APD-INFORMATIONEN 9/2010 - SEPTEMBER 2010

Schweiz

Neuer Chefredakteur für APD-Schweiz uparrowprint druckenemail versenden

Basel/Schweiz, 03.09.2010 / APD

Herbert Bodenmann (55) ist seit 1. August neuer Chefredakteur der Nachrichtenagentur APD-Schweiz (Adventistischer Pressedienst). Er tritt die Nachfolge von Christian B. Schäffler (66) an, der noch bis Jahresende in der Basler Redaktion mitarbeitet.

Bodenmann begann eine Lehre als Hochbauzeichner, studierte dann aber am adventistischen Theologischen Seminar Schloss Bogenhofen in Österreich. Um die englische Sprache zu erlernen, verbrachte er ein Jahr am Newbold College in der Nähe von London. Als Pastor arbeitete er unter anderem in Zürich, Schaffhausen und Basel. Er war acht Jahre Jugendabteilungsleiter und sieben Jahre Sekretär (Geschäftsführer) der Freikirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in der deutschen Schweiz. Von 2000 bis 2004 übernahm er als Direktor die Leitung der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz. Danach wirkte er als Seelsorger in Zürich und Wädenswil. Neben seiner Arbeit als Pastor war er von 2007 bis 2009 der Vertreter der drei europäischen Freikirchenleitungen der Adventisten beim Europarat, der Europäischen Union und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Christian Bernhard Schäffler hatte eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete bei einer internationalen Eisenbahngesellschaft für Kühltransporte als Presse- und Werbechef. Nach der Fusion mit einer im europäischen Kombinierten Verkehr tätigen Gesellschaft wurde er deren stellvertretender Leiter für «Kommunikation» und zweiter Sprecher des Unternehmens. Von 1974 bis 2003 war er ehrenamtlich Abteilungsleiter für Kommunikation und zwischenkirchliche Beziehungen der Freikirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in der deutschen Schweiz. In dieser Eigenschaft gründete er 1974 den Adventistischen Pressedienst (APD), dessen ehrenamtlicher Leiter und Redakteur er war. 2004 trat Schäffler bei der Eisenbahngesellschaft in den Vorruhestand. In diesem Jahr baute er im Auftrag der Freikirche den APD Schweiz zu einer Nachrichtenagentur aus. Schäffler war 1982 an der Gründung des französischen adventistischen Pressedienstes (BIA) und 1984 an der Entstehung des APD Deutschland massgeblich beteiligt. Seit 1992 gibt es zwischen den APD-Redaktionen in der Schweiz und in Deutschland eine enge redaktionelle Zusammenarbeit. 1988 und 1994 zeichnete die europäische Kirchenleitung der Adventisten mit Sitz in Bern Schäffler als verantwortlichen Redakteur des APD Schweiz mehrfach aus. Schäffler ist Mitglied im Verband Schweizer Fachjournalisten (SFJ) und in der Weltvereinigung für Christliche Kommunikation (WACC).

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Schweizer Jugendliche bauen für AIDS-Waisen in Äthiopien uparrowprint druckenemail versenden

Zürich/Schweiz, 03.09.2010 / APD

Jugendliche aus der Schweiz haben drei Wochen ihrer Ferien geopfert und CHF 1450.- für ihre Reise-, Verpflegungs- und Unterkunftskosten für einen Freiwilligeneinsatz in Äthiopien bezahlt. In Wukro, in der nördlichen Grenzregion Tigray, haben sie unter fachkundiger Leitung im Kinderdorf Elshadai einen Esssaal und eine Küche gebaut.

Der Bürgerkrieg in Äthiopien wütete 30 Jahre. Er hat Verwüstung und Elend hinterlassen, vor allem in der Region Tigray, die an Eritrea grenzt. Seit dem Ende des Bürgerkrieges, 1991, schwelt weiterhin ein Grenzkonflikt mit Eritrea, der die Entwicklung beider Länder lähmt.

Der eigentliche Feind, der die Gesellschaft bedroht, heisst aber AIDS. Laut Angaben der «Aktion Deutschland hilft», hat Äthiopien eine AIDS-Rate von 9 Prozent. Im Vergleich dazu liegt die AIDS-Rate in der Schweiz bei 0.6 Prozent. Fast die Hälfte der Bevölkerung in Äthiopien ist unterernährt. Das jährliche Brutto-Nationaleinkommen pro Einwohner beträgt in Äthiopien US$ 93 (CHF 97). Zum Vergleich die Zahlen der Schweiz: US$ 55'510 (CHF 57'750). Viele Erwachsene sterben dort an Erkrankungen, die durch den HI-Virus hervorgerufen werden. UNAIDS schätzt, dass 650'000 AIDS-Waisen in Äthiopien leben, die oft nach dem Tod ihrer Eltern sich selbst überlassen bleiben. Der Bau und Betrieb von Kinderheimen garantiert deshalb vielen Kindern eine lebenswerte Kindheit und eine Zukunft.

ADRA Schweiz hat den dreiwöchigen Baueinsatz mit 21 Jugendlichen im Waisenhaus in Wukro vorbereitet und die Projektkosten für den Bau, CHF 99'000.-, finanziert. Einen Grossteil der Baukosten haben die adventistischen Jugendlichen selbst organisiert. Sie haben in Baar, Bad Ragaz, Basel und St. Gallen einen Sponsorenlauf durchgeführt, bei dem CHF 83'000.- als Spenden zugesagt wurden.

Das Waisenhaus wird von ADRA Schweiz unterstützt und von der äthiopischen Nichtregierungsorganisation Elshadai Relief and Development Association geleitet. Die Freiwilligen, 13 Frauen und 8 Männer, haben unter fachmännischer Anleitung Wasserleitungen verlegt, Wände hochgezogen, Zementböden gegossen und den Dachstock aufgerichtet.
Dabei haben sie festgestellt, dass in Afrika die Baugerüste von keinem Unfallversicherungsinspektor abgenommen würden und dass die Beschaffung von zusätzlichem Baumaterial eine nervenaufreibende und langwierige Angelegenheit sein kann.

Die Jugendlichen haben durch das Zusammenleben mit den 160 Waisenkindern einen vertieften Einblick in deren Leben erhalten und trotz Sprachbarrieren Wege der Verständigung gefunden. Zufan, ein ehemaliges Waisenkind, ist unterdessen eine junge Frau und arbeitet in der nächsten Stadt als Journalistin. Sie diente als Übersetzerin. Sie kommt immer wieder ins Waisenheim nach Hause, zu ihren mehr als hundert Geschwistern.

«Diese Begegnungen und Erlebnisse haben mich tief erfüllt. Es hat mich nicht mehr gestört, dass wir die ganze Zeit kalt duschen mussten. An die Mücken, den Regen und die öfters auftretenden Wasser- und Stromunterbrüche habe ich mich gewöhnt», sagte Marina Kopp, eine Freiwillige.

«Wir sind uns bewusst, dass solche Kurzzeiteinsätze von Freiwilligen keine nachhaltigen Projekte sind», sagte Monika Stirinimann, eine Mitarbeiterin von ADRA Schweiz, «aber sie sind ein wichtiger Beitrag im Bildungsauftrag, den wir als Hilfswerk im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit wahrnehmen. Die Teilnehmenden erhalten durch solche Einsätze eine persönliche Innenansicht der Nord-Südproblematik.»

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA-International (Adventist Development and Relief Agency) ist die weltweite Hilfsorganisation der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Bereich der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit.
ADRA unterhält ein Netzwerk mit etwa 120 nationalen ADRA-Büros und gewährt Hilfe ohne Rücksicht auf politische und religiöse Anschauung oder ethnische Herkunft.

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International

Mennonitisch-adventistischer Dialog im Frühjahr 2011 uparrowprint druckenemail versenden

Silver Spring, Maryland/USA, 03.09.2010 / APD

Im Frühjahr 2011 soll auf Weltebene der erste bilaterale Dialog zwischen der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) und der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten stattfinden, teilte Pastor Dr. John Graz, Direktor für Öffentliche Angelegenheiten und Religionsfreiheit sowie Generalsekretär des Rates für zwischenkirchliche und interreligiöse Angelegenheiten der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten, mit. Die fünftägigen theologischen Gespräche würden im Verwaltungssitz der Generalkonferenz in Silver Spring, Maryland/USA, stattfinden.

Laut Graz habe es im Frühjahr 2009 ein Vorgespräch über den Dialog mit dem Generalsekretär der Mennonitischen Weltkonferenz, Pfarrer Dr. Larry Miller, in Silver Spring gegeben. Beide weltweiten Konfessionsfamilien hätten viele Gemeinsamkeiten, so Graz. Adventisten und Mennoniten wendeten sich gegen den Kriegsdienst und setzten sich für den Frieden sowie die Religionsfreiheit ein. Beide entstammten der täuferischen Tradition. Daher werde es bei den Gesprächen im nächsten Jahr neben einem besseren gegenseitigen Kennenlernen um praktische Fragen des Christentums gehen.

Inzwischen sei es üblich, sich gegenseitig zu weltweiten Versammlungen einzuladen, betonte Graz. Während der mennonitischen Weltkonferenz 2009 in Paraguay sei Pastor Eugene Hsu, einer der Vizepräsidenten der adventistischen Weltkirchenleitung, als Gast willkommen geheissen worden. Bei der Weltsynode 2010 der Adventisten in Atlanta/USA, habe Generalsekretär Dr. Larry Miller die Grüsse der Mennoniten überbracht.

Die Mennoniten gehen neben Lutheranern und Reformierte als sogenannte «dritte Religionspartei» auf die Reformation des 16. Jahrhunderts zurück. Die Täuferbewegung entstand in Zürich im Kreis von Zwingli-Anhängern in den frühen 1520er Jahren. Die Verweigerung der Kindertaufe und stattdessen das Praktizieren einer Taufe zur Bekräftigung des Glaubens des Täuflings an Jesus Christus (Erwachsenentaufe) wurden schnell zum Kennzeichen der täuferischen Gemeinden. Der Name Mennoniten leitet sich von dem niederländisch-friesischen Theologen Menno Simons (1496-1561) ab, der 1536 sein katholisches Priesteramt aufgab, heiratete und sich den Täufern anschloss.

Die grössten Gruppen dieser Täufer sind heute die Mennoniten und die «Brethren in Christ» (Brüder in Christus). Gegenwärtig gibt es weltweit über 1,6 Millionen Täufer in 80 Ländern. Besonders in Afrika verzeichnen die Täuferkirchen ein Wachstum, sodass sie dort am stärksten auf einem Kontinent vertreten sind. In Deutschland gibt es 31.000 Täufer und in ihrem Ursprungsland Schweiz 2.500.

Obwohl sich die Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika 1863 als Generalkonferenz organisierten, leben dort heute nur noch 1,1 Millionen der 16,3 Millionen erwachsen getauften Mitglieder in 205 Ländern. Ihre Hauptverbreitungsgebiete sind Afrika und Lateinamerika mit 5,8 Millionen beziehungsweise 5,4 Millionen Adventisten. In Deutschland leben 35.400, in der Schweiz 4.300 und in Österreich 3.900 Adventisten.

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Baptisten erstellen Rohbau für adventistische Kirche uparrowprint druckenemail versenden

McMinnville, Tennessee/USA, 03.09.2010 / APD

Über 60 Baptisten haben in der Kleinstadt McMinnville im Landkreis Warren County des US-Bundesstaates Tennessee innerhalb von 14 Tagen den Rohbau einer Kirche der dortigen Siebenten-Tags-Adventisten erstellt. Sie waren Teil einer Gruppe von mehr als 400 Freiwilligen, die auch am «Bridges of Hope Fellowship»-Zentrum in McMinnville, einem Gemeindegründungsprojekt der Südlichen Baptisten, bauten.

Von einem Fernsehjournalisten befragt, warum er aus Georgia angereist sei, um für eine andere Konfession eine Kirche zu bauen, erklärte der Rentner Don Hensley: «Wir sind Christen, wir lieben Christus und wir möchten auch anderen helfen, damit sie die Möglichkeit haben, Gottesdienst in eigenen Räumlichkeiten zu feiern.» Carolyn Williams, Leiterin der adventistischen Gemeinde in McMinnville, berichtete: «Wir sahen, wie unsere Kirche von Tag zu Tag wuchs. Ich schätze die Baptisten sehr.» Pastor Harley P. Roth, Seelsorger der Gemeinde ergänzte: «Die baptistischen Freiwilligen arbeiteten fleissiger, als es vorher einige der bezahlten Handwerker taten. Die McMinnville Gemeinde der Siebenten-Tag-Adventisten erhielt viel mehr, als nur einen grossen Schritt mit beim Bau ihrer Kirche voranzukommen. Sie lernte christliche Freunde kennen, mit denen sie sich durch Gottes Gnade bis in die Ewigkeit verbunden wissen kann.»
Die über 400 Freiwilligen wurden von der Initiative «Builders for Christ» (Baumeister für Christus) der Mid-State Baptist Association in Macon, Georgia/USA, eingesetzt, um am Bau der beiden Gemeindezentren in McMinnville mitzuwirken. Manche der Freiwilligen waren Rentner, andere nahmen Urlaub oder schlossen ihr Geschäft, um beim Baueinsatz dabei zu sein. Die Reisekosten trugen die Teilnehmer selbst, für Unterkunft und Verpflegung sorgten Christen vor Ort. Die Arbeitszeit betrug elf bis zwölf Stunden täglich. Aus Achtung vor den Adventisten, die den Sabbat als biblischen Ruhetag feiern, fanden am Samstag keine Arbeiten an der adventistischen Kirche statt.

Die beiden Gemeindezentren sind für jeweils 350 Personen ausgelegt. Sie enthalten neben einem Gottesdienstsaal Räumlichkeiten für die Aktivitäten der Gemeinden. So will die Bridges of Hope Fellowship Gemeinde ein Kirchencafé und eine Grundschule einrichten. Die Adventisten benötigen unter anderem Räume für Seminare, Kinder-, Pfadfinder- und Jugendgruppen. Sie unterhalten in McMinnville bereits die «Faulkner Springs Christian School», eine Grund- und Mittelschule. Neben ihr entsteht die neue Kirche.

«Zwischen der Bridges of Hope Fellowship und unserer Gemeinde gibt es gute Kontakte», erläuterte Pastor Roth. Zwar gebe es auch Unterschiede, doch beide Gemeinden wollten die frohe Botschaft von der Errettung des Menschen durch Jesus Christus verkündigen. Dazu gehöre für Baptisten und Adventisten auch, durch vielfältige Aktivitäten Menschen in Not zu helfen.

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Angestellte der US-Adventisten erhalten Vier-Tage-Woche uparrowprint druckenemail versenden

Silver Spring, Maryland/USA, 03.09.2010 / APD

Am Verwaltungssitz der Weltkirchenleitung der Adventisten, in Silver Spring, Maryland, ist per 1. August die Viertagewoche eingeführt worden. An einer Mitarbeiterbesprechung sagte Ted Wilson, der neu gewählte Präsident der Generalkonferenz, dass diese Änderung nicht aus finanziellen Überlegungen eingeführt werde. Vielmehr gehe es darum, den Mitarbeitenden entgegen zu kommen und ihre Arbeitsmoral zu fördern.

Die Einführung der Viertagewoche liegt auf der Ebene der regionalen Verwaltungsbüros der Freikirche in den USA zunehmend im Trend. Die Büros sind von Montag bis Donnerstag zehn Stunden geöffnet und bleiben am Freitag geschlossen.

«Bei uns klappt es», sagt Raj Attiken, Präsident der Vereinigung der Freikirche in Ohio, die vor eineinhalb Jahren die Viertagewoche eingeführt hat. Die Kirchenverwaltung in Columbia hatte diesen Schritt schon früher eingeleitet. Wie Attiken sagt, ermöglichen es die modernen Kommunikationstechniken den Angestellten ihre Arbeit auch von zu Hause oder auf der Reise zu erledigen. Er verweist dabei auf Untersuchungen, die zeigen, dass die Arbeitsproduktivität mit längeren Arbeitstagen aber kürzeren Arbeitswochen steige und fügt an: «Ich habe keinerlei negativen Rückmeldungen von Kirchenmitgliedern erhalten.» Seine Handynummer werde auf dem Telefonbeantworter des Büros angegeben, sodass er während 24 Stunden erreichbar sei.

Die Einführung der Viertagearbeitswoche wurde auch vom Energieminister in Nova Scotia, Kanada, in Erwägung gezogen. Auf Hawaii und in Utah wurde sie bereits In wichtigen staatlichen Dienstleistungsbetrieben eingeführt.

Das TIME Magazin berichtet, dass sich das Experiment in Utah nach 12 Monaten als so erfolgreich erwiesen habe, dass ein neues Akronym aufkomme: TGIT (thank God it's Thursday – Gott sei Dank, dass es Donnerstag ist). Der Staat Utah fand heraus, dass eine verkürzte Arbeitswoche den Energieverbrauch um 13 Prozent reduziere und dass die Angestellten US$ 6 Millionen (CHF 6.25 Millionen) Benzinkosten sparen. Es überrascht nicht, dass 82 Prozent der Staatsangestellten in Utah weiterhin die Viertagewoche beibehalten wollen.

Die Einführung der Viertagearbeitswoche war in den USA schon 1970 populär. Im Staat Nevada kehrten aber ein Drittel der Firmen bald wieder zur Fünftagewoche zurück, denn die Kunden wollten deren Dienstleistungen auch am Freitag beanspruchen. Hinzu kommt, dass ein Zehnstundentag nicht jedermanns Sache ist.

Am Verwaltungssitz der Weltkirchenleitung der Adventisten können die Angestellten weiterhin auch die Fünftagewoche wählen. In Tat und Wahrheit bestand die Arbeitswoche bereits bis anhin nur aus einer Viereinhalbtagewoche. In den Verwaltungsbüros der Adventisten wird traditionellerweise unter der Woche vorgearbeitet und am Freitag nur bis am Mittag oder am frühen Nachmittag gearbeitet. Der Freitagnachmittag wird fürs Einkaufen oder für andere Vorbereitungen auf den Sabbat (wöchentlicher Ruhetag) genützt.

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23 Tote bei Brand in Alters- und Pflegeheim in Südafrika uparrowprint druckenemail versenden

Nigel, Gauteng/Südafrika, 03.09.2010 / ANN/APD

Das Pieter Wessels-Altersheim, in der Stadt Nigel, Provinz Gauteng, rund 60 km von Johannesburg entfernt, ist in der Nacht des 1. August vollständig abgebrannt. Dabei kamen 22 Personen ums Leben und eine Person starb nach der Rettung an einem Herzinfarkt. Viele wurden noch am Brandort wegen Rauchvergiftung behandelt. Das Alters- und Pflegeheim gehört der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und betreute vor allem Personen mit niedrigem Einkommen.

Das Feuer brach kurz vor 21 Uhr bei Arbeitsbeginn der Nachtschicht aus. Das Personal alarmierte sofort die Feuerwehr und den lokalen Bereitschaftsdienst, die das Feuer bekämpften. Es breitete sich aber rasend schnell in dem 75-jährigen Gebäude über die Vorhänge, die Decke und den Dachstock aus. Gleichzeitig wurde auch versucht, die 102 Bewohner, von denen einige bettlägerig, behindert und auf den Rollstuhl angewiesen sind, zu retten.

«Das ganze Gebäude stand in Flammen», sagte Remsie Visser vom Pflegeheim. «Wir alarmierten die Feuerwehr und versuchten alles, um die Leute nach draussen zu bringen. Die meisten von ihnen sind behindert. Wir konnten nicht alle retten und sind deshalb in einem furchtbaren Schockzustand».

Dem Personal und den Rettungskräften gelang es 84 Heimbewohner zu retten. Viele von ihnen konnten nur das mitnehmen, was sie auf sich trugen. Beim Brand wurden sämtliche Dokumente, medizinischen Unterlagen und das persönliche Eigentum der Patienten zerstört.

Louis Gouws, der Leiter des Pflegeheims, bat die Angehörigen, bei der DNA-Identifizierung der Opfer des Grossbrandes mitzuhelfen. Er sagte aber auch, dass sich die Identifikation schwierig gestalte, weil 65 Personen im Heim lebten, die keine Angehörige hätten.

Die Heimbewohner konnten vorübergehend bei Privatpersonen und in anderen Pflegeeinrichtungen der Umgebung untergebracht werden.

Die Kirchenleitung der Adventisten in der Transvaal Vereinigung ist vom Unglück tief betroffen und erarbeitet Pläne zur dauerhaften Unterbringung der Patienten und um andere Arbeitsplätze für die 80 Angestellten zu finden, hiess es.

Rogers Mamaila, Sprecher des Notfalldienstes der Metropolregion Ekurhuleni wies darauf hin, dass die Brandursache noch nicht geklärt sei: «Wir haben schon viele Feuer bekämpft und viele Leute gerettet, aber wir haben noch nie so viele Personen verloren, wie bei diesem Brand».

Der Präsident Südafrikas, Jacob Zuma, hat den Familien und den Freunden der Verstorbenen sein Beileid übermittelt. «Wir teilen ihren Verlust und die Schmerzen. Die Regierung tut alles, was in ihrer Macht steht, um sie zu unterstützen».

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Religionsfreiheit

Iran verurteilt sieben Bahá’í-Mitglieder zu langen Haftstrafen uparrowprint druckenemail versenden

Teheran/Iran, 03.09.2010 / APD

Die iranische Justiz hat nach Angaben der Religionsgemeinschaft der Bahá’í sieben ihrer Mitglieder zu 20-jährigen Haftstrafen verurteilt. Die Behörden hätten die Anwälte der Verurteilten am 8. August mündlich über die Strafe informiert, sagte eine Sprecherin der französischen Vertretung der Bahá’í in Paris. Die Anwälte der Verurteilten wollten jetzt Berufung einlegen, auch um Zugang zu den schriftlichen Urteilen zu bekommen.

Den sieben Führungsmitgliedern der Bahá’í wird Spionage, Zusammenarbeit mit Israel und eine «Verschwörung gegen die nationale Sicherheit» vorgeworfen. Die Europäische Union (EU) und die USA hatten das Vorgehen scharf kritisiert und Teheran zur Beachtung der Religionsfreiheit aufgefordert. Die zwei Frauen und fünf Männer sind seit ihrer Verhaftung im Jahre 2008 im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert, mehrere Monate davon in Isolationshaft.

Der Beauftragte der deutschen Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, Markus Löning, sagte zur Verurteilung: «Die Haftstrafen gegen die Bahá"i-Führungsmitglieder sind ein herber Rückschlag für alle, die sich für Menschenwürde und Menschenrechte in Iran einsetzen. Es bestehen erhebliche Zweifel daran, dass während des Verfahrens grundlegende Justizgrundrechte gewahrt worden sind. Ich appelliere daher mit Nachdruck an die zuständigen Stellen in Iran, das gestrige Urteil aufzuheben und für ein faires und transparentes Gerichtsverfahren Sorge zu tragen.»

Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Minderheitenschutz und rechtsstaatliche Verfahren zählten zu denjenigen internationalen Verpflichtungen, zu deren Einhaltung sich der Iran verpflichtet habe, so Löning.

Die deutsche Bundesregierung beobachte die Lage der Bahá’í in Iran seit langem mit Sorge und setze sich zusammen mit den EU-Partnern kontinuierlich für eine Verbesserung ihrer Situation sowie für Meinungs- und Religionsfreiheit im Iran ein.

Die österreichische Bahai-Gemeinde zeigte sich über das Urteil «schockiert». «Die sieben Bahai sind ausschliesslich wegen ihrer Religion verurteilt und haben alle Anklagepunkte entschieden zurückgewiesen», betonte Ottilie Käfer, Pressesprecherin der Bahai- Religionsgemeinschaft in Österreich.

Die Bahá’í-Religion hat weltweit rund fünf Millionen Anhänger, davon rund 300.000 im Iran. Sie gelten dort als «Abtrünnige» des Islam und sind seit der islamischen Revolution 1979 in ihren staatsbürgerlichen Rechten beschränkt. Teheran betrachtet auch mit grossem Misstrauen, dass die Bahá’í ihr Hauptquartier im israelischen Haifa unterhalten.

Die Bahá’í-Religion wurde im 19. Jahrhundert von den Persern Sayyid Ali Muhammad (1819- 1850), genannt Bab («das Tor»), und seinem Nachfolger Husayin Al Nuri, genannt Bahaullah (1817- 1892), gegründet. Die monotheistische Religion ist im Iran nicht anerkannt und wird von orthodoxen Muslimen als «Abfall vom Islam» angesehen. Hauptstreitpunkt ist das Konzept der «fortschreitenden Offenbarung» in der Bahá’í- Religion, die den islamischen Propheten Mohammed nicht als letzten und definitiven Propheten anerkennt und ausserdem von einer «mystischen Einheit» der Religionen ausgeht.

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Experte für Religionsfreiheit zur Diskussion um die Moschee beim «Ground Zero» uparrowprint druckenemail versenden

Washington, 03.09.2010 / APD

Die geplante Moschee in der Nähe des «Ground Zero» erhitzt in den USA seit Wochen die Gemüter. Es war die Rede von einer «Sieges Moschee», die wie eine Zitadelle über der Gedenkstätte für die Opfer des Anschlags vom 11. September 2001 throne oder die Moschee sei das Lieblingsprojekt eines Imams, der mit den Terroristen sympathisiere.

Präsident Obama erklärte am 13. August, dass die Religionsfreiheit in den USA auch für die Muslime gelte. Dies wurde von vielen als Unterstützung für den Moscheebau gedeutet. Am nächsten Tag musste er diese Aussage dahingehend präzisieren, dass er den Bauentscheid an diesem Ort weder kommentiert habe noch kommentieren werde, sondern grundsätzlich zur Religionsfreiheit in Amerika Stellung genommen habe, als Recht für alle.

Der Rechtsanwalt James Standish, Vertreter der Freikirche der Adventisten bei den Vereinten Nationen (UNO), nahm am 15. August in einem Beitrag in der Tageszeitung «Washington Post» zu den verzerrten Darstellungen und teilweise dicken Unwahrheiten im Zusammenhang mit dem Moscheebau Stellung und gab drei Fakten zu bedenken:

«Es gibt keine «Ground Zero-Moschee», schreibt der Jurist Standish. Die geplante Moschee komme durch zwei hohe Häuserblocks getrennt, vom Anschlagsort zu liegen. Sie sei eingebettet in eine bestehende Häuserfront und optisch durch diese vom «Ground Zero» völlig getrennt. Auf der Karte sehe man, dass die Moschee am Park Place 45 – 47, also gute 200 m von den ehemaligen Twin Towers zu liegen komme.

«Es wird dort keine «Sieges-Moschee» geben», so der adventistische UNO-Vertreter. Das erklärte Ziel hinter der Errichtung des muslimischen Zentrums in Manhattan sei, den Geist des gegenseitigen Respekts zwischen Judentum, Christentum und dem Islam wiederherzustellen. «Dies ist genau das gegenteilige Ziel dessen, was die Terroristen mit dem Anschlag vom 11. September bezwecken wollten», so Standish.

«Es gibt keinen den Terror befürwortenden Imam hinter der Mosche», unterstrich er weiter. Vom zuständigen Imam, Feisal Abdul Rauf, sei bekannt, dass er gute Kontakte zur jüdischen Gemeinde pflege und den Terrorismus verurteile. Er gehöre zu den Imamen, die von radikalen Islamisten am meisten verachtet würden.

Nebst diesen Klarstellungen zu den unhinterfragt kolportierten Falschmeldungen im Zusammenhang mit dem geplanten Bau dieser Moschee, zeigt Standish in seinem Beitrag auf, dass das Sündenbockspiel der Mehrheit mit einer unbeliebten Minderheit sehr durchsichtig sei und nur einem Zweck diene: Die Kolporteure wollten damit Macht und Einfluss gewinnen.

Und bezüglich dem Errichten von Sakralbauten fragte er: «Wollen wir wirklich der Regierung das Recht zugestehen, dass sie entscheidet, welche Religion bauen darf und gegebenenfalls wo? Wollen wir, dass Evangelikalen verboten wird, neue Kirchen in Gegenden zu bauen, wo sie eine unbeliebte Minderheit sind? Wollen wir, dass die Mehrheit darüber entscheiden soll, wo Mormonentempel gebaut werden dürfen, Synagogen, adventistische oder katholische Kirchen? In diesem Land gehören wir alle irgendwo zu einer Minderheit».

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Christliche Kirche fordert Verlegung der Wahlen auf Wochentag uparrowprint druckenemail versenden

Akure, Nigeria, 03.09.2010 / APD

Die Unabhängige Nationale Wahlkommission (INEC) in Nigeria gab am 10. August die drei Daten für die Wahlen 2011 bekannt. Die Termine für die Wahlen in die Nationalversammlung, für die Gouverneurs- und Landtagswahlen und für die Präsidentschaftswahlen, sind ausnahmslos auf einen Samstag festgelegt worden.

Pastor Joseph Adebisi Ola, Präsident der Adventisten im Nordwest-Kirchenbezirk von Nigeria, wies darauf hin, dass viele Wähler ihrer Rechte beraubt werden könnten, wenn der Wahltag auf einem Samstag belassen werde. Die protestantische Freikirche feiert, wie die jüdischen Glaubensgemeinschaften, den biblischen Sabbat (Samstag) als Ruhetag. Nach Adebisi könnten die Mitglieder seiner Kirche an ihrem Ruhe- und Gottesdiensttag ihre bürgerlichen Rechte nicht wahrnehmen. Er forderte deshalb die für die Wahl Verantwortlichen auf, dem Vorbild entwickelter demokratischer Staaten zu folgen und diese wichtigen Wahltermine auf einen Wochentag zu verlegen.

Von den 144 Millionen Einwohnern Nigerias sind über eine halbe Million adventistische Christen, davon 267.000 erwachsen getaufte Mitglieder in über 800 Kirchengemeinden. Als weltweite Freikirche kennen die Adventisten nicht nur kulturelle Unterschiede in Bezug auf die Frage der Frauenordination, sondern auch im Hinblick auf die Wahrnehmung des Wahlrechts an Samstagen. Die Kirche empfiehlt die Teilnahme an Wahlen und Abstimmungen auch am Ruhetag.

In Nigeria besteht eine kaum überschaubare Vielfalt an religiösen Gemeinschaften. Rund 50 Prozent der Nigerianer sind Muslime, vor allem in Norden. Etwa 40 Prozent sind Christen, im Süden und der restliche Teil - etwa 10 Prozent - bekennt sich zu einer traditionellen afrikanischen Religion.

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Bibel

Durchsicht der Lutherbibel beschlossen uparrowprint druckenemail versenden

Stuttgart, 03.09.2010 / APD

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat eine «Durchsicht der Lutherbibel» beschlossen und einen Lenkungsausschuss unter Leitung von Landesbischof i. R. Dr. Christoph Kähler eingesetzt, dem unter anderem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Exegese, Praktische Theologie, Liturgik und Germanistik angehören. Die Arbeit an der Lutherbibel soll noch vor Ende der Lutherdekade 2017 fertig gestellt werden.

Laut dem Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft und ständigem Gast im Lenkungsausschuss, Pfarrer Klaus Sturm (Stuttgart), gehe es nicht um eine Revision des Luthertextes, bei der auch tiefer gehende sprachliche Anpassungen vorgenommen würden. «Bei der bevorstehenden Durchsicht sollen neueste Erkenntnisse aus Exegese und Textkritik möglichst so eingearbeitet werden, dass der vertraute Wortlaut der Lutherbibel erhalten bleibt». Nur zwingend erforderliche Änderungen fänden deshalb Eingang in das theologisch und kulturhistorisch bedeutsame Erbe Luthers. Eine Durchsicht sei deshalb nicht so umfangreich wie eine Revision, in der Durchführung aber kaum weniger anspruchsvoll, so Sturm.

Die Lutherbibel geht auf die Übersetzungen Martin Luthers und seiner Mitarbeiter in den Jahren 1521 bis 1545 zurück. Die Übersetzung des Neuen Testaments erschien im September 1522 (Septembertestament). In den folgenden Jahren wurden kontinuierlich weitere Bücher der Bibel übersetzt, bis 1534 die erste Gesamtausgabe herauskam. Im Jahr 1545 erschien die letzte von Luther selbst durchgesehene Gesamtausgabe. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Lutherbibel in den evangelischen Gebieten Deutschlands das wichtigste Haus- und Volksbuch. Dann führten eine beschleunigte Sprachentwicklung und ein einschneidender Traditionsabbruch dazu, dass die Originalsprache Luthers immer schwerer verständlich wurde. Die historische Übersetzung Martin Luthers wurde mehrmals schonend dem gewandelten Sprachgebrauch angepasst. Dieser Prozess einer «Revision» der Lutherbibel ist 1984 zum Abschluss gekommen. Im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Rechtschreibung 1999 wurde der Text noch einmal durchgesehen.

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USA: Haftstrafe als Segen uparrowprint druckenemail versenden

New York, N.Y./USA, 03.09.2010 / APD

Nach einer im Frühjahr 2010 von der Amerikanischen Bibelgesellschaft (ABS) veröffentlichten Umfrage unter Häftlingen geben 96 Prozent der Befragten an, ihre Einstellung und ihr Verhalten habe sich durch das Bibellesen positiv verändert. Sie würden respektvoller mit anderen reden, mehr beten und liebevoller mit ihren Mitmenschen umgehen. Lataysha S., eine Inhaftierte im Frauengefängnis von Naples (Florida), sagte sogar, ihre Haft sei für sie zum Segen geworden: «Als ich hierher kam, dachte ich, es sei eine Strafe. Jetzt sehe ich, dass mich Gott auf sich und sein Wort aufmerksam machen wollte.» Bibeln sind noch immer Mangelware in US-Gefängnissen, nur eine von hundert Haftanstalten hat dafür ein Budget. Oft genug besitzen Häftlinge nur deswegen eine Bibel, weil der Gefängnispastor oder ein ehrenamtlicher Helfer diese aus eigener Tasche bezahlt.

Um den bestehenden Mangel an Bibeln zu beheben, hat die Amerikanische Bibelgesellschaft vor neun Jahren das Projekt «Gott befreit dich» God Sets You Free™) ins Leben gerufen. Im Auftrag der ABS verteilten bis heute Mitarbeiter der Strafgefangenenhilfe «American Rehabilitation Ministries» eine Million Bibeln und Kleinschriften unter die Häftlinge im ganzen Land.

Nach Angaben von ABS ist die Zahl der Personen im Strafvollzug in den USA während den letzten 25 Jahren um 274 Prozent auf rund 2.3 Millionen gestiegen.

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Gesundheit & Ethik

Alkohol immer noch Droge Nummer 1 uparrowprint druckenemail versenden

Bern/Berlin/Wien, 03.09.2010 / APD

Wenn umgangssprachlich von Sucht die Rede ist, denkt man üblicherweise an harte, illegale Drogen. Fachverbände in Deutschland, der Schweiz und Österreich weisen aber darauf hin, dass Alkohol nach wie vor die Droge Nummer Eins ist. Kein anderes Rauschmittel sei so akzeptiert und werde so häufig konsumiert.

In Deutschland seien 1,3 Millionen Menschen alkoholabhängig und bei zusätzlichen 2 Millionen liege Alkoholmissbrauch vor. Ferner passierten in Deutschland rund 275 000 schwere Straftaten und 20 000 Verkehrsunfälle im Jahr unter Alkoholeinfluss.

Vier Prozent der Schweizer Bevölkerung haben ein Alkohol-Abhängigkeitsproblem. Das sind 300 000 Menschen. Doppelt so viele sind alkoholgefährdet. Laut «Sucht Info Schweiz» wachsen ungefähr 100'000 Kinder mit einem alkoholabhängigen Elternteil auf.

Rund 5 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind chronische Alkoholiker, weitere 10,5 Prozent gelten als alkoholgefährdet, aber nicht «alkoholabhängig».

In Deutschland, der Schweiz und Österreich ist der Alkoholkonsum ein zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Nach neueren Schätzungen liegen die jährlich konsumierten Mengen an Reinalkohol pro Einwohner häufig auf einem gefährlich hohen Niveau. Der Pro-Kopf-Konsum der deutschen Bevölkerung ab dem 15. Lebensjahr beträgt im Durchschnitt zwölf Liter Reinalkohol pro Jahr, in der Schweiz 8,2 Liter und in Österreich 10,9 Liter. Aus gesundheitlicher Sicht dürfe der Pro-Kopf-Konsum von reinem Alkohol jedoch nicht mehr als drei Liter jährlich betragen, so die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Erfreulicherweise ist in der Schweiz der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch reinen Alkohols seit 1990 um 2,2 Liter zurückgegangen. Nach Ansicht der Schweizer Alkoholverwaltung trinke zwar die Gesamtbevölkerung im Schnitt weniger alkoholische Getränke, der Konsum in einzelnen Risikogruppen steige aber.

Auch die Europäische Kommission für Gesundheit und Verbraucherschutz mahnt, dass Alkoholmissbrauch EU-weit ein zentrales Problem für die öffentliche Gesundheit darstelle, das erhebliche soziale Konsequenzen nach sich ziehe. Europa verzeichne weltweit den höchsten Anteil an Alkoholikern, den höchsten Alkoholkonsum pro Person und ein hohes Mass an alkoholbedingten Schäden und Problemen. Übermässiger oder riskanter Alkoholkonsum sei die Ursache für 7,4 Prozent der gesundheitlichen Probleme und vorzeitigen Todesfälle in der EU. Zu den Folgen des Alkoholmissbrauchs gehörten unter anderem zahlreiche Unfälle mit Todesfolge auf den europäischen Strassen, weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen wie Gewalt, Rowdytum, Verbrechen, familiäre Probleme und sozialer Ausschluss sowie Produktivitätsrückgang am Arbeitsplatz.

Die volkstümliche Einsicht, wonach Alkohol ein hervorragendes Lösungsmittel sei, das Freundschaften, Ehen, Familien, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten, Leber und Gehirn auflöse, - nur keine Probleme, scheine sich mit den Fakten zu decken.

«Für viele gehört Alkohol zum Feiern oder zum Entspannen einfach dazu. Dabei werden die gesundheitlichen Risiken, die ein regelmässiger und zu hoher Alkoholkonsum mit sich bringt, noch immer massiv unterschätzt», warnt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wissenschaftliche Studien zeigten, dass für einen erwachsenen Mann 24 Gramm Reinalkohol - etwa zwei kleine Bier - und für eine Frau zwölf Gramm Reinalkohol pro Tag an maximal fünf Tagen in der Woche gesundheitlich unbedenklich seien. «Alles, was darüber liegt, ist bereits riskanter Alkoholkonsum und führt auf Dauer unausweichlich zu gesundheitlichen Schäden.» Bei Jugendlichen lägen diese Grenzwerte noch deutlich niedriger, denn ihr Körper sei noch nicht vollständig entwickelt.

In Deutschland setzt sich die BZgA als Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) für die Prävention von Alkoholmissbrauch ein. Um einschätzen zu können, wo das persönliche Limit beim Alkoholkonsum liegt, hat die BZg einen Selbsttest entwickelt, der im Internet abrufbar ist: http://www.kenn-dein-limit.de/

In der Schweiz bietet «Sucht Info Schweiz», die frühere Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme, Prävention und Hilfestellungen bei Abhängigkeit an. Neben dem Beratungsangebot über Telefon 021 321 29 76 und über die Internetrubrik «Sie fragen – wir antworten», stellt sie auch kostenloses Informations- und Beratungsmaterial zur Verfügung. www.sucht-info.ch

Am 18. November 2010 findet in der Schweiz ein weiterer Nationaler Aktionstag Alkoholprobleme statt. Unter dem Motto «Gewaltig gefährdet» wollen die veranstaltenden Fachverbände darauf aufmerksam machen, dass Alkoholkonsum und Gewalt eng miteinander verbunden sind.

Neben den nationalen Fachverbänden sind auch christliche Einrichtungen in verschiedenen Bereichen der Suchtkrankenhilfe (Prävention, Beratung, Behandlung und Integration) tätig:

Blaues Kreuz in Deutschland e.V. (Wuppertal); www.blaueskreuz.de
Blaues Kreuz der deutschen Schweiz (Bern); www.blaueskreuz.ch
Croix-Bleue romande, (Chavannes-Renens); www.croix-bleue.ch
Blaues Kreuz Österreich, (Wels); www.blaueskreuz.at
Advent-Wohlfahrtswerk Deutschland(AWW); www.aww.info

Es gibt auch christliche Kirchen, die an einen gesunden Lebensstil glauben und auf den Konsum von schädlichen Drogen, einschliesslich Alkohol und Tabak, verzichten. So leben beispielsweise die Mitglieder der Heilsarmee und der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten überwiegend abstinent.

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Neuseeland: Adventisten unterstützen Kampagne gegen extremen Alkoholmissbrauch uparrowprint druckenemail versenden

Auckland/Neuseeland, 03.09.2010 / APD

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten unterstützt die nationalen Aktionsprogramme zur Alkoholprävention. Die Programme der Regierung zielen darauf ab, die traditionell alkoholdeterminierte Trinkkultur, in der Alkohol fester Bestandteil der Alltagskultur ist, zu einer alkoholpermissiven Kultur zu wandeln, in der Alkohol nur bei bestimmtem Gelegenheiten konsumiert wird.

Neuseeland kennt exzessiven Alkoholkonsum und hat ein massives Alkoholproblem. Von den 4.35 Millionen Einwohnern sind 700'000 starke Trinker. Bei der Hälfte aller Gewaltverbrechen ist Alkohol im Spiel. Bis zu 75 Prozent der Behandlungen in Notfallstationen der Spitäler, in den Nächten von Donnerstag bis Samstag, sind alkoholbedingt. Ein Drittel der Verhaftungen steht im Zusammenhang mit Alkohol. Es gibt täglich bis zu 300 Delikte, bei denen Alkohol eine Rolle spielt. 500 schwere oder tödliche Verkehrsunfälle sind auf Alkoholkonsum zurück zu führen. Pro Jahr gibt es in Neuseeland über 1000 Alkoholtote und mindestens 600 Kinder werden jährlich mit fetalen Alkoholschäden geboren. In der Schweiz, mit 7.7 Mio. Einwohnern, sind es schätzungsweise 780 Neugeborene mit Alkoholschäden im Jahr.

Letztes Jahr wurde eine Gesetzeskommission beauftragt einen Bericht zu verfassen, der die Auswirkungen des Alkoholskonsums auf die Gesellschaft aufzeigt. Der Vorsitzende, Sir Geoffrey Palmer, sagte bei der Präsentation, dass er keine Ahnung vom Ausmass der Alkoholproblematik in Neuseeland gehabt habe. Der Bericht schlage deshalb wesentliche Änderungen bezüglich der Erhältlichkeit von Alkohol, des Preises und der Werbung vor.

«Wir sind uns bewusst», so Paul Rankin, Abteilungsleiter Gesundheit der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, «dass das Kabinett die Promillegrenze für Verkehrsteilnehmer diskutiert und hoffen sehr, dass es die zulässige Blutalkoholgrenze reduziert».
Im Namen von 12’000 erwachsen getauften Adventisten in Neuseeland, unterstrich Rankin: «Wir möchten recht verstanden werden, weshalb wir uns dazu äussern. Als Kirche haben wir schon lange eine klare Stellung hinsichtlich unserer Verantwortung für die Gesellschaft. Neuseeland hat jetzt eine Alkoholkrise. Alkohol ist eine Droge, die süchtig macht und die das Gehirn verändert. Unsere öffentliche Stellungnahme beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern wir es wirtschaftlichen Kreisen erlauben sollen, den exzessiven Alkoholkonsum zu fördern.» Klärend fügte er an: «Als Kirche vertreten wir den Standpunkt der Alkoholabstinenz. Obwohl es nicht unsere Aufgabe ist, der Gesellschaft moralisches Verhalten vorzuschreiben, machen wir uns Sorge über diesen Bereich der öffentlichen Gesundheit».

Die Empfehlungen der Gesetzeskommission, wie die alkoholbedingten Probleme einer Gesellschaft reduziert werden können, folgen den internationalen Erkenntnissen. Sie werden als die «5+ Lösung» bezeichnet:
1. Erhöhung des Alkoholpreises.
2. Erhöhung der Altersgrenze für den Verkauf.
3. Erschwerung des Zugangs zu Alkohol.
4. Einschränkung der Vermarktung und Werbung für Alkohol.
5. Verstärkung der Massnahmen gegen Alkohol am Steuer.
Plus: Erhöhung der Behandlungsangebote für schwer Alkoholkranke.

Die Adventisten, zusammen mit den Anglikanern und weiteren Kirchen in Neuseeland, haben zum exzessiven Alkoholkonsum und den damit verbundenen Schäden in der neuseeländischen Gesellschaft öffentlich Stellung bezogen und unterstützen gemeinsam den Regierungsansatz der «5+ Lösung».

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ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA-International (Adventist Development and Relief Agency) ist die weltweite Hilfsorganisation der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe. ADRA unterhält ein Netzwerk mit etwa 120 regionalen und nationalen ADRA-Büros. ADRA gewährt ihre Hilfe ohne Rücksicht auf politische und religiöse Anschauung oder ethnische Herkunft. ADRA Schweiz ist ein im Handelsregister eingetragener Verein und geniesst Steuerfreiheit. Adresse: ADRA Schweiz, Gubelstrasse 23. Postfach 5126, 8050 Zürich; Telefon +41-(0)44 515 03 10. E-Mail: info@adra.ch. Web Site: http://www.adra.ch

Somalische Extremistengruppe stoppt Arbeit von drei Hilfswerken uparrowprint druckenemail versenden

Silver Spring, Maryland/USA, 03.09.2010 / APD

Die militante Al-Shabab Miliz, der Kontakte zu Al-Kaida nachgesagt werden, hat am 9. August mitgeteilt, dass sie den drei christlichen Hilfswerke ADRA, Diakonia und World Vision die Arbeit in dem von ihr kontrollierten Gebiet untersagt.

Al Shabab hat die Verantwortung für die beiden Bombenanschläge in Uganda während der Fussball Weltmeisterschaft übernommen, bei denen 76 Fernsehzuschauer in einem Restaurant getötet wurden. Die Miliz kontrolliert einen grossen Teil des Südens von Somalia und der Hauptstadt Mogadischu.

Gemäss Joel Echevarria von ADRA Somalia, sind die vier ADRA Büros in Beletweyne, Bulo Burti and Baidoa, im Süden von Somalia, durch die Somalische Extremistengruppe Al Shabab ohne Gewaltanwendung besetzt worden.

Die drei christlichen Hilfswerke müssten Somalia umgehend verlassen, weil sie aktiv das Christentum propagierten, berichten die Zentralen der Hilfsorganisationen. «Sie sind Missionare unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe», so die Begründung der Al-Shabab Miliz. «Diese Organisationen haben ihre verdorbenen Ideologien verbreitet, um die reine Lehre der Muslime in Somalia schlecht zu machen». Gleichzeitig wurden andere Hilfswerke davor gewarnt, die Arbeit der verbotenen Organisationen, zu übernehmen bzw. fortzusetzen, andernfalls hätten sie mit «angemessenen Massnahmen» zu rechnen.

Die Nichtregierungsorganisation ADRA hat die Vorwürfe, missionarisch tätig zu sein, entschieden zurückgewiesen. Wegen ihrer globalen humanitären Hilfe in mehr als 120 Ländern, habe sich ADRA für das harmonische und respektvolle Kooperieren mit vielen unterschiedlichen Kulturen, Traditionen und Religionen ein hohes Ansehen erarbeitet.

Als weltumspannende Hilfsorganisation ist ADRA Unterzeichner der «Verhaltensregeln für die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und NGOs bei der Durchführung von Katastrophenhilfsprogrammen». Darin heisst es, dass «Hilfe nicht dazu eingesetzt wird, um bestimmte politische oder religiöse Standpunkte zu fördern» und «Hilfe unabhängig von Rasse, Religion oder Nationalität» geleistet wird. Die Unterzeichner verpflichten sich auch, «Kultur und Sitten zu respektieren».

Der Sprecher der derzeitigen Regierung Abdi Haji Gobdon, sagte gegenüber des UN-Nachrichtendienstes IRIN: «Diese Hilfswerke sind gekommen, um Tausenden Bedürftigen zu helfen. Das ist Beweis genug, wenn noch einer nötig gewesen wäre, um die Missachtung des Wohlergehens und der Gesundheit des somalischen Volkes durch Al Shabab zu belegen. Das Wohl der Leute kümmert sie schlichtweg nicht».

Nach ADRA-Angaben sind von der Einstellung der Hilfsmassnahmen im südlichen und zentralen Teil von Somalia mehr als 180'000 Menschen betroffen. Das Hilfswerk habe in der Region Bakool, Bay und Hiraan vor allem Brunnen gebaut und wiederhergestellt, Existenzgrundlagen gefördert und den Zugang zu Bildung ermöglicht. Allein im Jahr 2008 hätten 650'000 Somalis von der humanitären Arbeit von ADRA profitiert. Das Hilfswerk bleibe auch weiterhin der somalischen Bevölkerung verpflichtet und werde weiterarbeiten, sofern die Umstände dies zuliessen.

In Somalia existiert kein Staat. Seit 19 Jahren kämpfen Warlords mit Privatarmeen, verfeindete Clans und zuletzt militante Milizen um die Kontrolle des Landes, das wie kein anderes afrikanisches Land auf humanitäre Hilfe angewiesen ist. Doch Helfen in Somalia wird für die Hilfswerke immer gefährlicher.

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ADRA versorgt die Flutopfer in Pakistan mit medizinischer Hilfe uparrowprint druckenemail versenden

Islamabad/Pakistan & Silver Spring, Maryland/USA, 03.09.2010 / APD

Das weltweite ADRA Netzwerk, der Zusammenschluss von ADRA Landesbüros, baue die Einsatzzentrale in Rawalpindi auf, schreibt die Koordinationsstelle des Einsatzes. Das ärztliche Team des Adventistischen Spitals in Karachi konzentriere die medizinische Hilfe des ADRA Netzwerks in der Stadt Nowshera, im Norden Pakistans. Von dort aus werde später auch den Menschen in der Provinz Punjab geholfen. In Zusammenarbeit mit lokalen Behörden soll in Schulen, Ambulatorien und Gemeindezentren eine medizinische Grundversorgung aufgebaut werden. Nach Angaben von ADRA verteile das Team dringend benötigte Medikamente und kümmere sich um Kinder und Erwachsene, die unter Durchfall, Grippe, Malaria, Hautkrankheiten, Augeninfektionen und anderen Verletzungen leiden. Unterstützt werde das Team durch die Mitarbeiter der adventistischen Zahnarztklinik in Peschawar.

«Das ist die grösste Katastrophe in unserer Geschichte», sagte Mian Iftikhar Hussain, der Informationsminister der Provinz Khyber Pakhtunkhwa im Norwesten Pakistans. Nach Angaben der pakistanischen Regierung sind 1’475 Menschen gestorben und 15,4 Millionen sind von der Flut betroffen. «Die Ganze Infrastruktur, die wir in den letzten 50 Jahren aufgebaut haben, wurde zerstört», fügte der Provinzsprecher für Katastrophenhilfe gegenüber Associated Press an.

Am ADRA Nothilfeeinsatz, der US$ 102,000 (CHF 105'000) umfasst, beteiligen sich ADRA International, ADRA Australien, ADRA Dänemark, ADRA Norwegen, ADRA Schweden, ADRA Grossbritannien, ADRA Kanada, ADRA Österreich, ADRA Niederlande, ADRA Neuseeland, ADRA Portugal, ADRA Finnland und ADRA Korea.

ADRA Deutschland arbeitet mit dem Organisationsbündnis «Aktion Deutschland hilft» zusammen. Nach Angaben des Hilfswerks sei die Verteilung von 4000 Decken, 1000 Hygiene-Kits, sowie Planen und Wellblech zum Bau von Notunterkünften geplant.

ADRA Schweiz hat am 18. August einen Spendenaufruf lanciert. «Wir werden unsere Hilfe bald mit dem weltweiten ADRA Netzwerk koordinieren», sagte Alexandre Gasser, Direktor von ADRA Schweiz. «In einem ersten Schritt wollen wir CHF 20'000 für die Nothilfe zur Verfügung stellen».

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Humanitäre Hilfe trotz Widerwärtigkeiten uparrowprint druckenemail versenden

Sanaa/Jemen, 03.09.2010 / APD

ADRA hilft im Jemen 300'000 Binnenflüchtlinge zu ernähren
In Bürgerkriegsituationen, wie dies im nördlichen Jemen der Fall ist, leidet die Zivilbevölkerung am meisten und wird im eigenen Land zu Vertriebenen. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln von 300'000 dieser sogenannten Binnenflüchtlingen (IDPs) gestaltet sich zu einer komplexen logistischen und koordinatorischen Herkulesaufgabe. Das Hauptproblem bildet die fehlende Sicherheit angesichts der ständig wechselnden Angriffe der Aufständischen.

Das UNO Welternährungsprogramm (World Food Programm WFP) versorgt die Binnenvertriebenen zusammen mit zwei Nichtregierungsorganisationen: ADRA Jemen (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe) und Islamic Relief. Sie sorgen gemeinsam für eine möglichst gerechte Verteilung der Lebensmittel. Es brauchte ein kluges Taktieren mit den Konfliktparteien, um die Reichweite der Hilfe aufrecht zu erhalten oder auszudehnen und um möglichst viele Familien zu versorgen, so ein Hilfswerkvertreter. Darunter befänden sich auch 60'000 Kinder unter fünf Jahren.

Die Versorgungsgebiete erstrecken sich laut Giancarlo Cirri, dem WFP Vertreter in Jemen auf die Verwaltungsgebiete Hajjah, al-Jawf, Saada, Sanaa und Amran.

Becky de Graaff, die Geschäftsleiterin von ADRA Jemen, veranschaulichte die Probleme beim Helfen. In das al-Jawf Verwaltungsgebiet zu gelangen, wo gemäss der UNO-Flüchtlingshilfe (UNHCR) 17’800 Binnenflüchtlinge leben, sei ein gewaltiges Unterfangen. Die andauernden Stammesfehden machten das Gebiet unsicher und der Zugang werde durch den Konflikt zwischen den Houti Rebellen und der Armee stark eingeschränkt.

«Das Fehlen von staatlichen Gesetzen erfordert geschicktes Taktieren, Diskretion, Geduld und die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen und gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Und das auch dann, wenn einem das Fahrzeug weggenommen oder Gegenstände entwendet werden, die für eine andere Zielgruppe bestimmt sind», sagte die ADRA Geschäftsleiterin.

«Eine Essensration für IDPs besteht aus Weizenkörnern oder angereichertem Weizenmehl, Hülsenfrüchten, vitaminisiertem Pflanzenöl, Zucker und Salz», erläuterte Cirri. Er fügte an, dass Kinder unter fünf Jahren, wegen der weit verbreiteten Unterernährung, zusätzliche Rationen erhalten.

Laut Cirri werden Getreide und Salz im Jemen beschafft. Die restlichen Waren würden regional oder international besorgt. Das WFP achte darauf, günstig einzukaufen und dabei möglichst wenig Geld für Transportkosten auszugeben.

Die grössten Herausforderungen seien mangelnde Geldmittel seitens der internationalen Geberstaaten, Sicherheitsprobleme und blockierte Zufahrtswege, so die Vertreter der beteiligten Nichtregierungsorganisationen.

Um zu verhindern, dass die Hilfeleistungen ganz eingestellt würden, müssten seit Mai 2010 die Essensrationen halbiert werden. «Das bedeutet für die Bedürftigen», wie die WFP Mitarbeiterin Maria Santamarina sagte, «dass sie nur noch 1'050 Kilokalorien erhalten, anstatt der Minimumration von 2'100 Kilokalorien pro Tag».

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA (Adventist Development and Relief Agency) ist das weltweite Hilfswerk der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten.
ADRA bildet ein Netzwerk von etwa 120 nationalen ADRA-Büros und gewährt Hilfe ohne Rücksicht auf politische und religiöse Anschauung oder ethnische Herkunft.

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Religion + Staat

Italien will weitere Religionsgemeinschaften anerkennen uparrowprint druckenemail versenden

Rom/Italien, 03.09.2010 / APD

Die italienische Regierung plant die Anerkennung von sechs weiteren Religionsgemeinschaften. Wie die Nachrichtenagentur KNA berichtet, handele es sich dabei um die orthodoxen Kirchen, die apostolischen Christen, die Zeugen Jehovas, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) sowie um die Verbände der Buddhisten und Hindus. Eine Einigung mit Muslimen bezüglich einer Anerkennung sei hingegen nicht erzielt worden. Die Muslime bilden in Italien die zweitgrösste religiöse Minderheit.

Nach der Sommerpause werde das italienische Parlament über Staatsverträge mit diesen Religionsgemeinschaften abstimmen, berichtete die Tageszeitung «Corriere della Sera». Über die Vereinbarungen mit dem Staat werden die Glaubensgemeinschaften an den freiwilligen Religionssteuern beteiligt.

Italiener können in der Steuererklärung wählen, ob sie 8 Promille (die so genannten «Otto per mille») der Lohn- oder Einkommensteuer der römisch-katholischen Kirche, kulturellen und humanitären Zwecken oder anderen Glaubensgemeinschaften zukommen lassen. Entsprechende Staatsverträge wurden in der Vergangenheit mit der Jüdischen Gemeinschaft, den Waldensern, der pfingstlerische Gemeinde Gottes (Assemblee di Dio), der Evangelisch-lutherischen Kirche und der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten vereinbart.

Der Präsident der islamischen Gemeinschaft Coreis, Yahya Pallavicini, forderte, auch moderate Muslime rechtlich anzuerkennen. Für den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei «Volk der Freiheit», Maurizio Lupi, steht einem solchen Schritt die Zersplitterung des Islams in Italien entgegen.

Zudem würden in einigen Moscheen fundamentalistische Ideen verbreitet. Mit zwei Prozent der Bevölkerung in Italien bilden Muslime die grösste religiöse Minderheit nach der vor allem durch Einwanderung aus Rumänien angewachsenen Gruppe der orthodoxen Christen.

Die römisch-katholische Kirche besitzt Rechtspersönlichkeit nach öffentlichem Recht und ist den auswärtigen Staaten gleichgestellt, die in der italienischen Rechtsordnung Subjekte des öffentlichen Rechts sind. Zur zweiten Stufe gehören die Körperschaften der Waldenser, der Juden, der Lutheraner, der Baptisten, Pfingstler und Adventisten, die Vereinbarungen mit dem italienischen Staat geschlossen haben. Sie sind staatlicherseits anerkannte Vereine.

Auf der dritten Stufe stehen die Muslime als zweitgrösste und die Zeugen Jehovas als drittgrösste «Konfession» in Italien sowie einige Gruppierungen, die teilweise der öffentlichen Ordnung widersprechen. Die Muslime besitzen durch Gesetz Nr. 1159 vom 24. Juni 1929, das die Ausübung der in Italien zugelassenen Religionen regelt, staatliche Anerkennung und Rechtspersönlichkeit nach dem staatlichen Vereinsrecht.

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Personen

Neuer Präsident für weltweites Radio-Netzwerk der Adventisten AWR uparrowprint druckenemail versenden

Silver Spring, Maryland/USA, 03.09.2010 / APD

Dowell Chow wurde vom Vorstand des Adventist World Radio (AWR) mittels einer Videokonferenz zum neuen Präsidenten gewählt. Er wurde Nachfolger von Dr. Benjamin Schoun, welcher die letzten acht Jahre dem weltweiten Radio-Netwerk vorstand. Schoun ist im Juli, an der Weltsynode der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Atlanta, zu einem der neun Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung gewählt worden. Er wird in dieser Funktion den Vorsitz im Vorstand von AWR übernehmen.

Dowell Chow gehörte seit 2005 als Vizepräsident für den Bereich Finanzen zum AWR und hat eine breite Erfahrung im administrativen Bereich. Zuvor war er unter anderem als Finanzchef der adventistischen Columbia Union, mit Sitz in Maryland, Präsident der Kirchenverwaltung in New Jersey, Prediger in Puerto Rico und Administrator des adventistischen Verlagshauses in Kolumbien.

AWR mit Sitz in Silver Spring, Maryland/USA wurde 1971 von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten gegründet und will vor allem Menschen im 10/40 Fenster mit dem Evangelium erreichen. AWR sendet heute in über 60 Sprachen über Kurzwelle, UKW, Mittelwelle, Satellitenradio und Internet. Viele Sendungen sind auch als Podcasts erhältlich.

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Buchrezensionen

"Kirchen und Konfessionen" uparrowprint druckenemail versenden

Markus Mühling (Hg.): "Kirchen und Konfessionen", Grundwissen Christentum Bd. 2, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen; 2009, 254 S., CHF 42.80, EUR 24.90, ISBN 978-3-525-56850-7; Zu beziehen über den Buchhandel.

Der Herausgeber, der in Heidelberg Systematische Theologie lehrt und derzeit eine Gastprofessur an der Universität Aberdeen (Schottland) wahrnimmt, hat sich mit dieser kleinen Konfessionskunde ein Ziel gesetzt, das er wegen seines ungewöhnlichen Konzeptes nicht erreichen konnte: Er will „keine wertneutrale Beschreibung“ der verschiedenen christlichen Kirchen anbieten. Er beabsichtigt vom „eigenen Standpunkt des evangelischen landeskirchlichen Christentums“ her „auch den Standpunkten der einzelnen Konfessionen gerecht zu werden“ (9). Dabei überlässt er nun aber (von drei Ausnahmen abgesehen, s.u.), die Darstellung von Leben und Lehre Mitgliedern der je eigenen Kirche und Konfession. Er unterliegt damit nach meiner Beobachtung dem Irrtum, dass „der eigene evangelische Standpunkt“, nämlich der „eines mitteleuropäischen deutschsprachigen Protestanten“ allein schon „durch die Auswahl und Anordnung der beschriebenen Kirchen und Konfessionen“ (9) zum Tragen käme. Nach der Einleitung (8-17) werden die protestantischen Konfessionsfamilien auf fast 170 S. (18-185) vorgestellt, zu der nach Mühling auch die Anglikanische Kirchengemeinschaft zählt. Der sich anschliessenden Beschreibung der katholischen und ostkirchlichen Konfessionsfamilien werden hingegen nur 63 S. eingeräumt (186-249). Der Grösse und dem ökumenischen Gewicht der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen wie der Präsenz in Deutschland entspricht diese Aufteilung in keiner Weise. Auch gibt es seitens des Hg. keine Erklärung dafür, warum ausgerechnet die „Anglikanischen Kirchen“ (77-94) von einer nicht-anglikanischen Theologin und die „Orientalisch-Orthodoxen Kirchen“ (239-249) von einem evangelischen Ostkirchenkundler bearbeitet und für die Darstellung der „Pfingstbewegung“ (170-185) ein pentekostaler Theologe und eine landeskirchliche Theologin gebeten wurden. Die von Mühling berücksichtigten bzw. weggelassenen Kirchen widersprechen gerade bei den Freikirchen seinen eigenen Kriterien, wonach nur diejenigen ausgewählt wurden, „die in unserer Lebenswelt relevant und mit Recht als christliche Konfessionen erscheinen können“ (9). Denn auf die zum „Bund Freier evangelischer Gemeinden“ und zur „Freikirche der Siebenten-Tags-Advenstisten“ gehörenden Christen, die unberücksichtigt bleiben, treffen keinesfalls weder zahlenmässig noch konfessionskundlich die von Mühling benannten Ausscheidungsmerkmale (10) zu.

Es muss aber anerkennend hervorgehoben werden, dass die Darstellung einzelner Konfessionsfamilien vorzüglich gelungen ist. So wird man kaum in solch knapper Form eine bessere Darstellung der Lutheraner (Christiane Tietz, 18-33), der Reformierten (Georg Plasger, 34-49), der Methodisten (Manfred Marquardt, 95-114) und Baptisten (Erich Geldbach, 132-152) finden als in diesem Band. Auch die Selbstdarstellung des „Evangelikalen Christentums“ durch Frank Lüdke (153-169) erscheint mir sachlich präzise, obgleich aus konfessionskundlicher Sicht die Frage zu stellen ist, ob nicht auch dieser Beitrag nur erneut bestätigt, dass es evangelikale Strömungen im landeskirchlichen wie im freikirchlichen Protestantismus gibt. In einer zweiten Auflage müssten unklare Begrifflichkeiten egalisiert werden: Warum wird etwa von der Alt-katholischen „Kirche“ (186-198), aber von der römisch-katholischen „Konfession“ (199-217) gesprochen? Schliesslich darf es nicht passieren, dass in einem Beitrag über „Unierte Kirchen“ (50-60) die heute dort im Bekenntnisrang stehende „Barmer Theologische Erklärung“ von 1934 völlig übergangen wird.
Walter Fleischmann-Bisten

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"Die christlichen Konfessionen. Geschichte, Hintergründe und Glaubensinhalte" uparrowprint druckenemail versenden

Roland Biewald (Hg.): "Die christlichen Konfessionen. Geschichte, Hintergründe und Glaubensinhalte", Themenhefte Religion Heft 6, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig; 2007, 128 S., CHF 34.90, EUR 19.80, ISBN 978-3-374-02511-4; Zu beziehen über den Buchhandel.

Ganz auf die Praxis des schulischen wie gemeindlichen Unterrichts ausgerichtet ist diese von Roland Biewald verantwortete Arbeitshilfe. Der Hg. lehrt Religionspädagogik an der Universität Dresden und hat sein Unterrichtsprogramm sehr sinnvoll in drei Teile gegliedert. Zunächst werden die einzelnen christlichen Konfessionen in Grundzügen ihrer Geschichte, ihrer Theologie, ihrer Frömmigkeitspraxis und ihrer strukturellen Organisation vorgestellt (9-63). Dabei kommen entweder Vertreter/innen der betreffenden Kirchen selbst zu Wort oder deren Texte wurden redaktionell überarbeitet und danach zum Abdruck freigegeben. Unterschieden wird zwischen der orthodoxen Konfessionsfamilie (1.1), der römisch-katholischen Kirche (1.2), der anglikanischen Kirchengemeinschaft (1.3.), den Kirchen der Reformation (1.4) und den Freikirchen in der Folge der Reformation (1.5.). Dass bei den Ostkirchen nur die griechisch-orthodoxe und die russische orthodoxe Kirche ausgewählt wurden, jedoch die orthodoxen Kirchen der orientalischen Tradition völlig ausgeblendet sind, ist nicht einsichtig. Ebenso unverständlich ist die Tatsache, dass der kleinen Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche sieben Spalten wie der evangelisch-reformierten Kirche gewidmet werden, jedoch die evangelisch-unierten Kirchen fast ganz unter den Tisch fallen, da sie nur im Abschnitt „Reformierte in Deutschland“ (35) in zwei Sätzen erwähnt werden. (Immerhin sind diese ja im „Stammbaum der Kirchen“ (73) richtig platziert, wo aber dafür die auf S. 48-50 gut charakterisierten Adventisten fehlen!) Ob die „Freikirchen“ von ihrem eigenen Selbstverständnis her nicht in den Hauptteil „Die Kirchen der Reformation“ hineingehören, müsste bei einer Neuauflage geprüft werden. Derzeit wird aus dem aktuellen Anlass des Reformationsjubiläums 2017 intensiv in den Freikirchen selbst darüber diskutiert. Im zweiten Teil (64-71) werden sehr wichtige „didaktisch-methodische Überlegungen“ zur Unterrichtsgestaltung vorgelegt und „vier Beispiele für unterrichtliche Gestaltungsmöglichkeiten“ angeboten, die sonst recht selten zu finden sind. Der umfangreiche dritte Teil (72-128) bietet brauchbares „Material für den Unterricht“, das zu einem erheblichen Teil auf Texten basiert, die dem Internet entnommen sind. Schade ist nur, dass auch hier wieder einmal die „Barmer Theologische Erklärung“ fehlt! Bei den Literaturhinweisen am Ende der einzelnen Unterabschnitte würde man sich bei einer Neuauflage wünschen, dass auch die bewährten einschlägigen Standardtaschenbücher zu den verschiedenen Konfessionsfamilien (Bensheimer 46, 68, 70 und 103) als weiterführende Lektüre empfohlen werden.
Walter Fleischmann-Bisten

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"Konfessionskunde. Handbuch der Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften" uparrowprint druckenemail versenden

Stephan Holthaus: "Konfessionskunde. Handbuch der Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften", edition fth, Hammerbrücke (Jota-Publikationen) 2008, 251 S., CHF 23.50, EUR 19.95, ISBN 978-3-935707-54-1; Zu beziehen über den Buchhandel.

„Diese Konfessionskunde ist auf dem Hintergrund eines evangelikalen Glaubensverständnisses verfasst worden.“ (8). In der Tat kann keine Darstellung von Leben und Lehre der christlichen Kirchen in Geschichte und Gegenwart den eigenen theologischen Standpunkt verleugnen. Der Autor, Dekan der Freien Theologischen Hochschule Giessen und dort Dozent für Ethik und Kirchengeschichte, schreibt dieses Buch, weil nach seiner Beobachtung viele Christen heute nicht einmal sagen können, „zu welcher Kirche sie selber gehören“ (7). Es legt aber keine statistischen Untersuchungen zu dieser seiner These vor: „Ob die eigene Gemeinde lutherisch, reformiert, baptistisch oder mennonitisch geprägt ist, wissen viele nicht mehr – und die meisten wollen es auch gar nicht wissen.“ Seine daraus gefolgerte Einschätzung, dass sich heute „eine zunehmende Entkonfessionalisierung des Christentums“ breit mache („Ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Kirche oder Denomination gibt es nicht mehr“), ist daher möglicherweise Wunschdenken eines überkonfessionell denkenden evangelikalen Theologen, widerspricht aber allen konfessionskundlichen Untersuchungen zur Konfessionalisierung und Stärkung des je eigenen konfessionellen Profils. Zuzustimmen ist aber Holthausens zweiter These, dass es für den Dialog mit Christen der anderen Konfessionen auch heute unabdingbar ist, selbst zu wissen, was man glaubt, woher man kommt und wie der Glaube also geprägt ist (7).

Das Buch ist nach einer „Einführung in die Konfessionskunde“ (9-22) in 15 Hauptabschnitte mit der Vorstellung der einzelnen Konfessionsfamilien gegliedert (23-230) und schliesst mit zwei Anhängen zur Evangelischen Allianz und zu den Evangelikalen (231-251). Die Einführung zeigt bereits sehr klar die Schwächen dieser Arbeit. Die Geschichte der Symbolik hin zur Konfessionskunde fehlt völlig. Bei den Hinweisen zum Terminus „Donomination“ (11) fehlt jeder Hinweis auf die theologischen Kategorien des reformierten Erweckungspredigers Thomas Chalmers (1780-1847), der mit seiner Zweigtheorie ja keine Relativierung christlicher Konfessionen wollte, sondern gegen den Exklusivitätsanspruch von Staatskirchen argumentierte. In konfessionskundlicher Sicht ist es zudem falsch zu behaupten, dass man heute a) „grundsätzlich unterscheidet“ … zwischen Kirche, Freikirche und christlicher Gemeinschaft“. Hier wird nur auf die mitteleuropäische Rechtslage (in Deutschland bis 1919) rekurriert. Und b) ist es völlig falsch, dass „mit dem Begriff ‚Kirche’ … keine Exklusivität verbunden“ sei (13). Das sieht bekanntlich die römisch-katholische Kirche in mancher Hinsicht anders! So richtig es ist, dass die Unterschiede zwischen Lutheranern und Reformierten nicht übersehen werden dürfen (13), so unverzeihlich ist es, die unierten Kirchen (in Deutschland und weltweit) nahezu völlig zu unterschlagen.

Bedenklich ist es auch, dass Holthaus bei der Vorstellung der historischen Freikirchen von den Mennoniten bis zur Pfingstbewegung (119-216) die Freikirche der Adventisten gänzlich auslässt, da er sie offensichtlich immer noch als Sondergemeinschaft einstuft. Dafür ist für ihn „die Gemeinschaftsbewegung“ zwar „streng genommen keine Konfession“, aber „aus der konfessionellen Landschaft Deutschlands nichts wegzudenken“ (217). Warum folgt dieses Kapitel dann nicht im Anhang zu den reformierten und lutherischen Kirchen? Oder im Anhang über „die Evangelikalen“? Immerhin wird so aber deutlich, dass Holthaus mit zweierlei Begrifflichkeiten agiert: Im Einführungsteil werden die Evangelikalen („weltweit mindestens 460 Millionen“) so charakterisiert: „Sie betonen eine persönliche Glaubensbeziehung des einzelne Christen zu Gott, sind überzeugt von der Unfehlbarkeit der Bibel und engagieren sich stark für Evangelisation und Mission“ (15). Hier ist also der Weg zur völligen Irrtumslosigkeit der Bibel und zum christlichen Fundamentalismus angedeutet und es wird unterstellt, dass sich letztlich andere Kirchen nicht für Mission und Evangelisation einsetzen. Im Anhang zur „Evangelischen Allianz“ heisst es dagegen, dass sich deren Anhänger von anderen Christen dadurch unterscheiden, „dass die Bibel für sie absolut glaubwürdig ist“ (248). Und nicht zu lesen sind Hinweise zu den Änderungen der Grundsätze der Allianz von 1846 und 1972 in Deutschland zur Frage der Bibelhermeneutik, die bis heute den Dialog mit ihren Anhängern erschweren. Dieses Buch ist also aus verschiedenen Gründen weder für den akademischen Unterricht noch für den Gemeindegebrauch zu empfehlen.
Walter Fleischmann-Bisten

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"Konfessionskunde. Handbuch der Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften in Österreich" uparrowprint druckenemail versenden

Frank Hinkelmann: "Konfessionskunde. Handbuch der Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften in Österreich", (edition EA), Linz (OM Books), 2009, 636 S., EUR 24,90, ISBN 978-3-902669-04-9

Schliesslich ist eine sehr umfangreiche Konfessionskunde anzuzeigen, die einerseits auf die besondere staatskirchenrechtliche Situation in Österreich ausgerichtet ist, andererseits aber durch die Vorstellung vieler kleiner Gruppierungen im Katholizismus und im Protestantismus wie durch einen Anhang mit Bekenntnistexten, kirchlichen Verfassungen und staatlichen Statuten ein sehr interessantes Nachschlagewerk darstellt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Anhang mit über 400 Seiten nahezu Zweidrittel des Gesamtumfangs ausmacht. Der Verf. ist Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Österreich, hat einen erheblichen Teil seines Studiums an der heutigen Freien Theologischen Hochschule Giessen absolviert und lehrt als Dozent Neuere Kirchengeschichte am Institut für evangelikale Theologie in Innsbruck, dessen Vorstandsmitglied er zugleich ist. Auch die Definition wichtiger Begriffe (3-6) weist die theologische Heimat Hinkelmanns im evangelikal-charismatisch geprägten Christentum aus.

Das Handbuch selbst (7-228) ist in acht Hauptabschnitte gegliedert. Zunächst werden nach einer Einleitung (7-16), die die Geschichte des Faches Konfessionskunde und die besondere kirchliche und kirchenrechtliche Situation in Österreich im Unterschied zu Deutschland und anderen Ländern schildert, alle in Österreich vorhandenen orthodoxen Kirchen der byzantinischen und orientalischen Tradition vorgestellt (17-46). Es folgen „die katholischen Kirchen“ (Die Alt-Katholische und die römisch-katholische Kirche, 47-98), wobei immerhin 20 Seiten davon den verschiedenen Gruppierungen der charismatischen Erneuerungsbewegung gewidmet sind. Im vierten Teil werden die in Österreich „staatlich anerkannten protestantischen Religionsgemeinschaften“, also die Evangelische Kirche A.B. und H.B und die Evangelisch-methodistische Kirche behandelt (99-110). Dass dabei die bis heutige vor Ort virulenten Themen der Gegenreformation und des Geheimprotestantismus in ganzen zwei Sätzen abgearbeitet werden, ist hart. Der fünfte Teil ist den anderen evangelischen Kirchen und Gemeinschaften gewidmet, die als „staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaften“ klassifiziert sind 111-152). Die damit verbundene zweitklassige Behandlung vieler Christen und das Problem der fehlenden Religionsfreiheit und Religionsgleichheit werden nicht thematisiert, obgleich bekanntermassen schon entsprechende Klagen gerichtsanhängig sind. Der sechste und siebte Teil beschäftigt sich mit Entstehung und Bedeutung weiterer „protestantischer Gemeinschaften und Gemeindebewegungen“ (wie Vineyard, Hauskirchen, Heilsarmee, luth. Freikirche, Reform-Adventisten und „fundamentalistisch orientierten Gemeinden, 153-206) bzw. mit den „Überkonfessionellen Bewegungen“, wozu u.a. der ÖRK und die Allianz zählen (207-228). Insgesamt helfen die vielen Hinweise auf Internetzugriffe und die knappen Übersichten über viele unbekannte Gruppierung sicherlich für Auskünfte und zum Abbau von Vorurteilen. Die umfangreichen Literaturangaben (617-636) machen deutlich, dass viele Nachschlagewerke in veralteter Auflage genannt sind bzw. wie die Bensheimer Hefte 46, 68 und 70 leider fehlen.

Summa: Im Unterschied zur katholischen Konfessionskunde (Kleine Konfessionskunde hg. vom Johann-Adam-Möhler Institut, Paderborn, 2005, 4. Aufl.) fehlt auf evangelischer Seite ein klar gegliedertes, sorgfältiges strukturiertes, knappes und aktualisiertes Nachschlagewerk.

Walter Fleischmann-Bisten

(Hinweis der APD-Redaktion: Walter Fleischmann-Bisten ist Leiter des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim [Deutschland]. Seine Rezensionen erschienen zuerst im Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim "MD", Nummer 04/2010. Informationen zum "MD" im Internet unter: www.mdki.de)

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