte man. Hoffnungsvoll. Ein Papst kann kein Inquisitor sein. Es gab ermutigende Zeichen. Wie die Begegnung zwischen Hans Küng und jenem Mann, auf dessen Betreiben dem Schweizer "Häretiker" dereinst die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen wurde. Als das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche dann auch noch den Titel Patriarcha Occidentis ablegte, schien dies ein Schritt in Richtung Aufgabe des christlichen Alleinvertretungsanspruchs. Mehr Toleranz, so glaubte man, würde einziehen auf dem Vatikan. Doch die Toleranz, die ein Johannes Paul II. schon beachtlich befördert hatte, nahm eher ab. Zwar besuchte sein Nachfolger die Kölner Synagoge, doch die Weigerung des Nuntius' in Israel, 2005 an den Feierlichkeiten zum Gedenken an die von den Nazis ermordeten Juden in Yad Vashem teilzunehmen, war ein Schritt zurück. Den Terror von islamischen Fanatikern gegen Westeuropäer und US-Amerikaner verurteilt Benedikt. Die jüdischen Opfer vergisst er gelegentlich. Die Aussagen des Papstes zum Islam in Regensburg mögen richtig sein oder nicht: Jesus war sich bewusst, dass seine Worte auch Politik sind. Der heutige Stellvertreter Christi auf Erden scheint dies manchmal zu vergessen.
Auch die Hoffnung auf greifbare Fortschritte in der Ökumene zerschlug sich. Schon das rigorose Vorgehen gegen einen katholischen Geistlichen, der gemeinsam mit protestantischen Brüdern in Christo das Abendmahl gefeiert hatte, ließ aufhorchen. Nun wird durchaus Toleranz (sic!) geübt. Aber im Wesentlichen nur in eine Richtung. Jene, die dem Traditionsbewahrer Benedikt näher steht als die Protestanten. Der Empfang des Aufklärers Küng blieb folgenlos. Nach den Kontakten zur erzkonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. des abtrünnigen Erzbischofs Marcel Lefebvre aber wurde die Tridentinische Messe wieder zugelassen. Immerhin war das Festhalten der Anhänger von Lefebvre am lateinischen Missale Romanum einer der Hauptgründe für das Mini-Schisma nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Wie sollen die Gläubigen das Wort Gottes begreifen, wenn es ihnen in Latein von einem Priester verkündet wird, der mit dem Rücken zu ihnen steht? Wo sie doch manchmal schon Schwierigkeiten haben, wenn er in ihrer Muttersprache predigt und ihnen ins Auge sieht?
Wenige Tage auf die Messentscheidung folgte der nächste Posaunenstoß: In einem Text der Congregatio pro doctrina fidei, deren Präfekt Benedikt gewesen war, heißt es, die Protestanten wie auch andere Glaubensgemeinschaften wären mit "Mängeln behaftet". Es handele sich lediglich um "kirchliche Gemeinschaften". Benedictus PP. XVI. dixit, denn die Abhandlung war von ihm ausdrücklich genehmigt worden.
Wie schon in dem Schreiben "Dominus Iesus", das 2000 unter Ratzingerscher Federführung entstanden war, wird die Einzigartigkeit und damit der Vorrang der römisch-katholischen Kirche bekräftigt. Die evangelischen Kirchen sind demnach also keine Kirchen "im eigentlichen Sinn". Rom bekräftigt mit dem Papier seinen Anspruch auf die "apostolische Sukzession": Nur (römisch-katholische) Päpste und Bischöfe dürfen sich auf Christi Auftrag an die Apostel zur Glaubensverbreitung berufen. Sicher: Die Position ist nicht neu. Aber dass sie heuer bekräftigt wird, lässt Zweifel Willen erkennen, die Annäherung der christlichen Konfessionen auf gleicher Augenhöhe zu betreiben. Der Mann aus Marktl am Inn, der ein "einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn" sein wollte, hat einmal mehr seinen weltkirchlichen Anspruch als Summus Pontifex Ecclesiae Universalis bekräftigt. Von einer Einigung ist die Christenheit wieder entfernter denn je. Schade, sie hätte ein mächtiger Fels sein können in der neoliberalen Brandung.
Sumus papa? Wir sind Papst? Eramus papa. Wir waren Papst. Für ein paar hoffnungsvolle Momente.
* Manfred Bleskin ist Moderator für Nachrichten und Politik beim n-tv Nachrichtenfernsehen in Köln
© n-tv Nachrichtenfernsehen
Missverständnisse vermeiden helfen 
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Würzburg/Deutschland, 14.07.2007 / Die Tagespost
Das jüngste Schreiben der Glaubenskongregation zur Lehre über die Kirche sorgt für Diskussionen Ein theologischer Kommentar zu diesem neuen römischen Dokument
Von Professor Josef Kreiml
Einleitend verweist das vorliegende Dokument der Glaubenskongregation auf die maßgebliche Erneuerung der katholischen Ekklesiologie durch das Zweite Vatikanische Konzil und die Vertiefung der Lehre von der Kirche durch die Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. In der nachkonziliaren Zeit hat ein fruchtbares theologisches Ringen um die verschiedenen Aspekte dieser Thematik eingesetzt. Mit ihrem neuen Dokument will die Kongregation die authentische Bedeutung einiger ekklesiologischer Leitbegriffe klären, um in der theologischen Diskussion Missverständnisse vermeiden zu helfen.
1. Zur Frage, ob das Zweite Vatikanum die vorhergehende Lehre über die Kirche verändert hat:
Die Kongregation für die Glaubenslehre wendet sich im Hinblick auf eine angemessene Interpretation der Texte des Zweiten Vatikanums gegen eine Hermeneutik des Bruches und praktiziert eine Hermeneutik der Kontinuität. Die Ekklesiologie des Konzils ist als „Entfaltung“, „Vertiefung“ und „ausführlichere Darlegung“ der katholischen Lehre von der Kirche zu interpretieren. Freilich hat das Zweite Vatikanische Konzil in der Ekklesiologie besondere Akzente gesetzt. Papst Paul VI. betont in seiner Ansprache vom 21. November 1964, dass das Konzil in einer „sicher formulierten Lehre“ darlegt, was vorher Gegenstand des Nachdenkens, der Diskussion und der Auseinandersetzungen war.
Charakteristisch für das katholische Kirchenverständnis ist die eigentümliche Verschränkung von „Kirche“ und „Kirchen“, und zwar in dem Sinne, dass die eine universale Kirche in und aus den vielen Ortskirchen besteht und dass umgekehrt die vielen Ortskirchen als die eine Kirche existieren. Bischof Kurt Koch (Dass alle eins seien. Ökumenische Perspektiven, Augsburg 2006, 37) stellt mit Recht fest, dass diese Rehabilitierung der theologischen Bedeutung der Ortskirchen innerhalb der einen universalen Kirche „zweifellos zu den größten ekklesiologischen Verdiensten“ der Kirchenkonstitution Lumen Gentium gehört. Joseph Ratzinger (Das Konzil auf dem Weg. Rückblick auf die zweite Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils, Köln 1964) hat darauf hingewiesen, dass in Lumen Gentium die fundamentale ökumenische Perspektive insofern gegenwärtig ist, als sich dieses Dokument entschieden dem Thema des Verhältnisses von „Kirche und Kirchen“ gestellt und damit bereits das „ökumenische Problem als Ganzes“ gesehen hat (vgl. auch J. Kardinal Ratzinger, Die Ekklesiologie der Konstitution Lumen gentium, in: ders., Weggemeinschaft des Glaubens. Kirche als Communio, Augsburg 2002, 107–131).
2. Zur Frage, wie die Aussage zu verstehen ist, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert:
Die Aussage, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche „verwirklicht ist“ („subsistiert“; Lumen Gentium Nr. 8), bedeutet, dass in der katholischen Kirche „alle Elemente“, die die Kirche Christi auszeichnen, verwirklicht sind. Mit „Subsistenz“ ist die „immerwährende historische Kontinuität und Fortdauer aller von Christus in der katholischen Kirche eingesetzten Elemente“ gemeint. In der katholischen Kirche ist die Kirche Christi „konkret in dieser Welt anzutreffen“. Die Kongregation bestätigt, dass in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, „die noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen“, bestimmte „Elemente der Heiligung und der Wahrheit“ gegeben sind. Insofern ist auch in diesen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften die Kirche Christi „gegenwärtig und wirksam“. Diese Charakterisierung „Gegenwart und Wirksamkeit“ meint freilich eine weitaus schwächere Form der Präsenz der Kirche Christi als der – auf das Merkmal der Einheit bezogene – Ausdruck „Subsistenz“, der für die katholische Kirche reserviert ist.
Die Kirche Jesu Christi im Vollsinn subsistiert – so Kardinal Kasper (Wege der Einheit. Perspektiven für die Ökumene, Freiburg 2005, 60–62. 94–96) – allein in der katholischen Kirche. Während die orthodoxen Kirchen als echte Partikularkirchen anerkannt werden, sind – nach Dominus Iesus – die aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften nicht Kirchen im eigentlichen Sinn.
Das Zweite Vatikanum sagt, dass es außerhalb der katholischen Kirche viele und wichtige kirchliche Elemente gibt, besonders die Taufe. Der Heilige Geist ist auch außerhalb der institutionellen Grenzen der katholischen Kirche am Wirken. Es gibt dort Heilige und Märtyrer. Auch außerhalb der katholischen Kirche herrscht – so die Enzyklika Ut unum sint – kein kirchliches Vakuum. Auch dort findet sich eine kirchliche Realiltät, die jedoch nicht die Kirche im eigentlichen Sinn ist, das heißt in dem Vollsinn, in dem die katholische Kirche sich versteht. Gleichzeitig schließt diese Sichweise die Möglichkeit nicht aus, dass dort Kirche in analoger Weise beziehungsweise ein anderer Typ von Kirche existiert.
Bei diesem Verständnis geht es nicht nur um Mängel der anderen im Kirche-Sein, sondern auch um Wunden im Kirche-Sein der katholischen Kirche. In einem Zustand der Spaltung kann diese ihre eigene Katholizität nicht voll verwirklichen. Auch die katholische Kirche bedarf der Bekehrung und Erneuerung, des Dialogs und des Austausches mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften; sie braucht auch einen Austausch der Gaben. Der ökumenische Dialog ist für die Identität und Katholizität der katholischen Kirche selbst von wesentlicher Bedeutung.
Wenn man fragt, was die Fülle des Katholisch-Seins ausmacht, so zeigen die Konzilstexte, dass diese Fülle nicht die Erlösung oder deren subjektive Verwirklichung betrifft. Die volle Realität und Fülle des Katholischen bezieht sich nicht auf die subjektive Heiligkeit, sondern auf die sakramentalen und institutionellen Heilsmittel, die Sakramente und Dienstämter. Nur in dieser sakramentalen und institutionellen Hinsicht stellt das Konzil bei den kirchlichen Gemeinschaften der Reformation einen Mangel (defectus) fest. Sowohl die katholische Fülle als auch der defectus der anderen sind ihrer Natur nach sakramental und institutionell und nicht existenziell oder gar moralisch. Sie liegen auf der Ebene der Zeichen und Werkzeuge der Gnade, nicht auf der Ebene der Heilsgnade selbst.
Dieses Verständnis von „subsistiert“ bietet eine solide Grundlage für den ökumenischen Dialog. Die erste Schlussfolgerung aus der Überzeugung, die eine Kirche Christi subsistiere in der katholischen Kirche, besagt: Die Einheit ist gegenwärtig nicht nur in Fragmenten gegeben und deshalb als künftiges ökumenisches Ziel zu betrachten, sondern die Einheit ist in der katholischen Kirche schon real gegeben.
Das bedeutet nicht, dass die volle communio als Ziel des ökumenischen Weges – so Kardinal Kasper – einfach als Rückkehr der getrennten Kirchen in den Schoß der katholischen Mutterkirche zu verstehen ist. Das Konzil hat diesen Heimkehr-Ökumenismus durch eine Ökumene der gemeinsamen Rückkehr oder gemeinsamen Umkehr zu Jesus Christus ersetzt. In einer Situation der Spaltung ist die Einheit in der katholischen Kirche nicht in ihrer ganzen Fülle konkret realisiert. Die Spaltungen bleiben auch für die katholische Kirche eine Wunde. Das ökumenische Bemühen, der real existierenden, aber unvollkommenen communio zu helfen, zur vollen communio in der Wahrheit und Liebe heranzuwachsen, wird zur Verwirklichung der Katholizität in ihrer ganzen Fülle führen. In diesem Sinn ist das ökumenische Bemühen ein gemeinsamer Pilgerweg zur Fülle der Katholizität, die Christus für seine Kirche will.
Die Interpretation des „subsistiert in“ und der ökumenische Dialog erschließen das katholische Verständnis des ökumenischen Ziels der vollen communio. Die Einheit der Kirche ist mehr als ein Netzwerk lokaler und konfessioneller Kirchen, die einander gegenseitig anerkennen und Eucharistie- und Kanzelgemeinschaft pflegen. Das katholische Verständnis setzt nicht bei den Unterschieden an, um von ihnen aus Einheit zu erreichen, sondern setzt die Einheit im Rahmen der katholischen Kirche und ihrer teilweisen communio mit den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften als gegeben voraus, von der aus die volle communio mit ihnen erreicht werden soll.
3. Zur Frage, warum der Ausdruck „subsistiert in“ dem Wort „ist“ vorgezogen wird:
Die Kongregation weist den möglichen Einwand zurück, das „subsistiert in“ des Zweiten Vatikanums könnte dadurch, dass es an die Stelle des „ist“ der vorkonziliaren Ekklesiologie getreten ist, die Lehre über die Kirche „verändern“ (vgl. die erste Frage des Dokumentes). Genauso wie das „ist“ bringt das „subsistiert in“ die „vollständige Identität der Kirche Christi mit der katholischen Kirche“ zum Ausdruck. Das Zweite Vatikanum hat den Begriff „subsistiert in“ gewählt, weil dieser klarer als der Begriff „ist“ erkennen lässt, dass es auch außerhalb der katholischen Kirche „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit“ gibt, die freilich „als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen“. Im Hinblick auf das vordringliche Anliegen des Ökumenismus ist es von großer Bedeutung, dass die Kongregation für die Glaubenslehre anerkennt, dass den getrennten Kirchen und Gemeinschaften – trotz ihrer Mängel – „im Geheimnis des Heils Bedeutung und Gewicht“ zukommt. Der Geist Christi gebraucht auch die getrennten Kirchen und Gemeinschaften als „Mittel des Heils“. Die Kraft dieser Heilsmittel leitet sich freilich „von der Fülle der Gnade und Wahrheit her, die der katholischen Kirche anvertraut ist“.
Die Formulierung „subsistiert in“ ersetzt die frühere Formulierung „ist“, die eine strikte Identität von katholischer Kirche und Kirche Christi aussagte. Die neue Formulierung hat – so Kardinal Kasper (Wege der Einheit, 92-94) – einen zweifachen Sinn. Einerseits besagt sie, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche wirklich gegenwärtig ist. Andererseits bringt sie zum Ausdruck, dass es außerhalb der sichtbaren Grenzen der römisch-katholischen Kirche nicht nur einzelne Christen gibt, sondern auch kirchliche Elemente oder sogar – wie im Fall der Kirchen des Orients – echte Partikularkirchen. Das „subsistiert in“ ermöglicht eine größere ökumenische Offenheit und Flexibilität. Dieser neue Begriff markiert die offene ökumenische Tür.
Die Erklärung Dominus Iesus (Nr. 16) besagt, dass die Kirche Christi allein in der katholischen Kirche „voll“ verwirklicht wird. Diese Aussage bedeutet in der Konsequenz, dass es außerhalb der katholischen Kirche zumindest eine unvollkommene Verwirklichung von Kirche gibt. Die aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften sind nicht Kirchen im eigentlichen Sinn. Das bedeutet positiv, dass sie in einem uneigentlichen, analogen Sinn Kirche sind. In der Tat haben sie ein anderes Kirchenverständnis und wollen gar nicht Kirche im katholischen Sinn sein.
Der evangelische Konzilsbeobachter Edmund Schlink hat 1963 die Ansicht vertreten, dass keine der bestehenden Kirchen die Kirche Christi sein kann, sondern dass die verschiedenen Kirchen letztlich nur verschiedenartige Konkretisierungsformen der einen Kirche Christi darstellen, die als solche letztlich nicht, jedenfalls nicht als sichtbare, existiert (vgl. K. Koch, Dass alle eins seien, 44-51). Diese Position vertritt heute auch der evangelische Theologe Eberhard Jüngel. Leonardo Boff hat sie in seinem Buch „Charisma und Macht“ (1985; vgl. die in Anmerkung 8 des vorliegenden Dokumentes der Glaubenskongregation erwähnte Notifikation dazu) ebenfalls übernommen.
Mit dieser Konzeption Schlinks würde – so Bischof Koch – die eine Kirche Christi letztlich in einen unverbundenen Pluralismus von Kirchen aufgelöst, die nur noch auf dem Weg der Addition die eine Kirche Christi bilden könnten. Da sich in dieser Sicht der protestantische Kirchenbegriff Ausdruck verschafft, liefe eine katholische Rezeption dieser Konzeption einer praktisch gleichmäßigen Berechtigung aller existierenden Kirchen letztlich auf eine Konversion der katholischen Kirche zum Protestantismus hinaus. Aus prinzipiellen Gründen kann die katholische Kirche die protestantische Überzeugung nicht teilen, dass es die Kirche letztlich gar nicht gibt, sondern nur Kirchen, in denen die eine Kirche je wirksam wird, oder dass die Kirche Christi in allen christlichen Kirchen in gleicher Weise gegenwärtig und verwirklicht ist.
Der katholische Glaube besagt, dass zwar das Sein der Kirche Christi als solches viel weiter reicht als die römisch-katholische Kirche, dass die Kirche Christi aber in der katholischen Kirche in einzigartiger Weise verwirklicht ist. Nach katholischem Verständnis ist die eine Kirche Christi nicht ungreifbar hinter den vielfältigen menschlichen Kirchenbildungen verborgen; die Kirche Christi existiert wirklich als leibhaftige Kirche, die sich im Glaubensbekenntnis, in den Sakramenten und in der apostolischen Nachfolge ausweist. Mit dem „subsistiert“ wollte das Konzil zum Ausdruck bringen, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche als konkretes Subjekt in dieser Welt gegeben ist.
Die Reformatoren strebten – so der evangelische Theologe Wolfhart Pannenberg – die Erneuerung der einen Kirche an und nicht die Etablierung neuer Kirchen. Das Entstehen neuer Kirchen ist nicht Ausdruck des Gelingens, sondern des Scheiterns der Reformation. Somit könne die Vollendung der Reformation erst in der Wiedergewinnung der Einheit der Kirche gesehen werden. Da diese Sicht in den reformatorischen Kirchen kontrovers ist, hat Kardinal Kasper an die Protestanten die Frage gerichtet, „ob sie die Reformation... als Reform und Erneuerung der einen universalen Kirche verstehen können, oder ob sie diese als ein neues Paradigma verstehen, das sich durch eine bleibende Grunddifferenz ,protestantisch‘ vom Katholischen abgrenzt“ (W. Kasper, Ökumenisch von Gott sprechen? in: I. U. Dalferth u. a. [Hg.], Denkwürdiges Geheimnis. Beiträge zur Gotteslehre, Tübingen 2004, 302). Von der Beantwortung dieser Anfrage wird viel für den künftigen ökumenischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den reformatorischen Gemeinschaften abhängen.
4. Zur Frage, warum das Zweite Vatikanum die von der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche getrennten Ostkirchen als „Kirchen“ bezeichnet:
Entscheidend dafür, dass die Ostkirchen – trotz ihrer Trennung von der katholischen Kirche – vom Konzil als „Teil- oder Ortskirchen“ beziehungsweise als „Schwesterkirchen“ der katholischen Teilkirchen bezeichnet werden, ist die Tatsache, dass sie wahre Sakramente besitzen, vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie. Die Kongregation bekräftigt mit ihrem Dokument die unverzichtbare ekklesiologische Bedeutung der apostolischen Sukzession, des Priesteramtes und der vollständigen Eucharistie. Gegenüber den Ostkirchen betont die Glaubenskongregation aber auch erneut, dass die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche und ihrem sichtbaren Haupt, dem Nachfolger des Petrus, „nicht eine bloß äußere Zutat“ zur Teilkirche ist, sondern eines ihrer „inneren Wesenselemente“. Diese fehlende Einheit zwischen der katholischen Kirche und den Ostkirchen wird als „Mangel“ benannt. Durch die Trennung wird die volle Verwirklichung der katholischen Universalität behindert.
5. Zur Frage, warum das Zweite Vatikanum und das nachfolgende Lehramt den aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften den Titel „Kirche“ nicht zuschreibt:
Als Begründung wird angeführt, dass diesen kirchlichen Gemeinschaften die apostolische Sukzession im Weihesakrament, das heißt vor allem im Bischofsamt, und damit ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins fehlt. Außerdem haben sie aufgrund des Fehlens des sakramentalen Priestertums „die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums“ nicht bewahrt.
Bischof Koch (Dass alle eins seien, 51–55) weist darauf hin, dass die katholische Kirche aus dem genannten Grund den kirchlichen Gemeinschaften der reformatorischen Tradition das Kirchesein im vollen Sinn „noch nie zugesprochen“ hat, und der evangelische Systematiker Notger Slenczka urteilt mit Recht, dass Dominus Iesus nur das Ökumeneprogramm des Zweiten Vatikanums in Erinnerung ruft. Das vorliegende Dokument der Glaubenskongregation benennt die unerledigten Aufgaben der bisherigen ökumenischen Bemühungen, die weitestgehend auf der Ebene der Ekklesiologie liegen. Eberhard Jüngel sieht die eigentliche Grunddifferenz in der Lehre von der Kirche sogar in der für die Ekklesiologie des Zweiten Vatikanums grundlegenden Sakramentalität der Kirche gegeben. Insofern wird im künftigen katholisch-protestantischen Dialog die weitere Klärung des Kirchenverständnisses von zentraler Bedeutung sein. Als der „harte Kern“ in der Ökumene mit den Protestanten bleibt – so Kardinal Kasper (Wege der Einheit, 39–41) – die Frage der Kirche und der Ämter in der Kirche. Diese Fragen stehen in nächster Zukunft primär auf der Tagesordnung. Der Schwerpunkt der reformatorischen Ekklesiologie liegt nicht auf der Kirche, sondern auf der Gemeinde als dem zentralen Haftpunkt reformatorischer Denkstrukturen. Deshalb sind die reformatorischen Gemeinschaften nicht episkopal, sondern communial-synodal und presbyteral verfasst. Die katholische Kirche empfängt von den ökumenischen Partnern der reformatorischen Tradition – so Walter Kasper – zur Zeit unterschiedliche Signale. Es ist im Augenblick nicht leicht festzustellen, in welche Richtung sich die Protestanten bewegen. Bezüglich der Ekklesiologie, auch im Hinblick auf das Weihepriestertum, besteht sowohl in ökumenischer Hinsicht als auch innerhalb des Protestantismus selbst dringender Klärungsbedarf.
Mit Berufung auf die „Confessio Augustana“ betont Bischof Koch (Dass alle eins seien, 73–75), dass das Amt „auch in evangelischer Sicht einer Beauftragung durch Christus und nicht einer Delegation durch die Gemeinde“ entspringt. Dennoch lasse sich über die Frage, „ob das Amt zum Wesen der Kirche gehört oder eine rein menschliche Organisationsform darstellt, bisher kein innerprotestantischer Konsens ausmachen“. Doch das viel tiefere Problem liegt darin, dass das evangelische Kirchenverständnis seinen eindeutigen Schwerpunkt in der konkreten Gemeinde hat. Dieser Ansatz hat zur Konsequenz, dass der universalkirchliche Aspekt von Kirche theologisch „weithin unterbelichtet“ ist. So sind die lutherischen und reformierten Weltbünde eben Bünde von Kirchen, aber nicht selbst Kirche, höchstens auf dem Niveau vom Kirchenbund zur Kirchengemeinschaft. In dieser Ausblendung beziehungsweise Unterbelichtung des universalkirchlichen Aspektes des Kircheseins liegt der eigentliche Grund dafür, dass das evangelische Kirchenverständnis keine allgemein anerkannte Theologie des Bischofsamtes und schon gar keine Theologie eines universalkirchlichen Petrusamtes kennt. Bischof Koch weist aber auf die erfreuliche Tendenz hin, dass von einzelnen evangelischen Theologen – unter Bezugnahme auf die Feier der Eucharistie – die übergemeindliche und universalkirchliche Dimension von Kirche wiederentdeckt wird. Für Wolfhart Pannenberg impliziert die Mitgegenwart der ganzen Christenheit in der eucharistischen Gegenwart Christi „notwendigerweise auch die Gesamtkirche“.
Ein Rückblick auf die ökumenische Bewegung der letzten vierzig Jahre zeigt – so Papst Benedikt XVI. in einer Ansprache während der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen 2007 –, dass „der Herr uns aus der Trägheit der Selbstgenügsamkeit und der Gleichgültigkeit erweckt hat“. Der Weg zur vollen Einheit ist nur zu finden, wenn wir „auf den Herrn hören“. Der Ökumenismus ist – wie jeder Weg der Buße – „ein langsamer und steil ansteigender Weg“, ein Weg, der trotz aller Schwierigkeiten „viel Raum für Freude sowie erfrischende Rastplätze bietet und ab und zu erlaubt, die reine Luft der vollen Gemeinschaft einzuatmen“. Der Papst ermutigt dazu, auf dem weiteren Weg der Ökumene alle erdenkliche Mühe aufzuwenden (vgl. Die Tagespost vom 27. Januar 2007, 4).
Der Autor ist Professor für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten und Rektor der Hochschule.
(C) Die Tagespost, Würzburg/Deutschland,
Interview mit Kardinal Kasper: "Die Karawane zieht weiter" 
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Rom/Italien, 16.07.2007 / Radio Vatikan
Das jüngste von der Glaubenskongregation veröffentlichte Dokument über das Kirchenverständnis hat verschiedene Reaktionen ausgelöst. Insbesondere die Kirchen der Reformation haben das Dokument als „ökumenisch brüskierend“ bezeichnet. Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper, sieht in der Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation „keinen sachlichen Grund“, dass sich evangelische Christen empören oder brüskiert fühlen sollten.
Mario Galgano von Radio Vatikan hat ihn zu den weiteren Schritten in der Ökumene gefragt:
(Kardinal Kasper): "Es geht auf jeden Fall mit dem Dialog weiter, auch nach diesem Dokument. Es ist ja nicht die Absicht des Dokumentes, den Dialog zu blockieren, sondern Klarheit in dem Dialog zu bringen - und das ist immer ein Fortschritt. Es geht vor allem dadurch weiter, dass wir bei dem ansetzen, was wir gemeinsam haben, und das ist viel wichtiger und größer als das, was uns trennt. Das heißt nicht, dass man die Unterschiede verschleiert. Sondern die Unterschiede muss man im Zusammenhang mit dem Gemeinsamen lösen. Das Gemeinsame ist wichtig, weil wir gemeinsam heute Zeugnis geben müssen von Gott, von Jesus Christus, vom Evangelium. Das ist, was die Menschen brauchen, und die theologischen Unterschiede haben erst dann ihren Platz und ihre entsprechende Bedeutung."
(Mario Galgano): Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass diejenigen, die sich empört haben, aus zwei Richtungen kommen: Auf der einen Seite haben die evangelischen Kirchen heftig gegen das Dokument gesprochen, und auf der anderen Seite gibt es die Orthodoxen. Mir scheint nun, dass die Orthodoxen ein bisschen weniger Empörung gezeigt haben. Ich habe gelesen, dass Metropolit Kirill sogar lobende Worte gesprochen hat.
(Kardinal Kasper): "Ich sehe das genauso, Metropolit Kirill vom Moskauer Patriarchat hat sich sehr lobend ausgesprochen. Zu dieser Erklärung hat er gelobt, dass es eine klare Sache ist, und man kommt nur weiter, wenn man ehrlich und klar seine Position vertritt und dann natürlich sich mit den anderen austauscht. Ich denke nicht, dass auf Seiten der orthodoxen Kirchen große Probleme entstehen können über diesen Text. Er entspricht ja auch weitestgehend der orthodoxen Position. Anders ist dies mit der evangelischen Seite. Hier bestehen einfach in den Punkten ´Was ist Kirche?, ´Wo ist Kirche?´, ´Wie ist Kirche?´, ´Was ist das Amt in der Kirche?´ noch grundlegende Fragen. Die hat auf deutscher Seite sehr deutlich Bischof Wolfgang Huber von Berlin ausgesprochen. Wir haben aber auch wesentlich freundlichere Reaktionen bekommen. Das ist wahrscheinlich noch nicht in der Presse. Die evangelisch-lutherische Kirche der Vereinigten Staaten benützt einen Ton, der völlig anders ist und viel freundlicher, konstruktiver und weiterführender. Man kann nicht einfach sagen, dass es einen Aufstand und eine Empörung auf evangelischer Seite gibt. Auch dort sind die Standpunkte überaus differenziert.“
(Mario Galgano): Welche Botschaft kann man den Mitbrüdern und Mitschwestern geben, die empört sind? Was kann man ihnen mitteilen?
(Kardinal Kasper): "Man kann Verschiedenes sagen. Man kann zum Ersten sagen, dass das Dokument auch sehr positive Aussagen über die evangelische Kirche macht. Dass dort Jesus Christus wirksam gegenwärtig ist. Zum Heil der Glieder dieser Kirche. Es ist eine Aussage, die vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wäre. Da gibt es einen gemeinsamen positiven Grund. Und zum Zweiten muss man sagen, die evangelischen Kirchen haben einfach ein anderes Kirchenverständnis und ein anderes Amtverständnis. Es kann nicht gegen den Dialog sein, das zu artikulieren und dann darüber zu sprechen. Die Evangelischen legen gerade in der letzten Zeit Wert auf ein eigenes Profil. Nun hat die katholische Kirche ihr Profil dargelegt. Das kann nichts Verbotenes und nichts Negatives sein."
(Mario Galgano): Können Sie uns auch etwas zu einem nächsten ökumenischen Schritt erzählen? Etwas, was jetzt auch ansteht?
(Kardinal Kasper): "Wir bereiten uns ja vor, um nach der Sommerpause nach Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien zu reisen, wo die Europäische Versammlung stattfindet. Und das ist ein ganz wichtiger Schritt, der auch zeigt, die Konfessionen, die Kirchen sind beieinander und wollen beieinander bleiben. Sie haben ein gemeinsames Zeugnis für Europa; und dann im Oktober wird die weitere Vollversammlung der Dialogsgruppe zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen sein. Da hoffen wir, auch einen Schritt weiter zu kommen. Das Dokument, das wir letztes Mal andiskutiert haben, soll zu Ende geführt werden. Die Karawane zieht weiter, und die Ökumene marschiert."
(C) Radio Vatikan, Rom/Italien
Kardinal Kasper: Ökumene in Wahrheit und Liebe 
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Rom/Italien, 16.07.2007 / Kathpress
Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, hat römisch-katholische und evangelische Christen eindringlich zur Fortsetzung des ökumenischen Dialogs aufgerufen. Trotz mancher Spannungen werde die Zusammenarbeit weitergehen, denn das Verbindende sei weit größer als das Trennende, sagte er bei einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche in Rom. "Wir sind nicht Gegner, nicht Konkurrenten, nicht Fremde, sondern gemeinsam das Volk Gottes", sagte der Kardinal. Zugleich warnte er vor einem "ökumenischen Schmusekurs"; gefordert seien vielmehr Wahrheit, Liebe und großzügiges Vergeben.
Auch der evangelische Landesbischof von Württemberg, Frank Otfried July, verwies bei dem Gottesdienst auf die gemeinsamen christlichen Wurzeln und auf den hohen Stellenwert der Ökumene - "gerade in diesen Tagen", in denen "manche schmerzliche Unterschiede deutlich" würden. Evangelische Christen verstünden sich als Kirche, in der das Evangelium gepredigt und die Sakramente korrekt gespendet werden. Bischof July bezog sich damit auf die jüngste Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation, wonach die reformatorischen Kirchen nach katholischer Auffassung nicht "Kirchen" im eigentlichen Sinn genannt werden könnten. Beide Kirchen träten gemeinsam für Werte, für Menschenwürde, Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein, betonte July, "diese Gemeinsamkeit trägt".
"Keine Fusionierung oder Absorbierung"
Kasper bekräftigte den Wunsch zur Fortsetzung des ökumenischen Miteinanders mit den Worten: "Wir haben uns die Hände gereicht und lassen uns nicht mehr los". Dabei warnte er Katholiken und Evangelische vor gegenseitigem Aufrechnen, Polemik und theologischer Rechthaberei. Beide Seiten könnten einander manches vorwerfen, aber das helfe nicht weiter. Liebe halte der Wahrheit stand, sie schätze das Anderssein des Anderen. "Einheit in der Liebe ist immer Einheit in der Vielfalt", so Kasper. Beide Seiten könnten voneinander lernen und so gemeinsam wachsen. Denn es gehe "nicht um Fusionierung oder Absorbierung zur Arrondierung eines größeren kirchlichen Imperiums". Vielmehr stehe im Vordergrund "das gemeinsame Zeugnis von Gott und das gemeinsame Lob Gottes".
"Kirchen anderen Typs"
Der ökumenische Gottesdienst in der Christuskirche war seit längerem im Rahmen eines Besuchs des württembergischen evangelischen Landesbischof July bei Kardinal Walter Kasper geplant gewesen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass dieses Zeichen der Gemeinsamkeit durch die Diskussionen um das neue Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation nicht in Frage gestellt werden sollte. Bischof July zeigte sich im Gespräch mit "Radio Vatikan" aber "überrascht und auch ein wenig enttäuscht" über das Dokument: "Für uns in Deutschland war ja schon bei 'Dominus Jesus' im Jahr 2000 klar, wie die Linie der römisch-katholischen Kirche ist. Man hätte in Rom spüren müssen, wie großen Einfluss das gerade in Deutschland hat, wo die Ökumene sehr stark ist. Eine solche Erklärung wirkt auch im ökumenischen Kontext sehr schwierig".
Der evangelische Bischof bezeichnete eine frühere Äußerung von Kardinal Kasper als "besonders bemerkenswert". Kasper habe davon gesprochen, dass man die Kirchen der Reformation als "Kirchen anderen Typs" bezeichnen könne. Wörtlich meinte July in diesem Zusammenhang: "Wenn ich mir das erlauben darf: Der Vatikan und insbesondere die Glaubenskongregation wären gut beraten gewesen, diesen Begriff zu nehmen, denn er zeigt zum einen die Differenz zwischen der römisch-katholischen Kirche und der lutherischen Kirchen in manchen Verständnissen. Gleichzeitig respektiert er aber das Selbstverständnis der evangelischen Kirchen, dass sie nämlich Kirche sind in einer etwas anderen Definition. Das wäre hilfreich gewesen, hätte man diese Bezeichnung auch im neuen Vatikan-Dokument benutzt".
Quelle: Katholische Nachrichtenagentur Kathpress (KAP), Wien/Österreich
"Ökumene bleibt ein Dauerauftrag" 
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Graz/Österreich, 16.07.2007 / Kathpress
Stellungnahme des Grazer Diözesanbischofs und stellvertretenden Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz Egon Kapellari zum neuen Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation
"Beim Zweiten Vatikanischen Konzil und seither bis heute hat die katholische Kirche viel getan, um die von einander getrennten christlichen Kirchen und Gemeinschaften einander näher zu bringen auf dem Weg zu einer ersehnten vollen Einheit. Die ökumenische Bewegung war und ist seither besonders auch ein Anliegen der Päpste und hat schon viele gesegnete Früchte erbracht. Ökumene bleibt für uns ein Dauerauftrag von Jesus Christus her. Ökumene muss aber die katholische Identität in ihrem Kern bewahren. Dazu gehören der Petrusdienst des Papstes, der Dienst der Bischöfe als Nachfolger der Apostel und die Eucharistie, wenn sie entsprechend der verbindlichen Lehrtradition gefeiert wird. Daher hat das Zweite Vatikanische Konzil erklärt, dass die eine Kirche Jesu Christi "in der katholischen Kirche verwirklicht ist (subsistit), die vom Nachfolger des Apostels Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird". Die Ostkirchen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, sind mit der katholischen Kirche verbunden auf Grund der apostolischen Sukzession und der übereinstimmenden Lehre über die Eucharistie und werden daher im vollen Wortsinn Schwesterkirchen genannt. Die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen galten wegen diesbezüglich fundamentaler Lehrunterschiede dem Konzil als "kirchliche Gemeinschaften".
Weil in den letzten Jahren in der ökumenischen Bewegung auch von protestantischer Seite mehrfach eine Schärfung des ökumenischen Profils angemahnt wurde und weil innerhalb der katholischen Theologie Elemente der katholischen Identität mehrfach kontrovers waren, hat die vatikanische Glaubenskongregation diese Lehre des Konzils über die Kirche nun in einem Dokument in Erinnerung gebracht. Kardinal Christoph Schönborn, Kardinal Karl Lehmann (Mainz) und Bischof Kurt Koch (Basel) haben darüber ausführliche Erklärungen veröffentlicht. Keineswegs soll die ökumenische Bewegung durch die Erinnerung an ein Konzilsdokument und dessen genauere Interpretation behindert werden. Im Gegenteil geht es katholischerseits um eine ökumenische Dynamik, die sich z.B. bezüglich der Eucharistie und dem geweihten Dienst nicht mit einer statischen versöhnten Verschiedenheit begnügt, sondern tiefer zu den Quellen hin gräbt, aus denen die katholische Kirche und die Ostkirchen von jeher geschöpft haben".
Reaktion des Bischofsrates der Evangelisch-methodistischen Kirche 
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Washington D.C./USA, 18.07.2007 / UMC
Reaktion des Bischofsrates der Evangelisch-methodistischen Kirche auf die durch Papst Benedikt XVI gutgeheissenen "Aspekte bezüglich der Lehre über die Kirche"
Der Bischofsrat der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche grüsst die Römisch-katholische Kirche als Partner, mit dem sie seit mehr als 40 Jahren in einem Dialog steht. Als Brüder und Schwestern in Christus leben wir eine Partnerschaft in Gottes Mission an vielen Orten rund um die Welt. Die beiden kirchlichen Körperschaften haben in einzelnen zentralen theologischen Fragen, wie “Gnade”, “Rechtfertigung“ und “Heiligung”, das gemeinsame Verständnis geklärt. Wir betrachten die Aussagen von John Wesley in “The Catholic Spirit” (die 1749 gehaltene Lehrpredigt zur Ökumenischen Gesinnung) als Ausgangspunkt und als weiterführende Gedanken in diesem Dialog. Wir finden in den auf den 29. Juni 2007 datierten “Antworten zu einigen Fragen über gewisse Aspekte der Lehre der Kirche” des Papstes Benedikt XVI nichts wirklich Neues oder grundlegend von der klassischen römisch katholischen Ekklesiologie sich Unterscheidendes.
Der Papst sah sich aufgrund der vielen Verlautbarungen seit dem Vatikanum II genötigt, zu erklären was die Formulierung, “dass die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche ihre Existenz in der Katholischen Kirche (subsistiert) hat”, bedeutet. Die Bedeutung und die Definition des Wortes „subsistiert“ standen im Zentrum der klärenden Stellungnahme. Papst Benedict XVI bestätigt zudem, gemäss der klassischen katholischen Ekklesiologie und gemäss des Vatikanum II, dass in anderen Kirchen die Elemente der Heiligung und der Wahrheit gegenwärtig und wirksam sind. Diese Kirchen sind jedoch nicht in der Gemeinschaft mit Rom und erfüllen deshalb das katholische Verständnis von Einheit nicht.
Wir sind Erben John Wesleys und bekräftigen in unserer Liturgie in der Einleitung zum
Glaubensbekenntnis, dass „wo der Geist des Herrn ist, auch die eine, wahre, apostolische und universale Kirche ist”. Wir glauben, dass die Apostolizität in der Glaubenstreue der Kirche durch die Jahrhunderte begründet ist und nicht in der historischen Sukzession.
Was ist die Evangelisch-methodistische Kirche aus der Sicht der Römisch-katholischen Kirche? Nach unserm Verständnis bleibt alles Positive in unserer Beziehung bestehen. Gemäss katholischem Verständnis sind wir getauft. Wir sind Brüder und Schwestern in Christus. Wir weisen vielfältige Elemente der Heiligung auf; das macht die Heiligkeit der Kirche aus.
Gemäss katholischer Sicht fehlen uns einige Aspekte der Einheit und der Katholizität. Jedoch hat „der Geist Christi sich nicht geweigert uns als Mittel des Heils zu gebrauchen”, wie es in der Antwort des Papstes zur dritten Frage festgehalten wird.
Die Lehre von der Apostolischen Sukzession wird in unserem Verständnis nicht an einer
linearen historischen Abfolge sondern am Glauben festgemacht.
Wir stimmen der spezifisch römischen Sicht der Petrusnachfolge nicht zu, aber wir teilen mit Rom das ehrenvolle Gedenken aller Nachfolger der Apostel und betrachten uns selber als in dieser “Sukzession” stehend.
In ihrer Sicht sind wir keine “Kirchen” im vollgültigen Sinn, weil uns nach ihrer Ansicht die Merkmale der Einheit, des sakramentalen Priestertums und die vollständige Wirklichkeit der Eucharistie fehlen. Wir verstehen uns selber jedoch so, dass wir durch Gottes Gnade an der ganzen Wirklichkeit der Kirche teilhaben durch die Treue im Auftrag (Amt) und in der Mission und im Halten des Abendmahls. Das sind Unterschiede, welche wir weiterhin erforschen können. Wir beten, dass sie eines Tages überwunden werden.
Als Evangelisch-methodistische Kirche, teilen wir das Leiden an der Zerrissenheit des Leibes Christi. Im anhaltenden Gebet sehnen wir uns nach der Einheit rund um den Tisch des Herrn. Bis dahin halten wir uns an Johannes 17,11 und an das Gebet Jesu, dass alle seine Nachfolger und Nachfolgerinnen eins sein mögen. Und wir halten fest am Artikel VI unserer Kirchenverfassung, welcher die Bischöfe und Bischöfinnen unserer Kirche herausfordert, die Kirche in ihrer Suche nach der Einheit der Christen anzuleiten. In diesem Geist blicken wir in die Zukunft und auf die Fortsetzung unseres Dialogs mit der Römisch-katholischen Kirche.
Im Namen des Bischofsrates
Bischöfin Janice Huie, Präsidentin des Bischofsrates
Bischof William B. Oden, Ökumenebeauftragter des Bischofsrates
Bischof Ernest Lyght, Sekretär des Bischofsrates
Bischof Roy I. Sano, Exekutiv Sekretär des Bischofsrates
18. Juli 2007
The United Methodist Council of Bishops
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Übersetzung aus dem Englischen: Heinrich Bolleter, Bischof im Ruhestand
Wenn’s wehtut 
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Bonn/Deutschland, 19.07.2007 / Rheinischer Merkur
Die Kirchen schärfen ihre Profile. Das löst Irritationen aus, schafft aber auch Klarheit im theologischen Diskurs
Von Rudolf Zewell
Die Ökumene steht vor großen Herausforderungen. Sie sind nicht mit Papieren zu beantworten. Angesichts der Entwicklungen in Europa, wo Säkularismus und Relativismus auf dem Vormarsch sind, gewinnt das gemeinsame Zeugnis von Christen an Gewicht. Ein Beispiel: die Auseinandersetzung um die breitflächige Kommerzialisierung des Sonntags. Sie hat erst begonnen. Die Kirchen sollten auf solchen Feldern nicht wieder getrennt marschieren. Eigenes Profil der Konfession ja, aber kein Rückfall in einen unseligen Konfessionalismus.
Verbindendes im Alltag der Gemeinden ist heute derart selbstverständlich, dass man meinen könnte, es sei schon immer so gewesen. Und im gemeinsamen Auftreten der Kirchenspitzen bei vielen Anlässen hat Ökumene ein Gesicht bekommen. Seit einiger Zeit aber treten die Profile schärfer hervor. Es geht dabei auch um Fragen, um die Ökumeniker lange wie die Katze um den heißen Brei herumgeschlichen sind.
Die Ökumene ist offensichtlich an einer entscheidenden Weggabelung angekommen. Das Dokument aus der vatikanischen Glaubenskongregation „zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ sorgt für helle Empörung unter deutschen Protestanten. Schon werden Rückschritte im Dialog und in der Ökumene befürchtet. Für Bischof Huber liegt der Text „beunruhigend nah“ an vorkonziliaren Vorstellungen. Von „Trauerspiel“ und „Dämpfer“ spricht Bischöfin Käßmann.
Alles nur ein Missverständnis? Was sagt der jetzt veröffentlichte Text wirklich? Er sagt, dass nach katholischer Auffassung die Kirche Jesu Christi im Vollsinn allein in der katholischen Kirche „subsistiert“. So hat es das Zweite Vatikanische Konzil festgestellt. Dass dies in Erinnerung gerufen wird, ist eine Vorlage für mehr Klarheit im theologischen Disput. Gut ökumenisch hat Kardinal Kasper die römische Einlassung interpretiert: Die evangelischen Kirchen sind nicht in dem Sinne Kirchen, wie die katholische Kirche sich als Kirche versteht. Die evangelischen Kirchen wollen auch gar nicht Kirche in diesem Sinne sein. Das jüngste evangelische Dokument über Amt und Ordination liegt in der Sache nicht weit vom jetzigen römischen entfernt: Auch die evangelischen Kirchen reklamieren ein eigenes Kirchen- und Amtsverständnis, das Katholiken wiederum nicht für das Ihre halten. Das mag sich rabulistisch anhören, ist es aber nicht.
Nicht zu übersehen ist, dass ein anderer Partner in der Ökumene zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es ist die Orthodoxie, in der das Erbe der alten Ostkirche tradiert wird. Die orthodoxen Kirchen werden von Rom als echte Teilkirchen anerkannt, da sie trotz ihrer Trennung „wahre Sakramente besitzen“. Aus Moskau kam denn auch umgehend ein lobender Kommentar. Der Dialog mit der Orthodoxie soll auch Fortschritte in Richtung Ökumene mit den evangelischen Kirchen bringen, sagt der Papst. Beim ökumenischen Treffen im September im rumänischen Herrmannstadt sollte etwas davon zu sehen sein.
Die römische Glaubenskongregation lässt mit ihrem Text ein bestehendes Profil hervortreten. Sie stützt sich auf die Lehre von der Kirche, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil formuliert hat. Das Konzil sagt aber auch, dass es außerhalb der katholischen Kirche viele und wichtige kirchliche Elemente gibt, besonders die Taufe. Von daher war die Feier der gegenseitigen Taufanerkennung jüngst in Erfurt ein herausragendes Zeichen für die Ökumene.
Solchen Ereignissen gehen Vorbereitungen über viele Jahre voraus. Das gilt umso mehr für die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre oder andere wichtige Dialogergebnisse. So herrscht etwa Einigkeit darüber, dass die einstigen Lehrverurteilungen nicht mehr „kirchentrennend“ sind. Viele dieser Ergebnisse sind noch nicht genügend ausgewertet, geschweige denn in der Praxis der Ökumene präsent.
Mit Blick auf das Erreichte gilt es gerade jetzt, an den theologischen Fragen weiter zu arbeiten. De facto geht man auch auf dieser Ebene längst als Kirchen miteinander um. Und unspektakulär vollzieht sich die geistliche Ökumene, eine Form, die schon am Beginn des Ökumenismus stand.
Auch wenn es kein Trost für die ist, die sich in der Ökumene engagieren, denen es zu langsam geht damit, dass „alle eins seien“, wie es im Schriftwort heißt: Zwischen den trennenden Entwicklungen und heute liegen fünfhundert und tausend Jahre, die ökumenische Bewegung dagegen blickt noch nicht einmal auf hundert Jahre zurück. Und die großen sichtbaren Fortschritte sind in Dezennien zu messen. Mit dem Konzil hat sich die katholische Kirche unumkehrbar dazu verpflichtet, den Weg der Ökumene einzuschlagen. Das verbietet nicht Klarheit in den Positionen – auch wenn es wehtun sollte.
© Rheinischer Merkur, Bonn/Deutschland
Harte Nüsse von Kardinal Levada 
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Bonn/Deutschland, 19.07.2007 / Rheinischer Merkur
Der Vatikan bestätigt, dass Protestanten keine Kirche sind. Fachleute bleiben gelassen
Von Wolfgang Thielmann
Friedrich Weber ist traurig. Der Bischof aus Wolfenbüttel, der für die deutschen Lutheraner die Beziehungen zur katholischen Kirche pflegt, hat Post mit zwei Dokumenten aus Rom auf dem Schreibtisch, die ihn bekümmert. Die vatikanische Glaubenskongregation, die seit zwei Jahren von Joseph William Kardinal Levada, dem früheren Erzbischof von San Francisco, geleitet wird, hat noch einmal klargestellt, dass die Kirchen der Reformation aus Roms Sicht keine Kirchen sind. Das hat sie auch schon im Jahr 2000 getan, als ihr Präfekt noch Joseph Kardinal Ratzinger hieß; einen Tag übrigens vor der Veröffentlichung der gemeinsam von lutherischen und katholischen Theologen erarbeiteten Erklärung "Sanctorum Communio" (Gemeinschaft der Heiligen), der es daraufhin an Wind in den publizistischenSegeln fehlte.
Das damalige Schreiben aus Rom wirkte wie eine kalte Dusche auf das freundliche Verhältnis, das sich nach vielen theologischen Dialogen und noch mehr Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden in Deutschland entwickelt hatte. Immerhin funktioniert die Ökumene inzwischen wieder so gut, dass die Führungsetagen der protestantischen" Gemeinschaften" das neue Papier vorab bekamen.
Der Inhalt befremdet Weber trotzdem: "Hier wird sichtbar, wie sich die offizielle Lehre der Kirche immer weiter von den ökumenischen Realitäten entfernt." In vielen katholischen Kirchengemeinden, sagt er, wird diese Abgrenzung "auf pures Unverständnis stoßen". Bischof Wolfgang Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, lässt ebenfalls Ärger durchblicken und spricht von einer vertanen Chance. Doch er hat ganz genau gelesen. Dabei ist ihm, bei allem Sarkasmus, mit dem er das Papier bedenkt, an einer Stelle ein sprachliches Zugeständnis aufgefallen. Es findet sich im Kommentar, in dem die Kongregation einräumt, dass die Abgrenzung bei Protestanten wie auch „in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht hat“. Dann wird noch einmal klargestellt: Die Protestanten "nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an; ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden". Zum ersten Mal heißt es "Kirche im katholischen Sinn", nicht "Kirche im eigentlichen Sinn". In der Wortwahl sieht Huber eine „Einsicht in die Relativität der eigenen Position“. Leider werde diese Brücke gar nicht weiter betreten. Es würde ja reichen, meint Huber, wenn Rom von "Kirchen anderen Typs" redete. Damit spielt er auf den Präsidenten des vatikanischen Einheitsrates, Walter Kardinal Kasper, an. Der erklärte 2001 in Tübingen, Protestanten seien „Kirchen anderen Typs, denen Elemente des römischen Kirchenverständnisses fehlen, aber nicht Elemente des Kircheseins.“
Die Geschichte des Problems geht auf eine Öffnungsklausel des 1962 begonnenen Zweiten Vatikanischen Konzils zurück. In der Konstitution "LumenGentium" über die Kirche wird nach langen Diskussionen ein neuer Begriff eingeführt. Hieß es bisher, die Kirche Christi aus dem Glaubensbekenntnis sei die römisch-katholische, so heißt es nun, die Kirche Christi „besteht“ in der römischen. Das lateinische Wort für „besteht“ lautet "subsistit". Der neue Begriff lässt die Möglichkeit offen, dass sich die Kirche Christi auch an anderer Stelle, vielleicht weniger deutlich, aber doch auch, wiederfindet. Seither werden die östlich-orthodoxen Kirchen ausdrücklich als Kirchen bezeichnet.
Die Konzilsjahre waren eine bewegte Zeit. 1961 hatte der orthodoxe Erzbischof George Khodr aus Beirut auf der Vollversammlung des Weltkirchenrates in Neu-Delhi das Ende der Mission und das Zeitalter des interreligiösen Dialogs ausgerufen. Es gelte, den "in den Religionen schlafenden Christus" zu entdecken. Das alles klang, als sei das Heil nicht mehr nur im Christus der Bibel und daher nicht nur im Christentum zu finden. Eine Position, von der sich auch die evangelische Kirche längst deutlich distanziert hat. Auf katholischer Seite ist das "subsistit" Traditionalisten ein Dorn im Auge. Sie sehen darin einen Anspruch preisgegeben und Relativismus am Werk.
Das Schreiben aus Rom grenzt sich gegen alle Extreme ab: Das Zweite Vatikanum wollte die Lehre von der Kirche "nicht verändern und hat sie auch nicht verändert". Der neue Begriff "subsistit" bringe aber klarer zum Ausdruck, dass außerhalb der katholischen Kirche „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit“ zu finden seien. „Man spürt den Antworten ab, wie schwer sie sich mit der Frage tun“, kommentiert Bischof Huber. Im vatikanischen Kommentar wird vom Ziel gesprochen, "den wirklich kirchlichen Charakter und die wirklich kirchliche Dimension der christlichen Gemeinschaften anzuerkennen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen".
Was haben die Orthodoxen und was fehlt den Protestanten? Es ist, bekräftigt die Glaubenskongregation, die apostolische Sukzession, also die Weihe der Amtsträger durch Handauflegung und Gebet in ununterbrochener Reihenfolge seit den Tagen der Apostel. Die Orthodoxen praktizieren sie, deshalb besitzen sie "wahre Sakramente" und können Schwesterkirchen genannt werden. Ihnen fehle aber die Verbindung mit der katholischen Kirche und ihrem sichtbaren Haupt, dem Bischof von Rom. Daher "leidet das Teilkirchesein jener ehrwürdigen christlichen Gemeinschaften unter einem Mangel".
Bei den Protestanten wird die Sukzession durch Handauflegung nur in Skandinavien praktiziert. Luther hat sie abgelehnt, weil er keine Begründung dafür in der Bibel fand. Er sah die Sukzession, also die Verbindung mit der Urchristenheit, durch das Wort Gottes gegeben. Das ist – nach katholischem Verständnis, wie die Glaubenskongregation betont – keine gültige Sukzession. Damit fehle den Protestanten „ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins“.
Die ökumenischen Vordenker beider Kirchen bleiben indes gelassen. Das Konfessionskundliche Institut der EKD sieht in dem Papier vor allem einen Versuch des Papstes, die Konservativen in den eigenen Reihen zu gewinnen. Dafür spricht auch der zeitliche Zusammenhang zum Schreiben des Papstes vom Samstag zuvor, in dem er die Messfeier am Sonntag nach dem alten Ritus mit lateinischen Gebeten erlaubte.
Professor Wolfgang Thönissen, der Leiter des katholischen Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn, ist ebenfalls überzeugt: "Mit dem Papier der Glaubenskongregation hat der Vatikan seine Position beschrieben. Damit ist Rom ökumenisch handlungsfähig und handlungsbereit." Keine neue Blockade? Die sieht er nicht: "Tatsächlich gehen wir doch im Verhältnis miteinander, in theologischen Dialogen und in der praktischen Arbeit, als Kirchen miteinander um; wir reden und handeln von Kirche zu Kirche und respektieren auf diese Weise, dass der andere nach jeweils seinem Verständnis Kirche ist."
Da liegt er gleichauf mit der Einschätzung des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann. Das neue Papier, darauf legt Lehmann Wert, lässt "grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten". Die Gleichsetzung der Kirche mit der katholischen Kirche bleibt eingeschränkt; das ist ihm wichtig. Die Öffnungsklausel bleibt offen.
© Rheinischer Merkur, Bonn/Deutschland
"Vatikan-Papier streut Salz in offene Wunde" 
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Leipzig/Deutschland, 19.07.2007 / epd
Mit der jüngsten Erklärung des Vatikans zum Kirchenverständnis ist nach Ansicht des katholischen Bischofs Gerhard Feige (Magdeburg) "wieder Salz in eine offene Wunde gestreut worden". Warum dies "schon wieder und gerade jetzt" geschehe, bleibe auch ihm verborgen, schreibt Feige in einem Offenen Brief in der Ausgabe vom 22. Juli der in Leipzig erscheinenden katholischen Wochenzeitung "Tag des Herrn".
Der Vatikan hatte am 10. Juli ein Dokument veröffentlicht, in dem sich die katholische Kirche erneut von den Protestanten abgrenzt. Nur in der katholischen Kirche bestehe die von Jesus Christus begründete Kirche weiter, betont die Glaubenskongregation in fünf "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche". Den evangelischen Christen wird darin der Status einer Kirche verwehrt.
Bischof Feige verwies darauf, dass die grundsätzliche ökumenische Öffnung der katholischen Kirche nicht zurückgenommen wurde. Die katholische Kirche vertrete nicht mehr die Meinung, dass die anderen zu ihr zurückzukehren hätten, so Feige. Sie teile aber auch nicht die Vorstellung, "dass die wahre Kirche nur unsichtbar oder aber eine gewisse Summe von Konfessionen sei".
Diese Auffassung werde von manchen evangelischen Theologen allerdings "mit erstaunlich unfehlbarer Gewissheit" vertreten. Der Abstand in der Verständigung scheine inzwischen wieder größer geworden zu sein, so Feige. Er verhehle nicht, dass ihn "manche evangelischen Profilierungsbestrebungen in Deutschland mit deutlich antikatholischen Abgrenzungen befremden".
(C) Evangelischer Pressedienst (epd), Frankfurt am Main.
Voller Wortlaut des Offenen Briefes von Bischof Feige an die evangelischen Christen:
Offener Brief von Bischof Feige an die evangelischen Christen [105,3 KB]
Adventisten: Tradition prägt katholisches Kirchenverständnis 
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Silver Spring, Maryland/USA, 20.07.2007 / APD
Die von der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre am 10. Juli veröffentlichten „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ samt dem dazugehörigen Kommentar haben Kirchenleiter der Siebenten-Tags-Adventisten nicht überrascht. Aus dem von Papst Benedikt XVI. genehmigten Dokument geht hervor, dass die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts entstandenen Glaubensgemeinschaften „nach katholischer Lehre nicht ‚Kirchen‘ im eigentlichen Sinn“ seien. Ihnen fehle „die apostolische Sukzession im Weihesakrament“. Dagegen bestehe die „von Christus gewollte Kirche tatsächlich in der katholischen Kirche weiter“.
Laut dem stellvertretenden Direktor des Biblischen Forschungsinstituts der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleitung), Professor Dr. Kwabena Donkor (Silver Spring, Maryland/USA), wende sich das Schreiben des Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph William Levada, an die Bischöfe und Theologen der eigenen Kirche. Das Dokument sei daher nichts anderes als eine Klarstellung der traditionellen Positionen der römisch-katholischen Kirche. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) „hatten zwar viele den Eindruck, dass es zu wichtigen Veränderungen in der katholischen Kirche kommen würde“, sagte Donkor. „Aber zu diesen Veränderungen kam es nicht.“ Siebenten-Tags-Adventisten hätten ein völlig anderes Verständnis von dem Begriff Kirche beziehungsweise Gemeinde. Die Kirche sei zwar von Christus eingesetzt worden, jedoch nicht mit dem Bischof von Rom als „deren sichtbares Haupt“. Es gelte hier zwischen biblischen Aussagen und kirchlichen Traditionen zu unterscheiden.
Vertreter anderer Kirchen mögen darüber enttäuscht sein, wie unmissverständlich die römisch-katholische Kirche in den Antworten ihr Selbstverständnis betone. „Derartige Aussagen aus dem Vatikan enttäuschen oder beeinflussen jedoch Adventisten nicht", hob Dr. John Graz (Silver Spring, Maryland/USA), Generalsekretär des Rates für zwischenkirchliche und interreligiöse Beziehungen der Generalkonferenz, hervor. Siebenten-Tags-Adventisten würden sich den Einheitsbestrebungen des Vatikans nicht anschliessen, obwohl sie an die „Einheit im Geist, Einheit im Verständnis der Bibel als Massstab für Lehre und Leben sowie an die Einheit in der Liebe“ glaubten. „Adventisten setzen sich für gute Beziehungen von Glaubensgemeinschaften untereinander und für die Religionsfreiheit für alle Menschen ein.“
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München/Deutschland, 21.07.2007 / Ev. Sonntagsblatt
Pressestimmen: Evangelisches Sonntagsblatt für Bayern
"Zusammen weiterarbeiten"
Von Johannes Friedrich
Sind wir Evangelischen nur dann Kirche, wenn der Papst uns als solche anerkennt? Doch ganz gewiss nicht! Insofern verstehe ich die Aufregung über das Papier der römischen Glaubenskongregation nicht. Unsere Bekenntnisschriften sagen es ganz klar: Die christliche Kirche ist die »Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden« (Augsburger Bekenntnis Artikel 7). Und nach diesem unserem lutherischen Bekenntnis sind wir seit bald 2000 Jahren bis heute christliche Kirche - wie viele andere Kirchen auch.
Wir sprechen das Kirchesein keiner anderen Kirche ab, in der das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente recht verwaltet werden. Ob wir alle in diesem Sinne Teil der einen Kirche Jesu Christi sind, haben aber letztlich nicht wir zu entscheiden: Dies entscheidet der Heilige Geist. Und wie die letzten 500 Jahre zeigen, hat der Heilige Geist offensichtlich keine Schwierigkeiten damit, über den Kirchentyp der Reformation Menschen zum Glauben zu führen und Werke der Liebe aus Glauben ins Leben zu rufen.
Die römisch-katholische Kirche hat schon immer anders gedacht. Nach ihrer Vorstellung müssen ihre Amtsträger »in der apostolischen Sukzession« stehen, die Priester müssen unter Handauflegung von einem Bischof geweiht werden, der seinerseits in einer Tradition geweihter Bischofe steht. Ganz überzeugend ist diese Betrachtung der apostolischen Sukzession nicht, da sie historisch nicht bis auf die Apostel zurückgeführt werden kann.
Nach reformatorischem Verständnis stehen auch die evangelischen Kirchen in der apostolischen Tradition, weil nicht die ununterbrochene Kette der Weihen, sondern die ununterbrochene Verkündigung des Evangeliums in Wort und Sakrament seit der Zeit der Apostel mithilfe des Heiligen Geistes entscheidend ist. Es mag sein, dass wir, die evangelischen Kirchen, dem römischen Kirchenverständnis nicht entsprechen. Doch wir sind überzeugt, dass die Reformatoren die evangelische Lehre von der Kirche ganz eng an die Aussagen der Bibel gebunden haben. Wir sind dankbar dafür, dass Gott unsere Kirchen durch sein Wort und Sakrament erhält und stärkt. Von unseren Kirchen ist in den letzten fünf Jahrhunderten viel evangelistisch-missionarischer und diakonischer Segen ins Land gegangen.
Ich kann daher den Text gelassen ertragen. Schöner wäre es allerdings, wenn der Vatikan endlich einmal ein Papier auf den Weg brächte, das der Versöhnung dienlich ist und nicht Wasser auf die Mühlen derer leitet, die sich der Ökumene verschlossen haben.
Ich bedaure, dass der Vatikan nicht die Chancen sieht, mit positiven Signalen die ökumenisch Engagierten in allen Kirchen zu ermutigen, weiter daran zu arbeiten, dass wir uns nicht nur in der Praxis (da läuft ganz vieles Gott sei Dank sehr gut), sondern auch in der theologischen Aufarbeitung näherkommen.
Alle christlichen Kirchen stehen in Europa und der Welt vor Herausforderungen, die wir viel leichter gemeinsam bewältigen könnten. Darum bräuchten wir solche Signale dringend. Gleichwohl tun enttäuschte oder verärgerte Reaktionen diesem Papier zu viel Ehre an. Die katholischen Bischöfe in Deutschland sind dafür so wenig verantwortlich wie unsere katholischen Schwestern und Brüder. Lasst uns mit ihnen zusammen weiterarbeiten, damit der Wunsch Jesu in Erfüllung gehen möge, »dass sie alle eins seien« (Joh 17,21).
Johannes Friedrich ist Landesbischof der bayerischen Kirche. Unter der Rubrik »Einblicke« schreibt er Beiträge aus persönlicher Sicht.
© Evangelisches Sonntagsblatt für Bayern, München/Deutschland
Von der Geschwisterlichkeit in die Selbstisolation? 
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Linz/Donau (Österreich), 21.07.2007 / OÖN
von Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Kirche in Oberösterreich
Immer wieder erhalten wir als evangelische Kirche in unregelmäßigen Abständen Post aus Rom. Rundschreiben, die eigentlich nicht für uns bestimmt sind, aber immer wieder unsere Kirche thematisieren. Es ist deshalb an der Zeit, einige kritische Rückfragen zu stellen.
- Zum Ersten: Der französische Philosoph Michel Foucault hat darauf aufmerksam gemacht, dass derjenige, der definiert, Macht ausübt. Er nimmt für sich die Definitionshoheit in Anspruch und sagt, wie es ist. Genau das tut Rom.
Rom meint, die Definitionshoheit darüber zu besitzen, was eine Kirche zur Kirche macht. Vergessen wird darüber allzu leicht, dass die Definitionshoheit über die Kirche nicht bei der Kirche, sondern beim Herrn der Kirche liegt. Und der sitzt nicht in Rom.
Jesus Christus, als Herr der Kirche, sagt, was Kirche zur Kirche macht. Seine Verkündigung zeigt, was Kirche sein soll. Wer angesichts des Neuen Testaments die apostolische Sukzession und das daraus resultierende Weihesakrament zum großen Unterscheidungsmerkmal stilisiert, der läuft Gefahr "Mücken zu seihen und Kamele zu verschlucken".
- Zum Zweiten: Allen Kirchen, und damit auch Rom, steht Demut besser zu Gesicht als allzu selbstsicheres Auftreten.
Die Kirche hat die Inquisition verantwortet und die Kreuzzüge, hat die Feindschaft gegenüber den Juden geschürt und ihnen unsägliches Leid zugefügt. Als die Kirche so handelte, hat sie zwar alle äußeren Merkmale ihres Kirche-Seins (Sakramente...) besessen, aber sie hat dennoch ihre Berufung pervertiert und ihren Herrn verraten. Diese Schuld, die bleibend zur Kirche gehört, sollte uns jeglichen Triumphalismus verbieten. Und sie sollte es verbieten, mit dem Finger auf andere zu zeigen und von ihren angeblichen Mängeln zu reden.
Wir können von Kirche nicht abstrakt reden, als wäre sie eine rein theologische Größe. Kirchen leben in der Welt und werden immer wieder an ihrem Auftrag, an den Menschen, an Gott schuldig. Leider lässt Rom an dieser Stelle jede kritische Selbstreflexion vermissen und tut so, als wäre das für das Kirchenverständnis ohne Belang. Auch hier bin ich versucht zu sagen, dass Rom die Splitter im Auge der anderen zwar sehr eifrig fixiert, aber den Balken im eigenen Auge geflissentlich übersieht.
- Zum Dritten: Rom sollte seine Angst ablegen. So paradox es anmutet, dass eine Weltkirche Angst haben könnte, so sehr scheint doch die zunehmende Zahl an Texten, in denen sich die katholische Kirche selbst zuspricht, die einzig wahre Kirche zu sein, eine solche Diagnose nahe zu legen.
Ein Blick in die Diözesen, wie jene in Oberösterreich, könnte hier befreiend wirken. Nicht Angst, Abgrenzung und Selbstisolation bringen die Kirche weiter, sondern der Blick auf den gemeinsamen Auftrag und das gemeinsame Unterwegssein.
So bezeugen wir gemeinsam den Gott, der uns gerufen hat, der uns frei macht von aller Angst zu kurz zu kommen, der uns erlöst von allem Druck uns selbst rechtfertigen zu müssen. Der uns darin auf die Welt weist, um ihr in diesem Geist zu dienen. Dieser gemeinsame Dienst ist die Aufgabe der Ökumene.
Zu einseitig scheint mir in der katholischen Kirche das Gewicht der Entscheidungen nach Rom verlagert zu sein. Ich würde mir auch im Sinne der Ökumene selbstbewusstere Diözesen wünschen, denn gelebt und bewahrt wird der Glaube hier vor Ort. Hier liegt auch unsere gemeinsame und geschwisterliche Berufung. Ihr gerecht zu werden, darauf kommt es an.
Auf ein überhebliches vatikanisches Ranking der Kirchen können wir dabei getrost verzichten.
Der Gastkommentar von Gerold Lehner erschien in den Oberösterreichische Nachrichten (OÖN) in Linz
(C) OÖN, A-4010 Linz an der Donau
Vorwärts in die Vergangenheit? 
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Zürich/Schweiz, 22.07.2007 / Neue Zürcher Zeitung
Pressestimmen: Neue Zürcher Zeitung (NZZ)
Nach der Freigabe der lateinischen Messe sollen sich in der katholischen Kirche Alt und Neu befruchten
Von Ulrich Ruh*
Die durch das Zweite Vatikanische Konzil angestossene Liturgiereform in der katholischen Kirche war ein Jahrhundertereignis. Das unlängst ergangene Dekret Benedikts XVI. (NZZ 9. 7. 07), ein sogenanntes «Motu Proprio», mit dem der Papst die Feier der «alten» Messe nach dem Missale von 1962 freigibt, gehört demgegenüber zu einem Nachhutgefecht, allerdings zu einem mit einer jahrzehntelangen Vorgeschichte.
Noch bevor Paul VI. 1970 das neue römische Messbuch promulgiert – öffentlich verkündet – hatte, hatte der 1988 wegen der unerlaubten Weihe von vier Bischöfen exkommunizierte, 1991 verstorbene Erzbischof Marcel Lefebvre die Priesterbruderschaft St. Pius X. gegründet, die seither die Rückkehr zur vorkonziliaren Messe als Teil ihres Kampfes gegen die vermeintliche Anpassung der Kirche an den Zeitgeist propagiert. 1971 erschien in der Londoner «Times» ein Artikel, in dem prominente Kulturschaffende wie Agatha Christie und Graham Greene dazu aufriefen, die katholische Messe in ihrer traditionellen Form als Kulturgut zu bewahren, ohne gleichzeitig die neue Form der Eucharistiefeier grundsätzlich abzulehnen.
Ein Versuch der Versöhnung
Damit waren die Fronten abgesteckt, an denen seither die Auseinandersetzung um die «alte» Messe geführt wurde. Zum einen ging und geht es um das Verhältnis der katholischen Kirche zu der formell durch ein Schisma von ihr getrennten Lefebvre-Bewegung. In die Amtszeit des jetzigen Papstes als Präfekt der Glaubenskongregation fiel die Spaltung; Kardinal Ratzinger versuchte damals im Auftrag Johannes Pauls II. bis zuletzt alles, um sie zu verhindern, und baute dabei den Anhängern Lefebvres goldene Brücken.
Zum anderen bildeten sich seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern innerhalb der katholischen Kirche Gruppen und Bewegungen, die sich aus ästhetisch-spirituellen Gründen für die Feier der Eucharistie nach dem Messbuch von 1962 engagierten. Sie fanden prominente Fürsprecher, wie einschlägige offene Briefe italienischer und französischer sowie auch deutscher Intellektueller zugunsten der «alten» Messe aus den letzten Monaten belegen. In Deutschland fand die glänzend geschriebene Streitschrift «Häresie der Formlosigkeit. Die Römische Liturgie und ihre Feinde» des diesjährigen Büchnerpreisträgers Martin Mosebach (2002 erstmals veröffentlicht) viel Beachtung.
Beide Varianten des Eintretens für die vorkonziliare Form der Eucharistiefeier, die der Lefebvre-Bewegung und die ästhetisch motivierte, werden jetzt auch im Begleitbrief Benedikts XVI. zum «Motu Proprio» ausdrücklich angesprochen. An die Priesterbruderschaft Pius. X., mit deren Generaloberen Bernard Fellay der Papst im Sommer 2005 zusammentraf, richtet sich die Bitte, den neuen Ritus der Messfeier zumindest nicht völlig auszuschliessen. Benedikt spricht von der Verpflichtung, «alle Anstrengungen zu unternehmen, um all denen das Verbleiben in der Einheit oder das neue Finden zu ihr zu ermöglichen, die wirklich Sehnsucht nach Einheit tragen».
Es scheint allerdings fraglich, ob es infolge des «Motu Proprio» zu einer Wiedereingliederung der Priesterbruderschaft in die katholische Kirche kommen wird, jedenfalls was ihren harten Kern betrifft. Schliesslich lehnt die Bruderschaft massgebliche Weichenstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils wie den Eintritt der katholischen Kirche in die ökumenische Bewegung, die Bereitschaft zum Dialog mit den nichtchristlichen Religionen und besonders die Anerkennung der Religionsfreiheit bis anhin entschieden ab. Die jetzt erfolgte allgemeine Zulassung des «alten» Ritus ist in ihren Augen nur eine Vorbedingung.
Für die Befürworter der Feier der Eucharistie nach dem Messbuch von 1962 innerhalb der Kirche ist die Entscheidung Benedikts XVI. zweifellos ein Erfolg. Ihre geduldige Lobbyarbeit in der römischen Kurie hat sich ausgezahlt. Allerdings müssen sie sich damit abfinden, dass das als Frucht der konziliaren Liturgiereform entstandene Messbuch Pauls VI. die «normale Form . . . der Liturgie der heiligen Eucharistie ist und bleibt» – so der Papst in seinem Begleitschreiben zum Dekret. Die Befürchtung, die Liturgiereform werde in Frage gestellt, sei unbegründet.
Damit ist auch für die Feier der Eucharistie in der «ausserordentlichen Form» des römischen Ritus, die das «Motu Proprio» im Einzelnen regelt, der künftige Rahmen abgesteckt. Die jetzt wieder allgemein erlaubte Form der Eucharistiefeier dürfte im gottesdienstlichen Leben der katholischen Kirche aufs Ganze gesehen letztlich ein Fremdkörper bleiben. Vor dem Zweiten Vaticanum war sie selbstverständlich, über vierzig Jahre danach muss sie grösstenteils angestrengt wieder angeeignet werden. Sie mag durchaus auf manche Zeitgenossen mit ihren lateinischen Texten und ihren komplizierten Ritualen den Reiz des Exotischen ausüben, aber dem Gros der regelmässigen Kirchgänger – jedenfalls in Westeuropa – ist sie kulturell fremd. Schon zu Zeiten der unbestrittenen Geltung der «alten» Messe gab es ja Hilfskonstruktionen, mit denen man versuchte, den Graben zwischen rituellem Vollzug und Befindlichkeit der Kirchgänger zu überbrücken, etwa durch die in Deutschland verbreiteten «Bet-Sing-Messen».
Die Probleme bleiben
So ist auch schwer vorzustellen, wie die gegenseitige Befruchtung der «ordentlichen» und der «ausserordentlichen» Form des römischen Ritus aussehen könnte, von der der Brief Benedikts XVI. spricht. All die Herausforderungen, denen sich Priester und Gemeinden bei der Feier der Eucharistie heute gegenübersehen, von der Gestaltung der Fürbitten bis zur Auswahl der Gesänge, stellen sich in der erratisch geschlossenen «alten» Messe gar nicht. Aber gerade deshalb ist sie letztlich auch keine Antwort auf die Frage, wie der Rahmen, den die «ordentliche» Form der Eucharistiefeier auch bei liturgisch korrektem Vollzug bietet, angemessen auszufüllen ist. Das gilt nicht zuletzt für die Verwendung lateinischer Texte im muttersprachlichen Gottesdienst, die ja jederzeit möglich ist.
In der Feier der Messe nach dem Messbuch Pauls VI. könne, so der Papst, «stärker, als bisher weithin der Fall ist, jene Sakralität erscheinen, die viele Menschen zum alten Usus hinzieht». In seinen Schriften zur Liturgie, die er als Theologe und noch als Präfekt der Glaubenskongregation veröffentlicht hat, war dem jetzigen Papst die Sakralität des Gottesdienstes ein zentrales Anliegen. Es bleibt die Frage, was Sakralität bedeuten kann, wenn man das christliche Grundgeheimnis der Inkarnation ernst nimmt.
* Der katholische Theologe Ulrich Ruh ist seit 1991 Chefredakteur der Herder Korrespondenz in Freiburg
© Neue Zürcher Zeitung, Zürich
Der Anspruch der römisch-katholischen Kirche, einzige Kirche Jesu Christi zu sein 
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Bietigheim-Bissingen/Deutschland, 24.07.2007 / APD Deutschland
von Josef Butscher*
Am 29. Juni 2007 unterzeichnet und am 10. Juli 2007 der Öffentlichkeit bekannt gemacht, kam aus dem Vatikan ein Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre mit dem Titel „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ heraus. Das Dokument bringt mit lehramtlicher Autorität einige Klarstellungen zu innerkatholischen Auseinandersetzungen. Mit den Antworten sollen daher im Katholizismus „Irrtümer“, „Unklarheiten“, „Abweichungen und Ungenauigkeiten“ korrigiert und „Verwirrung“ sowie „Zweifel“ beseitigt werden. Trotzdem sind (wieder einmal) Irritationen unter den evangelischen Kirchen entstanden.
Dabei wird jedoch von protestantischer Seite übersehen, dass es nicht Aufgabe der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre ist, neue Lehren zu verbreiten. Sie ist kein Büro für katholische Erneuerungsprozesse, sondern der kuriale Hüter des Überkommenen. Ihr Auftrag ist, über die tradierte Lehre der römischen Kirche zu wachen, wo nötig, „den Glauben der Kirche neu zu bekräftigen“ (§ 23 der Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre „Dominus Jesus“, August 2000), und verbindlich darzulegen, was in der katholischen Kirche immer, überall und von allen, wenn schon nicht geglaubt wird, dann doch zu glauben ist.
In dem Ende Juni 2007 unterzeichneten Dokument geht es um eine Aussage zum Thema Kirche, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil am 21. November 1964 gemacht wurde. In dem Konzilsdokument Lumen gentium, deutsch: Dogmatische Konstitution über die Kirche, Kapitel 8, Absatz 2, steht: „Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Das schliesst nicht aus, dass ausserhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen.“ (Karl Rahner, Herbert Vorgrimmler, "Kleines Konzilskompendium", Herder Taschenbuch Nr. 270; Hervorhebungen vom Autor.)
In dem jetzt veröffentlichten Schreiben werden im Frage-und-Antwortstil des alten römischen Katechismus auf knapp fünf Seiten fünf Fragen beantwortet. In dem dazu gehörenden Kommentar (über sieben Seiten) wird ausführlicher darauf eingegangen.
Frage 1: „Hat das Zweite Vatikanische Konzil die vorgegebene Lehre über die Kirche verändert?“ Die Antwort lautet: „Nichts hat sich an der überlieferten Lehre verändert.“ Johannes XXIII. erklärte bereits am 11.10.1962, dass es dem Konzil darum gehe, die „Substanz des Glaubensgutes“ zu erhalten, es aber etwas anderes sei, wie diese „Wahrheiten dargelegt werden, immer aber in demselben Sinn und in der derselben Bedeutung“.
Frage 2: „Wie muss die Aussage verstanden werden, gemäss der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert?“ (lateinisch: „subsistit in“ = verwirklicht in).
Bezug nehmend auf die oben angeführte Konzilsaussage wird bekräftigt: „Das Wort ‚subsistiert‘ wird … nur der katholischen Kirche allein zugeschrieben.“ Die katholische Kirche versteht sich als die einzig wahre Kirche und nicht als „gewisse Summe von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften“.
Frage 3: „Warum wird der Ausdruck ‚subsistiert in‘ und nicht einfach das Wort ‚ist‘ gebraucht?" „In Wirklichkeit wollten die Konzilsväter einfach anerkennen, dass es in den nicht katholischen Gemeinschaften selbst kirchliche Elemente gibt, die der Kirche Christi eigen sind.“ Im Klartext bedeutet das, dass alles, was die katholische Kirche in anderen kirchlichen Gemeinschaften als christlich anerkennt, sie als ihren Besitz betrachtet, und deshalb zurückzubringen ist. In diesem Zusammenhang ist m. E. auch die gegenseitige Anerkennung der Taufe der elf Kirchen in Deutschland zu sehen, die am 29. April diesen Jahres vollzogen wurde.
Frage 4: „Warum schreibt das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die von der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche getrennt sind, die Bezeichnung ‚Kirchen‘ zu?“ Die Orthodoxen bezeichnet die römisch-katholische Kirche als „Schwesternkirchen“ und „echte Teilkirchen“, weil sie in der Sukzession des Priestertums, der angeblich lückenlosen Reihenfolge bis auf Petrus zurückgehend, stehen und dazu die gültige Eucharistie praktizieren, die als Opfer und Wesensverwandlung Jesu Christi verstanden wird. Allerdings gibt es bei ihnen auch noch einen „Mangel“ (defectus), weil sie den Primat des Papstes nicht anerkennen; doch die Vorrangstellung des Papstes sei „ein inneres Wesenselement“ und dürfe nicht „als äussere Zutat“ verstanden werden.
Frage 5: „Warum schreiben die Texte des Konzils und des nachfolgenden Lehramts den Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind, den Titel ‚Kirche‘ nicht zu?“ Aus der Betrachtungsweise der katholischen Kirche hat die lutherische Reformation nicht das Evangelium reformiert, sondern eine „Wunde“ geschlagen, die noch nicht verheilt ist, weil die evangelische Kirche auch für sich beansprucht, Kirche Jesu Christi zu sein, obwohl sie doch das Papstamt und das katholische Abendmahlsverständnis ablehnt. Das Übel ist: Die von Rom Getrennten „nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an“. Und weiter: „Auch wenn die katholische Kirche die Fülle der Heilsmittel besitzt, ‚sind die Spaltungen der Christen für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katholizität in jenen Söhnen wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer vollen Gemeinschaft getrennt sind‘. Es geht also um die Fülle der katholischen Kirche, die schon gegenwärtig ist und die zunehmen muss in den Brüdern und Schwestern, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen …“ Freundlicherweise wird der Satz so fortgeführt: „aber auch in den eigenen Söhnen und Töchtern …“, womit sicher die Abweichler in den eigenen Reihen gemeint sind. Damit sagt die katholische Kirche: Seht, ihr Nichtkatholiken, uns fehlt zwar nichts an Heilsgütern, aber wir können es nicht ertragen, wenn ihr euch von uns fernhaltet. Meint ihr nicht, dass euer Absondern ein schlechtes Bild auf die Christenheit wirft?
Die Positionen der Glaubenskongregation sind nicht neu. Neu ist nur, mit welcher Strenge sie von dem Präfekten Kardinal Joseph William Levada, dem früheren Erzbischof von San Franzisko, vertreten werden und von dem so sanft geltenden Papst „gutgeheissen“ worden sind. Die Verlautbarung zeigt, dass es um die viel beschworene Einheit innerhalb der römisch-katholischen Kirche nicht gut bestellt ist. Adressaten des Schreibens der Glaubenskongregation sind in erster Linie die Bischöfe sowie Theologen der eigenen Kirche, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Debatte über das römische Kirchenverständnis so kontrovers wie das Konzil selbst führen. Schon der vom Vatikan gemassregelte frühere Franziskaner Leonardo Boff hatte ja betont, dass die einzige Kirche Christi „auch in anderen christlichen Kirchen subsistieren kann“. Ähnliche Positionen vertreten heute viele katholische Ökumeniker und Ökumenikerinnen. Ihnen wie auch dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, der in jüngster Zeit von verschiedenen „Typen von Kirche“ sprach, wird klar widersprochen. Das Dokument hält gleichzeitig den evangelischen Kirchen vor Augen, dass auf Veränderung Roms in Richtung reformatorisches Christentum zu hoffen, eine Illusion genannt werden muss.
* Josef Butscher ist Pastor i. R. der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und wohnt in Bietigheim-Bissingen/Deutschland
(C) Adventistischer Pressedienst APD, Zentralausgabe Deutschland, Ostfildern/Deutschland
Wir sind Papst – aber wer ist Kirche? 
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Marburg/Deutschland, 26.07.2007 / REMID
Kommentar des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes REMID
»Lassen Sie sich nicht entmutigen«. Mit diesen Worten überschrieb der römisch-katholische Bischof von Magdeburg, Dr. Gerhard Feige, einen am 22. Juli publizierten offenen Brief an die »lieben evangelischen Schwestern und Brüder«. Zwar bleibe auch ihm verborgen, warum die vatikanische Glaubenskongregation mit Unterschrift des Papstes Benedikt XVI. »Salz in offene Wunden« der Ökumene streue und am 29. Juni das Dokument »Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche« verabschiedet habe, doch müsse man sich bewusst machen, dass die Grundsätze des II. Vatikanischen Konzils nicht verändert worden seien.
Trotzdem haben besagte »Antworten« bei den evangelischen Glaubensgeschwistern breite Empörung hervorgerufen. Als »Brüskierung der Ökumene« bezeichnete der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Bischof von Berlin-Brandenburg Wolfgang Huber, das Dokument aus dem Vatikan. Ohne Not, aber »mit Vorsatz«, würden »anstößige Aussagen« wiederholt, so Huber in einer Presseerklärung
vom 10. Juli.
Die Glaubenskongregation leitet das Dokument mit der Aussage sein, dass einige »irrige Interpretationen« über die Lehre der Kirche »Verwirrung und Zweifel« hervorgerufen hätten. Dies sei dem theologischen Nachdenken in neuerer Zeit angesichts der »Neuheit der Themen« entsprungen. Demgegenüber hält die Glaubenskongregation fest: Die römisch-katholische Kirche ist die sichtbare Gestalt der einen Kirche Christi, von Jesus eingesetzt, in Kontinuität seit Petrus und seinen Nachfolgern auf dem Bischofssitz in Rom geleitet. Die für das Heil notwendigen Sakramente können auch nur von ihr wirksam gespendet werden. Kirche nach römisch-katholischem Verständnis konstituiert sich demnach nicht allein als »Gemeinschaft von Gläubigen«, sondern als auf die Apostel zurück gehende, von Christus eingesetzte und mit Vollmachten ausgestattete weltliche Institution der Heilsverwaltung. Dies formuliert die Glaubenskongregation in ihren fünf Antworten nicht in dieser Weise, aber das ist der Hintergrund, wenn dann den orthodoxen Kirchen die Eigenschaft »Kirche« noch zugesprochen wird, da sie im Grunde erst durch die Trennung in (orthodoxe) Ost- und (römisch-katholische) Westkirche getrennt seien, aber »wahre Sakramente« besäßen. Das Schisma des 11. Jahrhunderts hindere die eine Kirche Christi denn auch an der wahren katholischen Universalität. Die reformatorischen Kirchen hingegen hätten die für die Kirche Christi konstitutiven Elemente verloren. Sie hätten »die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt« und könnten deswegen – im theologischen, ekklesiologischen Sinn – eben nicht Kirche genannt werden, sondern nur »kirchliche Gemeinschaften«.
Diese Position ist aber in der Tat kein Rückschritt der römisch-katholischen Lehre. Denn auch das neue Dokument betont in der Übernahme des Dokuments »Lumen Gentium« (Christus ist das Licht der Völker) des II. Vatikanischen Konzils von 1963, dass der Geist Christi sich »nicht weigert«, die ›echten‹ Kirchen und reformatorischen Gemeinschaften als Mittel des Heils zu gebrauchen; sie seien »keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heils«.
Allerdings dränge letztlich alles zur kirchlichen Einheit der katholischen Kirche – und hier tut sich die Wunde der Ökumene auf, da die römisch-katholische Kirche aus ihrem zweitausendjährigen Selbstverständnis heraus ihr exklusives Kirchenverständnis nicht aufgibt. Denn auch wenn sich nach der Reformation zahlreichen neue Kirchen gebildet haben, ist die Vorstellung der Einheit der Kirche oder der Einheit der Christen bei allen christlichen Gemeinschaften weiterhin aktuell. Doch ist zu fragen, wo »Ökumene« wirklich entsteht: in den theologischen Bemühungen um das Verständnis von »Kirche« oder vor Ort, im Zusammenwirken von unterschiedlichen Gemeinden und Gläubigen der christlichen Konfessionen und Strömungen. Denn so sehr sich zum Beispiel die evangelische Kirche von dem neuen Vatikan-Dokument brüskiert sieht: sie selbst hat wie alle reformatorischen Kirchen und Strömungen ein grundsätzlich anderes Kirchenverständnis. »Ich glaube nicht, dass es wahr ist, was er sagt«, wird der anglikanische Bischof von Sydney zitiert, aber: »Wieso sollte ich überrascht sein, dass der Papst den katholischen Glauben verkündet?« Und auch wenn das Verhältnis von evangelischer zu katholischer Kirche in Deutschland durch die konfessionelle Spaltung des Landes von besonderer Bedeutung ist, darf in globaler Perspektive nicht übersehen werden, dass es zuletzt vor allem die orthodoxen Kirchen waren, die den ökumenischen Prozess belastet haben – und die im Übrigen ein recht ähnliches Verständnis von Kirche haben wie ihre römisch-katholischen Glaubensbrüder. Von größerer Bedeutung für den ökumenischen Alltag sind die Möglichkeiten gemeinsamer Praxis. Zwar schlägt auch hier das exklusivere Verständnis Roms immer wieder durch – etwa beim sakramentalen Verständnis des Abendmahls, wo eine gemeinsame Feier von päpstlicher Seite abgelehnt wird –, doch sind die Freiräume vor Ort wesentlich größer als unter den dann doch apodiktischen Antworten vatikanischer Theologen. Wie viel Ökumene in der Praxis möglich ist und die die Gläubigen beider Kirchen »Einheit« leben, wird zum Beispiel der nächste gemeinsame Kirchentag von Katholiken und Protestanten zeigen.
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Kästchen:
Augsburger Bekenntnis, Artikel 7: Von der Kirche
Es wird auch gelehrt, dass allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muss, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, dass das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden. Und es ist nicht zur wahren Einheit der christlichen Kirche nötig, dass überall die gleichen, von den Menschen eingesetzten Zeremonien eingehalten werden, wie Paulus sagt: »Ein Leib und ein Geist, wie ihr berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe« (Eph. 4,4.5).
Das Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana) von 1530 ist eine der grundlegenden Bekenntnisschriften der lutherischen Kirchen.
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Ungewisse, unübersichtliche Zeiten verlangen Orientierungen. Diese hat der Vatikan seinen TheologInnen und Gläubigen gegeben. Schon Johannes Paul II. hat das theologische Profil seiner katholischen Kirche zu schärfen versucht, und Benedikt XVI. setzt dies fort. Mit ihren harschen Reaktionen bringt die evangelische Kirche zwar mit Sicherheit ein in der Bevölkerung bestehendes Unverständnis über die Lehren der römisch-katholischen Kirche zum Ausdruck, doch drückt sie zugleich ein gewisses Maß an Verletzung aus, das auch dadurch erklärbar sein könnte, dass den evangelischen Kirchen das Selbstbewusstsein ihrer katholischen »Mutter«, von der man sich seit Luther emanzipiert hat, fehlt. Schließlich wird auch zu überlegen sein, ob die Motivation für die Veröffentlichung des neuen Vatikan-Dokuments zwar auch die interne Maßregelung war, wie hierzulande vermutet wird, aber vielleicht ebenso mit Blick auf Lateinamerika vorgenommen wurde, wo die Kirche Roms in Auseinandersetzung mit evangelikalen und charismatischen Gemeinschaften steht – mit Gruppierungen (»Sekten«), die auch von den evangelischen Brüdern und Schwestern eher kritisch beobachtet werden.
Quelle: religionen:info, newsletter religionen in deutschland, Juli 2007, Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V., (REMID), D- 35037 Marburg
Zweites Vaticanum "Magna Charta" der Kirche 
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Belluno/Italien, 27.07.2007 / Kathpress
Benedikt XVI. betont Bedeutung der Erneuerung der Liturgie durch das Konzil
Das Zweite Vatikanische Konzil ist die "Magna Charta" für den Weg der Kirche, hat Papst Benedikt XVI. bei seiner Begegnung mit 500 Priestern der Diözesen Belluno-Feltre und Treviso in Auronzo di Cadore klargestellt. Er sei selbst mit großem Enthusiasmus während des Konzils im Petersdom gewesen, sagte der Papst; es schien "ein neues Pfingsten", bei dem die Kirche die Menschheit neuerlich überzeugen konnte, nachdem es im 19./20. Jahrhundert zur großen Entfremdung von Welt und Kirche gekommen war. Wörtlich meinte Benedikt XVI.: "Wir waren alle voll Hoffnung, aber die Dinge haben sich dann tatsächlich als schwieriger erwiesen".
Man müsse sich aber an die Lehre der Geschichte halten, so der Papst: Die Zeiten nach einem Konzil seien immer sehr schwierig gewesen. Auch nach dem großen Konzil von Nicaea - bei dem das christliche Glaubensbekenntnis formuliert wurde - sei es nicht zu Versöhnung und Einheit gekommen, sondern zu einer chaotischen Lage des "Kampfes aller gegen alle". Auf diesem Hintergrund sei es nicht überraschend, dass es auch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil schwierig war, die "große Botschaft" dieser Kirchenversammlung zu verdauen. Wachstum bedeute immer auch Leiden, erinnerte der Papst.
In der Nachkonzilszeit habe es zwei große "historische Zäsuren" gegeben, die mit den Jahreszahlen 1968 und 1989 festzumachen seien, unterstrich Benedikt XVI. Das Jahr 1968 habe die "große kulturelle Krise des Westens" bedeutet. Damals sei die Zeit einer Generation zu Ende gegangen, die nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs die christlichen Wurzeln Europas wiederentdeckt hatte und den Wiederaufbau mit dieser großen Inspiration angegangen war. Als diese Generation abtrat, habe man freilich auch das Scheitern gesehen, die Lücken des Wiederaufbaus, das große Elend in der Welt. Die "Kulturrevolution" von 1968 habe im Grund besagt: In 2.000 Jahren Christentum ist es nicht gelungen, eine bessere Welt aufzubauen, es ist notwendig, vom Nullpunkt neu zu beginnen, der Marxismus ist das wissenschaftliche Rezept, um diese neue Welt zu errichten.
Auch in der Kirche hätte ein Teil gemeint, diese "Kulturrevolution" sei im Grunde das, was das Konzil wollte; sie habe die neue marxistische "Kulturrevolution" mit der Absicht des Konzils identifiziert. "So wird die Kirche zerstört", habe auf der anderen Seite die Reaktion gelautet.
Aber jenseits dieser extremen Standpunkte hätten viele demütig und still den "wahren Geist des Konzils" zu verwirklichen gesucht, unterstrich der Papst. Mitten im Lärm des verfehlten Progressismus und der Konzilsfeindschaft sei "sehr still", auch mit vielen Leiden und Verlusten, der Weg der Kirche gewachsen.
Die zweite Zäsur seit 1989 mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime gekommen. Die Antwort sei nicht die von manchen erhoffte "Rückkehr zum Glauben" gewesen, sondern der totale, "post-moderne" Skeptizismus: "Nichts ist wahr, jeder muss schauen, wie er lebt", die Wahrheit sei intolerant. Im Kontext dieser beiden "Kulturbrüche" - der "Kulturrevolution" von 1968 und dem "Absturz in den Nihilismus" von 1989 - gehe die Kirche demütig ihren Weg. Benedikt XVI: "Auf diesem Weg müssen wir in Geduld wachsen und auf neue Weise lernen, was es heißt, den Triumphalismus zu überwinden". Das Konzil habe das gewollt - aber die Väter des Konzils hätten an vergangene Triumphalismen, etwa an die Barockzeit, gedacht. Die "Demut des Kreuzes" schließe jedoch auch den neuen Triumphalismus aus, der meine, dass jetzt "die große Kirche der Zukunft" wachse. Die Kirche Christi müsse immer demütig sein, gerade deswegen sei sie groß und voll Freude.
Wörtlich sagte der Papst: "Es erscheint mir sehr wichtig, dass wir heute offenen Auges sehen, was an Positivem nach dem Konzil gewachsen ist: in der Erneuerung der Liturgie, in den Synoden auf Welt- und Diözesanebene, in den Pfarrstrukturen, in der neuen Verantwortung der Laien, in der neuen Erfahrung der Katholizität der Kirche". Es gehe darum, das große Erbe des Konzils wiederzuentdecken, an Hand der großen Texte des Konzils, die man mit den Erfahrungen neu lesen müsse, die in so vielen Bewegungen und neuen religiösen Gemeinschaften ihre Früchte gebracht haben. In diesem Miteinander von "Demut des Kreuzes" und "Freude des auferstandenen Christus", der seiner Kirche mit dem Konzil einen großen Wegweiser gegeben habe, könnten die Christen "freudig und hoffnungsvoll" voranschreiten.
Weltweite Evangelisch-methodistische Kirche: Dialog mit "Rom" weiterführen 
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Zürich/Schweiz, 30.07.2007 / EMK/UMC
Der Bischofsrat der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) hat zum Papier des Vatikans, das unter dem Titel "Antworten zu einigen Fragen über gewisse Aspekte der Kirche" erschienen ist, Stellung genommen. Er will am Dialog mit der römisch-katholischen Kirche festhalten.
Die methodistischen Bischöfe erinnern in ihrer Stellungnahme daran, dass die EMK seit 40 Jahren mit der Römisch-katholischen Kirche in einem Dialog stehe. In einzelnen zentralen theologischen Fragen sei das gemeinsame Verständnis unterdessen geklärt worden. "Als Brüder und Schwestern in Christus leben wir eine Partnerschaft in Gottes Mission an vielen Orten rund um die Welt", betont die Kirchenleitung der EMK.
Im Papier des Vatikans können die EMK-Bischöfe nichts wirklich Neues erkennen, das sich grundlegend von der bisherigen römisch-katholischen Kirchenlehre unterscheidet. Sie sind sich bewusst, dass die EMK aus Sicht des Vatikans keine Kirche im vollgültigen Sinn ist, "weil uns nach ihrer Ansicht die Merkmale der Einheit, des sakramentalen Priestertums und die vollständige Wirklichkeit der Eucharistie fehlen". Die EMK verstehe sich selber aber so, dass "wir durch Gottes Gnade an der ganzen Wirklichkeit der Kirche teilhaben durch die Treue im Auftrag, in der Mission und im Halten des Abendmahls". Das seien Unterschiede, die es weiterhin zu erforschen gelte. "Wir beten, dass sie eines Tages überwunden werden."
Die EMK teile das Leiden an der Zerrissenheit des Leibes Christi, schreibt der Bischofsrat in seiner Stellungnahme. "Im anhaltenden Gebet sehnen wir uns nach der Einheit rund um den Tisch des Herrn." In diesem Geist blicke die EMK in die Zukunft und auf die Fortsetzung des Dialogs mit der Römisch-katholischen Kirche.
Ökumene: Auch für Protestanten gibt es ein "Basta" 
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Hannover/Deutschland,, 31.07.2007 / idea
Dass der Vatikan den Protestanten die Anerkennung als vollwertige Kirchen verweigert, darf nach Ansicht von führenden Vertretern der Reformierten und der Methodisten nicht zum Stillstand der Beziehungen zu Katholiken führen. Am 10. Juli hatte die Vatikanische Glaubenkongregation das Dokument "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" veröffentlicht.
Den aus der Reformation hervorgegangenen christlichen Gemeinschaften könne kein Kirchenstatus zuerkannt werden, hieß es. Dies habe ihn nicht wirklich überrascht, sagte der Moderator (Vorsitzende) des Reformierten Bundes, Pfarrer Peter Bukowski (Wuppertal), gegenüber idea. Überrascht habe ihn freilich die "ökumenische Kaltschnäuzigkeit", mit der die "schroff abgrenzende Haltung" des römischen Schreibens "Dominus Iesus" aus dem Jahr 2000 wiederholt worden sei. Die Ökumene sei durch die römischen "Antworten" noch einmal mit Nachdruck an ihre "Arbeitsbedingungen" erinnert worden. Das ökumenische Problem lasse sich aber nicht auf die "unbeugsame Haltung der Römer" reduzieren. Schließlich gebe es auch protestantische Punkte, an denen es ein "genauso klares und nicht hintergehbares Basta" vorzubringen sei. Dies gelte zum Beispiel für Artikel VII des lutherischen Augsburgischen Bekenntnisses von 1530, "dem zufolge überall da Kirche ist, wo das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente evangeliumsgemäß verwaltet werden". Die Gesprächskontakte zwischen Protestanten und Katholiken sollten nach Bukowskis Ansicht weiter gepflegt werden. Allerdings sei die gegenseitige Anerkennung als Kirche nach evangelischem Verständnis die Voraussetzung und nicht das Ziel eines ökumenischen Dialogs.
Der Papst ist kein Antichrist
Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, 1999 vom Lutherischen Weltbund und dem Vatikan vereinbart, hat aus Bukowskis Sicht keine entscheidenden Auswirkungen auf praktische Fragen des evangelisch-katholischen Verhältnisses gehabt. Gleiches gelte für die 1985 verabschiedete Erklärung "Lehrverurteilungen kirchentrennend? ", die nach dem ersten Deutschlandbesuch von Papst Johannes Paul II. 1980 erarbeitet worden war. Erstaunt hat den Moderator, dass bei der Revision des reformierten Heidelberger Katechismus die einseitige Zurücknahme der Feststellung, dass der Papst der Antichrist sei, in der deutschen katholischen Presse kaum gewürdigt worden sei. Am Rande des Weltjugendtreffens 2005 in Köln habe er sowohl Papst Benedikt XVI. als auch dem für die Ökumene zuständigen Präfekten, Kardinal Walter Kasper, ein Exemplar dieses reformierten Dokuments überreicht. Der Reformierte Bund mit Sitz in Hannover repräsentiert über zwei Millionen Kirchenmitglieder in Deutschland. Dem Bund gehören die beiden reformierten Landeskirchen, rund 400 reformierte Kirchengemeinden und über 800 Einzelmitglieder an.
Methodisten: Wirklichkeit der Kirche
Unterdessen hat auch der Bischofsrat der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zu dem Vatikan-Papier Stellung genommen. Er will am Dialog mit der römisch-katholischen Kirche festhalten. Die methodistischen Bischöfe erinnern daran, dass die EmK seit 40 Jahren im Gespräch mit "Rom" stehe. Man sei sich bewusst, dass die EmK aus Sicht des Vatikans keine Kirche im voll gültigen Sinn sei, weil die Merkmale der Einheit, des sakramentalen Priestertums und die vollständige Wirklichkeit der Eucharistie fehlten. Die EmK verstehe sich selbst aber so, dass "wir durch Gottes Gnade an der ganzen Wirklichkeit der Kirche teilhaben durch die Treue im Auftrag, in der Mission und im Halten des Abendmahls". Die weltweite EmK hat rund 10,2 Millionen Mitglieder; zur EmK in Deutschland zählen etwa 63.000 Kirchenmitglieder und Angehörige.
© Evangelische Nachrichtenagentur idea
Offener Brief der KirchenVolksbewegung Wir sind Kirche an die Kirchen der Reformation 
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München/Deutschland, 31.07.2007 / KirchenVolksbeweung
Mit großer Betroffenheit und Scham hat die KirchenVolksbewegung Wir sind Kirche Kenntnis nehmen müssen von der jüngsten römischen Erklärung „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“.
Wir empfinden die neue Verlautbarung der Glaubenskongregation als verheerend und kontraproduktiv, vor allem im Hinblick auf die Ökumenische Versammlung in diesem Jahr in Sibiu/Hermannstadt und den Ökumenischen Kirchentag 2010 in München. Dieses Schreiben aus Rom hat im Kirchenvolk vielerorts große Empörung hervorgerufen; die Reaktionen unserer katholischen Bischöfe sind dagegen bedauerlicherweise eher halbherzig.
Deshalb möchten wir uns im Namen der – wie wir annehmen – großen Mehrheit der katholischen Christinnen und Christen für dieses provozierende Verhalten der römisch-katholischen Kirchenleitung in aller Form entschuldigen und Ihnen versichern, dass sehr viele Katholikinnen und Katholiken die Kirchen der Reformation als solche achten und anerkennen und weiterhin auf einen guten gemeinsamen Weg der Ökumene hoffen.
Die von Joseph Ratzinger als Kardinal verantwortete Erklärung „Dominus Iesus“ aus dem Jahr 2000 und die jüngste von ihm als Papst ausdrücklich gutgeheißene und bestätigte Erklärung sprechen leider eine ganz andere Sprache als die Enzyklika „Ut Unum Sint“ (1995) von Papst Johannes Paul II. über den Einsatz für die Ökumene.
Mit den sieben Thesen „Wider die Resignation in der Ökumene“ hatten wir bereits vor dem diesjährigen Evangelischen Kirchentag in Köln an die Kirchenleitungen appelliert, das bisher in der Ökumene Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen und sich weiterhin um sichtbare und wirkkräftige Zeichen der Einheit aller christlichen Kirchen zu bemühen.
Wir „vollziehen unsere Katholizität so, in dem sie in Gemeinschaft mit den anderen Kirchen steht“ (Erklärung der 9. Vollversammlung des Weltkirchenrates). Wir glauben daran, dass die Zukunft der Kirchen eine ökumenische sein muss, wenn unsere Kirchen glaubwürdig und zukunftweisend für ein menschliches Miteinander im Horizont der Schöpfung, für Gerechtigkeit und Frieden sein sollen.
In der Hoffnung, dass das Kirchenvolk aller Kirchen selbstbewusst und in wechselseitigem Respekt unbeirrt den Weg der Ökumene weiter vorangehen möge, um den Auftrag Jesu „auf das alle eins seien“ zu erfüllen, grüßen wir Sie geschwisterlich
Eva-Maria Kiklas
Karl Graml
Bundesteam der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche
Bundesweite Kontaktadresse:
KirchenVolksBewegung »Wir sind Kirche«
c/o Christian Weisner
Postfach 65 01 15
D-81215 München
eMail: info@wir-sind-kirche.de
Internet: www.wir-sind-kirche.de
Kommentar zur jüngsten Erklärung der Glaubenskongregation 
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Freiburg/Schweiz, 02.08.2007 / Universität Freiburg
Von Prof. Dr. Barbara Hallensleben
Im Normalfall gibt die Kongregation für die Glaubenslehre authentische Erklärungen des christlichen Glaubens für Katholiken, der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen formuliert seine Stellungnahmen im Horizont der Gemeinschaft verschiedener christlicher Traditionen auf der Suche nach einem gemeinsamen Zeugnis, damit die Welt von heute glaube. Was bedeutet es, wenn die Glaubenskongregation sich zu sogenannten ökumenischen Fragen äußert? Was man vermuten kann, trifft zu: Die Fragen stammen von Katholiken, genauer: von Katholiken, die den Verdacht haben, das II. Vatikanische Konzil, seine Aussagen zum Ökumenismus und vollends die Konzilsrezeption hätten mit der Wahrheit gebrochen, die katholische Kirche als wahre Kirche Jesu Christi zu bezeugen. Die Antworten werden von Katholiken für Katholiken formuliert, genauer: Im Bemühen um die "innere Versöhnung der Kirche", das Papst Benedikt XVI. wenige Tage zuvor in seinem Motu Proprio über den Gebrauch der römischen Liturgie zum Ausdruck gebracht hatte, werden erneut diejenigen kirchlichen Kreise angesprochen, die erfahrungsgemäß nicht nur der Liturgiereform, sondern auch dem ökumenischen Engagement, dem interreligiösen Dialog und der Religionsfreiheit skeptisch gegenüberstehen. Sie werden zunächst bestätigt: Nein, das II. Vatikanische Konzil hat die "vorhergehende Lehre" über die Kirche nicht verändert. "Was die Kirche durch die Jahrhunderte gelehrt hat, das lehren auch wir". Zugleich wird den Adressaten allerdings auch eine erhebliche Öffnung zugemutet: Das II. Vatikanische Konzil hat - auch und gerade mit seinem ökumenischen Engagement - "maßgeblich zur Erneuerung der katholischen Ekklesiologie beigetragen". Das Konzil hat die Lehre über die Kirche nicht "verändert", sie jedoch "entfaltet, vertieft und ausführlicher dargelegt". Wir begegnen hier einem typisch katholischen Vorgehen: Die Tradition wird bekräftigt, um sie zugleich lebendig weiterzuführen. Besonders klar äußert sich der "Kommentar" der Kongregation zur Ecclesia extra ecclesiam: Auch außerhalb der jurisdiktionellen Grenzen der katholischen Kirche werden "echte kirchliche Wirklichkeiten" anerkannt. Die orthodoxen Kirchen sind, wie bereits Dominus Iesus lehrte, "echte Teilkirchen" und "Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen". Die Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, haben "zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert".
Trotz dieser starken Betonung der Ecclesia extra ecclesiam wird das Dokument in breiten Kreisen als eine exklusivistische Identifikation der wahren Kirche Jesu Christi mit der katholischen Jurisdiktion in Communio mit dem Bischof von Rom gelesen. Evangelische Kommentatoren reagieren mit Protest, die orthodoxe Seite erkennt sich in ihrem eigenen Selbstverständnis als wahre Kirche Jesu Christi wieder und begrüßt einen ökumenischen Dialog auf der Grundlage klarer Bekenntnisse. Ansatzpunkte für eine solche exklusivistische Deutung liegen in der römischen Stellungnahme selbst:
Das Dokument macht sich die Sorge zu eigen, die bereits die "Note über den Gebrauch des Ausdrucks Schwesterkirchen" (2000) geleitet hatte: Hätte der Plural "Kirchen" das letzte Wort, dann wäre die eine und einzige Kirche Jesu Christi in der Geschichte nicht wahrhaft gegeben, dann wäre sie eine kontrafaktische Utopie. Die katholische Lehre über die Kirche bezeugt also im Kern etwas sehr Einfaches, das für jeden Christen elementar wichtig ist: Die Kirche ist! Sie ist "als konkretes Subjekt in dieser Welt anzutreffen". "Es gibt die Kirche als Subjekt in der geschichtlichen Wirklichkeit". Die Einheit und Einzigkeit des Subjekts Jesus Christus kommt in der Einheit und Einzigkeit des geschichtlichen Subjekts Kirche zum Ausdruck. Es kann nicht mehrere wahre Kirchen Jesu Christi geben. Deshalb darf in der Sicht der Glaubenskongregation das subsistit "nur der katholischen Kirche allein zugeschrieben" werden.
Nun besteht aber nach der Lehre des II. Vatikanischen Konzils diese eine und einzige katholische Kirche "in und aus" Teilkirchen (LG 23). Die Einheit des Subjekts Kirche in der Geschichte erfüllt sich in einer differenzierten Vielfalt. Darin kommt der Charakter der Kirche als Sakrament zum Ausdruck, als Zeichen und Werkzeug für die Gegenwart und Wirksamkeit Jesu Christi in seinem Geist in der Geschichte. Wie die vielen eucharistischen Kommunionen nicht durch Addition, sondern als je neue und tiefere geschichtliche Verwirklichung die eine Communio mit dem Leib Christi bezeichnen und bewirken, so vollzieht sich in jeder Teilkirche das volle Mysterium der einen und einzigen Kirche Jesu Christi. Gerade deshalb ist jede Teilkirche aufgrund ihrer eigenen Identität auf die Communio mit jeder anderen Teilkirche ausgerichtet, in der sie dasselbe Geheimnis des Leibes Christi am Werke sieht. Die Aussage von LG 23 kann also umformuliert werden: "In den Teilkirchen und aus ihnen subsistiert die eine und einzige katholische Kirche".
Wenn das subsistit innerhalb der katholischen Kirche in authentischer Weise auf die Teilkirchen zu beziehen ist, dann darf es auch den orthodoxen Kirchen als "echten Teilkirchen" zugesprochen werden. Sie wahren nicht nur "Elemente der Heiligung und der Wahrheit", sondern verwirklichen das Kirche-sein selbst. Sie verstehen sich wie die katholischen Kirchen als Sakrament der einen und einzigen Kirche Jesu Christi und haben sichtbare Zeichen ihrer Communio miteinander. Wenn sie ihre Teilkirchen als "vollständig in ihrem Teilsein" betrachten, dann nicht im Sinne absoluter Autonomie. In ihrem ökumenischen Engagement bezeugen sie die Sehnsucht nach der Wiederherstellung der Kommuniongemeinschaft und der vollen sichtbaren Einheit der einen und einzigen Kirche Jesu Christi unter dem Ehrenprimat des Bischofs von Rom, auch wenn sie diesen Primat nicht in der Form annehmen können, die er im zweiten Jahrtausend während der Zeit der Entfremdung zwischen Ost und West erhalten hat; besser: auch wenn es der katholischen Kirche noch nicht gelungen ist zu erklären und vorzuleben, "daß der Primat des Nachfolgers Petri, des Bischofs von Rom, nicht als äußere Zutat oder als Konkurrenz gegenüber den Bischöfen der Teilkirchen verstanden werden darf". Die orthodoxen Kirchen verhalten sich nicht selbstgenügsam, sondern bekennen die "common tragedy, affecting both the Catholic and the Orthodox Churches" (Bischof Hilarion Alfeyev).
Anders als in ihrer eigenen "Note über den Gebrauch des Ausdrucks Schwesterkirchen" bezieht die Glaubenskongregation in dem jüngst vorgelegten Dokument den ekklesiologisch reich gefüllten Ausdruck "Schwesterkirchen" auf die utopische Suche schlechthin ausstehender Einheit ("Die einzige Kirche Christi würde als eine Kirche in der Geschichte nicht mehr bestehen oder nur in ideeller Weise bestehen, also in fieri in einer zukünftigen durch den Dialog ersehnten und geförderten Konvergenz oder Wiedervereinigung der verschiedenen Schwesterkirchen"). Der Dialog zwischen den katholischen und den orthodoxen Schwesterkirchen dient hingegen der "ersehnten und geförderten Konvergenz oder Wiedervereinigung der verschiedenen Schwesterkirchen", die gegenseitig die in ihnen subsistierende eine und einzige Kirche Jesu Christi erkennen und anerkennen.
So lautet die Bilanz: Das Dokument der Glaubenskongregation erinnert an die Eckdaten der katholischen Lehre über die Kirche im Blick auf die orthodoxen Kirchen: Die eine und einzige Kirche Jesu Christi "subsistiert in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird" (LG 8), und: Die orthodoxen Kirchen sind "echte Teilkirchen" (Dominus Iesus 17). Da beide Aussagenreihen nicht versöhnt werden, wird das Dokument als exklusivistisch wahrgenommen, was es nicht sein will und nicht ist. Die Kongregation gibt der Theologie Orientierung, ohne deren Arbeit zu ersetzen. Sie hinterläßt die Aufgabe, das subsistit, die Lehre über die Teilkirchen und den Begriff der Schwesterkirchen miteinander theologisch in Bezug zu setzen.
Für diese Aufgabe gibt das Dokument wertvolle Hinweise. So wird klargestellt, daß "dem Übergang von ,ist' zu ,subsistiert' keine besondere theologische Bedeutung im Sinn einer Diskontinunität mit der vorausgehenden katholischen Lehre zukommt". Im Gegenteil: Deutet man das subsistit im christologischen Horizont, wo es auf die Subsistenz der menschlichen Natur Jesu Christi in der Person des göttlichen Logos bezogen ist, so bezeichnet es geradezu eine Verstärkung gegenüber dem est. Während das est alle Arten vorübergehender irdischer Identitäten besagen kann, bedeutet Subsistenz die volle, unverlierbare Identität im Leben Gottes. In diesem Sinne verwendet die Russische Orthodoxe Kirche in ihren Stellungnahmen zur Ökumenischen Bewegung mit Entschiedenheit das est: "Die Orthodoxe Kirche ist wahre Kirche Jesu Christi" (Grundprinzipien der Beziehung der Russischen Orthodoxen Kirche zu Andersgläubigen, Moskau 2000, 1.1). Das orthodoxe est und das katholische subsistit führen im Licht einer Theologie der Schwesterkirchen nicht etwa zur gegenseitigen Exklusivität, sondern könnten sich als die notwendige und ideale Voraussetzung für die Anerkennung voller kirchlicher Communio erweisen.
Barbara Hallensleben arbeitet im Departement für Glaubens- und Religionswissenschaft, Philosophie am Institut für Ökumenische Studien der Universität
Miséricorde in Freiburg/Schweiz
Bischof Koch mit Offenem Brief zur ökumenischen Situation 
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In einem am 7. August veröffentlichten "Offenen Brief" an den Präsidenten des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Pfarrer Thomas Wipf, erörtert der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Bischof Kurt Koch, die ökumenische Situation heute.
Anlass des offenen Briefes sind das kürzlich publizierte Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation über die Lehre der Kirche und die teils enttäuschten Stellungnahmen dazu, namentlich von evangelisch-reformierter Seite. Das hat ökumenische Irritationen ausgelöst, die Bischof Koch bedauert und die ihm leid tun. Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, dass in manchen Fällen auch von reformierter Seite ökumenische Irritationen ausgelöst wurden.
Im alltäglichen Umgang miteinander werden die aus der Reformation hervorgegangenen Glaubensgemeinschaften selbstverständlich als Kirchen geachtet. Dennoch sollte es erlaubt sein, dass die Katholiken mit den Reformierten über die gelebte Ökumene hinaus das eigentlich theologische Verständnis der Kirche diskutieren. Dieses Verständnis unterscheidet sich insbesondere in den Fragen des sakramentalen Weiheamtes und der apostolischen Sukzession. So verstehen sich die evangelisch-reformierten Kirchen nicht als Kirche in dem Sinne, wie sich die katholische Kirche versteht.
Die katholische Kirche setzt alles daran, den nötigen theologischen Dialog weiterzuführen. Denn beide gelebte Ökumene und theologische Debatte sind notwendig. Bischof Koch wünscht sich, dass die reformierten Kirchen in der Schweiz mit der katholischen Kirche im Gespräch bleiben, um gemeinsam als ökumenische Weggemeinschaft weiterzugehen. Denn der ökumenische Fortschritt ist nicht umkehrbar, und je offener auch über Unterschiede diskutiert wird, desto besser.
Hier der Wortlaut des "Offenen Briefes":
Offener Brief zur ökumenischen Situation heute [3'642,2 KB]
Reinigendes ökumenisches Sommergewitter 
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Solothurn/Schweiz, 07.08.2007 / KIPA
Basler Bischof Kurt Koch schreibt offenen Brief zur ökumenischen Situation heute
In einem ausführlichen offenen Brief zur aktuellen ökumenischen Situation hat sich Kurt Koch an den Präsidenten des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Thomas Wipf, gewandt. Anlass sind die ökumenischen Irritationen, wie sie das kürzlich publizierte vatikanische Dokument zum Kirchenverständnis und die darauf folgenden enttäuschten reformierten Stellungnahmen ausgelöst haben. Der Brief ist am 7. August auf der Internetseite der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) veröffentlicht worden.
Kurt Koch wendet sich mit seinem neunseitigen Brief an den Präsidenten des SEK, der sich als "gemeinsame Stimme des schweizerischen Protestantismus in der Ökumene" verstehe. Anlass ist die "offensichtlich schwierig gewordene ökumenische Situation in der Schweiz.
Durch die verschiedenen öffentlichen Äusserungen reformierter Kirchenvertreter sei, so Koch, in der Schweiz der Eindruck entstanden, die Ökumene liefe gut, wenn nur die katholische Kirche nicht stören würde. Dieser Eindruck ist nach Koch ungerecht und falsch, und es sei an der Zeit, auch jene ökumenischen Irritationen und Verletzungen anzusprechen, die reformierte Aussagen bei Katholiken verursacht haben.
Zwei verschiedene Ebenen
Für Bischof Koch will das Vatikan-Schreiben weder die evangelischen Kirchen diskriminieren noch ihnen das Kirchesein absprechen. Die Hauptaussage des Textes sei vielmehr eine Selbstverständlichkeit für jeden ökumenisch Informierten, nämlich dass die reformatorischen Kirchen keine Kirchen seien, so wie die katholische Kirche sich selbst versteht. Darum sei es angemessener, mit dem evangelische Theologen Edmund Schlink von "Kirchen in einem analogen Sinne" zu sprechen.
In der Alltagssprache spreche man – ihr Selbstverständnis anerkennend – von Kirchen. Zu unterscheiden seien aber die Ebene der existenziellen Dimension gelebten Glaubens und die sakramentale, institutionelle Dimension von Kirche, die nach den unaufgebbaren Wesenselementen der Kirche fragt.
Hier bestünden zwischen der katholischen und den reformatorischen Kirchen grundlegende Differenzen, und über die gelebte Ökumene hinaus müsse auch dieses theologische Verständnis der Kirchen diskutiert werden. Dabei dürfe aber die "Ökumene der Basis" nicht gegen jene der Kirchenleitung ausgespielt werden.
Ökumenische Irritationen auf beiden Seiten
Nicht nur auf reformierter Seite, auch bei den Katholiken gebe es eine grosse emotionale Sensibilität, so Koch. Es gebe genügend Beispiele – Koch verweist auf die vielfachen Profilierungsversuche der reformatorischen Kirchen in Abgrenzung zur katholischen Kirche –, dass auch die reformatorischen Kirchen immer wieder für ökumenische Verletzungen gesorgt haben.
Dass die katholische Kirche dazu in der Regel geschwiegen habe, sei im Nachhinein ein Fehler. Dadurch habe man den in der Öffentlichkeit verbreiteten Eindruck bestätigt, dass die reformatorischen Kirchen die Protagonisten der Ökumene, die Katholiken hingegen deren Hindernis seien. Notwendig seien jetzt Eingeständnisse von beiden Seiten und der Verzicht auf einseitige Schuldzuweisungen.
Ein Weiterkommen in der Ökumene erfordere den Austausch über das unterschiedliche Kirchenverständnis und auch über die Vorstellungen von der ökumenischen Aufgabe selbst. Die Klarstellungen des Vatikan-Schreibens wollen nach Koch gerade dem Fortschritt des Dialogs dienen und nicht ihn verunmöglichen.
Fehlender Dialog
Die Behauptung, jenes Schreiben habe "vierzig Jahre ökumenischer Bemühungen rückgängig gemacht", hält Koch für nicht haltbar. "Denn man kann etwas, das eigentlich nie wirklich stattgefunden hat, nämlich ein aufrichtiges Gespräch über das theologische Verständnis von Kirche, auch gar nicht rückgängig machen", so der Basler Bischof.
Er weist in seinem Brief auch darauf hin, dass die negativen und ablehnenden Reaktionen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum kommen, im Unterschied zum englischsprachigen Raum, in dem man die vatikanische Erklärung als positive Herausforderung für die Ökumene würdigte.
Frische Luft zum ökumenischen Atmen
Er sei sich dessen bewusst, dass dieser offene Brief nicht der ökumenischen "political correctness" entspreche und habe sich bisher immer an die biblische Weisung der Konfliktregelung unter vier Augen gehalten. Angesichts der durch das Vatikan-Dokument ausgelösten Entwicklungen fühle er sich aber – um der Ökumene willen, aber auch als Präsident der SBK – seinem Gewissen verpflichtet, ein offenes Wort zu sagen. Dazu hätte es, so Bischof Koch, in den vergangenen Jahren schon häufiger einen Anlass gegeben.
Koch betont in seinem Brief, dass er auf die reinigende Kraft dieses "ökumenischen Gewitters" hoffe und lädt die reformieren Kirchen der Schweiz erneut zum ökumenischen Dialog ein.
Warum der Vatikan evangelische Kirchen brüskiert 
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Kassel/Deutschland, 08.08.2007 / idea
Pressestimmenl: Evangelische Nachrichtenagentur idea
Die römisch-katholische Kirche macht durch das wachsende Gewicht evangelikaler, insbesondere charismatischer, Gemeinschaften vor allem in Brasilien, dem größten katholischen Land der Welt, einen "dramatischen Bedeutungsverlust" durch. Das erklärte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein (Kassel), gegenüber idea.
Hein gehört dem Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) an. Im Blick auf die jüngsten, in der EKD auf erheblichen Widerstand gestoßenen "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" der römischen Glaubenskongregation will Hein nicht bestreiten, dass das Papier, das den Kirchen der Reformation lediglich den Status "kirchlicher Gemeinschaften" zuweist, in erster Linie an die Adresse Lateinamerikas gerichtet sei. Dort wolle man den Menschen deutlich machen, dass allein die römisch-katholische die wahre Kirche sei. Wenn dies zutreffe, wäre es freilich hilfreich gewesen, einen Unterschied zwischen evangelischen Kirchen, evangelikalen und charismatischen Bewegungen zu machen, so Hein. Zugleich macht er darauf aufmerksam, dass er von der römisch-katholischen Seite „bis in die Bischofsebene“ hinein eindeutige Signale erhalten habe, den Dialog zwischen Protestanten und Katholiken fortzusetzen. Auch bei vielen Katholiken stießen die römischen „Antworten“ auf Unverständnis. Persönlich sei er enttäuscht von dem Papier der Glaubenskongregation, das Papst Benedikt XVI. abgezeichnet hat. Es trage "vorsätzlich" zur Verschlechterung des ökumenischen Klimas bei. Die permanente Wiederholung der Alleinvertretungsansprüche "Roms" stifte keine theologische Klarheit, sondern zeuge von Ignoranz gegenüber der gelebten kirchlichen Wirklichkeit. Er wünsche sich, dass sich Kirchen in ihrem Anderssein respektieren und die Vielfalt im christlichen Glauben als Reichtum und nicht als Problem erleben. Das sollte eine "geschwisterliche Selbstverständlichkeit" sein. Es sei zutiefst zu bedauern, dass der Vatikan hier anders denke.
Vatikan darf nicht allein Ökumene bestimmen
Nach Heins Ansicht kann es nicht sein, dass die römisch-katholische Kirche allein die Themen für das ökumenische Gespräch vorgebe. So sei sie zu befragen, wie sie zu den Grundlagen des Glaubens (Allein durch die Heilige Schrift, Allein durch Christus, Allein durch den Glauben und Allein durch Gnade) stehe. Ökumenische Gespräche seien dann zukunftsträchtig, wenn die Fragen und Ziele zuvor klar formuliert seien. Einen Rückfall in den alten Konfessionalismus sieht Hein nicht auf die Christen zukommen. Freilich sei das Bewusstsein für die eigene Konfession und ihre Besonderheit, etwa im Blick auf spezifische Frömmigkeitsformen, nie ganz verschwunden. Möglicherweise gebe es in machen römischen Kreisen, gab Hein gegenüber idea zu bedenken, auch Irritationen über ein erstarktes evangelisches Selbstbewusstsein und eine daraus erwachsende „Ökumene der Profile“. Heins Rat an die Gemeinden und ökumenischen Gruppen: „Pflegt eure ökumenischen Kontakte wie bisher.“
Papst: Aussöhnung mit Orthodoxen
Als persönlichen Eindruck bezeichnete der Bischof, dass Papst Benedikt XVI. eher auf eine Aussöhnung mit den orthodoxen Kirchen des Ostens setze. Denn er teile deren Distanz zur westlich ausgeprägten Aufklärung „aus tiefstem Herzen“. Allerdings sehe er nicht, dass der römisch-orthodoxe Dialog das Miteinander der evangelischen und orthodoxen Kirchen im ÖRK trüben könne.
© Evangelische Nachrichtenagentur idea e.V., Wetzlar/Deutschland
Das armenische Kirchenoberhaupt Karekin II. über den Dialog der Kirchen nach dem Vatikan-Papier 
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Bonn/Deutschland, 08.08.2007 / Rheinischer Merkur
Pressestimmen: Rheinischer Merkur (Bonn)
Fragen an Karekin II. – Interview des Rheinischen Merkurs
Die Fragen stellte Matthias Kopp.
Rheinischer Merkur (RM): Eure Heiligkeit, in Deutschland gehen die Wogen hoch, weil der Papst angeblich die Ökumene torpediert. Wie sehen Sie diese Diskussion?
Karekin II.: Wir haben sehr warme und gute Beziehungen zu Rom. Gerade durch den Besuch von Papst Johannes Paul II. ist vieles angestoßen worden. Dieser Prozess ist kontinuierlich, er geht weiter. Wir wissen als Kirche von Armenien und als Kirche von Rom, wo unsere Gemeinsamkeiten liegen, wie wir miteinander leben, und wir wissen auch, wo es Trennungen gibt.
RM: Sind diese Trennungen schwerwiegend?
Karekin: Es gibt Diskussionen über dogmatische Unterschiede unserer Kirchen. Aber ich möchte mich nicht darauf konzentrieren, weil wir – als armenisch-apostolische und als römisch-katholische Kirche – schon jetzt eine Einheit in der Liebe sind. Von dieser gemeinsamen Liebe untereinander müssen wir sprechen und uns nicht immer nur auf dogmatische oder institutionelle Fragen beschränken.
RM: Was heißt das konkret?
Karekin: Keine der beiden Kirchen kann von ihren Traditionen abrücken, auch nicht von ihren Werten. Vieles haben wir aber gerade in diesen beiden Punkten gemeinsam. Das trägt. Die theologische Diskussion ist wichtig, die dogmatischen Fragen gehören in die Wissenschaft. Wir müssen aber in der Kirche auch den Menschen erklären, dass wir an den Herzen arbeiten und uns nicht allein auf die Theologie konzentrieren. Wir sollten als Kirchen weiter unabhängig sein und kein Dogma daraus machen, dass wir eine Einheit darstellen müssen. Was wir brauchen und praktizieren, ist die Einheit in der Liebe! Ich möchte keine diplomatische Vermittlung zwischen den Kirchen, ich möchte, dass wir gemeinsam leben und unseren Glauben bekennen.
RM: Also die Verwirklichung eines gemeinsamen christlichen Ziels?
Karekin: Als Kirchen haben wir eine umfassende Mission in der Welt, wir können gemeinsam die Probleme der Menschheit lösen – jenseits von dogmatisch-theologischen Fragen. Wir müssen da ganz praktisch Ökumene im Alltag leben, weniger in der Dogmatik als vielmehr im Miteinander. Beide Kirchen sind aufgefordert, in einer Welt von Leid und Last ein Zeichen der Liebe und der Verständigung zu setzen. Das erwartet die Welt von uns.
RM: Und das armenische Volk im Besonderen . . .
Karekin: Keine Kirche wird sich von ihrem Volk oder ihrer Geschichte trennen. Das gilt für die armenische Kirche ganz besonders: Wir sind eine Kirche des Volkes und müssen auf die traditionellen Bindungen unseres Volkes und damit der Kirche Rücksicht nehmen. Dabei ist es unser Bemühen, die Tradition mit den aktuellen Fragen der Gegenwart in Einklang zu bringen.
RM: Gelingt das der armenischen Kirche nach den vielen Jahren unter kommunistischer Herrschaft?
Karekin: Es ist ein schrittweiser Prozess, der andauert. Während der Sowjetzeit hatten wir 13 Kirchen und 20 Priester. Heute sind es 250 Gemeinden und ebenso viele Priester. Wir sind froh, dass wir wachsen, aber wir müssen den Glauben auch wieder im Alltag der Menschen verankern. Ich glaube, dass wir noch fünf Jahre brauchen, bis ich sagen kann: Wir haben unsere alte Blüte erreicht.
RM: Sind die Wunden des Genozids überwunden?
Karekin: Wir dürfen die Geschichte nicht vergessen. Der Genozid hat ein Volk und eine Kirche ausgerottet. Und doch sind wir auferstanden. Auch das ist ein Grund, warum wir – bei aller Nähe und Ökumene – eigenständig bleiben müssen. Wir haben den Genozid überlebt, jetzt erwarten wir von der Welt, dass sie den Genozid als solchen anerkennt. Das ist mehr als ein Beitrag zur Völkerverständigung, das ist ein Beitrag zum dauerhaften Frieden und zur Anerkennung unseres Volkes und unserer Religion.
© Rheinischer Merkur Nr. 32, 09.08.2007
Ökumene: Am Scheideweg 
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Bonn/Deutschland, 08.08.2007 / Rheinischer Merkur
Pressestimmen: Rheinischer Merkur (Bonn)
Die evangelische Kritik am katholischen Kirchenverständnis geht von falschen Voraussetzungen aus.
Von Karl-Heinz Menke*
Die am 10. Juli 2007 veröffentlichten Antworten der Glaubenskongregation „auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ verfolgen ein einziges Ziel: Sie wollen nach den zum Teil heftigen Diskussionen über das zur Jahrtausendwende erschienene Lehrschreiben „Dominus Iesus“ unmissverständlich klarstellen, dass eine bestimmte Formulierung des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht das sagen wollte, was viele Theologen aus ihr herausgelesen haben.
Es geht um die Bedeutung der im achten Kapitel der Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils enthaltenen Sätze: „Die sichtbare Versammlung und die geistliche Gemeinschaft... sind nicht als zwei verschiedene Größen zu betrachten, sondern bilden eine einzige komplexe Wirklichkeit... Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen. Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen (Johannes 21,17), ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut (Matthäus 28,18 ff.)... Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, ist verwirklicht in (subsistit in) der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.“
Man kann diesen Text nur dann angemessen verstehen, wenn man seinen theologiegeschichtlichen Hintergrund kennt. Im Mittelalter kam es zu einer folgenreichen Vertauschung zweier zentraler Begriffe. Hatte man bis dahin die Kirche als „wahren, weil sichtbaren Leib Christi“ und das konsekrierte eucharistische Brot als „mystischen Leib“ bezeichnet, so verfuhr man jetzt umgekehrt: Man bezeichnete den eucharistischen Leib als wahren, weil sichtbaren Leib und die Kirche als mystischen, weil unsichtbaren Leib Christi.
Mystischer Körper
In der Folgezeit haben die Reformatoren die Bezeichnung der Kirche als „corpus Christi mysticum“ zum Zentralbegriff ihrer Ekklesiologie erhoben. Sie wollten damit ausdrücken, dass die wahre Kirche Christi die unsichtbare Gemeinschaft der im Glauben („sola fide“) Gerechtfertigten ist. Im Gegenzug verschwand der Begriff „corpus Christi mysticum“ aus allen Lehrbüchern der katholischen Ekklesiologie, bis im 19. Jahrhundert Theologen wie Johann Adam Möhler und Matthias Joseph Scheeben zu der Formulierung griffen: „Die sichtbar im Nachfolger des Petrus und der Apostel geeinte Kirche ist (lat. ,est‘) der mystische Leib Christi.“ Oder anders formuliert: Die unsichtbare Kirche, von der die Protestanten sprechen, ist untrennbar von der Institution, die ihr sichtbares Haupt im Papst hat.
Diese Position wurde lehramtlich durch die Enzyklika „Mystici Corporis“ 1942 von Papst Pius XII. festgeschrieben und durch die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht relativiert, sondern präzisiert. Die jüngst erschienene Dissertation der Theologin Alexandra von Teuffenbach konnte sogar nachweisen, dass nicht irgendein als fortschrittlich ausgewiesener Konzilsvater, sondern der als äußerst konservativ bekannte Jesuit Sebastian Tromp (im Auftrag von Pius XII. Verfasser der Enzyklika „Mystici Corporis“) für die Ersetzung des ursprünglichen „est“ durch das „subsistit in“ plädiert hat. Seine Intention war mit Sicherheit nicht die Relativierung, sondern die Präzisierung der These, die wahre Kirche Jesu Christi sei von der im Papst sichtbar geeinten Institution so wenig trennbar wie die menschliche Natur Jesu von der zweiten göttlichen Person.
Schon auf dem Konzil gab es Stimmen, die vor der Vieldeutigkeit des Begriffes „subsistit in“ gewarnt haben. Denn dieser Begriff wird innerhalb der Trinitätslehre anders als in der Christologie verwandt. Innerhalb der Christologie bedeutet er, dass Christus nicht teils göttliche Person, teils menschliche Person, sondern eine einzige Person ist. Innerhalb der Trinitätslehre aber bezeichnet derselbe Begriff „subsistit in“, dass Gott zwar ein Einziger ist, dass er aber in drei Personen „subsistiert“ (verwirklicht) ist.
Genau hier setzen die Theologen an, die von mehreren Subsistenzen der einen wahren Kirche Jesu Christi sprechen. Dabei blenden sie einfach aus, dass das achte Kapitel der Kirchenkonstitution des Konzils die christologische Variante des Subsistenzbegriffes bemüht. Das Konzil wollte sagen: Wie der ewige Sohn sich in einem einzigen Menschen offenbart hat, so subsistiert die wahre Kirche Jesu Christi in einer einzigen sichtbaren Kirche.
In einen RM-Interview vom 26. Juli hat der protestantische Theologe Matthias Haudel die angeblich christomonistische Ekklesiologie Joseph Ratzingers gegen die angeblich trinitätstheologische Communio-Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils gestellt. Diese Verzeichnung wird weder dem Papst noch den Texten des Konzils gerecht. Unbestritten ist, dass die Orts- oder Teilkirchen, wenn sie von einem Nachfolger der Apostel geleitet werden, wahre Kirchen sind. Aber so wie die Einheit jeder einzelnen Ortskirche in der Bekenntnisgemeinschaft mit dem Ortsbischof sichtbar wird, so muss auch die Einheit der Ortskirchen untereinander sichtbar werden in der Bekenntnisgemeinschaft mit dem Nachfolger Petri. Die Universalkirche nämlich ist so wenig eine abstrakte Idee („civitas platonica“) wie jede Orts- oder Teilkirche auch.
Das Schreiben der Glaubenskongregation enthält keinen einzigen Satz, den man nicht so oder ähnlich in den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils und in zahlreichen nachkonziliaren Erklärungen findet. Alles andere als neu ist auch die Unterscheidung zwischen den von Rom getrennten „Teilkirchen“ und solchen „Gemeinschaften“, die aus der Perspektive des römisch-katholischen Selbstverständnisses nicht als Kirchen im eigentlichen Sinn bezeichnet werden können.
Ideal von Kirche
Wer in dieser Differenzierung einen Verrat am Zweiten Vatikanischen Konzil oder einen antiökumenischen Akt sieht, sollte nachlesen, was große protestantische Theologen wie Karl Barth, Emil Brunner, Paul Tillich, Eberhard Jüngel und Gottfried Maron bis in die jüngste Gegenwart hinein über das Verhältnis der aus ihrer Sicht unsichtbaren (mystischen) Kirche Christi zu den Institutionen zum Beispiel der evangelischen Landeskirchen sagen.
In Emil Brunners Bestseller „Das Missverständnis der Kirche“ lesen wir: „Die Ekklesia des Neuen Testaments, die Christusgemeinde, ist gerade nicht das, was jede ‚Kirche’ mindestens auch ist, eine Institution, ein Etwas. Die Christusgemeinde ist nichts anderes als eine Gemeinschaft von Personen...“ Und weiter heißt es: „Ist die Kirche Institution, dann ist Rom die kirchlichste Kirche, das Ideal des Kircheseins; denn in ihr ist die Institutionalisierung der Ekklesia vollendet – und in ihr allein. Meint man aber mit der Kirche etwas anderes als Rom, dann muss man sich darüber klar sein, dass man mit diesem ‚anders’ bis zur Wurzel gehen muss; dann darf man Ekklesia nicht mit Kirche übersetzen . . . Dann muss man erkennen, dass die Ekklesia des Neuen Testaments, die Christusgemeinschaft der ersten Christen keine Kirche war und keine Kirche sein wollte.“
Dieses Zitat mag verdeutlichen, dass die Protestanten sich selbst nicht in demselben Sinne als Kirche verstehen wie die römisch-katholische Kirche oder wie die orthodoxen Kirchen. Sie nennen sich zwar „Kirche“; aber sie meinen mit diesem Wort entweder die eine wahre Kirche Jesu Christi, die nach ihrer Ansicht eine unsichtbare Größe ist, oder die Institutionen, die nach ihrer Ansicht von Menschen organisierte (soziologisch bedingte) Einrichtungen sind. Es gibt wohl keinen protestantischen Theologen, der die sichtbaren Institutionen seiner Kirche als Sakrament, das heißt als von Christus selbst untrennbares Mittel und Werkzeug des Heils, bezeichnen würde.
Ganz anders die orthodoxen Christen. Sie halten wie die Katholiken an der Sakramentalität der Kirche fest. Sie bekennen, dass nicht nur Christus selbst, sondern auch seine in den Nachfolgern der Apostel sichtbar geeinte Kirche heilsnotwendig ist. Dieser Unterschied wird deutlich, wenn römisch-katholische und orthodoxe Christen die eucharistische Gemeinschaft mit Christus an die sichtbare Bekenntnisgemeinschaft mit einem rechtmäßigen (in „apostolischer Sukzession“ stehenden) Nachfolger der Apostel binden.
Nachdem die Glaubenskongregation erneut klargestellt hat, dass die Ersetzung des „est“ durch das „subsistit in“ keine Veränderung des Selbstverständnisses der im Nachfolger Petri sichtbar geeinten Kirche intendiert, erklärt sie auch die Vorteile des Ausdrucks „subsistit in“. Dieser Begriff erfasst nämlich auch jene „Elemente der Heiligung und Wahrheit“, durch welche die eine Kirche Jesu Christi in den von Rom getrennten Teilkirchen und Gemeinschaften sichtbar wird. Ausdrücklich werden nicht nur die orthodoxen Kirchen, sondern auch die protestantischen Gemeinschaften als „Mittel des Heils“ gewürdigt.
Ökumene ohne Ehrlichkeit wäre aus der Sicht des protestantischen Theologen Jörg Baur eine die Wahrheit verschleiernde „Tintenfisch-Ökumene“. Er scheut die Frage nicht, ob es richtig war, am 31. Oktober 1999 in Augsburg den Konsens in der Rechtfertigungslehre zu feiern, ohne gleichzeitig die Frage zu beantworten, ob und gegebenenfalls inwiefern die Kirche heilsnotwendig ist. Jedenfalls ist es ein Gebot der Ehrlichkeit, das eigene Selbstverständnis ungeschminkt zu protokollieren. Das gilt natürlich nicht nur für die römisch-katholische Kirche, sondern auch für die von Rom getrennten Traditionen.
Wille der Reformatoren
Die Reformatoren im 16. Jahrhundert haben eine andere Kirche gewollt. Und sie haben die Trennung in Kauf genommen, um Christus treu sein zu können. Also fragt sich, ob diese Treue mit der These vereinbar ist, dass jede der großen christlichen Traditionen sich als eine unter anderen Spielarten der transzendent bleibenden Wahrheit relativiert. Die katholische Theologie kann sich die Vision einer „versöhnten Verschiedenheit“ durchaus zu eigen machen; dies aber nicht in der von vielen protestantischen Theologen propagierten Vision eines Bundes von Kirchen verschiedener Bekenntnisse.
Vordergründig betrachtet mag dieses „Einheitsmodell“ tolerant erscheinen. Bei Licht besehen aber wird die Wahrheit mit diesem Konzept auf eine unsichtbare Ebene transponiert, um auf der sichtbaren Ebene „jedem das Seine“ zu konzedieren.
Natürlich haben alle Christen mehr gemeinsam, als das römische Dokument vermuten lässt. Die faktische Anwendung des Begriffes „Kirche“ auf alle christlichen Gemeinschaften ist kein semantischer Betrug. Aber wenn es um die Bestimmung des Wesens der Kirche geht, dann ist es nicht gleichgültig, ob die wahre Kirche Jesu Christi nur auf der unsichtbaren Ebene eine einzige ist.
Letztlich stehen sich heute zwei Konzeptionen von Ökumenismus gegenüber; auf der einen Seite das Konzept der Katholiken und der orthodoxen Christen; auf der anderen Seite das Konzept der Protestanten. Ersteres erstrebt die sichtbare Einheit; Letzteres will den Status quo einer Vielheit durch wechselseitige Anerkennung der Verschiedenheiten festschreiben.
Das protestantische Konzept kann sich nicht auf die Reformatoren berufen. Denn diese haben ihre Reformation als Erneuerung der Kirche in ihrer Gesamtheit und nicht als Gründung einer protestantischen Teilkirche verstanden. Sie wollten keine neue Kirche, sondern die Reinigung beziehungsweise Wiederherstellung der alten. Sie wollten nicht eine Vielzahl von Bekenntnissen, sondern glaubten an die Unteilbarkeit der Wahrheit.
Die Debatte
Am 10. Juli hat die vatikanische Glaubenskongregation ein Papier „zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ veröffentlicht. In Antworten auf fünf Fragen wird dort das eigene Kirchenverständnis erklärt und auch auf die Position gegenüber anderen Kirchen und Gemeinschaften eingegangen. Obwohl das Dokument an die eigene kirchliche Adresse gerichtet ist, löste es heftige Reaktionen auf kirchenamtlicher evangelischer Seite aus. Es wurde als schwere Belastung für den ökumenischen Dialog bewertet. Der RM greift diese Kontroverse auf. In der Ausgabe vom 26. Juli begründete der evangelische Theologe Matthias Haudel seine Kritik am katholischen Kirchenverständnis. In dieser Ausgabe antwortet der katholische Dogmatiker Karl-Heinz Menke.
*Karl-Heinz Menke ist Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn.
© Rheinischer Merkur Nr. 31, 02.08.2007
Ökumene: "Das ist nicht nachvollziehbar" 
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Bonn/Deutschland, 08.08.2007 / Rheinischer Merkur
Pressestimmen: Rheinischer Merkur (Bonn)
Das Papier der römischen Glaubenskongregation hat für heftige Resonanz auf protestantischer Seite gesorgt. Der evangelische Dogmatiker Matthias Haudel im Interview mit dem Rheinischen Merkur (RM).
Das Gespräch führte Gerd Felder.
Rheinischer Merkur: Mit ihrer jüngsten Erklärung hat die Glaubenskongregation das katholische Kirchenverständnis dargelegt. Wie stehen Sie dazu?
Matthias Haudel: Das ist zunächst einmal eine Disziplinierung derjenigen katholischen Theologen, die das Zweite Vatikanische Konzil hinsichtlich seiner neuen Offenheit ausgelegt haben. Zugleich richtet sich die Erklärung gegen ökumenische Annäherungsversuche, die seit „Dominus Iesus“ von Kardinal Kasper und anderen unternommen wurden. So sagte Kasper 2001, die Protestanten seien „Kirchen anderen Typs, denen Elemente des römischen Kirchenverständnisses fehlen, aber nicht Elemente des Kircheseins“. Die jetzige Erklärung setzt erneut ausschließlich das römische Verständnis mit der wahren Kirche des Glaubensbekenntnisses gleich.
RM: Bedeutet die Erklärung ein Zurück hinter das Zweite Vatikanische Konzil?
Haudel: Die Erklärung setzt die Ausrichtung der römischen Verlautbarungen seit Anfang der Neunzigerjahre fort, die die fortschrittlichen Aussagen des Konzils restriktiv auslegen. Das betrifft etwa das Verhältnis von Primat und Bischöfen, von Amtsträgern und Laien oder von Orts- und Universalkirche. Im Blick auf die Ökumene war das Konzil von fortschrittlichen Aussagen und Dialogaufforderungen geprägt, wie zum Beispiel die Konstitution „Unitatis redintegratio“. Nun werden zum wiederholten Mal vornehmlich die abgrenzenden Postulate wiederholt. Die konservativen Kräfte, die sich beim Konzil nicht durchsetzen konnten, scheinen es Jahrzehnte danach zu tun, nicht zuletzt mithilfe des jetzigen Papstes.
RM: Sehen Sie in der Erklärung eine Einladung zum ökumenischen Dialog, wie die Kardinäle Kasper und Lehmann und einige katholische Ökumeniker das Papier interpretieren?
Haudel: Auf dieser Grundlage kann man niemanden zum Dialog einladen. Die Position lautet doch: Nur der, der den Primat des Papstes und das Weihepriestertum anerkennt, hat Anteil am vollen Kirchesein. Damit macht die römisch-katholische Kirche eine partikularkirchliche römische Tradition für alle Christen zum Kriterium des wahren Kircheseins. Offensichtlich ist man in Rom nicht bereit, die eigene Tradition der Kirchenstruktur auch einmal selbstkritisch anhand der gemeinsamen Glaubensgrundlagen zu betrachten. Stattdessen setzt man die „eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ aus dem Glaubensbekenntnis undifferenziert mit der römisch-katholischen Kirche gleich. Das ist weder biblisch noch kirchengeschichtlich nachvollziehbar.
RM: Bringt die Verlautbarung tatsächlich nichts Neues, wie manche Ökumeniker jetzt betonen?
Haudel: Von den Formulierungen her nicht, aber von der Ausrichtung her doch, wie ich es eben schon hinsichtlich des Konzils erläuterte. Auch die offiziellen Dokumente des ökumenischen Dialoges werden völlig ignoriert, obwohl sie weitreichende Ergebnisse erzielt haben. Das gelang ihnen, weil sie zwischen gemeinsamem Glaubensgrund und unterschiedlichen Glaubensgestalten zu unterscheiden versuchten. Davon ist das jetzige Papier mit der pauschalen Verabsolutierung des römischen Primats- und Amtsverständnisses wieder weit entfernt.
RM: Wie begründet die evangelische Kirche ihr Selbstverständnis, uneingeschränkt Kirche zu sein?
Haudel: Die evangelische Kirche ist Kirche, weil sie wie die anderen christlichen Kirchen Teil der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche ist, die im ökumenischen Glaubensbekenntnis von 381 bekannt wird. Sie ist Gemeinschaft der Glaubenden, die sich im Sinne der biblischen Schriften und der altkirchlichen Bekenntnisse in der Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott konstituiert. Auf dieser Grundlage erkennen wir auch die anderen Kirchen als Kirchen an. Martin Luther wollte keine neue Kirche, sondern die Kirche wegen ihrer Missstände auf der Grundlage des biblischen Zeugnisses reformieren. Er kritisierte unter anderem das klerikale Amtsverständnis, das das Priestertum aller Glaubenden aus dem Blick verloren hatte. Im Kontext des allgemeinen Priestertums blieb das Amt der Verkündigung und Sakramentsverwaltung aber angemessen bestehen.
RM: Wie sieht die evangelische Position mit Blick auf Kirchengemeinschaft aus?
Haudel: In ihrem Dokument „Kirchengemeinschaft nach evangelischem Verständnis“ aus dem Jahr 2001 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärt, dass zwischen Glaubensgrund und Glaubensgestalt zu unterscheiden ist. Bei gleichem Glaubensgrund kann die Glaubensgestalt der einzelnen Kirchen durchaus verschieden sein.
RM: Steckt darin eine Chance für die Ökumene?
Haudel: Wenn man sich über den Glaubensgrund – also die Bibel und die altkirchlichen Bekenntnisse – hinsichtlich rechter Verkündigung und Spendung der Sakramente einig ist, kann man nach Ansicht der EKD auch die Ämter gegenseitig anerkennen. In der frühen Christenheit gab es unterschiedliche Ausformungen der Ämter und Strukturen. Trotzdem erkannten sich die einzelnen Ortskirchen gegenseitig an und sprachen auf Konzilien mit einer Stimme. Das ist das Grundprinzip von kirchlicher Gemeinschaft.
RM: Besteht für Sie nun Klarheit darüber, was die katholische Kirche unter Ökumene versteht?
Haudel: Wenn man die eigene partikularkirchliche Amtsstruktur zur Voraussetzung für wahres Kirchesein macht, dann kann ich dazu nur sagen: So kann Ökumene schlicht nicht funktionieren, weil das an der biblischen und kirchengeschichtlichen Eigenheit kirchlicher Gemeinschaft vorbeigeht. Wir haben in den letzten Jahrzehnten theologisch alle Kleinigkeiten überwunden, die ökumenisch im Wege standen. Jetzt stehen wir an den Grundmauern. Dünne Bretter zu bohren ist leicht. Aber man muss an die Grundmauern heran und bereit und willens sein, auch die dicken Bretter zu bohren.
RM: Haben Sie noch Hoffnung, dort weiterzukommen?
Haudel: Die Hoffnung habe ich. Ich bin der festen Überzeugung, dass man gerade bei den Grundlagen – nämlich der Gotteslehre und dem Kirchenverständnis – ansetzen muss, um weiterzukommen. In meinem neuesten Buch konnte ich zeigen, dass Unterschiede im Kirchenverständnis aus unterschiedlichen Prioritätensetzungen in der Trinitätslehre resultieren. Auf der Grundlage der altkirchlichen Theologie, die im ökumenischen Bekenntnis von Konstantinopel (381) ihren Niederschlag fand, lassen sich die später entstandenen Einseitigkeiten in Ost und West überwinden. Die Kirchen sollten sich auf ihre gemeinsamen Grundlagen besinnen, dann können sie auch Annäherungen in den grundlegenden Unterschieden erreichen. In dem Buch habe ich das im Einzelnen gezeigt.
RM: Benedikt XVI. wurde in seiner Heimat, im Gegensatz zu früheren Zeiten, positiv gesehen, ja bejubelt. Liegt das daran, dass man meinte, er habe seine früheren Positionen geändert?
Haudel: Ich habe mich schon nach der Papstwahl gewundert, dass dem neuen Papst so viele ökumenische Hoffnungen entgegengebracht wurden. Wenn man seine Theologie genau analysiert, wird deutlich, dass sich die Grundstruktur seiner Theologie nie bedeutsam änderte. Zwar trat er als Theologe an, eine Ekklesiologie der Gemeinschaft zu entwickeln, also auf der Grundlage des Konzils den Gemeinschaftscharakter der Kirche zu betonen. Doch seine Trinitätslehre ist derart einseitig auf Gottes Einheit fixiert, dass sich das in einem monistisch-hierarchischen Kirchenverständnis widerspiegelt. Zuweilen hat man beim ambivalenten Umgang mit den biblischen und kirchengeschichtlichen Grundlagen zugleich das Gefühl, dass sein eigenes Amts- und Kirchenverständnis auch auf die Gotteslehre einwirkt.
RM: Liegt die jüngste Erklärung insofern auf der Linie früherer römischer Dokumente und der Theologie des Papstes?
Haudel: Als Präfekt der Glaubenskongregation hat Kardinal Ratzinger auf den angedeuteten Grundlagen seiner Theologie den römischen Zentralismus und den Vorrang der Universalkirche vor den Ortskirchen erneut betont. Insofern ist die neueste Erklärung keine Überraschung. Vor dem Hintergrund seiner Theologie war nichts anderes zu erwarten. Deshalb bleibt darauf hinzuweisen, dass ein derart einseitig monistisches Gottes- und Kirchenverständnis weder biblischen noch altkirchlichen Rückhalt hat. Hier könnte man gemeinsam auf die differenzierteren Grundlagen schauen.
RM: Teilen Sie die Ansicht mancher Protestanten, dass der Papst sich auf Kosten der Kirchen der Reformation an die Ostkirchen annähern könnte?
Haudel: Nein, wenn Rom den Primat des Papstes zur Conditio sine qua non für wahres Kirchesein macht, dann ist diese Verabsolutierung der römisch-katholischen Strukturen auch für die Ostkirchen nicht akzeptabel.
RM: Kann die katholische Kirche daran festhalten, dass Ziel der Ökumene die Einheit in versöhnter Verschiedenheit ist?
Haudel: Das Papier klingt tatsächlich ganz danach, als ob alle anderen Christen die römisch-katholischen Amts- und Hierarchiestrukturen annehmen müssten, wenn sie zur Einheit mit der „einzig wahren Kirche Christi“ zurückfinden wollen.
Das Buch zur Debatte
Für sein Buch „Die Selbsterschließung des dreieinigen Gottes. Grundlage eines ökumenischen Offenbarungs-, Gottes- und Kirchenverständnisses“ erhielt der evangelische Dogmatiker und Ökumeniker Matthias Haudel als erster Theologe zum zweiten Mal den Theologie- und Ökumenepreis der Katholischen Fakultät Regensburg (nach dem Buch „Die Bibel und die Einheit der Kirchen“). Im zuletzt veröffentlichten Werk wird der Zusammenhang von Trinitätslehre und Kirchenverständnis erstmals umfassend nachgewiesen, und zwar im Blick auf die gesamte Kirchengeschichte und alle großen Konfessionen. Auch an aktuellen Entwürfen wie dem von Joseph Ratzinger tritt hervor, wie sich Einseitigkeiten im Trinitäts- und Kirchenverständnis gegenseitig bedingen. Der Verfasser leitet von der gemeinsamen altkirchlichen Basis neue Differenzierungen ab, die allen Konfessionen trinitätstheologische Annäherungen ermöglichen – als Grundlage eines gemeinsamen Kirchenverständnisses. Es geht zudem um die Auswirkungen der Ergebnisse auf die kirchliche Weltverantwortung und den interreligiösen Dialog.
Infos zum Buch:
Matthias Haudel: Die Selbsterschließung des dreieinigen Gottes. Grundlage eines ökumenischen Offenbarungs-, Gottes- und Kirchenverständnisses. Forschungen zur systematischen und ökumenischen Theologie, Band 110. Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 2006. 640 Seiten, 69,90 Euro.
© Rheinischer Merkur Nr. 30, 26.07.2007
Vatikanische Kirchenkategorien sind nicht nachvollziehbar 
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Lichtensteig SG/Schweiz, 18.07.2007 / KIPA
"Luzerner Manifest" wendet sich in offenem Brief an Schweizer Bischöfe
Die Antworten der vatikanischen Glaubenskongregation auf Fragen bezüglich der Lehre über die Kirche vom 10. Juli hat die Unterzeichner des "Luzerner Manifests" "zutiefst befremdet und beschämt". Das geht aus einem offenen Brief der Kerngruppe des Luzerner Manifests an die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) vom 17. Juli hervor.
Katholiken und Katholikinnen, die sich um ökumenische Fortschritte mit den evangelischen Mitchristen bemühen, könnten die "Kirchenkategorien", wie sie die Glaubenskongregation festgelegt hat, nicht nachvollziehen, schreibt Klaus Ammann, Leiter der Kerngruppe.
Diese bitte die SBK "dringend", sich "eindeutig" von der Aussage zu distanzieren, dass das Lehramt den aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangenen Gemeinschaften den Titel "Kirche" nicht zuschreibe. Mit einer solchen Klarstellung könne die SBK ihr Bekenntnis zur Ökumene unterstreichen und die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche Schweiz fördern.
Forderung nach Gleichberechtigung
Das im Oktober 2006 von 112 Mitgliedern katholischer Verbände, Vereine und Behörden unterzeichnete "Luzerner Manifest" erklärt, dass die katholische Kirche die Menschenrechte nicht nur nach aussen verteidigen, sondern auch nach innen umsetzen müsse. Namentlich die Gleichstellung von Mann und Frau sei eine erstrangige Forderung der Uno-Menschenrechtserklärung sowie der Bundesverfassung.
Das "Manifest für eine geschwisterliche Kirche" ermutigt Kirchgemeinden, ihre Verantwortung dem Evangelium gegenüber und "ihre Mündigkeit und ihr Recht" zur Umsetzung der Gleichberechtigung in der Kirche wahrzunehmen. Es geht auf eine Erklärung der Synode der Katholiken Luzerns zurück, die einen Teil der Forderungen des Manifests vorwegnahm und im Jahr 2003 verabschiedet wurde.
Kurt Koch, Präsident der SBK und Bischof von Basel, kritisierte das "Luzerner Manifest" im Januar dieses Jahres scharf. Es leugne die Zuständigkeit der Weltkirche für Zölibat und Priesterweihe und verlasse dadurch den Boden des katholischen Kirchenverständnisses. Beim Wort genommen, fordere die Erklärung die Schweizer Bischöfe auf, sich von der Weltkirche abzuspalten, schrieb Koch damals empört.
Wortlaut des Offenen Briefes:
Offener Brief des Luzerner Manifests an die Schweizer Bischofskonferenz [11,5 KB]
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München, 09.08.2007 / Evangelisches Sonnta
Wie das aktuelle Vatikan-Papier zu einer »Ökumene der Profile« beiträgt
Von Helmut Frank
Auch eine Woche nach seiner Veröffentlichung ebbt die Kritik am Vatikan-Papier zum Verständnis der Kirche nicht ab. Viele Protestanten fühlen sich brüskiert, aber auch ökumenisch orientierte Katholiken ärgern sich, dass den protestantischen Kirchen erneut das Kirche-Sein abgesprochen wurde. Unfreiwillig hilft das römische Dekret den Protestanten, sich darauf zu besinnen, was die Gemeinde Jesu Christi trägt.
In der Apostelgeschichte des Lukas wird von der anfänglichen Harmonie in der Gemeinde gesprochen: »Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet«, wird in Kapitel 2, Vers 42 berichtet. »Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam« (Apg 4,32).
Angesichts des aktuellen Konflikts zwischen katholischen und evangelischen Theologen über die wahre Kirche erscheint der biblische Bericht beinahe als paradiesisches Urbild. Erst recht das Verheißungswort Jesu: »Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen«. Eine einfachere, eine klarere Definition von Kirche gibt es nicht, unter Christen bedürfte dieses eine Wort eigentlich keiner weiteren Erläuterung. Doch fast 2000 Jahre Kirchengeschichte liegen schwer auf dem biblischen Wort.
»Jesus verkündigte das Reich Gottes, gekommen ist die Kirche«, klagte einst der französische katholische Theologe Alfred Loisy (1857-1940). Die beißende Kritik kommt einem wieder in den Sinn, wenn man die aktuelle Stellungnahme der römischen Glaubenskongregation »Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche« liest. Dort heißt es - wie schon einmal im Lehrschreiben Dominus Iesus im Jahr 2000 formuliert - nur in der katholischen Kirche bestehe die von Jesus Christus gegründete Kirche fort, die »aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften« seien keine Kirchen.
Viele Protestanten fühlen sich brüskiert, aber auch ökumenisch orientierte Katholiken ärgern sich über das Vatikan-Papier. Denn der Glaube an Christus, die Taufe, die Bibel, die Mitarbeit am Reich Gottes und das gemeinsame Gebet einen doch Christen aller Konfessionen. Reicht das nicht? Weitere Fragen schließen sich an: Was unterscheidet eigentlich Katholiken und Protestanten in ihrem Verständnis von Kirche? Warum tun sich vatikanische Theologen so schwer mit der Ökumene? Können Protestanten die katholische Kirche akzeptieren? Und grundsätzlich: Hat Jesus überhaupt eine Kirche gegründet, wie in dem Vatikan-Papier behauptet wird?
Die Antworten darauf sind in der frühen Geschichte der christlichen Kirche zu finden. Die ungestörte Harmonie, wie sie in der Apostelgeschichte berichtet wird, war in der Urgemeinde nicht von langer Dauer. Durch die erfolgreiche Mission bekam die junge Kirche eine ungeheuere Dynamik, Menschen mit unterschiedlichem kulturellem, religiösem oder sozialem Hintergrund wurden integriert. Diese bunte Gruppe der Christen verstand sich aber auch dann noch als Gemeinschaft, als die Gemeinde in einzelne Gruppen mit jeweils unterschiedlichen theologischen Richtungen zerfiel.
Paulus band die verschiedenen theologischen Strömungen mit seinem berühmten Bild vom Leib Christi mit seinen Gliedern und Christus als Haupt zusammen (1. Kor. 12,12f). Die Kollekten »seiner« Gemeinden für die Gemeinde in Jerusalem zeigen, dass die Urchristenheit bei aller Selbstständigkeit der Einzelgemeinden stets das Bewusstsein ihrer Einheit bewahrt hat. Aus diesem Bewusstsein wurden selbst schroffe Gegensätze wie der zwischen Juden- und Heidenchristen überwunden, zwischen paulinischen und petrinischen Gemeinden.
Von Anfang an haben sich territoriale Kirchen gebildet, die keiner einheitlichen Leitung unterstanden, schon gar nicht der Leitung des Bischofs von Rom. Die »Gemeinde Jesu Christi« war und ist zunächst die Gesamtheit derer, die Jesus als den Christus - und damit als ihren Erlöser und Herrn bekennen (Mt 16,16f, 1.Kor 1,2). Die Christen brachen das Brot und trafen sich zum Gottesdienst, die Taufe markierte die Aufnahme in diese Gemeinschaft.
Warum soll es heute anders sein? Wo dies stattfindet, verwirklicht sich Kirche - aus biblischer Sicht. Die Reformatoren sahen deshalb die Kirche da verwirklicht, wo das Evangelium auf rechte Weise gepredigt und die Sakramente auf rechte Weise verwaltet werden, wie es das Augsburger Bekenntnis aus dem Jahr 1530 lehrt.
Beschwichtigungen können den Ärger nicht dämpfen
Aus römisch-katholischer Sicht ist es jedoch umgekehrt. Es braucht die Institution Kirche, damit dies alles in rechter Weise stattfinden kann, inklusive geweihter Priester, einer heiligen Hierarchie und dem unfehlbaren Papst an der Spitze. Dem sakramentalen Gebäude kommt dabei selbst eine Heilswirksamkeit zu, die Kirche wird zur Heilsanstalt, die Priester und Bischöfe zu Heilsmittlern.
Evangelischen Christen liegt dieses Bild der Kirche fern, die Reformatoren lehnten es mit gutem Grund scharf ab. Aber ist es evangelischen Christen heute wenigstens möglich, diese Sicht der Kirche als »katholischen Typus« in versöhnter Verschiedenheit zu akzeptieren? Nach evangelischem Verständnis seien alle Kirchen, auch die römisch-katholische, Teil der einen Kirche Jesu Christi und damit »Teilkirchen«, betont der Augsburger Regionalbischof Ernst Öffner. Er wirft allerdings dem Vatikan vor, mit seinem Wahrheitsanspruch andere Kirchen zu zensieren.
Die Lehre von der Kirche gehört nicht ohne Grund zu den schwierigeren Fragen des ökumenischen Dialogs. Nach ökumenischen Erfolgen in den vergangenen vier Jahrzehnten liegt dieser letzte schwere Brocken immer noch auf dem Weg. Nun scheint dieser Weg noch schwieriger zu werden. Das Vatikan-Dokument brüskiere die Ökumene, heißt es in einer Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die in Rom vorgelegten Thesen seien eine »vertane Chance«, erklärte deren Ratsvorsitzender Wolfgang Huber: »Von Fahrlässigkeit kann niemand mehr sprechen; es handelt sich um Vorsatz.«
Belastend an der jetzigen Situation ist: Der Vatikan scheint kein Interesse an einem Fortschritt in der Frage der Stellung der Kirche zu haben, wenn er seinem Gesprächspartner fortwährend verwehrt, sich auf Augenhöhe zu bewegen. Daran wird selbst die Beteuerung, Ökumene gehöre weiterhin zu den Prioritäten der katholischen Kirche, nichts ändern. Auch die Beschwichtigungen des ökumenefreundlich gesinnten Kardinals Karl Lehmann konnten den Ärger der Protestanten nicht dämpfen. Das Papier lasse grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten, sagt Lehmann.
Als »Dämpfer für die Ökumene« bezeichnete die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann das Vatikan-Papier. Es sei ein »Trauerspiel«, das »ökumenische Pflänzchen so austrocknen zu lassen«. Käßmann liegt wahrscheinlich richtig, wenn sie feststellt, dass die Ökumene getroffen wurde, weniger die Protestanten.
Ökumeniker im katholischen Klerus werden es nun schwerer haben. Das Papier brüskiert vor allem den Präsidenten des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, der in jüngster Zeit von verschiedenen »Typen von Kirche« sprach. Kasper bittet nun darum, »nicht allzu kleinkariert um Zweit- und Drittrangiges streiten«. Wichtiger sei es, vorrangig daran zu denken, was die Menschen heute wie zu allen Zeiten dringend brauchen, nämlich Gott und die Gemeinschaft mit ihm. Protestanten und Katholiken seien »nicht Gegner, nicht Konkurrenten, nicht Fremde«. Was sind sie aber dann? Eine positive Formulierung kommt auch Kasper in diesen Tagen nicht über die Lippen.
Die Feststellung, dass die Kirche Christi nur in der katholischen Kirche voll verwirklicht sei, biete »keinen Anlass, für Triumphgeschrei oder Überheblichkeitsgefühle«, warnt der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Es klingt, als ob der Leiter der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz an den Sportsgeist seiner Truppe appelliert, den unterlegenen Gegner nach einem Kantersieg nicht länger zu demütigen. Müller behauptet fest: »Weil Christus nur eine einzige Kirche gegründet hat, kann es auch nur eine Kirche geben.«
Woran es der evangelischen Kirche fehlt? Immer wieder wird von katholischen Dogmatikern bei den protestantischen Kirchen die fehlende »apostolische Sukzession im Weihesakrament« bemängelt. Mit Sukzession ist die angeblich ununterbrochene Aufeinanderfolge und durch Handauflegung vererbte Amtsvollmacht der Bischöfe von den biblischen Aposteln bis heute gemeint. Nach katholischem Verständnis ist diese Kette bei den Protestanten unterbrochen. Ohne sakramentales Priestertum gebe es jedoch keine »vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums«, so das Vatikan-Papier.
Die evangelischen Theologen sind sich nicht einig, wie sie auf diesen Einwand reagieren sollen. Konservative Lutheraner sehen auf katholischer Seite in der Verknüpfung des Abendmahls mit dem Weihepriestertum und dem Opfercharakter der Messe ein unbiblisches Eucharistieverständnis. Zurückgewiesen wird die ständig wiederholte Behauptung, die Reformation habe das »eigentliche Mysterium der Eucharistie« nicht bewahrt.
Ökumenisch orientierte Lutheraner, wie etwa der Münchner Theologieprofessor Gunther Wenz, versuchen dem Einwand zu begegnen. Die Kirchen der Reformation seien keine Neugründungen aus dem 16. Jahrhundert, sondern bezögen sich wie die katholische Kirche auf die Ursprünge des Christentums, betont Wenz. Auch die evangelische Kirche stehe in der »apostolischen Tradition«. Wie die römisch-katholische Kirche kenne die evangelische Kirche das besondere geistliche Amt, in das die Pfarrer berufen werden müssen.
Das größte Hindernis für eine weitere Annäherung der Kirchen ist Wenz zufolge die unterschiedliche Bewertung des Bischofsamtes. In der römisch-katholischen Kirche habe der Bischof die alleinige Kompetenz zur Auslegung der Schrift. Dazu gehöre auch der Anspruch der Unfehlbarkeit des Papstes, des »Bischofs von Rom«. Über alle diese Differenzen verbinde Katholiken und Protestanten das gemeinsame Sakrament der Taufe.
Verliert der Papst durch das Vatikan-Papier an Autorität?
Das Verbindende scheint an der Kirchenbasis durch das Vatikan-Papier nicht gestört, sondern eher noch befördert zu werden, denn bei vielen evangelischen Amtsträgern gehen in diesen Tagen Solidaritätsadressen katholischer Amtsbrüder ein. »Ich bin sehr dankbar für die Reaktionen von katholischen Theologen, die mich erreicht haben«, sagt etwa der Bayreuther Regionalbischof Wilfried Beyhl. Er spürt darin den Wunsch, dass sich die katholische und die evangelische Kirche auch weiterhin als Schwesterkirchen »auf Augenhöhe« begegnen sollen. Beyhl beobachtet auch bei katholischen Christen Unverständnis und Befremden. Und er befürchtet, das Papier könne zu einem Autoritätsverlust des Papstes führen.
Ökumeneexperten raten nun der evangelischen Kirche, ihr reformatorisches Profil in die Diskussion einzubringen. Einen Verzicht auf dieses Profil wird die römisch-katholische Kirche nicht erwarten, sie hat ihr eigenes Profil gerade in diesen Wochen denkbar scharf hervorgehoben. Das Vatikan-Papier kann in diesem Sinn der Ökumene dienen, denn nun liegt auf der Hand, dass eine Einheitskirche nach katholischem Verständnis nicht das Ziel sei. Es geht um die Rückbesinnung auf das, was die Gemeinschaft mit Christus ausmacht.
Dies kann in der jetzigen Konstellation womöglich nur von unten geschehen - auf der Basis der Gemeinden. Der amtierende Papst grenzt sich ab, weil er weiß, dass sich auf seinem sakramentalen und hierarchischen Kirchenverständnis die Macht seiner Institution gründet. Die Gemeinde Jesu Christi ist aber etwas anderes. Benedikt XVI. sollte sich ein wunderbares Wort aus seinem aktuellen Buch »Jesus von Nazareth« vergegenwärtigen: »Das Wichtigste ist die innere Freundschaft mit Jesus, auf die doch alles ankommt.«
Quelle: Evangelisches Sonntagsblatt für Bayern, Ausgabe 22. Juli 2007
Evangelischer Bischof Weber: Einzelne Kirche ist nicht die Wahrheit 
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Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber hat sich vom Kirchenverständnis des Vatikans scharf abgegrenzt. In seiner Predigt am 12. August in der Dresdner Frauenkirche rief Weber, der auch Catholica-Beauftrager der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist, dazu auf, die Begegnung und das Gespräch zwischen den Konfessionen dennoch fortzusetzen. «Nur Gott ist die Wahrheit, nicht das, was eine einzelne Kirche von ihm zu sagen weiß», sagte er.
Der Ökumene-Experte wandte sich damit erneut gegen das neueste Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation. Darin sei den Kirchen der Reformation mitgeteilt worden, sie könnten nicht Kirchen im eigentlichen Sinn genannt werden. Ihnen fehle die historische Kontinuität im Bischofsamt und damit ein anerkennungswürdiges Pfarramt. Deshalb könnten nach katholischer Auffassung die evangelischen Kirchen auch kein gültiges Abendmahl feiern.
Weber sagte dagegen, noch immer gelte die Weisheit: «Wer zur Quelle gehen kann, der gehe nicht zum Krug.» Der Reformator Martin Luther sei zur Quelle gegangen, zum Wort Gottes, zur Bibel des alten und neuen Testaments. Das reiche den reformatorischen Kirchen, «denn wir wollten uns doch nicht nach römisch-katholischer Lehre sagen lassen, was die evangelische Kirche sei».
Weber sprach sich dafür aus, an der Ökumene festzuhalten. Er forderte dazu auf, Geduld zu haben und nicht zu resignieren. Es gelte, Grenzen zu überwinden und manchmal über Abgründe zu gehen.
(C) Evangelischer Pressedienst epd, Frankfurt am Main
Zur Diskussion um das Subsistit: "Was bedeutet Einheit?" 
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Rom/Italien, 19.08.2007 / Radio Vatikan
Prof. Thönissen * vom Möhler-Institut für Ökumenik antwortet auf Fragen von Radio Vatikan:
Seit Erscheinen des Papiers der Glaubenskongregation mit dem Titel „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ reißen die Diskussionen nicht ab; besonders von evangelischer Seite wird das Papier immer wieder als Angriff auf die Ökumene gedeutet.
Frage: In den Diskussionen geht es zurzeit vor allem um die Frage, was „wahres Kirchesein“ bedeutet. Ist nur die katholische Kirche die wahre Kirche?
Thönissen: Ich denke das wichtigste ist zunächst einmal, sich zu erinnern, in welchem Zusammenhang das jetzige, neue Papier der Glaubenskongregation steht. Es geht um das Zweite Vatikanische Konzil, es geht innerhalb der Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils um die Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“. Diese Kirchenkonstitution ist die erste Zusammenschau der katholischen Kirche über das, was die Kirche von sich selbst glaubt, was die Kirche über sich selbst lehrt. Das ist zum ersten Mal in der Kirchengeschichte mit dieser Kirchenkonstitution geschehen. Das dritte ist, dass das Zweite Vatikanische Konzil auch das erste Konzil ist, das nach außen geblickt hat. Und zwar in einer positiven Weise. Zum Staat, zu den Gesellschaften hin und auch zu den christlichen Kirchen und zu den anderen Religionen. Dazu hat das Konzil eine ganze Reihe von wichtigen Dokumenten erlassen, und in diesem Zusammenhang steht jetzt auch diese neuere Erklärung. Dazu muss man jetzt noch genauer sagen: Es geht gar nicht um das Thema der wahren Kirche, oder der rechtmäßigen Kirche. Das ist ein Thema, dass erst in der Neuzeit aufgekommen ist und das eher von fundamentaltheologischer Bedeutung ist. Sondern was die Kirche sagen will ist, es geht um die Einheit der Kirche Jesu Christi, an die wir glauben. Das ist das Thema im Glaubensbekenntnis und darum wollen wir uns auch bemühen, dieses Bekenntnis zu der einen Kirche klarzumachen.“
Frage: Es gibt offensichtlich unterschiedliche Ansichtsweisen, was diese Einheit bedeutet.
Thönissen: Hier muss man zunächst einmal historisch sagen, dass die katholische Kirche immer das Bekenntnis zur Einheit der Kirche hochgehalten hat, über all die 2000 Jahre. Was sich in dieser Zeit, vor allen Dingen nach der Spaltung der Christenheit in der Reformationszeit gezeigt hat, ist, dass sich hier über die kontroverstheologische Auseinandersetzung, jedenfalls im 20. Jahrhundert, eine neue Bewegung eingespielt hat, die wir die ökumenische Bewegung nennen. Also das Miteinander der Christen, dass sie miteinander beten können, dass sie miteinander die Bibel lesen können, dass sie vieles gemeinsam miteinander tun können, auch wenn die Differenzen noch sehr groß sind. Dieses Anliegen vertritt die Katholische Kirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil voll und ganz. Allerdings stehen unterschiedliche Auffassungen dahinter. Man könnte, wenn man eine Grobeinteilung machen wollte, folgendes sagen. Der Ökumenische Rat vertritt ein Konzept von Einheit, dem viele verschiedene, sehr differente Kirchengemeinschaften angehören. Demgegenüber steht das Verständnis eines Kirchenbundes. Etwa die evangelischen Kirchen in Deutschland haben über lange Jahre hinweg ihre Einheit untereinander im Sinne eines, eher lockeren Bundes verstanden. Demgegenüber steht dann die katholische Auffassung, es gibt diese eine Kirche, sie ist in der katholischen Kirche da. Das schließt aber nicht aus, dass diese Kirche in sich sehr vielfältig sein kann, auch das hat das Konzil sehr deutlich herausgestellt. So hätte man jetzt drei verschiedene Konzepte von Einheit, über die wir derzeit auch im ökumenischen Umfeld streiten.
Frage: Was ist der eigentliche Streitpunkt, offenbar sind das doch sich widersprechende Konzepte?
Thönissen: Das sind sicherlich sich widersprechende Konzepte, der springende Punkt ist, wie wir die Vielfalt der Kirchen, oder die Vielfalt der Gemeinschaften auf das Bekenntnis der Einheit beziehen. Das hat schon der Ökumenische Rat der Kirchen vor über 50 Jahren gesehen. Das man vor der Tatsache steht, dass jede Kirche ein eigenes Verständnis von ihrer Einheit besitzt und das sie dieses in das ökumenische Gespräch einbringt. Es ist die Erkenntnis des Ökumenischen Rates und der ökumenischen Bewegung insgesamt gewesen, dass die Einheit der Kirche Jesu Christi eine Gabe ist, die die Kirchen aufnehmen müssen und die sie in eine sichtbare Form oder Struktur einbringen müssen. Das ist das entscheidende Problem. Wie können wir angesichts der unterschiedlichen Kirchenverständnisse und der Vielfalt der Kirchen in der Welt eine solche sichtbare Einheit verwirklichen. Auch da hat es in den letzten Jahrzehnten einen Erkenntnisfortschritt gegeben. Wir wissen heute, dass diese eine Kirche kein monolithischer Block ist, nicht eine einzige Kirche mit einer einzigen Organisationsstruktur, einer einzigen Theologie, einer einzigen Liturgie. Wie können wir eine sichtbare Form dieser einen Kirche verwirklichen, ohne diese Vielfalt zu vernachlässigen?
Frage: Stimmt es, wie manche Protestanten befürchten, dass die katholische Kirche daran festhält, dass Evangelische katholisch werden müssen?
Thönissen: Das setzt jetzt wieder voraus, dass man sagt, was ist das „katholisch“? Im Glaubensbekenntnis glauben wir und sprechen das auch aus. Wir glauben an die eine, heilige, katholische Kirche. Das ist die Grundherausforderung, wie diese Katholizität in jeder Kirche zum Ausdruck kommt. Hier hat die katholische Kirche gesagt, dass es dazu der Einheit im Glauben, in den Sakramenten und im kirchlichen Amt bedarf. Einschlussweise auch des Amtes des Bischofs von Rom. Das ist die Herausforderung, die die römische Kirche stellt. Sie stellt sowohl für die orthodoxen Kirchen wie für die anglikanischen Kirchen, die lutherische Kirche und viele andere Kirchen die Herausforderung dar. Das also im Verständnis des kirchlichen Amtes, zugleich eben auch die besondere Stellung des Bischofs von Roms mitgedacht werden muss.
Frage: Wo liegen, auch gerade nach diesem Papier, die Missverständnisse?
Thönissen: Die Missverständnisse scheinen mir darin zu liegen, dass man meint, die katholische Kirche würde gegen andere ein Einheitsverständnis verwirklichen, das andere ausschließt. Ich denke das ist das entscheidende Missverständnis. Das man etwas für sich reklamiert, um damit andere auszuschließen. Ich denke das hat das Zweite Vatikanische Konzil und die katholische Kirche so nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil nie gesagt und auch nie gewollt. Es geht umgekehrt um ein einschlussweises Denken. Man will die anderen nicht ausschließen , man schließt sie ein, man lädt sie ein, in diese der Einheit der Kirche mitzumachen. Wie das Konzept der Einheit im Einzelnen aussieht, müssen wir im Augenblick aus ökumenischer Weise, auch mit Blick auf die verschiedenen Konzepte, einfach offen lassen. Das Mißverständnis, um es noch einmal zu sagen, liegt darin, dass man meint, die katholische Kirche propagiere ein klares römisch-katholisches Konzept, dem man nur zustimmen könne oder das man ablehnen kann. Das ist ein falsches Verständnis.
Frage: Glauben Sie denn, dass dieses Papier in diesem Sinne hilfreich war?
Thönissen: Ob das Papier jetzt in diesem Augenblick hilfreich ist, kann man kann man natürlich auch von einer anderen Seite aus bedenken, aber ich denke wir sollten uns in der Ökumene auch nicht mit Illusionen herumplagen, wir sollten klar und deutlich reden. Deswegen denke ich, das Problem, das wir derzeit auf der theologischen, akademischen Ebene haben, ist das Nachdenken über die Frage „Was ist die Kirche?“, „Wie sieht die Kirche aus?“, „Welche Gestalt muss die Kirche haben?“. Diese Fragen haben wir lange vor uns hergeschoben, und deswegen ist es wichtig, dass wir sie jetzt auf die Tagesordnung setzen. Dass das nicht ohne einen gewissen theologischen Streit abgeht, ist klar, aber es bedeutet nicht, dass wir uns jetzt wiederum gegenseitig ausschließen sollten.
Frage: Könnte das auch bedeuten, dass im Laufe dieser Diskussionen und des ökumenischen Dialogs auch das Kirchenverständnis der katholischen Kirche selber sich verändert?
Thönissen: Das ist richtig, aber das gilt ja auch für das katholische Kirchenverständnis etwa seit der Zeit der Aufklärung. Denken Sie nur an das berühmte Werk des katholischen Theologen, Johann Adam Möhler. Möhler hat über die Einheit in einer völlig neuen Weise nachgedacht. Und erst das Zweite Vatikanische Konzil hat 150 Jahre später seine Gedanken aufgenommen, um sie in einer größeren theologischen Zusammenschau herauszustellen. Darin zeigt sich auch, dass das Kirchenverständnis sich, ich will nicht sagen verändert, aber doch vertieft, dass es in einem größeren Zusammenhang dargestellt wird, das einzelne Aspekte klarer herausgearbeitet werden können. Das gilt für die katholische Kirche selbst und ihr Kirchenverständnis und das gilt erst recht für das Ringen um ein gemeinsames Verständnis. Ich meine, dass das die eigentliche Herausforderung ist, vor der wir stehen. Wir können doch in dieser so pluralen Welt nicht so tun, als hätten wir nicht innerhalb der Ökumene ein riesiges Problem. Jeder redet so, wie er meint, es verantworten zu können. Aber die eigentliche und entscheidende Herausforderung ist doch die, wie wir das gemeinsam tun können. Und das ist auch für die katholische Kirche eine Herausforderung, die anderen einzuladen, zu einem solchen Dialog, über ein gemeinsames christliches Sprechen in der Welt, gemeinsam Verantwortung wahrnehmen. Das gilt für alle Christen.
Frage: Was empfehlen Sie ökumenisch engagierten Menschen in den Gemeinden vor Ort?
Thönissen: Ich denke weiterzumachen, was wir uns in der ökumenischen Bewegung insgesamt auf die Fahne geschrieben haben: Dieser uns gegebenen Einheit der Kirche Jesu Christi auch sichtbar Gestalt zu geben. Ich kann mir kein christliches Bekenntnis vorstellen, das nicht im Kern von dieser Überzeugung von der Einheit der Kirche ausgeht. Zum Glauben an Jesus Christus gehört immer auch, dass es eine Gemeinschaft, eine Gemeinsamkeit gibt. Ich denke das ist die Herausforderung und wenn man diese Herausforderung sieht, kann man auch in den einzelnen Gemeinden vor Ort sagen, wir wollen ausdrücken, dass wir gemeinsam glauben, das wir gemeinsam unseren Glauben in dieser Welt leben und dass wir ihn auch gemeinsam verantworten. Das wir im Blick auf die gesellschaftlichem Verhältnisse zeigen, dass beispielsweise der Sonntagsschutz ein ganz wesentliches Thema unserer christlichen Gemeinden ist. Das ist wichtig für ein gemeinsames Handeln. Das hat es in den letzten Jahren auch immer, an vielen Orten gegeben und das wird jetzt auch nicht anders sein.
* Prof. Wolfgang Thönissen ist der Leiter des Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn. Es ist in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn und gilt als die führende katholische Ökumeneforschungsinstitution in Deutschland.
© Radio Vatikan, Rom/Italien, 19. August 2008
Für mehr ökumenische Achtsamkeit 
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Luzern/Schweiz, 28.08.2007 / SKZ
von Stephan Schmid-Keiser
Das katholische Rom hat erneut gesprochen und die eigene Kirchen- Schau über die aller anderen Kirchen gestellt. Die Reaktionen sind entsprechend. Desillusioniert schaut man auf die jüngsten Entwicklungen im Denken der Kirchenleitung in Rom. Eingehendes Studium sieht sich mit Dokumenten konfrontiert, die sich weit entfernt vom Alltag gläubiger Existenz bewegen. Die Wirkung ist eklatant. Ohne sich aufbauend um eine Ökumene zu bemühen, die achtsam mit den je anderen Glaubensgemeinschaften umgeht, ignorieren die neuesten Verlautbarungen Vieles, was in aufbauender Absicht z. B. bei der Erforschung konfessioneller Eigenheiten seit der Zeit des 2. Vatikanischen Konzils geleistet wurde. Im Bild gesprochen: Wir erleben ein Schatten- Boxen statt gelebter Ökumene, die miteinander auf den Weg geht. Und müssen besonders als solche, die seit den Tagen ihrer Kindheit in zwei (!) Konfessionsfamilien ihr Zuhause gesucht und gefunden haben, mit ansehen wie «Kirchlichkeit» über alle Herzen und Köpfe hinweg abstrakt definiert wird. Schatten-Boxen zeichnet sich zwar dadurch aus, dass es zu keiner direkten Gewalt kommt. Dafür zeigt sich ein überstarkes Profil, das nicht bereit zu sein braucht, direkte Verantwortung füreinander zu übernehmen. So kann man von Mal zu Mal zwar Hand und Stimme zum Austeilen erheben und gleich danach vom Geschehen lautlos Abstand nehmen. Unterdessen scheint sich die Fairness aus der Ökumene zu verabschieden.
Zwar wollte sich diese Kirche mit ihrem Konzil der Gegenwart und Zukunft stellen – und scheint sich seither die eigene Brille zu putzen. Das Bild stammt von Karl Rahner, der meinte, solange sie damit beschäftigt sei, sehe sie «gerade erst recht nicht das, weshalb sie eigentlich ihre Brille putzt, nämlich um die anderen Dinge deutlicher, klarer und farbiger zu sehen». Resultierte daraus nicht auch ein achtsamerer Geist?
Der Beutrag erschien in der Schweizerischen Kirchenzeitung (SKZ), Nr. 33–34/2007 vom 16. August 2007
Ökumenische Irritationen 
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Luzern/Schweiz, 28.08.2007 / SKZ
von Iso Baumer
Zur Lehre über die Kirche und über die Gestalt der Liturgie vor und nach dem II. Vatikanischen Konzil
Zwei vatikanische Schreiben haben Erstaunen, Unmut,Trauer und gedämpfte Hoffnung ausgelöst, je nach Empfänger. Theoretisch handelt es sich um kircheninterne Schreiben, aber heute ist alles weltöffentlich. Sie folgten sich Schlag auf Schlag, das eine Schreiben (über die Liturgie) am 7. Juli, das andere (über die Kirche) am 10. Juli, jedenfalls vor den Sommerferien, was die Rezeption immer etwas erschwert. Nach Aussage des früheren Kurienkardinals G. Cottier war die fast zeitgleiche Publikation nicht Absicht, sondern – «so, wie ich das Haus kenne» – nur Mangel an Koordination. Wenn eine Kongregation oder der Papst selber ein Schreiben fertiggestellt haben, lassen sie es einfach erscheinen, unbekümmert darum, ob andere gerade auch unterwegs sind.
Die beiden Schreiben erschienen je mit einem Kommentar (im Fall der Liturgie in Form eines Briefes des Papstes an die Bischöfe; im Fall der Lehre über die Kirche war der Kommentar, vermutlich auch von der Glaubenskongregation verfasst, länger als das Schreiben selbst). Dazu hat die Schweizerische Bischofskonferenz zeitgerecht durch ihren Präsidenten, Bischof Kurt Koch, eine liturgietheologische bzw. eine dogmatische «Hinführung» zu den vatikanischen Erlassen geliefert. Das Weltecho war gross, besonders in den deutschsprachigen Gebieten eher kritisch, wie Bischof Koch später bemerken wird. Wer mitreden will, tut gut daran, alle offiziellen Texte mit zu berücksichtigen. Schlagworte nachsprechen hilft nicht weiter.
In der Schweiz sind in diesem Zusammenhang zwei Medien-Ereignisse zu erwähnen: am 24. Juli der so genannten «Ziischtig-Club», an dem mehr oder weniger kompetente Leute unter der Moderation einer nicht immer kompetenten Gesprächsleiterin aktuelle Themen diskutierten, und sodann ein Offener Brief vom 6. August von Bischof Kurt Koch als Präsident der SBK an Pfarrer Thomas Wipf, den Ratspräsidenten des Evangelischen Kirchenbundes; man wird diesen Brief als Ergänzung und Präzisierung eines katholischen Standpunktes zum Themenkreis des Kirchenbegriffs verstehen können. Wir beschränken uns hier auf diesen Themenkreis und lassen die Liturgie vorläufig weg, obwohl dazu auch Wichtiges zu sagen wäre.
Anlass zu folgenden Zeilen gibt nicht nur der Offene Brief von Bischof Koch, der seinem literarischen Genus entsprechend auch öffentlich diskutiert werden kann und muss, sondern auch zwei Aufsätze von Jesuiten, die unter www.jesuiten.ch abrufbar sind. Der eine, «Roms neues Wort zur Ökumene» stammt von Werner Löser, Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie, Frankfurt a/M, der andere, «Die ‹katholische Kirche› subsistiert in der ‹katholischen Kirche›» von Peter Knauer, für Dogmatik und Fundamentaltheologie, heute in Brüssel.
Konsens-Ökumene versus Profil-Ökumene
Schon Bischof Koch in seinem Offenen Brief weist darauf hin, dass man seit einiger Zeit, vor allem von evangelischer Seite her, den Akzent mehr und mehr auf eine Profilierung, und das heisst auch Abgrenzung, der Kirchen legt. Werner Löser zeigt, wie diese Profil-Ökumene die KonsensÖkumene abgelöst hat, die im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts in und zwischen den Kirchen sich eingespielt hatte. Vieles wurde in Gesprächen auf hoher Ebene erreicht, vieles wurde an der Basis unspektakulär eingeübt, aber heute scheint man das Bedürfnis zu haben, sich vermehrt über sich selbst zu vergewissern, und das führt fast immer zum Vergleich mit den Schwesterkirchen, wobei diese auch fast immer schlecht wegkommen. Bischof Koch weist darauf hin, dass in den letzten Jahren von höheren oder mittleren Instanzen der evangelischen Kirchen in Deutschland und der Schweiz Abgrenzungen vorgenommen wurden, die auf katholischer Seite Erstaunen, Unwillen, Wehmut hervorgerufen haben. Man hat ihnen wenig öffentliches Echo angedeihen lassen, im Gegensatz zum vatikanischen Erlass betreffend die Lehre über die Kirche, worin sich die evangelischen Kirchen zur grossen Mehrheit missverstanden, ja beleidigt fühlen, vor allem, weil man ihnen das Kirche- Sein «im eigentlichen Sinn» abspricht.
Alle Kommentare von katholischer Seite machen den Eindruck von Schadensbegrenzungs-Bemühungen. Bischof Koch zeigt, dass hier nicht die Rede ist «von der Ebene der existentiellen Dimension des gelebten Glaubens und des kirchlichen Lebens, sondern der Ebene der institutionellen, genauerhin sakramentalen Dimension der Kirche». Mit anderen Worten: menschlich, moralisch ist nicht die eine Kirche über die andere erhaben, die katholische Kirche erinnert nur an ihre Wesensmerkmale des Weihepriestertums und der Eucharistie als zentralen Ortes des Kircheseins. Für Aussenstehende ist es allerdings bisweilen schwierig, die sakramentalen Wesenszüge wahrzunehmen, sie sind häufig überdeckt von den institutionellen, und gerade daran entstehen die Irritationen.
Die sprachlichen Klippen
Doch bevor die institutionellen Hürden erwähnt werden, ein Wort zu den sprachlichen Fangschlingen. Bischof Koch spielt darauf an, und Peter Knauer behandelt sie ausführlich am umstrittenen «subsistit in». Im Konzilsdokument Lumen gentium 8,2 ist die Rede von der Kirche Jesu Christi, von Christus «hier auf Erden als sichtbares Gefüge verfasst» und somit «verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.» Bei rechtswirksamen Dokumenten muss immer auf die Originalsprache zurückgegriffen werden, in diesem Fall auf das Lateinische: «Haec ecclesia...subsistit in Ecclesia catholica...»
Nun ist aber mit aller Deutlichkeit darauf hinzuweisen, dass die Übersetzung «verwirklicht in» nach den Worten von Peter Knauer «ungenau» ist (darf man auch «falsch» sagen?). Verwirklichen heisst, etwas vom Möglichen ins Wirkliche überführen, voll realisieren, aber das ist nicht der Fall, denn, wie das Dokument wenige Zeilen später sagt, diese Kirche «ist zugleich heilig und der Reinigung bedürftig, sie geht immerfort den Weg der Busse und Erneuerung», und das ist gewiss nicht nur individuell-moralisch gemeint, sondern auch sakramental- institutionell. «Subsistit in» heisst also, richtig übersetzt, «ist vorhanden in, ist gegenwärtig in, findet sich in» und so heisst denn auch die offizielle französische Übersetzung: «Cette Eglise ... c’est dans l’Eglise catholique qu’elle se trouve» !
Wie der Titel des Beitrags von Peter Knauer zeigt, darf man das Wort «katholische Kirche» nicht in univokem Sinn brauchen. Einmal sei es in transzendentalem Sinn (als Kirche an sich, Kirche schlechthin), ein andermal in kategorialem Sinn (diese konkrete Kirche hier) zu gebrauchen. Darum ist eine totale Identifikation der beiden gleichlautenden Begriffe nicht sinnvoll. Man wollte im Konzil ausdrücklich das Wort vermeiden, die «Kirche Jesu Christi» sei einfach und vollständig identisch mit der «römisch-katholischen Kirche». Es ist allerdings beizufügen, dass die römische Kurie seit dem Konzil versucht, den Ausdruck im vorkonziliären Sinn zu interpretieren, was der Absicht der Verfasser widerspricht. Zur Bekräftigung seines Anliegens zitiert Peter Knauer eine hermeneutische Regel (also eine Regel zur richtigen Interpretation) anlässlich eines kirchlichen Dokumentes, die Papst Sixtus IV. schon 1477 aufgestellt hat: «Jeder Satz, der eine zweifelhafte Bedeutung enthält, ist in dem Sinne aufzufassen, in dem sich eine wahre Aussage ergibt». Es scheint, dass das «subsistit in» in den kirchenamtlichen Dokumenten, v. a. im berühmten «Dominus Jesus» von 2000, stets im vorkonziliären Sinn interpretiert wird und nicht nach dem wahren Sinn, den ihm die Konzilsväter mit überwältigender Mehrheit geben wollten.
Ebenso ungenau ist die Übersetzung von ecclesiae particulares mit «Teilkirchen» und Ecclesia universalis mit «Gesamtkirche». Das erweckt den Eindruck, die «Teilkirchen» seien nicht Kirche im Vollsinn des Wortes, sondern nur Teile der Gesamtkirche, womit natürlich die römisch-katholische, vom Papst mit voller Juridskitkionsgewalt regierte Kirche gemeint ist. Dann wird leicht gefolgert, die Bischöfe hätten ihre Jurisdiktion durch Delegation vom Papst. Partikular-Kirchen sind sinngemäss die «einzelnen Kirchen», also die Ortskirchen, die je voll und ganz Kirche sind (natürlich in Gemeinschaft untereinander und mit dem Papst).
Irritationen gegenseitig aufrechnen?
Gewiss, was Bischof Koch an ungeschickten, auch allenfalls beleidigenden Aussagen über die katholische Kirche bei evangelischen Kirchenvertretern feststellt, ist bedauerlich. Ob sie aber – rein phänomenologisch, das heisst vom äusseren Eindruck her – nicht doch weitgehend zutreffen, wäre in aller Ruhe zu untersuchen. Schliesslich haben nicht nur Reformierte den Eindruck, wir Katholiken seien eine «Kirche von oben». Ich brauche nur an die dubiose Art der «Bischofswahl» in Chur vor ein paar Wochen zu erinnern. Oder der Eindruck, in unserer Kirche sei nicht Christus der Herr der Kirche, sondern sein Stellvertreter, ist angesichts der nun Jahrzehnte andauernden Papolatrie nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Art und Weise, wie die letzten vatikanischen Erlasse ergangen sind, machen auch nicht den Eindruck von grosser Kollegialität, der Papst verschreibt «motu proprio» (aus eigenem Antrieb heraus) folgenschwere liturgische Veränderungen, und die Glaubenskongregation (ganz offensichtlich der Papst selbst) positioniert die Kirche erneut in Abgrenzung von den andern, in einer Sprache und einer Aufmachung, die unendlicher Kommentare bedürfen und die Irritationen doch nicht legen. Ja, wir dürfen unsere evangelischen Mitchristen aufmuntern, nicht zu verzweifeln, wir versuchen es auch. Ob Offene Briefe, political correctness hin oder her, hilfreich sind, mag bezweifelt werden. Die Schlussfolgerung darin jedenfalls, wir alle müssten an Umkehr und Bekehrung denken, ist zutreffend.
Der Beitrag erschien in der Schweizerischen Kirchenzeitung (SKZ), Nr. 33–34/2007 vom 16. August 2007
Undifferenzierte Kritik des Kirchenbunds am Vatikan 
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Luzern/Schweiz, 28.08.2007 / SKZ
von Heinz Rüegger
In einem im Vatikan veröffentlichten und von Papst Benedikt XVI. gebilligten Dokument hat der Vatikan die universelle Vorrangstellung der katholischen Kirche erneut unterstrichen und die katholische Lehre bekräftigt, dass die protestantischen Kirchen keine «Kirchen im eigentlichen Sinn» seien (vgl. die Dokumentation in SKZ 175 [2007], Nr. 29–30, 501–505). Darauf hat der Schweizerische Evangelische Kirchenbund – wie viele andere protestantische Kirchen auch – empört reagiert und behauptet, der Vatikan mache wieder einmal einen Versuch, den Kirchen der Reformation ihr Kirchesein abzusprechen. Mit diesem Ansinnen schliesse sich die römisch- katholische Kirche zudem selber aus der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen aus und stelle wesentliche Errungenschaften des ökumenischen Dialogs in Frage.
Protestantische Kritik ja – aber bitte nicht so undifferenziert!
Ich teile selbstverständlich das kirchliche Selbstverständnis des Vatikans und seine daraus sich ableitende Sicht anderer Kirchen nicht. Als protestantischer Theologe und langjähriger professioneller Ökumeniker vertrete ich dezidiert eine andere Position. Gleichzeitig ärgert mich aber die oberflächlich-pauschalisierende, nicht weiterführende Kritik des Kirchenbundes. Ich bin sehr für offen-kritische Auseinandersetzung im ökumenischen Gespräch. Dazu gehört aber, dass man den Partner ernst nimmt und ihm zugesteht, das zu vertreten, was ihm zentral wichtig ist – ob uns das passt oder nicht. Davon ist die Replik des Kirchenbundes weit entfernt. Ein paar Hinweise müssen genügen:
Das klassische römische Selbstverständnis zur Kenntnis nehmen
Die verschleiernde (oder verharmlosende?) Behauptung, der Vatikan mache «erneut den Versuch, den Kirchen der Reformation ihr Kirchesein abzusprechen», ist falsch. Das ist kein (böswilliger) «Versuch», wie die Antwort des SEK insinuiert, sondern ein klarer Vollzug dieses Absprechens ekklesialer Identität. Das ist aber nichts Neues, sondern konstant vertretene klassische römische Lehre. Nur protestantische Ignoranten oder ökumenische Illusionisten meinen, die römisch-katholische Kirche könne protestantische Kirchen als kirchlich ebenbürtige Partner ernst nehmen, ohne ihre eigene Identität fundamental in Frage zu stellen.
Es ist schlicht falsch zu behaupten, der Exklusivitätsanspruch der römisch-katholischen Kirche stelle wesentliche Errungenschaften des ökumenischen Dialogs in Frage. So kann nur reden, wer keine Ahnung von den offiziellen, lehramtlichen Aussagen des Vatikans zur Ökumene aus den letzten 50 Jahren hat. In allen lehramtlichen Aussagen hat Rom immer an dem exklusiven ekklesialen Selbstanspruch und der Bestreitung des gleichwertigen Kircheseins der anderen, dem Papst nicht unterstellten «Kirchen» klar und deutlich festgehalten. Wer die Texte liest, kommt nie und nimmer auf die Idee, was Rom heute sage, sei anders als früher oder stelle frühere lehramtliche Positionen zur Ökumene in Frage. Auf lehramtlicher Ebene gab es in dieser Sache nie darüber hinausgehende ökumenisch anerkannte Übereinstimmungen oder «Errungenschaften».
Gegen das floskelhafte Reden von der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen
Die Aussage, die römisch-katholische Kirche schliesse sich mit diesem exklusiven Selbstverständnis aus der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen aus, ist geradezu absurd. Aus welcher Gemeinschaft schliesst sie sich denn aus? Nur gerade aus der zahlenmässig relativ kleinen «Gemeinschaft» der protestantischen und orthodoxen Kirchen, wie sie sich etwa im ÖRK eine organisatorische Plattform gegeben hat. Eine Plattform notabene, die ihrerseits gerade nicht beansprucht, eine ekklesiale Gemeinschaft im vollen Sinne darzustellen (das könnten im ÖRK z.B. weder Anglikaner noch Orthodoxe noch Baptisten noch Altkatholiken akzeptieren!).
Dass die evangelischen (jedenfalls die reformierten, lutherischen und methodistischen) Kirchen sich als Kirche im vollen Sinn verstehen und die katholische Kirche trotzdem als Schwesterkirche akzeptieren können, wie die Antwort des SEK betont, ist hinlänglich bekannt. Das hängt eben mit unserer besonderen Ekklesiologie zusammen, die allerdings von der Mehrheit der Weltchristenheit nicht akzeptiert wird. Das müsste man sich und anderen um der Bescheidenheit und Sachlichkeit willen immer wieder einmal in Erinnerung rufen. Dieses protestantische Kirchenverständnis ist in keinerlei Hinsicht irgendwie Massstab für katholische (oder orthodoxe oder irgendwelche anderen) Kirchen im Blick auf deren Kirchenverständnis. Und schon gar ist es eine Ungeheuerlichkeit, so zu tun, als schliesse sich aus der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen aus, wer das im Blick auf die weltweite Christenheit nur von einer Minderheit akzeptierte protestantische Kirchenverständnis für sich ablehne!
Unterschiedliche Ebenen der Ökumene unterscheiden
Die Stellungnahme des Kirchenbundes krankt daran, dass sie eine wesentliche Differenzierung übersieht, die die vom Kirchenbund am 15. Dezember 1994 offiziell in Kraft gesetzten «Grundlinien ökumenischen Handelns im SEK» in Pkt. 4.2 klar festhalten: dass nämlich in ökumenischen Kontakten zwischen 1. der verbindlichen Position der offiziellen Kirchenleitung (um die es sich bei Verlautbarungen des Vatikans handelt), 2. der kirchlich unverbindlichen Position der theologisch-ökumenischen Forschung, sowie 3. der nochmals eine ganz eigene Wirklichkeit darstellenden Position lokaler Gemeinden, Gruppen und kirchlicher Bewegungen zu unterscheiden ist. Wird das beachtet, könnte man höchstens feststellen, dass die klassische, vom Lehramt immer konsequent vertretene Position im Blick auf das exklusive katholische Selbstverständnis sich mehr oder weniger stark von dem unterscheidet, was innerkatholisch von manchen Theologen, Priestern, Ortsgemeinden oder kirchlichen Bewegungen heute faktisch geglaubt und praktiziert wird, dass der Vatikan mithin nicht mehr repräsentativ für die gesamte Wirklichkeit der katholischen Kirche ist. Darüber müsste man ökumenisch intensiv reden.
Solche Unvereinbarkeiten zwischen offizieller kirchlicher Lehrposition und kirchlich gelebter Praxis haben allerdings wir Reformierten in unseren eigenen Reihen auch zuhauf. Und dass die römische Kirchenleitung gerade wegen solcher internen Inkonsistenzen (das ist u. a. gemeint mit der Rede von gewissen «irrigen Interpretationen von Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils»!) die offizielle katholische Lehrposition glaubt in Erinnerung rufen zu müssen, wird man ihr doch wohl nicht ernsthaft zum Vorwurf machen können! Es wäre wünschbar, wenn der SEK in seiner ökumenischen Auseinandersetzung mit der römischkatholischen Kirche nicht unkritischer, wohl aber fundierter und differenzierter reden und sich oberflächlicher Vorwürfe enthalten würde, wie sie in seiner vorliegenden Reaktion auf das Votum aus Rom zum Vorschein kommen. Vielleicht würde es helfen, dazu die eigenen «Grundlinien ökumenischen Handelns im SEK» wieder einmal zu konsultieren.
Zum Autor:
Dr. theol. Heinz Rüegger ist Leiter Stabsstelle Theologie und Ethik in der Stiftung Diakoniewerk Neumünster – Schweizerische Pflegerinnenschule. Er war von 1993 bis 1999 Ökumene-Beauftragter des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und in dieser Funktion auch Sekretär der Evangelisch/ römisch-katholischen Gesprächskommission von Kirchenbund und Schweizer Bischofskonferenz sowie Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen.
Der Beitrag erschien in der Schweizerischen Kirchenzeitung (SKZ), Nr. 31–32/2007 vom 2. August 2007
Zurück zur Rückkehr-Ökumene 
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Wien, 03.09.2007 / Die Furche
Pressestimmen: DIE FURCHE, Wien (Österreich):
Von Gerd Felder
- Das jüngste Dokument der Glaubenskongregation zur „Lehre über die Kirche“ hat nicht nur Protestanten, sondern auch in der Ökumene engagierte Katholiken vor den Kopf gestoßen. -
Nur drei Tage nach der Annäherung des Papstes an die Traditionalisten sendet die römische Glaubenskongregation die Botschaft in die Welt: Die katholische Kirche ist die einzig wahre Kirche, und die Kirchen der Reformation sind keine Kirchen „im eigentlichen Sinn“, sondern nur kirchliche Gemeinschaften. Sofort gibt es bei Deutschlands Protestanten einen Aufschrei der Entrüstung. Landauf, landab erheben sich in der evangelischen Kirche entrüstete Stimmen. „Brüskierend“, befindet Bischof Wolfgang Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), harsch, „eine vertane Chance“. Der Catholica-Beauftrage der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Bischof Friedrich Weber, zeigt sich ebenfalls entsetzt: „In vielen katholischen Kirchengemeinden wird diese Abgrenzung auf pures Unverständnis stoßen“, ist er überzeugt.
„Dämpfer“ für Ökumene
Am Abend des Tages, an dem die römischen Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche (so ist das Dokument der Glaubenskongregation überschrieben) veröffentlicht werden, spricht Margot Käßmann, Bischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und eine der prominentesten Protestantinnen Deutschlands, in der Osnabrücker Marienkirche. Ein „Trauerspiel“ sei die jüngste Erklärung der römischen Kongregation für die Glaubenslehre, beklagt sie. Das Dokument, das die katholische Kirche als einzig wahre Kirche bezeichnet, stelle „einen Dämpfer für alle Katholiken und Protestanten dar, die sich bemüht haben, keine Eiszeit in der Ökumene entstehen zu lassen“, erklärt die Bischöfin unter dem Beifall von 1000 – katholischen wie evangelischen – Zuhörern. Trotzdem gebe es ökumenische Hoffnungssignale, die man nicht ignorieren solle.
Auf Seiten der katholischen Bischöfe und Theologen herrscht dagegen weithin das Schweigen im Walde. Mit einigen wenigen Ausnahmen allerdings. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, verblüfft viele Beobachter mit seiner Ansicht, das neue Papier lasse „grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern theologisch als Kirchen zu achten“. Alle Seiten müssten sich jetzt der Aufgabe stellen, „ehrlich und mutig auf dem Weg der Ökumene voranzuschreiten“. Als einziger deutscher Diözesanbischof neben Lehmann meldet sich Ökumene-Bischof Gerhard Ludwig Müller zu Wort. Ausgerechnet der Hardliner aus Regensburg warnt vor Triumphgeschrei und Überlegenheitsgefühlen, betont aber im selben Atemzug, die evangelische Sichtweise der Kirche sei der katholischen entgegengesetzt. Von Seiten der katholischen Theologie meldet nur der längst emeritierte Tübinger Dogmatiker Peter Hünermann seinen Protest an.
Pfeifen im Wald
Und die katholischen Ökumene-Experten? Sie sind wie so viele andere an diesem 10. Juli von der neuerlichen Erklärung völlig überrascht worden. „Warum jetzt?“, fragen sie sich. Doch schon bald haben sie ihre Fassung wiedergefunden, auch wenn die eine oder andere Äußerung eher nach Pfeifen im Walde klingt. Da wird – sicher in allerbester Absicht – manches herbeigeredet, was in dem tatsächlichen Papier des Vatikans keine reale Grundlage mehr hat; der Wunsch wird zum Vater des Gedankens. Roms oberster Ökumeniker Kardinal Walter Kasper gibt den Ton vor und erklärt zur Überraschung der Vatikan-Beobachter, er sehe keinen Grund zur Empörung. Das Dokument enthalte nichts Neues, sondern wiederhole die bisherige Position der katholischen Kirche in knapper Form. Es spreche den evangelischen Kirchen nicht den Kirchen-Status ab, sondern sei eine Einladung zum Dialog, so der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Auch der Leitende Direktor des renommierten Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik, Wolfgang Thönissen, ein Kasper-Schüler, folgt ganz dieser Argumentationslinie: Rom habe lediglich eine altbekannte Position beschrieben und sei „ökumenisch handlungsfähig und handlungsbereit“.
So viel kirchenpolitischer Diplomatie kann Dorothea Sattler nicht viel abgewinnen. Die renommierte katholische Ökumenikerin aus Münster ist sichtlich geschockt. „Leider sind wichtige Ergebnisse der ökumenischen Dialoge über die Ämterfrage überhaupt nicht in das Papier aufgenommen worden“, beklagt die Professorin mit tiefer Resignation in der Stimme. „Im Stil und in der Aussage wird das Dokument verletzend wirken und die Ökumene sehr belasten.“ Der ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen, dessen wissenschaftliche Leiterin sie von katholischer Seite ist, arbeitet seit 2001 an einem Papier über die apostolische Sukzession und steht dabei kurz vor dem Abschluss. Das Ergebnis: Man ist übereinstimmend zu der Überzeugung gekommen, dass die evangelischen Ämter Anerkennung finden können. Bereits im nächsten Frühjahr soll das Dokument veröffentlicht werden, und Sattler geht fest davon aus, dass der Arbeitskreis an diesem Ergebnis festhalten wird. Noch weiter als Sattler geht Matthias Haudel, Privatdozent an der Universität Münster mit Schwerpunkt Ökumene sowie für die Evangelische Kirche von Westfalen im Bereich der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) tätig. Aus Sicht des langjährigen Gemeindepfarrers setzt die katholische Kirche ihre eigene römische Tradition unkritisch mit der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen“ Kirche des Glaubensbekenntnisses gleich und macht sie für alle Konfessionen zum Kriterium des wahren Kirche-Seins. „Das ist aber weder biblisch noch kirchengeschichtlich nachvollziehbar“, erregt sich Haudel. Offenbar versuche Rom, katholische Theologen zu disziplinieren, die ökumenisch bedeutend weiter sind – „und dazu gehört auch Kardinal Walter Kasper“, fügt der Ökumeniker hinzu. Nicht nur für Haudel stellt das Dokument einen deutlichen Rückschritt hinter das Zweite Vatikanische Konzil dar: Die konservativen Kräfte, die beim Konzil den Kürzeren gezogen hatten, scheinen sich 40 Jahre danach durchzusetzen.
Kein Kurswechsel
Doch was ist mit Benedikt XVI. selbst, nach dessen Wahl zumindest viele in Deutschland behauptet hatten, er werde für „Überraschungen“ sorgen? Haudel, der in seinem kürzlich erschienenen Buch Die Selbsterschließung des dreieinigen Gottes in einem eigenen Kapitel die Ökumene-Theologie Joseph Ratzingers untersucht hat, meint: „Es gibt keine bedeutsame Veränderung in der Theologie Ratzingers.“ Als Theologe habe er Christus direkt mit der Kirche gleichgesetzt und den Heiligen Geist nur noch als Anhängsel und Gabe der Kirche interpretiert. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe er dann das in praktische Politik umgesetzt, was er in seiner Theologie grundgelegt hatte. „Insofern ist die neueste Erklärung überhaupt keine Überraschung“, kommentiert Haudel. „Wenn der Papst sich selbst treu bleiben will, dann kann da gar nichts anderes kommen. Er folgt strikt seinen theologischen Grundsätzen.“ Wie aber soll es nach einer solchen Erklärung in der Ökumene weitergehen? Vieles spricht dafür, dass man sich von offizieller katholischer Seite künftig auf eine „Feier-Ökumene“ konzentrieren will. Sprich: Man feiert zusammen mit den Protestanten schöne, harmonische, stimmungsvolle Feste, Jubiläen und Gottesdienste, bleibt aber innerlich und grundsätzlich auf Abstand. Folgt man der Argumentation der Glaubenskongregation, dann müssen alle anderen Christen römisch-katholisch werden, wenn sie in irgendeiner Form Einheit mit Rom anstreben. Das heißt im Klartext: Das Ziel der „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ ist tot. Es ist nur noch eine Rückkehr-Ökumene möglich, von der überzeugte katholische Ökumeniker in den letzten Jahren eigentlich ständig behauptet hatten, sie sei tot.
„Dicke Bretter bohren“
Damit nicht genug, drohen auch auf evangelischer Seite nach einer solchen Brüskierung jene Kräfte Oberhand zu gewinnen, die schon seit Jahren die Ökumene mit der katholischen Kirche hinter sich lassen wollen. Und auch bei den Ostkirchen, denen der Papst seit seinem Amtsantritt deutliche Avancen macht, schlägt die Erklärung Türen zu: Eine Verabsolutierung der katholischen Strukturen, insbesondere des Primats des Papstes, ist auch für sie nicht mehr akzeptabel, zumal wenn sie nur als „Teilkirchen“ gesehen werden. Gibt es trotzdem noch eine Chance für die Ökumene? Trotz aller resignativen Grundhaltung meinen engagierte Ökumeniker wie Sattler und Haudel: Ja. „Aber man muss an die Grundmauern heran und bereit sein, die dicken Bretter zu bohren“, meinen sie übereinstimmend. Haudel hat im erwähnten Buch nachgewiesen, dass man gerade bei den Grundlagen – nämlich der Gotteslehre und dem Kirchenverständnis – ansetzen kann und muss, um weiterzukommen. Doch auch Sattler und Haudel wissen: Wirkliche Ökumene ist nur dann möglich, wenn die Kirchen gegenseitig ihre Einheit in den Grundlagen – wie bei der Bibel und den altkirchlichen Bekenntnissen – akzeptieren und die unterschiedlichen konfessionellen Strukturen als legitim betrachten.
(C) DIE FURCHE, Nr. 29/2007Wien/Österreich
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Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ging aus der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts hervor. Gegenwärtig zählt sie 16,3 Millionen erwachsene Mitglieder und mehr als 30 Millionen Gottesdienstbesucher in 203 Staaten der Erde. In der Schweiz sind 4.324 Mitglieder in 51 Gemeinden und 5 Gruppen organisiert. Ihre einzige Glaubensgrundlage ist die Bibel.

