APD-Informationen 10+11/1999

Schweiz

Dialog zwischen Reformierten und Adventisten uparrowprint druckenemail versenden

Genf, 17.11.1999 / APD

Ein aus Vertretern beider Konfessionen bestehender Planungsausschuss tagt vom 28. bis 30. November im John Knox Zentrum in Genf, um Gespräche zwischen dem Reformierten Weltbund (RWB) und der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten vorzubereiten. Der Reformierte Weltbund geht auf das Jahr 1875 zurück und hat heute seinen Sitz in Genf. Er umfasst 75 Millionen reformierte Christen in 214 Mitgliedskirchen presbyterianischen und kongregationalistischen Ursprungs in 105 Ländern. Die Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten wurden 1863 gegründet und ist in Silver Spring, Maryland/USA, ansässig. Zu ihr gehören über zehn Millionen erwachsene getaufte Mitglieder in 205 Ländern. Von 1994 bis 1998 führten Vertreter des Lutherischen Weltbundes (LWB) und der adventistischen Weltkirchenleitung Konsultationsgespräche.

back (849 Zeichen)

Vom 6. bis 21. November: Missionarische Satellitenübertragung "Leben wagen" in 500 Städten Europas uparrowprint druckenemail versenden

Basel, 17.11.1999 / APD

In über 500 europäischen Städten laden die Siebenten-Tags-Adventisten seit dem 6. November, zum Satellitenprogramm "Leben wagen" mit Pastor Johann Gerhardt, ein. Gerhardt studierte in Deutschland und in den USA, war Seelsorger in Süddeutschland und lehrt seit 1991 an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg/Deutschland. Seine Forschungsschwerpunkte sind Jugend, Kommunikation und seelsorgerlich-therapeutische Beratung. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Um Orientierung und eine stabile eigene Identität geht es im ersten Vortrag am Samstagabend. Weitere Veranstaltungen befassen sich mit den Themen "Die Welt erleben und deuten", "Vertrauen, wie macht man das?", "Leistungsgesellschaft und Menschenwürde", "Krisen als Chancen erleben" und "Wofür zu leben sich lohnt". Johann Gerhardt hält das Seminar bis 21. November jeden Samstag, Sonntag, Dienstag und Freitag in einem Gemeindezentrum der Siebenten-Tags-Adventisten in Darmstadt. Von dort aus wird es per Satellit auf Grossbildleinwand in 300 Orte der Schweiz, Deutschlands und Österreichs sowie in über 200 weitere europäische Städte übertragen. Simultanübersetzungen werden in Bulgarisch, Italienisch, Französisch und Russisch angeboten. Themen und Veranstaltungsorte sind auch im Internet unter http://www.stanet.ch zu finden.

Seit 1996 führt die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten derartige Satellitenübertragungen durch. Erstmals kommt der Redner aus Deutschland, der die Fragen und Bedürfnisse hiesiger Menschen kennt und Alternativen aufzeigen will.

back (1'624 Zeichen)

Ehrendoktorwürde für in Luzern lebenden Dirigenten Herbert Blomstedt uparrowprint druckenemail versenden

Göteborg/Schweden, 17.11.1999 / APD

Als einer der bedeutendsten schwedischen Dirigenten von internationalem Rang erhielt Herbert Blomstedt (72) am 23. Oktober die philosophische Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg. Der 1927 in den USA geborene Musiker war unter anderem zehn Jahre lang Chefdirigent des San Francisco Symphonieorchesters. Er leitete auch das Symphonieorchester des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg und übernahm 1998 die Nachfolge von Kurt Masur als Kapellmeister des weltberühmten, 1743 gegründeten Gewandhausorchesters in Leipzig. Die Göteborger Universität würdigt überdies sein Eintreten für die schwedische und norwegische Musik aller Zeitperioden. Blomstedt förderte insbesondere die moderne schwedische Musik. In den 1960er Jahren unterstützte er den Aufbau einer Musikabteilung an der schwedischen Hochschule. Er war regelmässig Gastdirigent des Göteborger Symphonieorchesters. Der Siebenten-Tags-Adventist ist mit Ehefrau Traute verheiratet, hat vier Töchter und lebt seit 1984 in Luzern.

back (984 Zeichen)

International

Adventisten: "Das Jahr 2000 hat keine religiöse Bedeutung" uparrowprint druckenemail versenden

Silver Spring, Maryland/USA, 17.11.1999 / APD

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hat eine Stellungnahme zum Jahrtausendwechsel verabschiedet. In der vom Exekutiv-Ausschuss der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) in Silver Spring, Maryland/USA, beschlossenen Erklärung heisst es, dass die "Adventisten dem Ende eines Jahrtausends und dem Beginn eines neuen keine religiöse Bedeutung" beimessen. Deshalb lehnen sie "jede Spekulation bezüglich seines religiösen Zwecks" ab. Das Jahr 2000 werde in der Bibel nicht erwähnt und sei deshalb "prophetisch nicht von besonderem Belang". Obwohl die Freikirche an der Lehre von der "baldigen Wiederkunft Christi" festhalte, lehnt sie in ihrer Stellungnahme jegliche Spekulation "über den genauen geschichtlichen Zeitpunkt" dieses Ereignisses ab.

Pastor Leo Ranzolin, einer der Vizepräsidenten der Generalkonferenz, kommentierte die Erklärung mit dem Hinweis, "wenn etwas für die Zukunft von Bedeutung ist, dann ist es die Hoffnung, die wir als Christen auf die baldige Wiederkunft Christi haben". Während andere sich Sorgen machten, sollten Adventisten nach ihrer christlichen Hoffnung leben. "Viele Menschen fürchten sich vor der Zukunft", so Ranzolin.

Der Exekutiv-Ausschuss der Generalkonferenz besteht aus 330 Geistlichen und Laienvertretern aus aller Welt. Er ist das oberste Organ der weltweiten protestantischen Freikirche zwischen den alle fünf Jahre stattfindenden Vollversammlungen. Bereits 1995 wurden in einer offiziellen Erklärung während der Generalkonferenz-Vollversammlung in Utrecht/Niederlande jegliche Endzeitspekulationen zur Jahrtausendwende verurteilt. Damals hiess es: "Das bevorstehende Ende des zweiten Jahrtausends christlicher Zeitrechnung bringt zweifellos einige irregeleitete Personen dazu, Zeitpläne aufzustellen und mit dem Jahr 2000 das Ende der Welt und die Wiederkunft Christi in Verbindung zu bringen. Die Adventisten lehnen solche Spekulationen ab, denn diese widersprechen der deutlichen Aussage Christi, dass die Menschen zwar tatsächlich erkennen können, dass seine Wiederkunft naht, sie jedoch nicht genau wissen können, wann er kommt." Die nächste Generalkonferenz-Vollversammlung findet im Juli 2000 in Toronto/Kanada statt.

(Hinweis der Redaktion: Der Text der "Stellungnahme: Adventisten und das Jahr 2000" findet sich unter der Rubrik "Dokumentation".)

back (2'418 Zeichen)

"Bibel lässt keinen Raum für Homosexualität" uparrowprint druckenemail versenden

Silver Spring, Maryland/USA, 17.11.1999 / APD

Für Siebenten-Tags-Adventisten gehören sexuelle Beziehungen nur in die eheliche Gemeinschaft von Mann und Frau. Damit wendet sich die weltweite Freikirche gegen homosexuelle Praktiken und Beziehungen. Der 330 Mitglieder umfassende Exekutivausschuss der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung), der vom 28. September bis 7.Oktober in Silver Spring, Maryland, tagte, stellte in einer Erklärung zur Homosexualität fest: "Die Bibel lässt keinen Raum für homosexuelle Betätigung oder Beziehungen. Sexuelle Handlungen ausserhalb des Bereiches einer heterosexuellen Ehe sind untersagt." Siebenten-Tags-Adventisten strebten danach, der Lehre und dem Beispiel Jesu zu folgen. Ihnen sei bewusst, dass jeder Mensch vor Gott wertvoll ist. Die Bibel unterscheide jedoch zwischen der Liebe Christi zu Sündern und seiner Lehre über falsche Handlungsweisen.

(Hinweis der Redaktion: Der Text der "Stellungnahme der Siebenten-Tags-Adventisten zur Homosexualität" findet sich unter der Rubrik "Dokumentation".)

back (1'029 Zeichen)

Gute Beziehungen zwischen Adventisten und albanischem Staat ausbauen uparrowprint druckenemail versenden

Silver Spring, Maryland/USA, 17.11.1999 / APD

Für den Ausbau der guten Beziehungen zwischen den Siebenten-Tags-Adventisten und der albanischen Regierung sprach sich der Aussenminister Albaniens, Dr. Paskal Milo, während eines Besuchs der adventistischen Weltkirchenleitung in Silver Spring, Maryland/USA, aus. "Ihre Kirche macht einen modernen Eindruck, die Angebote sind interessant und anziehend, und das Engagement für die Menschen ist beeindruckend", sagte Milo in einem Gespräch mit Pastor Dr. Jan Paulsen, dem Präsidenten der weltweiten Adventisten. Paulsen unterstrich ebenfalls die Absicht, die guten Beziehungen zwischen der Freikirche und der albanischen Regierung fortzusetzen: "Wir haben nach wie vor ein starkes Interesse an Ihrem Land. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA bemüht sich, Nöten besonders in den gegenwärtigen Balkankonflikten abzuhelfen."

Im April 1991 begann ADRA als erste westliche Nichtregierungs-Organisation mit der Arbeit in Albanien. Der Staat stellte ihr 1994 ein drei Kilometer vom Stadtzentrum Tiranas entferntes 1,3 Hektar grosses Grundstück zur Verfügung. Dort entstanden ein Lagerhaus für Hilfsgüter, Büros und zwei weitere Gebäude, die als Berufsschule und ambulante Klinik genutzt wurden. Als im März 1997 Unruhen ausbrachen, stürmte eine bewaffnete Menge das ADRA-Zentrum, plünderte es vollständig aus und besetzte es. Hilfsgüter im Wert von einer halben Million D-Mark (DEM), die dort auch für ein Dutzend anderer Wohlfahrtsorganisationen lagerten, wurden gestohlen. Bis dahin hatte ADRA Entwicklungsprojekte im Wert von fast 20 Millionen DEM durchgeführt. Im Januar 1998 räumte eine Spezialabteilung der Polizei das von 15 Familien besetzte ADRA-Gelände. Die durch die Besetzer beschädigten Gebäude konnten mit einem Zuschuss der britischen Regierung in Höhe von 86 000 Mark wieder instand gesetzt werden. Im September 1998 kam es zu einer weiteren Plünderung des Lagerhauses durch maskierte und bewaffnete Männer. Als dieser Zwischenfall geschah, führte ADRA gerade Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Volksgesundheit und Bildung im Gesamtwert von 4,25 Millionen Mark in Albanien durch. Ab April 1999 koordinierte das adventistische Hilfswerk im Auftrag des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) die Versorgung von 100 000 Kosovo-Flüchtlingen im Lande. Als die Kosovaren begannen in ihre Heimat zurückzukehren, richtete ADRA auf Bitten des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR) und des WFP im albanischen Grenzort Kukës eine Ausgabestelle für Nahrungsmittel ein. Dort wurden die Heimkehrer mit einer einmonatigen Lebensmittelration, Hygieneartikeln und einer Plastikplane als möglicher Notunterkunft ausgestattet. Innerhalb von fünf Wochen verteilte ADRA an fast 250 000 Menschen 2 620 Tonnen Nahrungsmittel.

Seit 1909 gibt es in Albanien Adventisten. Fast alle verliessen ihre Heimat während des 2.Weltkrieges und zu Beginn der kommunistischen Herrschaft. Der adventistische Missionar Daniel C. Lewis starb 1951 wegen seiner Glaubensüberzeugung im Gefängnis. Eine kleine Gruppe Adventgläubiger hielt während der letzten 15 Jahre des Kommunismus heimlich Gottesdienste in einer Privatwohnung in Korçë ab. Inzwischen leben in Albanien fast 300 Siebenten-Tags-Adventisten. Adventgemeinden sind bisher in Korçë, Tirana, Shkodër und Elbasan entstanden.

back (3'340 Zeichen)

Gambias Staatsoberhaupt für Engagement der Adventisten uparrowprint druckenemail versenden

Silver Spring, Maryland/USA, 17.11.1999 / APD

Der Präsident der westafrikanischen Republik Gambia, Dr. Alhaji Yahya Jammeh, lud die Siebenten-Tags-Adventisten ein, sich bei der Entwicklung seines Landes noch stärker zu engagieren. Während eines Besuches der adventistischen Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) in Silver Spring, Maryland/USA, wies das Staatsoberhaupt darauf hin, dass "ein hungriger Mensch ein zorniger Mensch" sei und ausserdem "durch Mangel an Bildung die Demokratie nicht richtig schätze". Er bat die Adventisten, sich an der neu gegründeten Universität von Gambia und an anderen Projekten zu beteiligen. "Ihre Kirche hat viel für mein Land getan", sagte Jammeh. Er erwähnte die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser durch die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA und die Grundschule der Freikirche. Er wünschte sich jedoch eine weitere Schule mit einer Sanitätsstation. Der Präsident der weltweiten Siebenten-Tags-Adventisten, Pastor Dr. Jan Paulsen: "Wir haben Ihre eindringliche Bitte und Ihre Sorgen genau vernommen. Obwohl unsere Mittel begrenzt sind, werden wir alles tun, was möglich ist." In Gambia gibt es erst seit 1975 Adventisten. Die protestantische Freikirche wurde 1987 staatlich anerkannt und zählt heute rund 500 erwachsene getaufte Mitglieder in zwei Gemeinden.

back (1'327 Zeichen)

Adventisten helfen Erdbebenopfern auf Taiwan uparrowprint druckenemail versenden

Taipeh/Taiwan, 17.11.1999 / APD

Das adventistische College und das Gymnasium in Yu Chih wurden bei den Erdbeben auf Taiwan stark beschädigt. Die über 500 Studenten und Schüler blieben dagegen unverletzt. Laut James Wu, Kommunikationsdirektor der Taiwan Mission der Siebenten-Tags-Adventisten, sind alle Gebäude einsturzgefährdet, so dass kein Unterricht mehr möglich ist. Ausserdem wurden sechs Gemeindezentren der Freikirche beschädigt. In Hur Ping starben drei Adventisten beim Einsturz ihres Hauses. Das adventistische Krankenhaus in Taipeh nahm Verletzte auf und sandte ein Ärzteteam ins Katastrophengebiet. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA versorgte Erdbebenopfer mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Kleidung und Zelten. Dabei diente die in der Nähe des Epizentrums liegende Bildungsstätte in Yu Chih als Verteilzentrum für Hilfsgüter. Auf Taiwan leben rund 7 500 erwachsene getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in 48Gemeinden.

back (931 Zeichen)

Keine Stasi-Tätigkeit der norddeutschen adventistischen Pastoren uparrowprint druckenemail versenden

Hamburg/Deutschland, 17.11.1999 / APD

Bei den Siebenten-Tags-Adventisten in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein gab es unter den Pastoren keine Informellen Mitarbeiter (IM) des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) der ehemaligen DDR. Wie der für die Freikirche in diesen Bundesländern zuständige Vorsteher Heinz-Ewald Gattmann (Hamburg) mitteilte, wurden insgesamt 19 Geistliche von der Gauck-Behörde überprüft, die vor der Wende in Ost und West im aktiven Dienst standen. Auch die Pastoren in Hamburg und Schleswig-Holstein hätten ihre Überprüfung beantragt, um sich mit ihren ostdeutschen Kollegen solidarisch zu zeigen.

Bereits vor einigen Monaten wurde die Untersuchung der adventistischen Pastorenschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen abgeschlossen. Von insgesamt 83 im Dienst stehenden oder bereits pensionierten Theologen hatten 79 die Bestätigung erhalten, dass "keine Hinweise" auf eine hauptamtliche oder inoffizielle Tätigkeit für die Stasi vorliegen. Vier Personen wurden als "IM" geführt, von denen eine keine Kenntnis davon hatte und aufgrund der Unterlagen nachweislich auch nicht als "IM" tätig war. Ein Geistlicher wusste zwar davon, hatte aber ebenfalls keine Auskünfte über Personen oder die Freikirche gegeben, die nicht bereits bekannt waren. Zwei Seelsorger hatten zwar engeren Kontakt zur Stasi, aber nicht zum Nachteil einzelner Personen oder der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Auch die adventistischen Pastoren in Berlin und Brandenburg beantragten ihre Überprüfung bei der Gauck-Behörde. Ein abschliessendes Ergebnis liege nach Mitteilung des zuständigen Vorstehers Gerd Eiteneier (Berlin) noch nicht vor.

back (1'666 Zeichen)

62 neue Studenten an adventistischer Theologischer Hochschule in Friedensau uparrowprint druckenemail versenden

Magdeburg/Deutschland, 17.11.1999 / APD

Für das Studienjahr 1999/2000 haben sich 62 neuen Studenten an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg eingeschrieben. Davon sind 23 angehende Theologen, 26 Sozialarbeiter und 13nehmen an dem Kurs "Deutsch für Ausländer" teil. Insgesamt gibt es in Friedensau jetzt 203 Studierende, wobei Theologen und Sozialarbeiter etwa gleich stark vertreten sind. 80 von ihnen stammen aus europäischen Ländern (Russland, Ukraine, Moldau, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Tschechien, Italien, Schweiz), aus Afrika (Äthiopien, Kenia, Tansania, Ghana), Asien (Südkorea, Vietnam, Myanmar) und Südamerika (Bolivien). Das von den Siebenten-Tags-Adventisten 1899 gegründete Theologische Seminar Friedensau ist seit September 1990 staatlich anerkannte Theologische Hochschule. Es bietet die akademischen Grade Diplom-Theologe, Magister der Theologie, Diplom-Sozialarbeiter, den Magister in Internationaler Sozialwissenschaft und Sozialer Verhaltenswissenschaft sowie das Propädeutikum in Kirchenmusik an.

back (1'019 Zeichen)

Deutschland: SPD in Würzburg setzt sich für kleine Kirchen ein uparrowprint druckenemail versenden

Würzburg/Deutschland, 17.11.1999 / APD

Alle kirchlichen Organisationen mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts sollen am Stadtrand auf ihre Gottesdienstzeiten hinweisen dürfen. Wie das Volksblatt in Nürnberg berichtet beantragte jetzt die Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) im Würzburger Rathaus eine Korrektur des Stadtratsbeschlusses vom Juni dieses Jahres, der Hinweisschilder nur noch den beiden grossen Kirchen erlaubt.

Evangelisch-freikirchliche Gemeinden wie Baptisten und Brüdergemeinde, die Evangelisch-methodistische Kirche sowie die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mussten ihre Schilder entfernen und fühlten sich zu Recht diskriminiert, schreiben Fraktionsvorsitzender Hans-Werner Löw und die Stadträtinnen Marion Schäfer und Bärbel Benkert in einem Brief an Oberbürgermeister Jürgen Weber. Diese Auswirkungen seien offenbar nicht allen Mitgliedern des Stadtrats bewusst gewesen. "Der Stadtrat wollte in erster Linie, wenn nicht ausschliesslich, verhindern, dass die religiöse Vereinigung Universelles Leben auf ihre Veranstaltungen hinweist", so die SPD-Fraktion.

Eine Unterscheidung zwischen kirchlichen Gemeinschaften mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts und anderen religiösen Vereinigungen findet die SPD "sachgerecht, praktikabel und rechtlich nicht angreifbar". Wenn die Stadt die Flut von Hinweisschildern eindämmen will, gebe es dafür "genügend andere Tätigkeitsfelder".

back (1'466 Zeichen)

Ökumene

Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung" in Augsburg uparrowprint druckenemail versenden

Augsburg, 17.11.1999 / APD

Mehrtägige Feierlichkeiten begleiteten die Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" durch die römisch-katholische Kirche und den Lutherischen Weltbund in Augsburg. Das offizielle Festprogramm begann am 29.Oktober mit einer Pressekonferenz im Augustanahaus und zahlreichen Veranstaltungen des sogenannten Rahmenprogramms. Am Samstag, 30. Oktober, stand für die geladenen Gäste ein Festakt im Goldenen Saal des Rathauses und ein spezieller Jugendanlass auf dem Programm. Den Sonntag bestimmten Gottesdienste in verschiedenen Augsburger Kirchen. Die eigentlichen Unterzeichnungsfeierlichkeiten begannen um 9.30 Uhr mit einer Statio im Dom, der sich eine Prozession durch die Innenstadt anschloss. Um 10.45 Uhr fand der feierliche Gottesdienst mit der Unterzeichnung in der St. Annakirche statt. Das Ereignis wurde auf eine Grossleinwand ausserhalb der Kirche übertragen. Der Text der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" und weitere Dokumente sind auch im Internet unter http://www.rechtfertigung.de zu finden.

Während der Lutherische Weltbund von einem "Meilenstein in der Geschichte der ökumenischen Bewegung" spricht, warnt das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes, Bensheim, davor, die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" überzubewerten. Im Blick auf die römisch-katholische Kirche kritisierte Institutsdirektor Dr. Jörg Haustein die Spannung zwischen der positiv zu bewertenden Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung einerseits und dem Inhalt der päpstlichen Bulle "Incanationis mysterium", wo der Ablass zum zentralen theologischen Thema des "Heiligen Jahres" 2000 gemacht wird, andererseits: "Dass im Jahr einer Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre in einem römisch-katholischen Dokument Begriffe, wie Verdienst, Erlangen, Erwerben, eine Hauptrolle spielen, muss enttäuschen." Haustein betonte, dass die Reformation nicht mit einem Dissens in der Rechtfertigungslehre begann, sondern mit dem Angriff Luthers auf die Ablasslehre. "Ein Gespräch über die Abschaffung des Ablasses", so Haustein, "wäre auch heute nicht möglich".

Selbst nach der Unterzeichnung bleiben beide Partner ihrer Bekenntnistradition verpflichtet, so das Konfessionskundliche Institut. Es gehe nicht um die Preisgabe der Identitäten, sondern um Versöhnung der Verschiedenheiten. An die Stelle der Verurteilung träten Verständnis und Anerkennung der theologischen Anliegen der anderen Seite, auch dort, wo sie in Spannung zur eigenen Auffassung stünden. Protestantische Kritiker der Gemeinsamen Erklärung räumen zwar ein, dass in ihr lutherische Formulierungen aufgenommen wurden, diese aber nur katholisch interpretiert und verstanden werden könnten. Katholiken befürchten dagegen, dass in der Gemeinsamen Erklärung Positionen der eigenen Kirche aufgegeben wurden. Haustein ist deshalb im "Materialdienst" des Konfessionskundlichen Instituts der Ansicht, dass von einem "ökumenischen Jahrhundertereignis" und einem "Durchbruch" nicht gesprochen werden könne. Die Wendung "erster Schritt" wäre nach wie vor angemessener. Denn wie sollten "Kirchenmänner in Augsburg den verblüfften Journalisten zu erklären versuchen, warum zwar ein 'ökumenisches Jahrhundertereignis' begangen wird, aber aus schwerwiegenden theologischen Gründen natürlich nicht mit einer gemeinsamen Abendmahlsfeier"?

back (3'488 Zeichen)

US-Katholiken und Südliche Baptisten vergleichen Bibelverständnis uparrowprint druckenemail versenden

Washington, D. C./USA, 17.11.1999 / APD

"Viele Gemeinsamkeiten" aber auch "ernste Differenzen" über die Bedeutung der Bibel haben in den USA Vertreter der römisch-katholischen Kirche und der Südlichen Baptisten in einer gemeinsamen Erklärung festgestellt. Das in Washington veröffentlichte Dokument, bei dem es sich nach Angaben beider Seiten nicht um einen "Bekenntnistext" handelt, ist die erste gemeinsame Erklärung der beiden grössten Glaubensgemeinschaften in den Vereinigten Staaten. Es bildet den vorläufigen Höhepunkt eines seit fünf Jahren stattfindenden, jährlichen informellen Gesprächstreffens, über das es bisher keine Veröffentlichungen gab. An den Begegnungen nahmen 16 Repräsentanten beider Seiten teil, die von der Nordamerika-Mission der Südlichen Baptisten und dem Sekretariat für Ökumenische und Zwischenkirchliche Beziehungen der Katholischen Bischofskonferenz benannt wurden.

Der Erklärung zufolge "glauben Südliche Baptisten und römische Katholiken an den dreieinen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist und bekennen die ganze Göttlichkeit und völlige Menschlichkeit Jesu Christi". Beide Seiten "finden die Wahrheit des Glaubens in Gottes geschriebenem Wort, der Heiligen Schrift", dennoch gibt es im Bibelverständnis Unterschiede, heisst es in der Erklärung. Während die Südlichen Baptisten an der Verbalinspiration und Unfehlbarkeit der Bibel festhalten, befürworten die Katholiken in den USA die "historisch-kritische Methode" der Bibelauslegung. Neben der Heiligen Schrift bezeugt nach ihrem Verständnis auch die kirchliche Tradition die Offenbarung Gottes. Wörtlich heisst es: "Katholiken glauben nicht, dass alle biblischen Erzählungen historisch verstanden werden sollten, weil die heiligen Autoren Erzählungen genutzt haben, um symbolisch auf religiöse Wahrheiten hinzuweisen." In der Erklärung bezeichnen sich die Südlichen Baptisten selber als biblische "Fundamentalisten", wobei sie dieses Wort als Gegenpol zum theologischen Liberalismus verstanden wissen wollen. In den USA gibt es rund 59 Millionen Katholiken und 16 Millionen Südliche Baptisten.

back (2'139 Zeichen)

Führungswechsel bei europäischen Baptisten uparrowprint druckenemail versenden

Hamburg/Deutschland, 17.11.1999 / APD

Der Dachverband der 750 000 europäischen Baptisten hat eine neue Leitung. Während der Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) in Hamburg übernahm der bisherige Vizepräsident Ole Joergensen (Kopenhagen) den Vorsitz. Sein Vorgänger David Coffey (Didcot), Generalsekretär des britischen Baptistenbundes, schied nach zweijähriger Amtsperiode satzungsgemäss aus. Zum neuen Vizepräsidenten wählten die 160 Delegierten aus 50 Ländern den Präsidenten des Baptistenbundes der Ukraine, Gregorij Komendant (Kiew). Der seit 1989 als EBF-Generalsekretär amtierende Deutsche Karl Heinz Walter (Hamburg) trat in den Ruhestand und übergab seine Aufgaben an den Präsidenten des bulgarischen Baptistenbundes, Theo Angelov (Sofia).

Der neue Präsident der Europäischen Baptistischen Föderation will gegen jede Form des christlichen Fundamentalismus vorgehen. In seiner Antrittsrede während der EBF-Ratstagung in Hamburg sagte er, dass fundamentalistisch orientierte Christen eine Sicherheit vorgaukeln würden, die es so im christlichen Glauben nicht gebe. Fundamentalisten seien für eine immer grössere Spaltung der Christenheit verantwortlich. Die vordringlichste Aufgabe der EBF sei es, die unterschiedlichen theologischen Strömungen und verschiedenen Kulturen beisammen zu halten, um so die Glaubwürdigkeit zu stärken.

back (1'330 Zeichen)

ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA-International (Adventist Development and Relief Agency) ist die weltweite Hilfsorganisation der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe. ADRA unterhält ein Netzwerk mit etwa 120 regionalen und nationalen ADRA-Büros. ADRA gewährt ihre Hilfe ohne Rücksicht auf politische und religiöse Anschauung oder ethnische Herkunft. ADRA Schweiz ist ein im Handelsregister eingetragener Verein und geniesst Steuerfreiheit. Adresse: ADRA Schweiz, Gubelstrasse 23. Postfach 5126, 8050 Zürich; Telefon +41-(0)44 515 03 10. E-Mail: info@adra.ch. Web Site: http://www.adra.ch

Deutscher Bundestagsabgeordneter Vorstandsmitglied bei ADRA Deutschland uparrowprint druckenemail versenden

Weiterstadt/Deutschland, 17.11.1999 / APD

Der Bundestagsabgeordnete Frank Hempel (SPD) wurde von der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland zum ordentlichen Vorstandsmitglied bestellt. Der Parlamentarier ist der erste Siebenten-Tags-Adventist im Deutschen Bundestag. Er errang bei der Wahl im September 1998 ein Direktmandat. Hempel kommt aus Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern und ist unter anderem Mitglied im Bundestagsausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

back (474 Zeichen)

Deutscher ADRA-Leiter im Bürgerkriegsgebiet uparrowprint druckenemail versenden

Weiterstadt/Deutschland, 17.11.1999 / APD

Der deutsche Agrar- und Umweltingenieur Markus Kappel ist neuer Direktor der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA im Süden der zentralafrikanischen Republik Kongo. Der Spezialist für tropische Landwirtschaft wohnt mit seiner Familie in Lubumbashi auf dem Gelände der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die dort eine Zahnklinik und zwei Schulen unterhält. Trotz des noch immer anhaltenden Bürgerkrieges hat Kappel das ADRA-Büro wieder eröffnet und bereitet erste Projekte für Kinder und zur Nahrungsmittelsicherung vor. Bei ADRA Deutschland in Weiterstadt wurde er in seine schwierige Aufgabe eingewiesen. Bis dahin leitete er den Fachbereich Agrarwissenschaften am adventistischen Spicer Memorial College in Mizoram/Indien.

back (751 Zeichen)

Notunterkünfte für Flutopfer in Mexiko uparrowprint druckenemail versenden

Weiterstadt/Deutschland, 17.11.1999 / APD

Die verheerenden Regenfälle im Südosten Mexikos zwangen etwa 55 000 Menschen zum Verlassen ihrer Häuser und Wohnungen. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA baut für 406 Familien wetterfeste Notunterkünfte. Die Arbeiten erfolgen durch Freiwillige unter Mithilfe der späteren Besitzer, wobei nur lokal zu beschaffende Baustoffe Verwendung finden. Die Kosten in Höhe von 265 000 Mark übernehmen das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland und private Spender.

back (485 Zeichen)

Neue Häuser für Opfer des Hurrikans "Mitch" uparrowprint druckenemail versenden

Weiterstadt/Deutschland, 17.11.1999 / APD

Den Bau von 85 Häusern für Opfer des Hurrikans "Mitch" in Nicaragua beginnt die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA in den Regionen Chinandera, Diriamba, Esteli, Leon, Madriz, Managua und Nueva Segovia. Innerhalb eines Jahres erhalten die Familien eine etwa 40 bis 50 Quadratmeter grosse Bleibe. Die Gebäude wurden gemeinsam mit den Einheimischen nach deren Bedürfnissen entworfen und werden ausschliesslich mit lokalen Baustoffen errichtet. Um die bereits stark gefährdeten Wälder zu schonen, wird weitgehend auf Holz verzichtet. Das Haus ist so konzipiert, dass es der Besitzer später selbst preiswert reparieren oder erweitern kann.

Voraussetzung für die Übernahme eines der Häuser ist die Verpflichtung des neuen Besitzers, in den nächsten fünf Jahren eine den lokalen Verhältnissen angepasste "Miete" von umgerechnet monatlich acht Mark zu zahlen. Das Geld kommt auf ein Bankkonto und wird von einer "Besitzergemeinschaft" verwaltet. Sie entscheidet darüber, wie diese Mittel zum Wohl der gesamten Kommune verwendet werden. Die Kosten des Projekts in Höhe von 320000 Mark finanzieren private Spender.

back (1'160 Zeichen)

Hilfe für rumänische Überschwemmungsopfer uparrowprint druckenemail versenden

Weiterstadt/Deutschland, 17.11.1999 / APD

Decken, Bettwäsche, Hygieneartikel, Nahrungsmittel und Kleidung erhielten 650 Familien aus den ostrumänischen Regionen Hunedoara und Minhedinti. Sie wurden Opfer sintflutartiger Regenfälle, die im Juni nach einer lang anhaltenden Hitzeperiode den Landstrich heimsuchten. Zahlreiche Flüsse traten über die Ufer und zerstörten Hunderte Häuser, Strassen und Brücken. Die Kosten in Höhe von 54 000 Mark wurden vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und privaten Spendern übernommen.

back (490 Zeichen)

"Klinik auf Rädern" für Kosovaren uparrowprint druckenemail versenden

Watford/Grossbritannien, 17.11.1999 / APD

Eine mobile ärztliche Behandlungsstation sowie 14Tonnen Medikamente und medizinischen Bedarf brachte die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Grossbritannien in den Kosovo. Mit der "Klinik auf Rädern" will ADRA Kosovo besonders der Landbevölkerung helfen.

back (284 Zeichen)

Bibel

Die Bibel in 25 Minuten abgeschrieben uparrowprint druckenemail versenden

Florianópolis/Brasilien, 17.11.1999 / APD

In nur 25 Minuten haben 3 794 adventistische Jugendliche die gesamte Bibel vom 1.Buch Mose (Genesis) bis zur Offenbarung am 11.Oktober in der südbrasilianischen Küstenstadt Floranópolis abgeschrieben. Sie übertrafen damit die über 4 500 rumänischen Pfadfinder der Siebenten-Tags-Adventisten, die am 12.September 28 Minuten im Bukarester Freiheitspark dafür brauchten. Die Brasilianer stellten sich am Küstenboulevard von Florianópolis nebeneinander an einer drei Kilometer langen Papierbahn auf und schrieben den ihnen jeweils zugewiesenen Textteil nieder. Einen ähnlichen Rekord stellten 1988 rund 1 050 adventistische Jugendliche in Deutschland auf. Während eines Zeltlagers in der Nähe von Stuttgart brachten sie die 1 209 Seiten der revidierten Lutherbibel innerhalb von 57 Minuten zu Papier. Die dreibändige "Handarbeit" mit einem Gesamtgewicht von 18Kilogramm wurde der Deutschen Bibelgesellschaft, Stuttgart, für Ausstellungen übergeben.

back (954 Zeichen)

Dokumentation

"Zum 31. Oktober 1999" uparrowprint druckenemail versenden

Ingo U. Dalferth*

Am 31. Oktober jeden Jahres erinnern die lutherischen Kirchen an den Beginn der Reformation der westlichen Kirche, die mit den 95 Thesen Luthers gegen die theologisch inakzeptable Ablasspraxis seiner Zeit ihren öffentlichkeitswirksamen Anfang nahm. Am 31. Oktober dieses Jahres unterzeichneten Vertreter des Lutherischen Weltbundes und der römisch-katholischen Kirche die heftig umstrittene Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre sowie die Gemeinsame Offizielle Feststellung, in der die Verurteilungen der lutherischen Rechtfertigungslehre durch das Tridentinum und die (kaum auffindbaren) lutherischen Verurteilungen der Lehre der katholischen Kirche auf einer theologischen Basis zurückgenommen werden, die unbefriedigender kaum sein könnte.

Nicht nur bleibt sie an den entscheidenden Punkten vage, in ihrer Problemwahrnehmung rückwärtsgerichtet und methodisch an der Überwindung traditioneller Lehrgegensätze durch gemeinsame Lehrformulierungen orientiert, anstatt die Differenz der theologischen Denkhorizonte beider Traditionen anzuerkennen und gemeinsam die Sache der Rechtfertigung in ihrer Relevanz für die gegenwärtige Kirche und Welt aus ihren jeweiligen Perspektiven zu verdeutlichen, sondern sie belässt vor allem eben damit fast alles beim alten.

Die traurig stimmende Pointe dieses Vorgangs wird deutlich, wenn man sich die gleichzeitigen Äusserungen des Vatikan zur Ablassfrage vor Augen hält: Die Verkündigungsbulle des Papstes zum grossen Jubiläum des Jahres 2000 "Incarnationis mysterium" vom 29. November 1998 und das Handbuch der Ablässe vom 17. September 1999. Beide Texte lassen auch nicht einen Hauch davon erkennen, dass die römisch-katholische Lehre und Praxis von einem Rechtfertigungsverständnis geprägt wäre, das dem der lutherischen Kirchen nicht widerspräche. Dass der Lutherische Weltbund angesichts dieser Dokumente an einer Unterzeichnung festhält, ist nicht nur nicht verständlich, sondern ein Ärgernis. Er demonstriert damit öffentlich, wie er die Bedeutung dieser ökumenischen Konsensdokumente einschätzt: Sie haben für die Praxis der Kirchen keine Bedeutung. Auf katholischer Seite werden sie schon jetzt ignoriert, von den lutherischen Kirchen werden sie ignoriert werden, weil sie ein Unternehmen des Lutherischen Weltbundes und nicht der lutherischen Kirchen sind.

Es ist an der Zeit, die Folgen einer Lehrökumene für die evangelischen Kirchen zu diskutieren, die sie offenkundig theologisch orientierungslos macht. Auf der einen Seite scheint auf dem Weg über Lehrvereinbarungen kaum etwas anderes erreicht zu werden als ein Abbau des eigenen Lehrprofils. Auf der anderen Seite wird mit der offenbar akzeptierten Folgenlosigkeit so erzielter Vereinbarung für das Leben der Kirchen belegt, wie bedeutungslos Theologie und theologische Lehre für die Kirchen inzwischen geworden sind. Als ökumenische Herausforderung scheint nur noch die Überwindung institutioneller Differenzen zwischen etablierten Kirchentümern und ihrer Religionspraxis gesehen zu werden, und nicht von ungefähr wird die ökumenische Agenda im Übermass von Fragen des kirchlichen Amtes und Bischofsamts dominiert.

Gehen die evangelischen Kirchen auf diesem Weg weiter, verlieren sie mit ihrem konfessionellen Lehrprofil ihr raison d'être [Daseinsberechtigung] als eigenständige Kirchen und verharmlosen sich dazu, es früher oder später für einen ökumenischen Erfolg zu halten, den Status einer ordensähnlichen Sonderrichtung in der römisch-katholischen Kirche erreicht zu haben. Man müsste das nicht bedauern, wenn das, für das die evangelischen Kirchen einmal standen: ein öffentliches christliches Leben in der Freiheit des Glaubens aus der befreienden Wahrheit der Liebe Gottes, zum Allgemeingut der Kirchen geworden wäre. Aber davon kann keine Rede sein. Und deshalb ist der 31. Oktober 1999 kein Freudentag.

Die Bemühung um Gestaltung des gemeinsamen Lebens aus dem Glauben ist ökumenisch unerlässlich. Christen leben nicht allein, sondern gemeinsam in Kirchen, und Kirchen existieren nicht jenseits der Welt, sondern in der Geschichte. Die aber stellt die evangelischen Kirchen heute vor andere ökumenische Herausforderungen als die Suche nach vagen Lehrkonsensen ohne Praxisfolgen und die Bemühung um eine "Versöhnung der Ämter" durch Wiedereinführung des Bischofsamtes in historischer Sukzession. Das sind Versuche europäischer Traditionskirchen, die im Begriff sind, ihre Basis in der Bevölkerung zu verlieren, und im Prozess der Neubestimmung ihrer Beziehungen zu Staat und Gesellschaft ihr verunsichertes Selbstverständnis im Rückgriff auf traditionelle ekklesiologische Denkmuster und Organisationsformen zu stabilisieren suchen. Doch damit werden sekundäre Fragen zu Hauptfragen gemacht, aber so wird man auf die ökumenischen Herausforderungen des kommenden Jahrhunderts nicht reagieren können.

Längst hat sich zahlenmässig das Schwergewicht der katholischen Kirche aus Frankreich, Italien und Deutschland nach Brasilien, Mexiko und den Philippinen verlagert. Längst sind nicht mehr Deutschland oder England, sondern die USA und Nigeria die Länder mit den meisten protestantischen Christen. Längst sind die lutherischen und calvinistischen Kirchen zusammen weltweit eine Minderheit gegenüber den Methodisten, Baptisten und Pfingstkirchen. Nicht die erodierenden Traditionskirchen Europas, sondern die dynamisch wachsenden asiatischen, amerikanischen und afrikanischen Kirchen mit ihren ganz anderen Problemen werden die ökumenische Agenda des kommenden Jahrhunderts definieren. Sie stellen die eigentlichen ökumenischen Herausforderungen der Zukunft dar und diese werden sich nicht mit einer vergangenheitsorientierten Episkopalekklesiologie bewältigen lassen.

Wollen die evangelischen Kirchen zu ihrer Bewältigung einen Beitrag leisten, müssen sie auf die Wahrung, nicht den Abbau ihres theologischen Profils achten. Denn - und daran erinnert das Gedenken der Reformation am 31. Oktober - die Eigendynamik kirchlicher Religionspraxis hat in jeder Organisationsform die Tendenz, die befreiende Wahrheit des Evangeliums zu verdunkeln und zu verstellen. Deshalb muss jede Gestaltung von Kirche von dieser her semper reformanda [stetige Erneuerung] bleiben. Und das kann sie nur, wenn das Evangelium nicht doktrinal verdunkelt und ekklesiologisch funktionalisiert wird, sondern alles daran gesetzt wird, es klar und unmissverständlich als die befreiende Rechtfertigung des Sünders allein durch Gott sola gratia, solo verbo, sola fide [allein aus Gnade, allein das Wort, allein aus Glauben] zur Sprache zu bringen.

[*Ingolf U. Dalferth ist Professor für Systematische Theologie, Symbolik und Religionsphilosophie am Institut für Hermeneutik und Religionsphilosophie an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich ]

back (6'831 Zeichen)

Stellungnahme: Adventisten und das Jahr 2000 uparrowprint druckenemail versenden

Siebenten-Tags-Adventisten gründen ihre Hoffnung auf das Leben, den Tod und die Auferstehung Christi und sehen mit Freude nach vorn auf die Erfüllung ihrer Hoffnung durch die baldige Wiederkunft Jesu. Adventisten setzen ihr Vertrauen auf die Lehren der Heiligen Schrift und glauben, dass das Vergehen der Zeit insofern bedeutsam ist, da sie uns näher zu dem wunderbarsten Ereignis bringt, das je menschliche Augen gesehen haben. Wir erwarten gespannt die sichtbare Wiederkunft Christi. Doch wir spekulieren nicht über den genauen geschichtlichen Zeitpunkt, wann dieses Ereignis stattfinden wird. Jesus sagt uns: "Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat" (Apostelgeschichte 1,7).

Deshalb messen Adventisten dem Ende eines Jahrtausends und dem Beginn eines neuen keine religiöse Bedeutung bei. Das Jahr 2000 ist prophetisch nicht von besonderem Belang; es wird nicht in der Bibel erwähnt und jede Spekulation bezüglich seines religiösen Zwecks ist zurückzuweisen. Dennoch sehen wir in jedem Jahr welches vergeht, dass es uns der Wiederkunft unseres Herrn näher bringt.

Uns ist bewusst, dass der Jahrtausendwechsel einen besonderen emotionalen Eindruck auf die Menschheit ausübt. Keiner der jetzt Lebenden hat solch ein Ereignis je erfahren. Viele sehen dem bevorstehenden Jahr 2000 mit Bedenken, besondere Erwartungen und sogar Furcht entgegen. Während zahlreiche Menschen angesichts des Durcheinanders in der Natur und Gesellschaft besorgt sind, sagt unser Herr: "Euer Herz erschrecke nicht!" (Johannes 14,1). So haben wir als Siebenten-Tags-Adventisten Anteil an der Hoffnung auf eine herrliche Zukunft, die zu der von Gott bestimmten Zeit Wirklichkeit werden wird.

Die Stellungnahme wurde am 29. September 1999 von dem 330 Mitglieder umfassenden in Silver Spring, Maryland/USA, tagenden Exekutiv-Ausschuss der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten verabschiedet.

back (1'974 Zeichen)

Stellungnahme der Siebenten-Tags-Adventisten zur Homosexualität uparrowprint druckenemail versenden

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten erkennen an, dass jeder Mensch vor Gott wertvoll ist, und wir versuchen allen Männern und Frauen in der Gesinnung Jesu hilfreich zu sein. Wir glauben auch, dass durch Gottes Gnade und die Unterstützung der Glaubensgemeinschaft ein Mensch in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Wortes Gottes leben kann.

Siebenten-Tags-Adventisten glauben, dass sexuelle Beziehungen nur in die eheliche Gemeinschaft von Mann und Frau gehören. Dies war die Absicht Gottes bei der Schöpfung. Die Heilige Schrift erklärt: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch" (1. Mose 2,24). In der ganzen Heiligen Schrift wird dieses heterosexuelle Vorbild bestätigt. Die Bibel lässt keinen Raum für homosexuelle Betätigung oder Beziehungen. Sexuelle Handlungen ausserhalb des Bereiches einer heterosexuellen Ehe sind untersagt (3. Mose 20,7-21; Römer 1,24-27; 1. Korinther 6,9-11). Jesus Christus bestätigte die göttliche Absicht bei der Schöpfung: "Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau und sprach: 'Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein'? So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch" (Matthäus 19,4-6). Deshalb wenden sich Adventisten gegen homosexuelle Praktiken und Beziehungen.

Siebenten-Tags-Adventisten streben danach, der Lehre und dem Beispiel Jesu zu folgen. Er bestätigte die Würde aller Menschen und wandte sich mitleidsvoll Personen und Familien zu, die an den Folgen der Sünde litten. Er half den sich abmühenden Menschen und hatte Worte des Trostes für sie, obwohl er seine Liebe zu Sündern von seiner deutlichen Lehre über sündige Handlungsweisen unterschied.

Die Stellungnahme wurde am 3. Oktober 1999 von dem 330 Mitglieder umfassenden in Silver Spring, Maryland/USA, tagenden Exekutiv-Ausschuss der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten verabschiedet.

back (2'104 Zeichen)

Buchrezensionen

"Menschenrechte", Heft 35 der Zeitschrift WIDERSPRUCH (Beiträge zur sozialistischen Politik); Widerspruch, Zürich, 1998, 240 Seiten, CHF/DEM 21.--; ISSN 1420-0945. Zu beziehen über den Buchhandel oder per Fax +41-(0)1-273 03 02. uparrowprint druckenemail versenden

Londonderry Adventist Church

Londonderry Adventist Church

Photo: British Union Conference (BUC)

Heft 35 der Zeitschrift "WIDERSPRUCH" ist - aus Anlass der Proklamation der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen (UNO) vor 50 Jahren - ganz dem Thema "Menschenrechte" gewidmet. Die verschiedenen Autoren machen in ihren Beiträgen deutlich, dass die 1948 verankerten Grundrechte auch fünfzig Jahre danach von erstaunlicher Aktualität sind. Neben den unveräusserlichen Rechten auf Entwicklung (Artikel von Reinhart Kössler), auf Nahrung (von Sieglinde Weinbrenner) und auf Gleichheit (von Christa Wichterich und Susanne Kappeler), werden auch ökonomische Bezüge wie Wirtschaftsbürgerrechte (von Peter Ulrich) und Menschenrechte und globaler Kapitalismus (von Wolf-Dieter Narr und Roland Roth) dargelegt. Über Menschrechtspolitik ist Friedenspolitik schreibt Günther Baechler. Mit "Die UNO und der Fall Rwanda" befasst sich Christian P. Scherrer. Selahattin Celik schreibt über "Völkermord und Repression in der Türkei". Hinzukommen Situationsberichte aus Kolumbien (Bruno Rüsche) und Algerien (Sabine Kebir).

Auf grundsätzliche Unterschiede zwischen dem christlichen und islamischen Menschenrechtsverständnis weist der Artikel von Farhad Afshar (Die universalen Menschenrechte des Islams) hin. Die Zeitschrift macht in ihren Beiträgen deutlich, dass sich die Menschenrechtspolitik in einer dauerhaften Krise befindet. Über die institutionelle Ausgestaltung der internationalen Instrumentarien zum Schutz der Menschenrechte wird weiterhin in den UN-Gremien und in den regierungsunabhängigen Organisation (NGO) kontrovers diskutiert.

Christian B. Schäffler

back (1'623 Zeichen)

"Die ökumenische Zukunft des Petrusdienstes", 2. Heft 1998 der Theologischen Quartalschrift (ThQ) , Erich Wewel Verlag, München, 1998, 174 Seiten, CHF/DEM 20.--; ISSN 0342-1430. Zu beziehen über den Buchhandel. Auslieferung Schweiz: Herder AG., Basel. Telefon +41-(0)61-821 09 20. uparrowprint druckenemail versenden

In der Enzyklika "Ut unum sint" über den Einsatz für die Ökumene bittet Papst Johannes Paul II. um Mithilfe bei der Bestimmung und Ausgestaltung der ökumenischen Zukunft des Primates als Petrusdienst. Das Themenheft 2/1998 der ThQ legt acht Positionspapiere zur Frage der ökumenischen Zukunft des Petrusdienstes als Primat vor.

Die Diskussionsbeiträge stammen von Erzbischof Prof. Dr. Mesrob Krikorian (armenisch-apostolisch), Metropolit Prof. Dr. Damaskinos Papandreou (griechisch-orthodox), Altbischof Dr. Martin Kruse (evangelisch-lutherisch), Prof. Dr. Alasdair Heron (evangelisch-reformiert), Prof. Dr. Henry Chadwick (anglikanisch), Bischof Prof. Dr. Walter Klaiber (methodistisch), Prof. Dr. Erich Geldbach (freikirchlich/baptistisch) und Angela Berlis (altkatholisch).

Im aktuellen ökumenischen Klima mehren sich die Befürchtungen vor einem römischen Rückfall in die Rückkehr-Ökumene (A. Berlis). Dies macht Reserven gegenüber einer möglichen "brüderlichen" Umklammerung durch die päpstliche Enzyklika "Ut unum sint" verständlich. Deshalb die deutlichen Anfragen: "Hat die römisch-katholische Kirche in dieser Frage überhaupt Spielraum? (W. Klaiber). Als nüchterne These formuliert es der Baptist: "Für das katholische Kirchenbild ist eine hierarchische Struktur unerlässlich." (E. Geldbach). "Besteht Rom nicht auf einem Primat in der Fassung von 1870?" (D. Papandreou). Bei aller Anerkennung im Wandel der Amtsausübung fordert der Lutheraner konkrete Selbstkritik des Papsttums und fragt nach den Entfaltungsmöglichkeiten in Richtung Kollegialität (M. Kruse). Auch wo Grundprobleme kaum in der Lehre zu konstatieren sind, stellen die Ansprüche des Papsttums eine Herausforderung dar (H. Chadwick). Es sollte zu bedenken geben, dass nicht nur von protestantischer Seite, sondern auch von einem Bischof des Ostens (M. Krikorian) die Beteiligung der Laien "an Diskussionen und Entscheidungen, die Frage des Glaubens und Reformen betreffen", eingefordert wird.

Das Heft 2/1998 der ThQ gibt einen umfassenden Einblick in die Positionen der nicht-katholischen Kirchen in der "ökumenischen" Problematik von Petrusdienst und Primat.

Christian B. Schäffler

back (2'263 Zeichen)

Franz Graf-Stuhlhofer "Der Wiener Baptisten-Prediger Arnold Köster über Anschluss und Kriegsanfänge - Eine Dokumentation zu den Jahren 1938-1940", Sonderdruck aus "Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich", Jahrgang 112, 1996, Evang. Presseverband in Österreich, Wien, geheftet, 48 Seiten; und "Das Kriegs-Ende in Wien im Spiegel der Predigten eines NS-kritischen Baptistenpastors", Sonderdruck aus "Österreich in Geschichte und Literatur", 40. Jahrgang, Heft 2, 1996, Institut für Österreichkunde, Wien, broschiert, 20 Seiten. Zu beziehen beim Verfasser: Dr. phil. Franz Graf-Stuhlhofer, Krottenbachstrasse 122/2/5, A-1190 Wien. uparrowprint druckenemail versenden

Der Baptistenprediger Arnold Köster (1896-1960) stand dem Nationalsozialismus seit dessen Auftreten kritisch-distanziert gegenüber. Seine Bedenken artikulierte er wiederholt in seinen Predigten - zwar deutlich, aber unter geschickter Umgehung einiger heikler Formulierungen. Von der Gestapo wurde er beobachtet und mehrmals verhört, aber nicht verhaftet. So war es ihm - im Unterschied zu anderen kirchlichen Regimekritikern in Österreich - möglich, während der ganzen Kriegszeit öffentliche Stellungnahmen abzugeben. Von 1929 bis zu seinem Tod wirkte Köster als Seelsorger in der Baptistengemeinde Wien (Mollardgasse 35). Als 1938 der Anschluss an das Deutsche Reich erfolgte, war dies die einzige selbständige Baptistengemeinde in Österreich mit rund 500 Mitgliedern. Seine Predigten wurden seit 1938 mitstenografiert und anschliessend maschinenschriftlich festgehalten, anfangs fragmentarisch, im Laufe der Jahre vollständig. Das Archiv der Baptistengemeinde Wien bewahrt die - bisher nur zu einem kleinen Teil publizierten - Typoskripte und Durchschläge auf.

Dass Köster während des Krieges in einzigartiger Weise NS-kritisch gepredigt hatte, wurde ausserhalb seiner Baptistengemeinde und deren 10 Hauskreise kaum wahrgenommen. Der Wiener Historiker Franz Graf-Stuhlhofer hat erstmals politisch und sozial relevante Ausschnitte aus Kösters Predigtsammlung der Jahre 1938-40 und 1945 in den beiden erwähnten Sonderdrucken dokumentiert und damit dem fast vergessenen Baptisten-Pastor zu verdienter, später Anerkennung seines Mutes verholfen.

Christian B. Schäffler

back (1'581 Zeichen)

Klaus Wilkens (Hrsg.), "Gemeinsam auf dem Weg. Offizieller Bericht der Achten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen Harare 1998", Frankfurt/Main, Verlag Otto Lembeck, Frankfurt, 1999, kartoniert, 568 Seiten, 36 Fotos, 38,00 DM, ISBN 3-87476-350 1. uparrowprint druckenemail versenden

Als der Zentralausschuss des Ökumenischen (ÖRK) Rates im Januar 1994 während seiner Sitzung in Johannesburg zum Tagungsort der nächsten Vollversammlung Harare bestimmte, galt Simbabwe noch als Vorzeigeland auf dem afrikanischen Kontinent. In den darauffolgenden Jahren ist der Staat jedoch in eine bedrohliche Krisensituation geraten. Die Hälfte der ländlichen Bevölkerung kann sich heute nicht mehr ausreichend ernähren, nachdem die Reallöhne innerhalb von fünf Jahren um durchschnittlich 40 Prozent gesunken sind. Die Achte Vollversammlung des ÖRK fand somit in einem spannungsreichen Umfeld statt. Sie war geprägt von dem afrikanischen Tagungsort, ihrem Thema "Kehrt um zu Gott - seid fröhlich in Hoffnung", von der Feier des 50-jährigen Bestehens des Ökumenischen Rates der Kirchen, aber auch von Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft des ÖRK. Besonders östlich-orthodoxe Kirchen hatten kritische Bedenken vorgebracht. Der Berichtsband mit einer persönlichen Bilanz von Klaus Wilkens dokumentiert die in Harare gehaltenen Ansprachen, vorgelegten Berichte und verabschiedeten Dokumente. Im Vorwort schreibt ÖRK-Generalsekretär Konrad Raiser: "In gewisser Weise haben alle in Harare Teilnehmenden je ihre eigene Vollversammlung erlebt, und manchmal gehen die Eindrücke und Einschätzungen so weit auseinander, dass man sich fragt, ob die Betreffenden auf derselben Konferenz gewesen sind."

Holger Teubert

back (1'431 Zeichen)


Impressum Top

Nachrichtenagentur APD
(Adventistischer Pressedienst)
Postfach 104
CH-4020 Basel
E-Mail: APD-CH(at)apd.info
Web: http://www.stanet.ch/APD/

Herbert Bodenmann (verantwortlich), Journalist SFJ
Christian B. Schäffler, Journalist SFJ
Tel: +41 61 311 73 70

© Nachrichtenagentur APD Basel (Schweiz) und Ostfildern (Deutschland). Kostenlose Textnutzung nur unter der Bedingung der eindeutigen Quellenangabe "APD". Das © Copyright an den Agenturtexten verbleibt auch nach ihrer Veröffentlichung bei der Nachrichtenagentur APD.

APD ® ist die rechtlich geschützte Abkürzung des Adventistischen Pressedienstes.

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ging aus der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts hervor. Gegenwärtig zählt sie 16,9 Millionen erwachsene Mitglieder und mehr als 30 Millionen Gottesdienstbesucher in 209 Staaten der Erde. In der Schweiz sind 4.324 Mitglieder in 51 Gemeinden und 5 Gruppen organisiert. Ihre einzige Glaubensgrundlage ist die Bibel.