APD-INFORMATIONEN 12/2017 - DEZEMBER 2018

Schweiz

Politisches Engagement lohnt sich für christliche Jugendverbände
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Zürich/Schweiz, 19.12.2017 / APD

Das Bundesamt für Sport BASPO hat die Zusammenarbeit mit zehn christlichen Jugendverbänden, die teils über zwanzig Jahre Ausbildungslehrgänge und Lager unter dem Titel „Lagersport-Trekking“ in Zusammenarbeit mit Jugend und Sport (J+S) durchgeführt hatten, per Ende 2017 gekündigt und die Fördergelder gestrichen. Diese Verbände stellten die Glaubensförderung zu sehr in den Mittelpunkt, schloss sich das BASPO der Argumentation des Bundesamts für Sozialversicherungen an. Diese Jugendverbände können damit unter dem Label Jugend und Sport (J+S) keine Leiter mehr ausbilden und die lokalen Gruppen keine J+S-Lager mehr durchführen. Während der Vernehmlassung zu den Verordnungsanpassungen hat der Bundesrat laut Infomail der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA nun entschieden, die für die betroffenen christlichen J+S-Verbände nachteilige Verordnungsänderung doch nicht in Kraft zu setzen.

„Dieser erfreuliche Entscheid kam dank breitem Widerstand während der Vernehmlassungsphase zustande“, schreibt die Schweizerische Evangelische Allianz SEA in einer Infomail. Die SEA und christliche Jugendverbände haben im Sommer 2017 zu politischem Engagement aufgerufen. Dutzende Einzelpersonen, Verbände und Kirchen, unter anderen auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz, sind dem Aufruf gefolgt. Sie haben sich an der Vernehmlassung beteiligt oder an der Kundgebung von 1.400 Jugendlichen und Kindern auf dem Bundesplatz. Bundesparlamentarier und –parlamentarierinnen haben sich bei Bundesrat Guy Parmelin für die Anliegen der betroffenen christlichen Jugendverbände eingesetzt.

Gegenwärtig werden Gespräche zwischen einer Delegation des BASPO und den christlichen Jugendverbänden geführt, um zu klären, unter welchen Bedingungen die jahrzehntelange gute Zusammenarbeit weitergeführt werden kann.

Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA dankt im Infoschreiben allen, die ihrem Aufruf gefolgt sind, sich engagiert und die Bestrebungen mitgetragen haben. Das politische Engagement habe sich gelohnt, so die SEA.

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Schweizer Bischöfe: No-Billag-Initiative schadet nationalem Zusammenhalt
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Fribourg/Schweiz, 19.12.2017 / APD

„Die Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz SBK sind über die möglichen Konsequenzen im Falle einer Annahme der No-Billag-Initiative besorgt“, heisst es in einer SBK-Medienmitteilung vom 7. Dezember. Die Bischöfe befürchten, „dass bei einer Annahme der Initiative die öffentliche Meinungsbildung noch stärker von ausländischen oder finanzstarken Medienhäusern abhängig wird“.

In der Medienmitteilung im Anschluss an die dreitägige Herbstvollversammlung vom 4. bis 6. Dezember im Kloster Engelberg, im Kanton Obwalden, schreiben die Bischöfe, dass sie es als sehr wichtig erachten, dass weiterhin ein öffentlicher Diskurs möglich bleibe, „in welchem verschiedene Meinungen – auch von Minderheiten - ihren Platz haben“.

Wenn bei Annahme der Initiative die öffentliche Meinungsbildung noch stärker von ausländischen oder finanzstarken Medienhäusern abhängig würde, führe dies vor allem in der französischen und italienischen Schweiz zur Schwächung der schweizerischen Identität. Die Annahme der Initiative schade dem nationalen Zusammenhalt und vergrössere bestehende gesellschaftliche Risse, so die Schweizer Bischöfe.

Bei Annahme der No-Billag-Initiative werden die Gebühren für die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG abgeschafft. Laut jüngsten Umfragen liegen die Befürworter der No-Billag-Initiative klar vorn. Die Abstimmung findet am 4. März 2018 statt.

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Chur: Gender-Mainstreaming-Kritikerin verfasst "Bischofswort"
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Fribourg/Schweiz, 19.12.2017 / APD

Laut Kathpress, römisch-katholische Presseagentur in Österreich, hat sich der Schweizer Bischof Vitus Huonder erneut gegen eine sogenannte "Gender-Ideologie" positioniert. Er habe dies mit einem ungewöhnlichen Schritt getan, schreibt Kathpress. Das traditionelle Bischofswort von Huonder zum Welttag der Menschenrechte am 10. Dezember verfasste in diesem Jahr die deutsche Autorin und Gender-Mainstreaming-Kritikerin Birgit Kelle. Der Bischof von Chur stellte ihrem Text lediglich ein Vorwort voran, in dem er Papst Franziskus zu Gender-Fragen zitiert und seiner Hoffnung Ausdruck verleiht, dass Kelles Text „der Meinungsbildung, ja der Abwehr einer grossen Gefahr für die Menschheit dient“.

Huonder verweist zu dem in der katholischen Kirche kontrovers diskutierten Thema "gender" auf Passagen aus dem nach den Familiensynoden vom Papst veröffentlichten Lehrschreiben "Amoris laetitia". Darin hatte sich Franziskus gegen „verschiedene Formen einer Ideologie, die gemeinhin Gender genannt wird“ ausgesprochen, welche „die natürliche Aufeinander-Verwiesenheit von Mann und Frau leugnet“ und so die anthropologische Grundlage der Familie aushöhle, wie es in dem Dokument heisst.

Kelle, die sich in ihren Büchern und in ihrem öffentlichen Engagement für die klassische Familie stark macht, bringt in ihrem Beitrag in der Folge Debatten um das „Wohl des Kindes“ und ihre Kritik an der „Gender-Ideologie“ in Zusammenhang. Die Definition des Kindeswohls werde in gesellschaftlichen Debatten „zum Spielball der Mächtigen“, um die Interessen von Kindern gehe es dabei oft gar nicht, beklagt sie. „Wie die Definition des ‚Kindeswohls’ zu einem Instrument der Indoktrination von Kindern umgedeutet wird, zeigt sich nämlich gerade in allen europäischen Ländern, die unter dem Deckmantel von ‚Bildung’ die neue Ideologie des Gender Mainstreaming mit ihren unheiligen Beibooten, der ‚sexuellen Vielfalt’, der ‚Gleichstellung der Geschlechter’ und der ‚Bildung zu Toleranz’ in unsere Klassenzimmer schleusen wollen", schreibt die Autorin etwa.

Sexuelle Belästigung unter Erwachsenen könne heute geahndet werden. Wenn aber in Kindergärten und Schulen Erwachsene den Kindern die Sexualität von Erwachsenen in Wort und Bild aufdrängten, dann werde aus der Straftat plötzlich „kindliche Bildung“, so Kelle weiter. Kinderrechte seien auch durch die Abtreibung bedroht. So würden behinderte Kinder im Mutterleib getötet, „weil sie nicht den Ansprüchen einer perfekten Welt genügen“.

Ein scharfes Wort richtet die Autorin auch gegen die Praxis der Leihmutterschaft. Im Namen von „Gender-Gerechtigkeit“, so Kelle, entstehe hier „eine neue Form von Kinderhandel“. Die Mutter werde aber nicht „geliehen“, sondern ihr „Bauch als Brutstätte ausgenutzt“ und das Kind danach „an Fremde verkauft“.

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Sucht Schweiz: Tabakproduktegesetz ist Jugendschutz „Ultra-Light“
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Bern und Lausanne/Schweiz, 19.12.2017 / APD

Im überarbeiteten Entwurf zum Tabakproduktegesetz, das der Bundesrat am 8. Dezember vorgelegt hat, fehlten wirksame Massnahmen zur Tabakprävention, schreibt Sucht Schweiz in einer Medienmitteilung. Das sei Jugendschutz „Ultra-Light“. Der Entwurf für das Tabakproduktegesetz trage der Prävention und dem Jugendschutz nur ungenügend oder gar keine Rechnung, schreibt die Sozialdemokratische Partei SP. Der bürgerlich dominierte Bundesrat sei vor der Tabaklobby eingeknickt, schreibt die SP und habe fast alle Massnahmen für mehr Jugendschutz gestrichen. Tabakwerbung bleibe fast flächendeckend erlaubt, obwohl Tabak nachweislich für rund 9.500 Todesfälle pro Jahr in der Schweiz verantwortlich sei und enorme Kosten verursache.

„Über die Hälfte der Raucherinnen und Raucher beginnt vor dem 18. Geburtstag mit dem Rauchen, wenn die Gesundheitsschäden besonders gravierend sind. Eine wirksame Prävention müsste darum beim Schutz der Minderjährigen ansetzen. Doch offensichtlich hat die Tabaklobby ganze Arbeit geleistet, denn im Entwurf des Bundesrats ist von Prävention und Jugendschutz kaum noch etwas zu finden“, kritisiert SP-Nationalrätin Marina Carobbio.

Tabakproduktegesetz 2.0: Jugendschutz «Ultra-Light»
Im überarbeiteten Entwurf zum Tabakproduktegesetz fehlten wirksame Massnahmen zur Tabakprävention, schreibt Sucht Schweiz in einer Medienmitteilung. Die Allianz für ein starkes Tabakproduktegesetz werde ihre Forderungen in die nun beginnende Vernehmlassung einbringen.

Tabak, der wichtigste Risikofaktor für chronische nicht übertragbare Krankheiten
„Im Entwurf verzichtet der Bundesrat leider fast komplett auf Werbeeinschränkungen, ein Sponsoringverbot fehlt sogar gänzlich“, so Sucht Schweiz. Dabei könne Werbung gerade für Jugendliche fatal sein: „Wenn Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr nicht mit dem Rauchen anfangen, rauchen sie mit grosser Wahrscheinlichkeit ihr Leben lang nie.“ 57 Prozent der Rauchenden beginne als Minderjährige mit dem Tabakkonsum. Das führe unter anderem dazu, dass Tabak der wichtigste Risikofaktor für chronische nicht übertragbare Krankheiten sei: „In der Schweiz sterben jedes Jahr rund 9.500 Menschen an den Folgen des Rauchens. Davon ein Viertel vor Erreichen des Rentenalters“, schreibt die Stiftung.

Bevölkerungsmehrheit befürwortet ein allgemeines Werbeverbot
58 Prozent der Bevölkerung befürworte ein allgemeines Werbeverbot. Auch ein Verbot des Sponsorings von Kultur- und Sportveranstaltungen durch die Tabakindustrie treffe bei der Mehrheit auf Zustimmung. Dies zeige das aktuelle Suchtmonitoring Schweiz 2016.

Keine wirksamen Massnahmen zur Reduktion des Tabakkonsums
Der Entwurf des Bundesrats zum Tabakproduktegesetz enthalte keine wirksamen Massnahmen zur Reduktion des Tabakkonsums, schreibt Sucht Schweiz. Dies verhindere für Jahre einen Fortschritt in der Tabakprävention. „Der Gesetzesentwurf entspricht damit den Wünschen der Tabakindustrie.“

Die Allianz für ein starkes Tabakproduktegesetz werde sich weiterhin für ein umfassendes Werbe- und Sponsoringverbot einsetzen. Sie stellt folgende zentrale Forderungen:

• „Ein lückenloses Werbeverbot für Tabakprodukte, welches Printmedien, das Internet einschliesslich der sozialen Medien, Plakate, Kinos und die Verkaufsstellen umfasst.
• Keine Verkaufsförderung durch Gratisabgabe von Tabakwaren, etwa durch Hostessen in Clubs oder durch Rabattaktionen im Stil von 3 für 2.
• Kein Sponsoring öffentlicher sowie privater Anlässe durch Tabakfirmen. Die Tabakkonzerne verringern mehr und mehr die Werbung im öffentlichen Bereich, speziell auf Plakaten, und verstärken stattdessen die Werbeaktivitäten im privaten Bereich, insbesondere richten sie sich dabei an junge Leute.“

Der Bundesrat sehe zwar in seinem Entwurf ein paar wenige neue Massnahmen vor. Diese seien aber vollkommen ungenügend:
• „Das Abgabealter für Tabakprodukte wird einheitlich auf 18 Jahre festgelegt.
• In Medien, die einfach für Kinder zugänglich sind (Gratiszeitungen und frei zugängliche Internetseiten) wird Tabakwerbung verboten. In kostenpflichtigen Medien und für Internetbereiche mit Zugangsbarrieren, z. B. einer Registrierung, bleiben sie hingegen erlaubt.
• Am Kiosk dürfen Tabakwaren nicht mehr direkt neben Süssigkeiten im Regal stehen und müssen auf einer Höhe von mindestens 1,20 Meter platziert werden. Damit bleiben sie gleichwohl im Sichtfeld von Kindern.“

Laut Sucht Schweiz bleibe der Entwurf in mehreren Punkten hinter der EU-Gesetzgebung zurück:
• „Die Warnhinweise bleiben kleiner als in der EU.
• Die E-Zigaretten bleiben schwächer reguliert als in der EU.
• Snus ist in der EU verboten, ausgenommen Schweden.
• Das Sponsoring von internationalen Anlässen ist EU-weit verboten.“

Ratifizierung der Rahmenkonvention über die Tabakkontrolle der WHO in weiter Ferne
Ein Verbot von Tabakwerbung und Tabaksponsoring sieht auch die Rahmenkonvention über die Tabakkontrolle der Weltgesundheitsorganisation WHO vor (WHO FCTC, Artikel 13.4). Die Schweiz hat das Abkommen am 25. Juni 2004 unterzeichnet und damit ihren Willen bekundet, die Präventionsziele der WHO umzusetzen. Der hartnäckige Widerstand der Tabaklobby im National- und Ständerat gegen einfach umsetzbare und wirksame Massnahmen zeige Wirkung, so Sucht Schweiz: „Das Parlament ist an der Umsetzung des Abkommens nicht interessiert. Mit dem vorliegenden Entwurf ist die Ratifizierung von vornherein ausgeschlossen.“

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International

Adventisten im Nahen Osten verurteilen Terroranschlag im Sinai
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Beirut/Libanon und Silver Spring, Maryland/USA, 19.12.2017 / APD

Pastor Rick McEdward, Kirchenleiter der Siebenten-Tags-Adventisten im Mittleren Osten und Nordafrika (Middle East and North Africa Union Mission MENAU) verurteilte mit scharfen Worten den grauenhaften Terroranschlag auf die Al-Rawdah-Moschee, in Al-Arisch, im nördlichen Sinai. Bei dem Anschlag am 24. November wurden 305 Teilnehmer des Freitagsgebets, darunter 27 Kinder, ermordet und 128 Personen verletzt. Die Moschee wird der mystischen Sufi-Bewegung zugerechnet, Sufi-Gotteshäuser und Grabmäler sind bevorzugte Ziele der IS-Terroristen.

Adventistischer Kirchenleiter im Mittleren Osten verurteilt den Anschlag
„Wir verurteilen aufs Schärfste diese kriminelle Handlung, die an einem heiligen Ort der Anbetung und des Gebets begangen wurde", sagte McEdward. „Unsere adventistische Kirchenfamilie möchte den Familien, die in diesem traurigen Ereignis ihre Angehörigen verloren haben, unser Mitgefühl übermitteln", fügte er hinzu. „Unsere Gebete sind bei den Familien und bei allen Ägyptern in dieser schwierigen Zeit. Möge Gott mit euch allen sein."

Siebenten-Tags-Adventisten in Ägypten, im Nahen Osten und in Nordafrika trauern um die unschuldigen Opfer des abscheulichen Angriffs mit Bomben und Schusswaffen, berichtet der MENAU-Kommunikationsverantwortliche, ChanMin Chung, aus Beirut/Libanon, in einem Artikel von Adventist Review AR, nordamerikanische Kirchenzeitschrift.

Adventistischer Kirchenleiter in Ägypten ruft zum Gebet auf
Auch die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Ägypten spricht den Familien der Opfer ihr tief empfundenes Beileid und Mitgefühl aus und betet aufrichtig für sie, schreibt AR. „Die Adventisten in Ägypten stehen den überlebenden Opfern, den Familien und dem Volk Ägyptens im Gebet bei", sagte Pastor Johnny Nasralla, Exekutivsekretär der Adventisten in Ägypten und im Sudan.

Der vierte grosse Terroranschlag im 2017 in Ägypten
Der Angriff auf die Al-Rawdah-Moschee, in Al-Arisch ist der vierte grosse Terroranschlag auf unschuldige Ägypter in diesem Jahr. Terroristen töteten 29 koptische Christen am 26. Mai und 46 Kopten bei zwei Bombenangriffen auf Gottesdienste in den nördlichen Städten Alexandria und Tanta am 9. April.

Die adventistischen Kirchenleiter im Nahen Osten und Nordafrika bitten die Kirchenmitglieder, für die Familien derer zu beten, die ihr Leben verloren haben sowie für eine vollständige Genesung der Verletzten.

Adventisten in Ägypten
1901 wurde die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Ägypten gegründet. Nach einer Reorganisation der Kirchenstruktur im Jahr 2012 wurden Ägypten und der Sudan in einer gemeinsamen Verwaltung zusammengeführt. In Ägypten mit 95,7 Millionen Einwohnern feiern 744 Adventisten jeweils samstags den Gottesdienst. Sie unterhalten in Heliopolis bei Kairo die „Nile Union Academy“, die „Zeitoun Adventist School“ sowie das Zentrum „Modern Education for Sudanese“ und die „Adventist Health Education Foundation (AHEF)“ mit mehr als 2.000 Schülern, sechs Vorschul-Institutionen, fünf Innenstadtprojekte sowie eine Nahrungsmittelfabrik im Grossraum Kairo.

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Libyen: Adventisten zum Sklavenhandel - Verletzung der Menschenrechte
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Silver Spring, Maryland/USA, 19.12.2017 / APD

Der jüngste Videobeweis eines Sklavenmarkts im nordafrikanischen Libyen hat die internationale Aufmerksamkeit auf eine bisher weitgehend unveröffentlichte Menschenrechts-Tragödie gelenkt. Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten schliesse sich den Forderungen jener an, „die eine konzertierte internationale Aktion fordern, um diese gewaltige Menschenrechtskatastrophe in Nordafrika zu beenden“, sagte Nelu Burcea, Repräsentant der Kirche bei den Vereinten Nationen und stellvertretender Direktor der Abteilung für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit (Public Affairs and Religious Liberty PARL).

Gemäss Burcea sei der Sklavenhandel in Libyen nur ein Teil eines viel grösseren Missbrauchs afrikanischer Flüchtlinge. Die geographische Lage Libyens, direkt am Mittelmeer und gegenüber Italien, habe Libyen zu einem wichtigen Transitpunkt für afrikanische Flüchtlinge gemacht, die nach Europa einreisen wollten. Die Internationale Organisation der Vereinten Nationen für Migration IOM (United Nations International Organization for Migration (IOM) schätzt, dass in den letzten drei Jahren rund 450.000 Menschen versucht haben, auf dem gefährlichen Seeweg von Libyen nach Europa zu gelangen, schreibt Adventist News Network ANN.

Die zunehmenden Bemühungen europäischer Länder den Menschenschmuggel zu unterbinden, führen dazu, dass sich immer mehr Flüchtlinge in den überfüllten libyschen Haftanstalten und provisorischen Flüchtlingslagern befinden. Berichte aus diesen Einrichtungen sprechen von schlimmen Bedingungen, schlechter Organisation und Gesetzlosigkeit. Im Zuge der Verschärfung der Situation sind verschiedene lokale Milizen und Stammesgruppen dazu übergegangen, diejenigen auszubeuten, die mittellos in Libyen gefangen sind, um entweder als Flüchtlinge nach Europa weiterzureisen oder in ihr Heimatland zurückzukehren.

Menschenhandel hat „keinen Platz im 21. Jahrhundert“
Am 28. November hielt der UN-Sicherheitsrat eine Dringlichkeitssitzung ab und versprach, seine Bemühungen zur Beendigung des Missbrauchs von Flüchtlingen in Libyen zu verstärken. UN-Generalsekretär António Guterres sagte, dass dieser Menschenhandel „keinen Platz im 21. Jahrhundert“ habe.

Menschen sind keine Handelsware
Die jüngste Geschichte Libyens sei schwierig gewesen, mit enormen Verlusten an Menschenleben aufgrund einer anhaltenden zivilen Krise, sagte Pastor Rick McEdward, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten im Mittleren Osten und Nordafrika (Middle East and North Africa Union MENA). Er bezeichnet die im Video dokumentierte Behandlung von Flüchtlingen als „grausame Verletzung grundlegender Menschenrechte".

„Wir dürfen nicht zulassen, dass in gescheiterten Systemen Menschen entwürdigt und als Ware gehandelt werden", sagt McEdward. „Als Kirche schliessen wir uns der Stimme anderer an, um alle politischen, wirtschaftlichen und religiösen Führer zu ermutigen, sich in Wort und Tat zu vereinen, um die von Gott gegebene Würde des Einzelnen zu schützen. Wir müssen zusammenstehen, um die missbräuchliche Praxis der Sklaverei und alle anderen Formen des Menschenhandels zu verurteilen."

Ganoune Diop, Direktor der Abteilung für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit (PARL) der adventistischen Weltkirchenleitung, sagte, dass sich die Weltkirche dafür einsetze, das Recht jedes Menschen auf eine würdige und respektvolle Behandlung zu verteidigen. „Als Adventisten glauben wir, dass jeder Mensch das heilige Zeichen seines Schöpfers trägt und von unendlichem Wert ist. Deshalb werden wir uns auch weiterhin auf höchster Ebene gegen den Missbrauch von Flüchtlingen und Migranten einsetzen.“

Laut ANN werde die Abteilung für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit (PARL) der adventistischen Weltkirchenleitung dieses Thema bei den Vereinten Nationen am 22. Januar 2018 aufgreifen. Die adventistische Weltkirchenleitung sei eine von vier Organisationen, welche das jährliche Symposium über die Rolle der Religionen und religiöser Organisationen in internationalen Angelegenheiten organisiere und mitfinanziere. Das Thema dieser eintägigen Veranstaltung, die im Sekretariat der Vereinten Nationen in New York/USA stattfindet, lautet: „Migrationsperspektiven: Vertreibung und Marginalisierung, Inklusion und Gerechtigkeit“ (Perspectives on Migration: Displacement and Marginalization, Inclusion and Justice). Solche Symposien bringen Nichtregierungsorganisationen, UNO-Beamte und religiöse Führer zusammen und bieten laut ANN die Möglichkeit, Wege zu erforschen, wie religiöse Gruppen mit internationalen Organisationen zusammenarbeiten können, um eine friedlichere und sicherere Welt zu fördern.

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Wieviel Polarisierung verträgt ein Land?
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Berlin/Deutschland, 19.12.2017 / APD

Mit dem Thema „Traglast überschritten? – Populismus, Demokratie und ‚Volkes Wille‘“ befasste sich die gemeinsame Herbsttagung des Deutschen Mennonitischen Friedenskomitees (DMFK) und des Mennonitischen Friedenszentrums Berlin (MFB) vom 24. bis 26. November in Berlin-Lichterfelde. Der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Dr. Roland Löffler (Dresden), erläuterte dabei Begriffe wie Populismus, Extremismus und religiöser Fundamentalismus.

Den „roten Faden“ im Miteinander finden
Die Frage „Wieviel Populismus verträgt eine Demokratie und auch ein Land?“ wurde während der Tagung diskutiert. „Einer trage des andern Last“, so ein Bibelwort im Galaterbrief des Apostel Paulus. Aber was ist, wenn populistische Hasstiraden nicht mehr zu ertragen sind? Wenn die Zerrissenheit innerhalb der Gesellschaft einen Meinungsaustausch fast unmöglich erscheinen lässt? Wenn eine Gesprächs- und Diskussionskultur, die eine offene Gesellschaft ausmacht und trägt, an gegenseitiger Ablehnung und Sprachlosigkeit zu scheitern droht? Nach dem Verständnis der Mennoniten ist Friedensarbeit der „rote Faden im Miteinander“ um eine „Kultur des Friedens“ aufzubauen. Deshalb gelte es, Wege aus der Polarisierung zu finden um zu einer friedfertigen Gemeinschaft zu gelangen. Doch wie soll das geschehen?

Populismus, Extremismus, religiöser Fundamentalismus
In seinem Vortrag „Populismus – Extremismus – religiöser Fundamentalismus and all that …“ versuchte der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Dr. Roland Löffler, Begriffe zu klären. Wobei er den Populismus als ein Phänomen darstellte, das nicht so einfach greifbar sei. Nicht jeder, der die Mächtigen kritisiert, sei ein Populist, denn es gebe oft gute Gründe auf Mängel hinzuweisen. Populist sei dagegen, wer den Anspruch erhebe, nur er vertrete das wahre Volk. Das habe zur Folge, dass Bürger, die dem populistischen Führer die Unterstützung verweigern, gar nicht wirklich zum Volk gehörten. Populisten hätten auch keine grundsätzlichen Einwände gegen die repräsentative Demokratie. Das Problem wäre aus ihrer Sicht lediglich, dass die falschen Repräsentanten an der Macht seien. Das wahre Volk sei die sogenannte schweigende Mehrheit, die, wenn sie sprechen könnte, die Populisten sofort an die Macht befördern würde.

Strittig sei, ob Populismus per se eine Gefahr für demokratische Systeme darstelle oder, einem Seismografen gleich, auf vernachlässigte Probleme hinweise. Es gelte eine Debattenkultur zu etablieren, in der alle Herausforderungen und Probleme in einer Gesellschaft zwar benannt werden könnten, dies aber unaufgeregt und differenziert statt diffamierend und verkürzt. Dabei müsse die Würde des Andersdenkenden gewahrt bleiben.

Der politische Extremismus lehne den demokratischen Verfassungsstaat ab und wolle ihn beseitigen. Alle Varianten des Extremismus verneinten daher die Pluralität der Interessen, Mehrparteiensysteme und das Recht auf Opposition. Wer meint, den „wahren Glauben“ zu haben oder sich von der Welt abkehre, müsse deshalb noch kein religiöser Fundamentalist sein. Anders sei es dagegen, wenn eine Gruppe die eigene Überzeugung so absolut setzt, dass sie diese auch anderen aufzwingen möchte, etwa mit Hilfe des Staates. Besser wäre es dagegen, wie ein Sprichwort sage, „in den Stiefeln des Anderen zu laufen“. Wer versucht, den Anderen in seiner Andersartigkeit, trotz eigener fester Überzeugung, zu verstehen, könne ihn achten und mit ihm in Frieden leben.

Planspiel Kirchgemeinderat
Ein von Tagungsleiterin Pastorin Martina Basso durchgeführtes Planspiel machte an einem fiktiven Fall deutlich, wie schwierig der praktische Umgang mit der Thematik sein kann. Die Aufgabenstellung: Zu einer Kirchengemeinderatswahl haben sich auch Kandidaten beworben, die durch populistische und teilweise fremdenfeindliche Äusserungen bekannt wurden. Sie finden mit ihren Ansichten Rückhalt bei einem Teil der Gemeinde. Wie sollen die Verantwortlichen in der Kirchgemeinde darauf reagieren? Welche Auswirkungen hat deren Reaktion auf die Mitglieder der Gemeinde, deren Umfeld und die Öffentlichkeit?

Die Mennoniten
Mennonitische Gemeinden haben ihren Ursprung in der Täuferbewegung der Reformationszeit des 16. Jahrhunderts in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. Besonderes Kennzeichen der Bewegung sind die freiwillige Mitgliedschaft durch die Taufe auf das Bekenntnis des persönlichen Glaubens, die Ablehnung von Gewalt und die Verweigerung des Eides sowie die Forderung nach einer vom Staat unabhängigen Kirche. Als Kriegsdienstverweigerer gehören die Mennoniten zu den historischen Friedenskirchen.

Zur Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG) zählt das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee in Bammental bei Heidelberg. Das DMFK möchte Kirchengemeinden und Einzelnen Informationen, Beratung und praktische Hilfe geben, Schritte zum Frieden zu gehen. Dazu gehöre die Einübung von Feindesliebe in unterschiedlichen Lebenszusammenhängen, etwa in gewaltfreier Konfliktlösung und Mediation. Mennoniten laden alle Kirchen ein, im Sinne Jesu Friedenskirche zu sein.

Das Mennonitische Friedenszentrum Berlin ist ein Projekt der Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden (VDM) im Rahmen der Dekade des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zur Überwindung von Gewalt. Die Arbeitsschwerpunkte des MFB liegen in der kritischen Begleitung von Politik und Weltgeschehen, in der Gewaltprävention durch Netzwerkarbeit sowie einer Kooperation zur Konflikttransformation in Simbabwe. Das MFB nimmt auch an der Stadtteilarbeit im Berliner Bezirk Neukölln teil. Dabei geht es unter anderem um Gewaltprävention durch Selbstverteidigungskurse für geflüchtete Frauen. Im „Café Global“ können sich Berlinerinnen und Berliner mit und ohne Migrationshintergrund wöchentlich treffen, miteinander essen und trinken, diskutieren und austauschen. Das 14-tägige Treffen im „Café Abraham-Ibrahim“ soll interessierten Muslimen, Christen und Atheisten helfen, die anderen begreifen zu lernen, Unterschiede zu akzeptieren und nach gemeinsamen Werten zu fragen.

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Freikirchen setzen sich für UN-Nachhaltigkeitsziele ein
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Wustermark/Deutschland, 19.12.2017 / APD

Die Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in Deutschland hat die 15 Gemeindebünde des Zusammenschlusses in einer am 30. November veröffentlichten Erklärung dazu eingeladen, sich die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals/SDGs) zu eigen zu machen und diese durch konkrete Massnahmen zu unterstützen.

„Unsere Hauptaufgabe als VEF sehen wir darin, das Evangelium von der Liebe Gottes in Wort und Tat zu den Menschen zu bringen. Dazu gehören die Einladung zum Glauben an Jesus Christus und die Sorge um unsere Welt, in der wir leben. Das Wohlergehen der Menschen ganzheitlich im Blick zu haben, ist unser Anliegen“, begründete VEF-Präsident Christoph Stiba das Papier. Zur Förderung der UN-Nachhaltigkeitsziele ist die VEF eine strategische Partnerschaft mit Micha Deutschland e.V. eingegangen.

Micha Deutschland-Koordinatorin Stefanie Linner zeigte in einem Vortrag vor der Mitgliederversammlung vom 28. bis 29. November im hessischen Fuldatal auf, dass sich rund 3.150 Bibelstellen mit den Themen Gerechtigkeit und Armut beschäftigen: „Diese Stellen bilden einen durchgehenden Faden durch die Bibel.“ Micha Deutschland nehme diesen Faden auf, indem sich der Verein für die UN-Nachhaltigkeitsziele einsetze, so Linner: „Wir tun dies, indem wir befähigen, vernetzen und mobilisieren.“

Der VEF-Beauftragte am Sitz der Bundesregierung, Pastor Peter Jörgensen, unterstrich die Bedeutung dieses Ziels: „Jesus selbst hatte ein von grosser Liebe geprägtes Interesse an seinen Mitmenschen. Diesem Vorbild folgen wir. Dabei können die UN-Nachhaltigkeitsziele uns wichtige Impulse geben.“ Micha Deutschland vermittle diese Anliegen attraktiv und ohne einen moralisch erhobenen Zeigefinger, so Jörgensen. Doris Hege von der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden machte in der Diskussion deutlich, es gehe bei den SDGs im Kern auch nicht um Moral, sondern darum, „die Welt mit Gottes Augen zu sehen.“

Erklärung der VEF
In ihrer Erklärung ermutigt die Mitgliederversammlung die angeschlossenen Kirchen dazu, die UN-Nachhaltigkeitsziele in Publikationen bekannt zu machen, ihnen in Bildungsangeboten einen festen Platz zu geben und sie in den Jugendwerken zu thematisieren. Darüber hinaus werden Bünde und Gemeinden eingeladen, Micha Deutschland ideell und finanziell zu unterstützen. In dem Papier verpflichtet sich die VEF, den Gemeinden Gottesdienstimpulse zu den UN-Nachhaltigkeitsziele zur Verfügung zu stellen und zu prüfen, „an welchen Stellen wir die SDGs in unserem kirchlichen Leben umsetzen können.“ Die Erklärung ist abrufbar unter:
www.vef.de/fileadmin/Download/VEF_Erkl%C3%A4rung_zu_den_Zielen_f%C3%BCr_nachhaltige_Entwicklung__November_2017_.pdf

Vereinigung Evangelischer Freikirchen
Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zwölf Mitglieds- und drei Gastkirchen an, darunter auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Verschiedene Arbeitsgruppen der VEF befassen sich mit Themen wie gesellschaftlicher Verantwortung, Rundfunkarbeit, Angeboten für Kinder und Jugendliche oder theologischer Aus- und Weiterbildung. Weitere Informationen: www.vef.de

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Deutsche Adventisten arbeiten ehrenamtlich in 57 Integrationsprojekten
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Friedensau/Deutschland, 19.12.2017 / APD

Zu einem Begegnungswochenende in Friedensau bei Magdeburg/Deutschland trafen sich vom 24. bis 26. November rund 60 ehrenamtlich tätige Helferinnen und Helfer in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit von adventistischen Kirchengemeinden und Helferkreisen des Advent-Wohlfahrtswerkes (AWW). Eingeladen hatte das Aktionsbündnis „Gemeinsam für Flüchtlinge“.

Das Bündnis „Gemeinsam für Flüchtlinge“ wurde 2015 gegründet und vereint vier Partner, die institutionsübergreifend zusammenarbeiten: die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland, das Advent-Wohlfahrtswerk und die adventistische Theologische Hochschule Friedensau. Sie bündeln die jeweiligen Kompetenzen und Ressourcen mit dem Ziel, Adventgemeinden und AWW-Helferkreise in ihrem Engagement für geflüchtete Menschen und deren Integration in die Gesellschaft zu begleiten und unterstützen.

Würdigung des ehrenamtlichen Engagements
Auf dem Höhepunkt der sogenannten „Flüchtlingskrise“ in den Jahren 2015 und 2016 entstanden zahlreiche Initiativen und Projekte, die sich für Geflüchtete einsetzen – auch in adventistischen Gemeinden. Durch das Begegnungswochenende in Friedensau sollte dieses Engagement in besonderer Weise gewürdigt werden, erläuterte Pastor Michael Götz, Fachbereichsleiter für Flüchtlingshilfe im Advent-Wohlfahrtswerk. Was in den Projektgruppen seit nunmehr zwei und mehr Jahren geleistet wurde und wird, verdiene Hochachtung und reihe sich in einen bemerkenswerten und ermutigenden zivilgesellschaftlichen Aufbruch ein.

Wer Geflüchtete begleite, lasse sich auf einen herausfordernden, kräftezehrenden Dienst ein, so Götz. „Helferinnen und Helfer sehen sich nicht nur einer Fülle von Aufgaben gegenüber, sie werden nicht selten auch mit den Leiderfahrungen dieser Menschen konfrontiert.“ In zwei Vorträgen von Dr. Andreas Bochmann, Dozent für Ehe-, Familien- und Lebensberatung an der Theologischen Hochschule Friedensau, zu den Themen Psychohygiene und Sekundäre Traumatisierung hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wertvolle Impulse für einen achtsamen Umgang mit sich selbst und der eigenen psychischen Gesundheit erhalten. Darüber hinaus habe das Begegnungstreffen den Projektgruppen eine Plattform geboten, einander kennenzulernen, Erfahrungen und Ideen zu teilen und sich zu vernetzen.

Weitere 100.000 Euro (116.000 Franken) für Projektgruppen
Zum Aktionsbündnis „Gemeinsam für Flüchtlinge“ zählten deutschlandweit derzeit 57 Projekte, in denen sich etwa 450 Ehrenamtliche für mehr als 2.500 Geflüchtete engagieren, informierte Michael Götz. Dabei gehe es überwiegend um Sprachkurse, Hausaufgaben- und Kinderbetreuung, verschiedene Begegnungs- und Gemeinschaftsformate, Freizeitgestaltung sowie Lotsendienste. Die Projektgruppen hätten seit 2015 180.000 Euro (209.000 Franken) aus Spenden des Bündnisses deutscher Hilfsorganisationen „Aktion Deutschland Hilft e.V.“ erhalten und damit das zur Verfügung stehende Budget ausgeschöpft. Um die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit der Projektarbeit zu unterstützen, habe die Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in West- und Südosteuropa (Intereuropäische Division) dem Aktionsbündnis „Gemeinsam für Flüchtlinge“ weitere 100.000 Euro (116.000 Franken) zur Verfügung gestellt. Gefördert würden Projekte, die das Selbsthilfepotenzial von Migranten stärkten. Sie nicht allein in ihrer Bedürftigkeit, sondern ebenso mit ihren Ressourcen und Fähigkeiten wahrzunehmen und einzubinden, sei ein grundlegender Wert in der Projektarbeit von „Gemeinsam für Flüchtlinge“, betonte Götz.

Weitere Informationen zum Aktionsbündnis sind zu finden unter:
gemeinsamfrflüchtlinge.de/

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Wechsel in der Leitung der Adventisten in Deutschland
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Altena/Deutschland, 19.12.2017 / APD

Pastor Werner Dullinger ist neuer Vorsitzender der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Der Ausschuss der Freikirche wählte den Präsidenten des Süddeutschen Verbandes der Adventisten am 4. Dezember während seiner Jahressitzung in Altena/Westfalen. Stellvertretender Vorsitzender ist Pastor Johannes Naether (Hannover), Präsident des Norddeutschen Verbandes, der bisher den Vorsitz innehatte. Der Vorsitz wechselt in der Regel alle fünf Jahre.

Zum Süddeutschen Verband mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart gehören die drei regionalen Freikirchenleitungen Baden-Württemberg, Bayern und Mittelrhein (Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) mit insgesamt 15.618 erwachsen getauften Mitgliedern in 221 Kirchengemeinden. Der Norddeutsche Verband in Hannover besteht aus den vier regionalen Kirchenleitungen Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen, Hansa (Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern) sowie Berlin-Mitteldeutschland (Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und zählt 19.366 Mitglieder in 337 Adventgemeinden. Dullinger ist seit 2015 Präsident des Süddeutschen Verbandes. Naether leitet den Norddeutschen Verband seit 2012.

Krankenhäuser, Schulen und Medien
Die Freikirche in Deutschland betreut durch ihren Jugendverband rund 5.000 Pfadfinder, Teenager und Jugendliche. Sie ist in jedem Bundesland eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie unterhält die Berliner Krankenhäuser und Tageskliniken „Waldfriede“ und „Nikolassee“, die Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg, das Schulzentrum Marienhöhe in Darmstadt, sowie weitere Grund- und Realschulen sowie Kindergärten. Auch das Medienzentrum Stimme der Hoffnung, Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt, mit dem „Hope Channel“ TV- und Radiosender, der „Hope-Hörbücherei“ und dem „Hope Bibelstudien-Institut“ sowie der Advent-Verlag, Lüneburg, stehen unter adventistischer Leitung.

Weitere Sozialeinrichtungen
Das Advent-Wohlfahrtswerk (AWW) ist ein gemeinnütziger Verein und bildet mit einer Reihe von sozialen Einrichtungen und verschiedenen Tochter-Gesellschaften das Sozialwerk der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Zum AWW gehören unter anderem vier Kindertagesstätten und eine Heilpädagogische Tagesstätte, eine Schule, vier Altenpflegeheime, zwei Einrichtungen für „Betreutes Wohnen", zwei stationäre Hospize und ein ambulanter Hospizdienst, ein Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen, ein Tagestreff für Obdachlose und sozial Benachteiligte, die „Schutzhütte“ Schwedt mit verschiedenen Angeboten für Langzeitarbeitslose sowie eine Kontaktstelle für Suchtabhängige, eine Fachklinik für Abhängigkeitskranke, zwei Wohnheime für Suchtkranke, eine Suchtberatungs- und Behandlungsstelle, sowie mehrere Suppenküchen und psychosoziale Beratungsstellen. Durch ehrenamtliche Helferkreise, in verschiedenen Selbsthilfegruppen und in sozialen Projekten werden bedürftige Menschen unabhängig von ihrem religiösen, kulturellen oder sozialen Hintergrund betreut.

Der Deutsche Verein für Gesundheitspflege (DVG) verfügt über 34 Regionalgruppen, Vereine und Clubs, die sich für Gesundheitsförderung einsetzen. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland führt humanitäre Projekte in verschiedenen Ländern durch.

Zwischenkirchliche Beziehungen
Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland und in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) sowie Mitglied in der Deutschen Bibelgesellschaft (DBG).

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Albanien: Adventisten weihen Gottesdiensträumlichkeit in Tirana ein
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Silver Spring, Maryland/USA, 19.12.2017 / APD

Am 11. November haben die Siebenten-Tags-Adventisten in Triana, Hauptstadt von Albanien, die neuen Versammlungs- und Gottesdiensträumlichkeiten eingeweiht.

Nach dem Fall des Kommunismus in Albanien 1990 wurde 1992 die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten (Kisha Adventiste ne Shqiperi) gegründet. 25 Jahre später konnten im Zentrum von Tirana, im Erdgeschoss eines Hochhauses, grosse Räumlichkeiten gekauft, renoviert und für Gottesdienste und soziale Veranstaltungen eingerichtet werden. Der Kauf und die Renovation ist laut Adventist Review AR, nordamerikanische Kirchenzeitschrift, ermöglicht worden, dank der Grosszügigkeit und Solidarität der Adventisten aus der ganzen Welt. Weltweit spenden Adventisten vierteljährlich im Rahmen einer besonderen Kollekte im Gottesdienst für ausgesuchte und bereits teilfinanzierte Missionsprojekte. Der Einweihungsgottesdienst wurde von Leo Espana geleitet, Präsident der Adventisten in Albanien und gleichzeitig Pastor der Zentralkirche in Tirana.

„Ich bete darum, dass diese Kirche in der Nähe des neuen nationalen Sportstadions und des Universitätsviertels ein stark leuchtendes Licht für die Menschen im weltlichen Tirana wird“, sagte David Neal, Vertreter der teilkontinentalen Kirchenleitung der Adventisten in Nord- und Südosteuropa (Trans-European Division TED) an der Einweihungsfeier. Im Grossraum von Tirana leben knapp eine Million Menschen. Neal bemerkte, dass die Gottesdiensträumlichkeit von der Decke bis zum Boden Fenster mit Blick auf die Strasse hat, und fügte an: „Ich hoffe, dass sie immer frei von Jalousien und Vorhängen bleiben, damit Passanten eine Anbetungsgemeinschaft sehen können.“

Adventisten in Albanien
In Albanien, mit 2,9 Millionen Einwohnern, feiern 439 Siebenten-Tags-Adventisten jeweils samstags den Gottesdienst in fünf Kirchgemeinden. Sie unterhalten einen Dienst mit adventistischen Druckerzeugnissen.

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Kalifornien: Adventistische Klinik feiert 50 Jahre Organtransplantation
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Loma Linda, Kalifornien/USA,, 19.12.2017 / APD

Die Gesundheitseinrichtung der adventistischen Loma-Linda-Universität in Kalifornien/USA (Loma Linda University Health, LLUH) feierte im November das 50-jährige Jubiläum ihres Organtransplantationsprogramms. Wie LLUH News mitteilte, wurden in der Feierstunde das besondere Werk medizinischer Innovatoren und erfahrener Chirurgen sowie die Grosszügigkeit von Spendern und Spenderfamilien betont.

„Seit einem halben Jahrhundert ist Loma Linda ein wichtiger und ausschlaggebender Teil in diesem Bereich gewesen“, sagte der ehemalige amtierende US-Generalchirurg und Organspende-Botschafter, Kenneth Moritsugu, in seiner Ansprache als Gastredner. Er führte aus, dass das Herzstück das menschliche Element sei: eine Organspende, entweder von lebenden oder von verstorbenen Spendern und ihren Familien, sei das „grösste Geschenk, das ein Mensch jemandem anderen machen kann“.

Die Anfänge
Die erste Nierentransplantation im Medizinischen Zentrum der Loma-Linda-Universität führte der Chirurg Louis Smith am 23. April 1967 durch. 1977 kamen Hornhauttransplantationen hinzu und ab 1985 wurden Herztransplantationen durchgeführt; 1993 Pankreas/Nieren- und Lebertransplantationen; 1998 Knochenmarktransplantationen und 1999 Stammzelltransplantationen. Bis zum 30. Oktober 2017 zählte das Institut für Transplantationen insgesamt 2.962 Nierentransplantationen, 808 Herztransplantationen, 661 Lebertransplantationen und 227 Transplantationen von Bauchspeicheldrüsen-.

Transplantationen an Säuglingen
Den grössten Beitrag zur Transplantations-Wissenschaft leistete die adventistische Loma-Linda-Universität im Jahr 1984: Dr. Leonard Bailey setzte einem Neugeborenen namens „Baby Fae“ das Herz eines Pavians ein. Fae war der weltweit erste Säugling, der eine artenübergreifende Herztransplantation erhielt und damit medizinische Geschichte schrieb. Das Baby verstarb allerdings bald darauf, was jedoch nicht daran lag, dass ihr Körper das Herz abgestossen hätte, so LLUH News. 1985 konnte Bailey die weltweit erste erfolgreiche Herztransplantation von Säugling zu Säugling bei einem Jungen namens „Baby Moses“ durchführen.

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Mexiko: Auszeichnung für adventistische Universität
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Miami, Florida/USA, 19.12.2017 / APD

Anfang November erhielt die adventistische Montemorelos Universität in Montemorelos, Nuevo León/Mexiko, von der Französischen Nationalen Akademie der Medizin eine spezielle Silbermedaille für ihren Einsatz im Bereich der Gesundheitsprävention. Dies teilte die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Mittelamerika (Inter-American Division, IAD) mit.

„Diese Silbermedaille ist eine besondere Anerkennung der Institution für ihren Beitrag zur Förderung der Medizin und stellt einen weiteren Schritt in der Beziehung dar, die wir teilen“, so Dr. André Parodi, Ehrenpräsident der Französischen Nationalen Akademie der Medizin. Der Präsident der Montemorelos Universität, Dr. Ismael Castillo, nahm die Auszeichnung auf dem ersten Kongress der Institution zum Thema „Gesunder Lebensstil“ vom 2. bis 4. November in Empfang.

„Ich will gesund leben“
Parodi sagte, die Anerkennung sei „eine Erweiterung dessen, was vor Monaten unterzeichnet wurde", und bezog sich auf die Anfang des Jahres unterzeichnete Absichtserklärung in Bezug auf das Zusammenwirken von Gesundheitsprojekten und Gesundheitsveranstaltungen, die mit dem Netzwerk von Organisationen „Ich will gesund leben“ entwickelt wurden. Die Initiative „Ich will gesund leben“ besteht laut IAD aus einem Plan, der acht Heilmittel beziehungsweise gesunde Gewohnheiten fördert, darunter das Trinken von Wasser, der Verzehr von Obst und Gemüse, ausreichend Ruhe sowie die Förderung einer positiven Einstellung. „Es ist eine grosse Ehre für uns, mit unseren integrierten Gesundheitsprojekten voranzukommen", sagte Castillo bei der Verleihung der Medaille.

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Ökumene

"Ökumenische Konsultation christlicher Kirchen in Italien" gebildet
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Rom/Italien, 19.12.2017 / APD

In Italien hat sich am 5. Dezember erstmals ein interkonfessionelles Gremium gebildet, das vorerst den Namen "Ökumenische Konsultation christlicher Kirchen in Italien" (Consulta Ecumenica delle Chiese Cristiane presenti in Italia, CECCI) tragen soll, wie Kathpress, katholische Presseagentur in Österreich und der Religiöse Informationsdienst (Servizio Informazione Religiosa, SIR) berichtet haben. Das Gremium ist aus den Konsultationszusammenkünften entstanden zu denen sich einige christliche Kirchen zur Vorbereitung thematischer Konferenzen und der Feierlichkeiten anlässlich des 500. Jahrestags der protestantischen Reformation getroffen haben. Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Italien (Chiesa cristiana avventista del settimo giorno) hat an diesen Konsultationen teilgenommen.

Dem Gremium sollen alle christlichen Konfessionen in Italien angehören können. Laut dem Vorsitzenden der Ökumene- und Dialogkommission der Italienischen Bischofskonferenz, Cristiano Bettega, versteht sich das Gremium als „Willenszeichen, den in den vergangenen Jahren gemeinsam zurückgelegten Weg der Kirchen fortzusetzen". Die Ökumenische Konsultation stelle keine neue juristische Struktur dar, sondern wolle der gegenseitigen Information und Absprache dienen, um etwa bei aktuellen Ereignissen schneller und besser gemeinsam reagieren zu können. Die italienische Bischofskonferenz habe für diese Konsultationen als Gastgeber fungiert, indem sie jeweils Tagungsorte in Trient und Assisi zur Verfügung gestellt habe, sagte Pastor Davide Romano, Leiter der Abteilung für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten.

Bei einem Treffen am 12. Februar 2018 sollen Einzelheiten der Zusammenarbeit wie interne Regelungen und Modalitäten des Konsultationsgremiums sowie Orte und Häufigkeit der Treffen, beschlossen werden. Laut Don Bettega wolle man die Türen für alle offenhalten und habe den klaren Wunsch, „auch andere Kirchen auf diesem Weg mit einzubeziehen, die aus verschiedenen Gründen noch nicht Teil dieser Arbeitsgruppe waren".

An den Konsultationsgesprächen zur Vorbereitung der Reformationsfeierlichkeiten haben sich bisher folgende Konfessionen beteiligt: Die römisch-katholische Kirche, die armenisch-apostolische Kirche, die koptisch-orthodoxe Kirche, der Bund evangelischer Kirchen in Italien (mit seinen Mitgliedskirchen: Baptisten, Heilsarmee, Lutheraner, Methodisten und Waldenser), die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten sowie die Kirche von England.

Beim ersten Treffen der ökumenischen Konsultation am 5. Dezember fehlten laut SIR Vertreter der rumänisch-orthodoxen Diözese in Italien sowie der Diözesen des Ökumenischen Patriarchats in Italien und Malta. Diese wollen sich den Angaben zufolge aber an der Ökumenische Konsultation beteiligen.

Adventisten wollen in ökumenischen Gremien als Beobachter teilnehmen
In einer Stellungnahme sagte der adventistische Pastor Davide Romano, dass die Erfahrungen bei den Konsultationen hinsichtlich der Reformationsfeierlichkeiten positiv gewesen seien. „Sie haben in einem Geist der brüderlichen Aufmerksamkeit, des gegenseitigen Zuhörens und in äusserster Offenheit stattgefunden.“ Diese Konsultationen seien aber keine „ökumenisch strukturierte Organisation“ gewesen. Sollte sich das Konsultationsgremium zu einem „Ökumenischen Kirchenrat" formieren, möchten die Adventisten als Beobachter teilnehmen, so Romano.

Die Siebenten-Tags-Adventisten in Italien wollten die Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Kirchen wahrnehmen und den Austausch fördern, so Romano. Dies geschehe im gemeinsamen Bewusstsein, sich als Christen in der Öffentlichkeit, bei einigen gesellschaftlich relevanten Themen, mit einer Stimme Gehör zu verschaffen. Dies betreffe unter anderem die Verteidigung der Religionsfreiheit sowie die Solidarität gegenüber den Migranten.

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Religion + Staat

Eine freie Kirche in einer freien Gesellschaft
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Berlin/Deutschland, 19.12.2017 / APD

Um freikirchliche Perspektiven zum Verhältnis von Kirche und Staat ging es bei einer internationalen Tagung am 6. und 7. Dezember in Berlin. Die Veranstaltung wurde vom Berliner Institut für vergleichende Staat-Kirche-Forschung in Kooperation mit der Theologischen Hochschule Elstal des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden durchgeführt.

Dass Kirche und Staat getrennt sein sollen, hat eine lange Tradition, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Bereits die Täufer der Reformationszeit forderten Glaubensfreiheit und bildeten staatsunabhängige Untergrundkirchen. Auch in Polen und England erhoben Vertreter der „Radikalen Reformation“ als Konsequenz ihres Verständnisses der christlichen Lehre die Forderung nach uneingeschränkter Religionsfreiheit für alle Menschen und nach einer religiös neutralen Staatsordnung. Die Tagung spannte einen Bogen von den theologischen und historischen Ursprüngen des freikirchlichen Verständnisses der Trennung von Staat und Kirche bis hin zu Gegenwartsfragen im Kontext einer religiös pluralistischen, freiheitlichen Gesellschaft.

Wiederherstellung der Kirche nach neutestamentlichem Vorbild
Privatdozentin Dr. Astrid von Schlachta, Universität Regensburg und 1. Vorsitzende des Mennonitischen Geschichtsvereins, beleuchtete das Thema aus Sicht der Täufer des 16. Jahrhunderts. Sie stellte fest, dass es im 16. Jahrhundert weder eine freie Gesellschaft noch eine freie Kirche gab. Auch seien die Täufer keine homogene Gruppe gewesen. Durch die Bekenntnistaufe hätten sie sich von den bisherigen Reformatoren, aber auch von der alten Kirche abgegrenzt. Durch Verweigerung des Eides und des Kriegsdienstes wären sie aber auch im Gegensatz zur weltlichen Obrigkeit gestanden. Ihnen sei es um die Wiederherstellung der wahren Kirche nach neutestamentlichem Vorbild gegangen. Diese Kirche sollte unabhängig von staatlicher Beeinflussung sein. Das Verhältnis zum Staat sei in den einzelnen Täuferkreisen unterschiedlich gewesen. Die Palette der Möglichkeiten reichte von totaler Verweigerung von Steuer, Kriegsdienst und Eid über eine teilweise Akzeptanz der „Untertanenpflichten“ bis hin zur Annahme eines staatlichen Amtes.

Der Staat soll säkular sein
Dr. Sascha Salatowsky, Forschungsbibliothek Gotha, befasste sich mit den Polnischen Brüdern und den Sozinianern. Der Sozinianismus war eine rationalistische Strömung innerhalb der Theologie und Philosophie des 16. bis 18. Jahrhunderts und gehört zu den Impulsgebern der europäischen Aufklärung. Die Strömung ist nach dem italienischen Antitrinitarier Lelio Sozzini und seinem Neffen Fausto Sozzini benannt. Das Zentrum des Sozinianismus war die polnische Stadt Raków, wo sich die „Polnischen Brüder“ 1564 von der Reformierten Kirche in Polen abgespalten hatten. Wie schon die Täufer vor ihnen verurteilten auch sie den Krieg und lehnten den Kriegsdienst ab. Da sie von der Gleichheit aller Menschen überzeugt waren, wandten sie sich auch gegen die Feudalhierarchie. Ausgehend von der Überzeugung, dass die Bibel die alleinige Quelle der Lehre sei und als Wort Gottes nichts enthalten könne, was der Vernunft widerspricht, lehnten die Sozinianer die kirchliche Lehre von der Trinität, der Inkarnation und den Sakramenten ab. In der Kirche der Brüder habe es ständig Diskussionen über das Verhältnis von Kirche und Staat gegeben. Dort sei die Auffassung vertreten worden, dass der Staat säkular sein müsse, um allen Konfessionen ihre Freiheit zu bieten.

Gewissen als Naturrecht
Die englische Reformation war eine staatlich Massnahme, indem sich König Heinrich VIII. 1534 von Rom trennte und die Anglikanische Staatskirche mit ihm als Oberhaupt gründete, so Professor Dr. John Coffey, University of Leicester/Grossbritannien. Die Bischöfe wurden von den Monarchen ernannt und die Kirche war dem Staat rechenschaftspflichtig. Die Kirche von England habe daher nahezu die gesamte Bevölkerung umfasst. Gegen die Staatskirche protestierte als einer der ersten Thomas Helwys, der 1612 die erste Baptistengemeinde Englands in London gründete. Radikale, puritanische Dissenter (Abweichler) formulierten im 17. Jahrhundert den Satz „Die Freiheit des Gewissens ist ein Naturrecht“, sodass es nicht im Ermessen des Staates läge Duldung zu gewähren. Sie forderten „Glaubensfreiheit“ sowie die Trennung von Kirche und Staat. Doch dies sei die Auffassung einer Minderheit gewesen. Die „Uniformitätsakte“ von 1662 habe der gesamten Nation abermals mit den Anglikanern eine einzige, autorisierte Kirche aufgezwungen.

Betonung der Menschenwürde
Professor Dr. Gerhard Lindemann, Technische Universität Dresden, befasste sich mit dem Dissentertum und dem Liberalismus im England des 19. Jahrhunderts. Als Dissenter wurden die protestantischen „Nonkonformisten“ bezeichnet, die sich im Laufe der Kirchenreformen des 16. bis 18. Jahrhunderts von der Anglikanischen Kirche trennten und eigene Glaubensgemeinschaften bildeten. So entstand der Kongregationalismus, der von der Unabhängigkeit und Entscheidungsgewalt der einzelnen Kirchengemeinde ausgeht und forderte, dass der Staat so wenig wie möglich in die religiösen Belange der Bürger eingreifen solle. Die Quäker, die Religiöse Gesellschaft der Freunde, setzten sich für die Würde aller Menschen ein, sodass es in England zu einem Bündnis von Christen, Politikern, Schriftstellern und Journalisten kam und das Parlament schliesslich 1833 die Aufhebung der Sklaverei im britischen Kolonialreich beschloss. Es gab auch Kampagnen für die Trennung von Kirche und Staat, sodass ab 1828 die Nonkonformisten auch politische Ämter bekleiden durften und damit den Anglikanern rechtlich gleichgestellt wurden.1829 erfolgte für die Katholiken die Aufhebung aller rechtlichen Beschränkungen.

Unpolitische Freikirchen in Deutschland
Über die Freikirchen im Deutschland des 19. Jahrhunderts sprach Dr. Thomas Hahn-Bruckart, Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Freikirchen seien in dem konfessionell geprägten Deutschland geduldet worden, wenn sie nicht als staatgefährdend galten oder wenn sie sogar wirtschaftliche Vorteile brachten, wie etwa die Hugenotten. Im 19. Jahrhundert kamen neben der Herrnhuter Brüdergemeine und den Mennoniten weitere Freikirchen dazu. Hahn-Bruckart schilderte die Entstehung der Baptisten (erste Gemeinde 1834 in Hamburg), der Methodisten (seit 1831 in Württemberg) und der Freien evangelischen Gemeinde (1854 in Wuppertal-Elberfeld). Diese hätten durch die Staatskirchen Repressionen erlitten und versucht, sich an die staatlichen Gegebenheiten anzupassen, indem sie ihre Staatstreue betonten und sich unpolitisch verhielten.

Freikirchen loyal zum NS-Staat
Um Freikirchen im Nationalsozialismus ging es im Vortrag von Dr. Andreas Liese, Institut für Baptismusstudien der Theologischen Hochschule Elstal. Er hatte dabei die 1926 in Leipzig gegründete Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) im Blick zu der damals die Baptisten, Methodisten und die Freie evangelische Gemeinde gehörten. Auch in der Weimarer Republik seien die Freikirchen, trotz Religionsfreiheit, ausgegrenzt und als Sekte bezeichnet worden. Die VEF blieb zur damaligen Regierung auf Distanz. Sie beklagte unter anderem einen Verfall der Sitten und dass auch Gottlosen Rechte eingeräumt würden. Trotz gewisser Vorbehalte habe es dagegen positive Äusserungen zum NS-Staat gegeben, da ein Christ der Obrigkeit untertan sein solle. Gelobt worden seien das von der Regierung propagierte „positive Christentum“ und der Kampf gegen „Schund und Schmutz“. Die VEF zeigte sich dankbar für die neue Regierung, denn es habe die Gefahr bestanden, dass sonst die Kommunisten die Macht ergriffen hätten und mit ähnlichen Verhältnissen wie in der Sowjetunion, einschliesslich der Verfolgung von Christen, zu rechnen gewesen wäre. Die Freikirchen wären gegenüber dem NS-Staat loyal aufgetreten und wollten unpolitisch ein. Ihnen sei es allein um die Verkündigung des Evangeliums gegangen.

Untypisches Verhalten in der DDR
Dr. Imanuel Baumann, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, schilderte das Wirken des baptistischen Laienpredigers Helmut Samjeske in der Etablierungsphase der SED-Diktatur. Dieser sei bereits 1939 wegen seines konfrontativen Verhaltens zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wäre er vom Baptistenbund wegen seiner polemischen Verkündigung gerügt worden. Dennoch habe er im Oktober 1950 eine Evangelisationsreise in Mecklenburg mit 50 Vorträgen durchgeführt. Dabei habe er sich auch gegen die sozialistische Friedenspolitik und den Fortschrittsglauben ausgesprochen und betont: „Wir warten nicht auf Frieden, sondern auf unseren Heiland.“ Zu den einzelnen Veranstaltungen wären bis zu 300 Menschen gekommen. Daraufhin wurde er 1951 wegen „Hetze gegen die DDR“ verhaftet und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 28. Mai 1953 verstarb er in der Haft. Baumann betonte, dass das Verhalten von Samjeske untypisch für die Baptisten in der DDR gewesen sei.

Wächteramt der Kirche
Wie ein Christ als zivilgesellschaftlicher Akteur wirken kann, machte Professor Dr. Michael Haspel, Friedrich-Schiller-Universität Jena und Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen, am Beispiel des Bürgerrechtlers und baptistischen Pastors Martin Luther King deutlich. Die damalige Bürgerrechtsbewegung in den USA sei geprägt gewesen durch die Akzeptanz der politischen Demokratie, die Hoffnung auf den Rechtsstaat, Mitwirkung von Mitgliedern aus unterschiedlichen Kirchen und Religionen, die theologische und politische Begründung der Bürger- und Menschenrechte sowie die Rolle der Kirche als „Gewissen und Wächteramt“. Das bedeute, dass christliche Nächstenliebe sich auch für Gerechtigkeit in der Gesellschaft einsetzt. Der Glaube zeige sich im Handeln. Die individuelle und die soziale Erlösung könnten nicht voneinander getrennt werden.

Trennmauer zwischen Kirche und Staat in den USA
Professor Dr. Curtis Freeman, Duke University, Durham, North Carolina/USA, ging es um die Trennmauer zwischen Kirche und Staat in den USA. Der Amerika-Immigrant Roger Williams, ein Baptist, verliess England auf der Suche nach Glaubensfreiheit. Er entschied sich, in Providence (Rhode Island) eine Kolonie aufzubauen „als Zuflucht für Menschen mit Gewissenszweifel“. Durch königliche Urkunde von 1663 wurde allen dortigen Bewohnern die Glaubensfreiheit gesichert. Der 1791 verabschiedete 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verbietet dem Kongress, Gesetze zu verabschieden, welche die Redefreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit oder das Petitionsrecht einschränken. Ausserdem verbietet der Artikel die Einführung einer Staatsreligion und die Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Religionen durch Bundesgesetz. Das gilt auch für die einzelnen Bundesstaaten. Diese Trennmauer stosse laut Freemann heute bei konservativen Baptisten und anderen Evangelikalen in den USA auf Protest, wenn Oberste Gerichte beispielsweise Gebete, Bibellesungen und andere religiöse Aktivitäten in öffentlichen Schulen als Verstösse gegen die Entstaatlichungsklausel interpretierten. Die Kritiker würden dem Gericht dann oftmals vorwerfen, die freie Glaubensausübung zu unterdrücken.

„Hinkende Trennung“ zwischen Kirche und Staat in Deutschland
Der Jurist Dr. Harald Mueller, Leiter des Instituts für Religionsfreiheit, Theologische Hochschule der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg, befasste sich mit dem Thema „Staat, Kirchen und Freikirchen in der Bundesrepublik Deutschland“. Er stellte fest, dass in Deutschland das Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften bis heute von der 1919 durchgeführten „hinkenden Trennung“ zwischen Staat und Kirche geprägt sei.

Internationale Kirche und Staat
Dr. Peter Vogt, Evangelische Brüder-Unität Herrnhut, stellte mit der Herrnhuter Brüdergemeine das Modell einer internationalen Kirche vor. Die 1722 gegründete Freikirche ist heute mit 1,2 Millionen Mitgliedern und rund 1.600 Gemeinden in über 35 Ländern vertreten, hauptsächlich in Afrika und in der Karibik. Bei dieser grenzüberschreitenden Kirche gehe es nicht mehr um das Verhältnis Kirche und Staat in einem bestimmten Land. Die weltweite Verbundenheit mit den Mitgliedern in anderen Ländern bewirke, dass die Brüder-Unität nicht zu eng mit einem bestimmten Staat verbunden sein wolle.

Polen: eine liberale katholische Republik
Der Baptist Professor Dr. Dr. Tadeusz J. Zieliński, Christliche Theologische Akademie Warschau/Polen, stellte die These auf, dass man derzeit den polnischen Staat als eine liberale katholische Republik bezeichnen könne: katholisch im Hinblick auf die enge Beziehung zur römisch-katholischen Kirche, liberal, weil der Staat den Nichtkatholiken umfangreiche Freiheiten garantiere. Dennoch gebe es eine erhebliche Ungleichbehandlung zwischen den religionsverfassungsrechtlichen Normen und dem tatsächlichen Verhalten staatlicher Institutionen. Dadurch werde der Grundsatz der religiösen Neutralität des Staates tendenziell unterlaufen. Von den etwa 39 Millionen Polen gehörten etwa 34 Millionen der römisch-katholischen Kirche an. Insgesamt seien 160 Religionsgemeinschaften gesetzlich anerkannt oder registriert. Etwa 300.000 Personen gehörten keiner Religionsgemeinschaft an.

Freikirchlicher Zwischenruf
Zum Schluss der Tagung gab es noch einen „freikirchlichen Zwischenruf“ von Pastor Peter Jörgensen, Beauftragter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen am Sitz der Bundesregierung. Er stellte die Frage, in welcher Gesellschaft die Mitglieder der Freikirchen leben wollten: In einer offenen, pluralistischen Gesellschaft, welche die Religionsfreiheit garantiert oder in einer geschlossenen Gesellschaft, in der sich der Staat mit einer bestimmten Religion identifiziert? Beim letzteren Modell bestehe die Gefahr, dass Minderheiten ausgegrenzt würden. Doch Religionen seien nicht gedacht, um zu regieren, so Jörgensen. Dennoch sollten Religionsgemeinschaften nicht nur den einzelnen Mitgliedern guttun, sondern auch der Gesellschaft.

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Kolumbien: Adventistischer Theologe ermutigt zu „inklusiver Gesellschaft“
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Silver Spring, Maryland/USA, 19.12.2017 / APD

Der Direktor der Abteilung für Aussenbeziehungen und Religionsfreiheit (PARL) der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten, Dr. Ganoune Diop, ist im November mit Kolumbiens Innenminister Guillermo Rivera Flórez in der Hauptstadt Bogota zusammengetroffen. Diop erinnerte daran, dass Minderheiten auch eine wertvolle Rolle in der Gesellschaft spielen, berichtete PARL.

„Ein integrativer Dialog, der Stimmen aus allen Teilen der kolumbianischen Gesellschaft einbezieht, wird dazu beitragen, einen starken und dauerhaften Frieden zu fördern“, sagte Ganoune Diop bei dem Treffen, das am 9. November im Büro des Ministers in der Hauptstadt Bogota stattfand. Es könne keinen tiefen und dauerhaften Frieden geben ohne eine breite Beteiligung aller Bereiche der Gesellschaft, einschliesslich der Stimmen von religiösen Minderheitsgruppen, so Diop.

Laut PARL seien mehr als 80 Prozent der kolumbianischen Bevölkerung römisch-katholisch. Obwohl die Religions- und Glaubensfreiheit im Land verfassungsrechtlich geschützt ist, sei es für Angehörige von Minderheitskirchen in Kolumbien manchmal immer noch schwierig, ihre Stimme im breiteren öffentlichen Diskurs zu Gehör zu bringen.

Friedensabkommen nach Jahrzehnten der Gewalt
Seit den späten 1940er Jahren gab es in Kolumbien anhaltende Unruhen und Gewalt, da sowohl aufständische Gruppierungen als auch paramilitärische Organisationen gegen die Regierung gekämpft haben. Im vergangenen Jahr wurde ein wegweisendes Friedensabkommen zwischen der Regierung und Rebellengruppen geschlossen. Das Land stehe nun vor der beängstigenden Aufgabe, die Wunden der Vergangenheit zu heilen und gleichzeitig eine neue Gesellschaft nach den Konflikten aufzubauen, so PARL.

Konferenz der Sekretäre der Christlichen Weltgemeinschaften
Diop traf sich mit Innenminister Guillermo Rivera Flórez im Rahmen einer Delegation der Konferenz der Sekretäre der Christlichen Weltgemeinschaften (CS/CWC). Die CS/CWC ist eine informelle Zusammenkunft von Leitern verschiedener christlicher Gemeinschaften, die sich jedes Jahr an einem anderen Ort zu bilateralen und multilateralen Gesprächen treffen. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen sowie Anliegen, Informationen und Neuigkeiten über die jeweiligen Konfessionen auszutauschen. Diop ist seit 2014 Generalsekretär der CS/CWC. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist seit rund 50 Jahren bei den CS/CWC-Jahresversammlungen vertreten.

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Menschenrechte

Adventisten in Südamerika äussern sich zur Todesstrafe
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Silver Spring, Maryland/USA, 19.12.2017 / APD

An der Jahressitzung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Südamerika (South American Division, SAD) in Bahia/Brasilien haben die Delegierten Ende November eine Erklärung zur Todesstrafe verabschiedet. Darin steht, dass Adventisten überzeugt seien, dass Anliegen von Gewalt und Todesstrafe in der Kirche keinen Platz haben sollten. Die Kirchenmitglieder werden aufgefordert, sich nicht an Kampagnen zur Förderung der Todesstrafe zu beteiligen, da die Mission der Kirche nicht darin bestehe, „den Tod zu fördern, sondern Leben und Hoffnung zu verkünden".

Entstehungsgeschichte des Dokuments
Laut Adventist Review (AR), nordamerikanische Kirchenzeitschrift, hat das Ethik-Komitee des Biblischen Forschungsinstitut (Biblical Research Institute Ethics Committee, BRIEC) der adventistischen Weltkirchenleitung einen Meinungsbeitrag zur Todesstrafe abgegeben, weil es dazu von der teilkontinentalen Kirchenleitung in Südamerika (SAD) angefragt worden war. Es ist laut AR aufgrund einer spezifischen Situation in einigen Ortsgemeinden in Südamerika verfasst worden, wo das Thema unter den Mitgliedern für Unruhe gesorgt habe. Das Biblische Forschungsinstitut (BRI) ist ein Beratungsgremium der Weltkirche für theologische Fragen. Ekkehardt Müller, stellvertretender BRI-Direktor, der das Team der BRI Ethikkommission (BRIEC) leitete, hielt zum BRIEC-Meinungsbeitrag fest, dass dieser „keine umfassende Zugangsweise zur Frage der Todesstrafe" darstelle. Der BRIEC-Meinungsbeitrag wurde Ende November von der Kirchenleitung in Südamerika bearbeitet und als deren Erklärung zur Todesstrafe herausgegeben.

Hermeneutik – Interpretation und Verstehen von Texten
Das Dokument diskutiert biblische Texte und Passagen in deren Kontext, welche die Anwendung der Todesstrafe durch Regierungen zu unterstützen scheinen. Es kommt zu dem Schluss, dass Adventisten glauben, dass Anliegen von Gewalt und Todesstrafe in der Kirche keinen Platz haben. Die Stellungnahme der BRI-Ethik-Komitees beleuchtete nicht nur das Thema Todesstrafe, sondern auch die Frage, wie biblische Lehrstudien angegangen werden sollten, sagten laut AR einige der Theologen, die an der SAD-Jahressitzung teilgenommen haben.

Die Erklärung sei nicht nur wegen ihres Inhalts interessant, sondern auch wegen der hermeneutischen Prinzipien, die es explizit festhalte, schrieb Marcos Blanco, Chefredakteur des südamerikanischen Verlages, an Adventist Review: „Wir sollten niemals auf isolierte Texte reagieren, ohne dass ihr weiterer theologischer Zusammenhang in Betracht gezogen wurde.“

Die Bibel ignoriere das Leiden der von abscheulichen Verbrechen Betroffenen nicht, heisst es im Dokument. Es stelle sich aber die Frage, ob die Todesstrafe eine angemessene Antwort darstelle. Die Anwendung der Todesstrafe „ist oft mit Verfahrensschwierigkeiten behaftet“ und „unumkehrbar", was uns „sehr vorsichtig machen sollte".

Für Adventisten habe alles menschliche Leben einen immensen Wert; es sei von Heiligkeit geprägt, weil der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen worden sei, heisst es in der Erklärung. „Dementsprechend ist es das Bestreben, menschliches Leben zu erhalten und zu schützen."

Neues Testament und Todesstrafe
In der alttestamentlichen Theokratie werde die Todesstrafe in einer Vielzahl von Fällen erwähnt. Im Neuen Testament werde diese Gesetzgebung aber nicht auf die christliche Kirche angewendet. „Mit Seinem ersten Kommen beendete Jesus die jüdische Theokratie und etablierte seine Reichsethik", so das Dokument. Bei der inzestuösen Beziehung in der Gemeinde Korinth (1. Korintherbrief 5) sei nicht nach den alttestamentlichen Vorgaben gehandelt worden. Im Neuen Testament werde „die Todesstrafe nicht mehr vom Volk Gottes praktiziert“. Das Töten von Ketzern, wie es in der Vergangenheit von einigen christlichen Kirchen praktiziert worden sei, sei „nicht nur ungerechtfertigt, sondern aus biblischer Sicht absolut falsch und rechtswidrig".

Regierungen und Todesstrafe
Das Dokument erwähnt zwei Texte aus der Bibel (1 Mose 9:5,6; Römerbrief 13:4) die laut AR üblicherweise verwendet werden, um die Vollstreckung der Todesstrafe durch Regierungen zu unterstützen. Nach einer Analyse des Kontexts anerkennt das Dokument, dass „derzeit keine Einigung über die Auslegung dieser Texte in der breiten Christenheit oder in der Adventgemeinde besteht", und fügt hinzu: "Folglich gibt es auch keine Einigung über die Frage, ob Regierungen aus biblischer Sicht die Todesstrafe einführen dürfen oder sogar müssen".

Trotz der mangelnden Einigkeit über die spezifische Rolle der Regierungen bei der Anwendung der Todesstrafe heisst es in dem verabschiedeten Dokument, dass die Kirche keine aktive Rolle bei der Förderung der Todesstrafe übernehmen sollte. In Anbetracht der Tatsache, dass die Todesstrafe in der christlichen Kirche keinen Platz habe, sei es nicht richtig, dass die Kirche quasi als „Agentin“ für die Todesstrafe eintrete, auch wenn der Staat sie durchführen könnte", heisst es.

Im abschliessenden Abschnitt des Dokuments empfehlen die BRIEC-Mitglieder den Kirchenmitgliedern, sich nicht an Kampagnen zur Förderung der Todesstrafe zu beteiligen. „Die Mission der Kirche besteht nicht darin, den Tod zu fördern, sondern Leben und Hoffnung zu verkünden."

Die englische Originalversion des Dokuments: „Death Penalty: An Opinion“ (BRIEC)
www.apd.media/pdf/2017/170927%20Death%20Penalty%20%20An%20Opinion%20-%20Todesstrafe_Meinungsbeitrag.pdf

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Religionsfreiheit

Religionsfreiheit schützt nicht nur die Rechte der Frommen
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Luzern/Schweiz, 19.12.2017 / APD

Am 30. November und 1. Dezember 2017 fanden an der Universität die "Luzerner Adventsgespräche zur Verfassung" statt. Die Organisatoren wollten aktuelle Entwicklungen im Bereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art. 15 BV) sowie Lösungswege für im Alltag anstehende Konflikte im Rahmen einer pluralistischen, dem friedlichen Zusammenleben verpflichteten Rechtsgemeinschaft diskutieren. Die Themen wurden interdisziplinär, aus juristischer, theologischer, philosophischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive besprochen.

Prof. Dr. Julia Hänni hielt einleitend fest, dass Religion in der Schweiz insofern Privatdache sei, als sich der Staat nicht über deren Richtigkeit auslässt. Das Bundesgericht habe Schutz- und Eingriffsfunktion. Am Beispiel von vier Urteilen des Bundesgerichts gab sie einen Überblick über die Rechtsprechung bezüglich Glaubens- und Gewissensfreiheit in der Schweiz: Im Fall St. Margrethen wurde einer muslimischen Schülerin die Teilnahme am Schulunterricht mit einem Kopftuch geschützt. Ihre Haltung sei als Ausdruck der eigenen Religionsüberzeugung gewertet worden, welche die Glaubens- und Gewissensfreiheit Dritter nicht massiv einschränke.

Yoga-Übungen im Kindergarten stufte das Bundesgericht nicht als religiöse Praktik ein, sondern als motorische Übungen.

Das Singen von christlichen Liedern in der öffentlichen Schule, zum Beispiel in der Adventszeit, habe keinen zeugnishaften religiösen Charakter und sei deshalb zulässig.

Die Eröffnung eines muslimischen Kindergartens wäre zwar prinzipiell möglich und durch die Religionsfreiheit geschützt, da private Bildungsstätten religiöse oder konfessionelle Schwerpunkte setzen dürften. Entscheidend für die Bewilligung sei aber die Übereinstimmung mit den Werten der Volksschule, was offensichtlich nicht der Fall gewesen sei.

Die „Handschlag-Affäre“ von Therwil/BL
Dr. Anne Kühler besprach unter dem Titel „Religionsfreiheit als Herausforderung“ die „Handschlag-Affäre“ von Therwil, bei der zwei muslimische Schüler der Lehrerin bei der Begrüssung den Händedruck verweigert haben. Beim Handschlag zwischen Mann und Frau gelte es, auch muslimische Auffassungen in Betracht zu ziehen, so Kühler. Es gebe eine, die besage, dass wenn man sich bei der Begrüssung nicht die Hände gebe, da dies ein Ausdruck des Respekts sei. Man schütze damit die Geschlechtergrenze. Beim Handschlag würden sich verschiedene Interessen gegenüberstehen, so Kühler. Es gehe um die Gleichstellung von Mann und Frau und nicht um eine Ungleichbehandlung je nach Geschlecht. Im Weiteren gehe es um die Integration der ausländischen Wohnbevölkerung durch die Einführung in ein selbstverantwortliches Leben bzw. die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Schweiz. Dann gelte es auch den schulischen Bildungsauftrag zu erfüllen und den Schulfrieden nicht zu gefährden. In der anschliessenden Diskussion wurde erwähnt, dass solche Fälle am besten vor Ort und ohne grosse mediale oder politische Einflussnahme zum Wohl aller Beteiligten am besten gelöst werden könnten.

Erfahrungen im Einsatz für die Religionsfreiheit weltweit
Bei der Religionsfreiheit gehe es darum, so Heiner Bielefeldt, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, Religion gegen Freiheit und Freiheit gegen Religion zu schützen.

Verletzungen
Es gebe bezüglich Religionsfreiheit viele Verletzungen, die unterhalb des Wahrnehmungsradars der Öffentlichkeit liegen würden. Präsent sei nur die Spitze des riesigen Eisbergs von Verletzungen der Religionsfreiheit und damit die ABC-Gesetze: Apostasiegesetze, gegen den Abfall von der Religion, zum Beispiel im Sudan; Blasphemiegesetze, gegen Kritik an der Religion, als Beispiel in Pakistan und die Anti-Bekehrungsgesetze (Conversion) in Indien. In Russland seien die Jehovas Zeugen unter dem Titel „Extremismusbekämpfung“ im Namen eines säkularen Strafrechts verboten worden, so Bielefeldt.

Verbiegungen
Das Menschenrecht der Religionsfreiheit werde in gewissen Staaten als „Toleranz“ abgewertet, indem gewissen Religionsgruppen die Religionsfreiheit nicht in gleichem Mass gewährt werde, wie anderen, und sie nur in Nischen toleriert würden. Eine im Westen bekannte Form des Verbiegens der Religionsfreiheit sehe er in der Forderung des restriktiven Laizismus, der die Religion aus dem öffentlichen Leben in die Privatsphäre verbannen wolle: Freedom from religion.

Vorbehalte
Es gebe in einigen Staaten Vorbehalte gegenüber der Religionsfreiheit indem nur anerkannten Religionen die Religionsfreiheit gewährt werde. So müssten Christen in Vietnam dem Staat ein Jahresprogramm aller Aktivitäten in ihren Kirchen vorlegen und genehmigen lassen, sagte Bielefeldt.

Menschen, nicht Religionen sind geschützt
Wichtig sei, dass man verstehe, dass Religionsfreiheit ein Menschenrecht sei, das Menschen und nicht Religionen schütze. Es würden auch nicht nur die Rechte der „Frommen“ geschützt, denn die Formulierung dieses Menschenrechts laute: Freedom of thought, conscience, religion and belief: Gedanken-, Gewissens-, Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Das Menschenrecht der Religionsfreiheit sei auch für liberale Gesellschaften in westlichen Staaten unverzichtbar, so Bielefeldt. Sie schütze alle Menschen als überzeugungsbestimmte Lebewesen.

Weitere Themen und Referenten
Folgende Themen wurden von weiteren Fachleuten besprochen: Entwicklungen der Rechtsprechung auf europäischer Ebene, Prof. Dr. Sebastian Heselhaus; Der offene Religionsbegriff des säkularen Staates, Bundesrichter Dr. Peter Karlen; Öffentlich-rechtliche Anerkennung von Glaubensgemeinschaften, Prof. Dr. Regina Kiener; Die Anwendbarkeit des CEDAW-Übereinkommens bei diskriminierenden Religionspraktiken in der Ämterbesetzung, Prof. Dr. Denise Buser; Grundlagen und aktuelle Probleme der Religionsfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland, Prof. Dr. Peter Unru; Bund – Kanton – Gemeinde: Religionspolitik in der Schweiz seit 1990, Prof. Dr. phil. Antonius Liedhegener; Individuum contra Kollektiv, Prof. Dr. iur. can. et lic. theol. Adrian Loretan.

Gemäss Information von Prof. Dr. Adrian Loretan soll in rund einem Jahr ein Buch mit den Beiträgen aller Referenten und Referentinnen publiziert werden.

Organisatoren
Als Organisatoren der „Luzerner Adventsgespräche zur Verfassung“ fungierten drei Professoren der Universität Luzern: Prof. Dr. Julia Hänni, Assistenzprofessorin für Öffentliches Recht; Prof. Dr. Sebastian Heselhaus, Professor für Europarecht, Völkerrecht, Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung; Prof. Dr. Adrian Loretan, Professor für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht und Co-Direktor des Zentrums für Religionsverfassungsrecht.

Mehr Infos zur Tagung:
www.unilu.ch/fileadmin/fakultaeten/rf/haenni/Dok/Adventsgespraeche_Flyer_HD.pdf

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808.172 Unterschriften zum Schutz von Christen in Syrien und im Irak
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Burgdorf/Schweiz und Wien/Österreich, 19.12.2017 / APD

Eine Delegation des christlichen Hilfswerks Open Doors hat die Petition „Hoffnung für den Nahen Osten“ am 12. Dezember an UNO-Vertreter im Büro des Generalsekretärs der Vereinten Nationen in New York/USA übergeben. Die Petition mit 808.172 Unterschriften will Christen, die nach Syrien und in den Irak zurückkehren, unterstützen, schreibt Open Doors in einer Medienmitteilung. Die Petition fordert den Schutz aller religiösen Minderheiten seitens der Regierungen, sowie gleiche Bürgerrechte, lebenswürdige Umstände und Mitgestaltungsmöglichkeiten beim Wiederaufbau von Land und Gesellschaft.

Zielsetzung der Kampagne
Die Zielsetzung der Kampagne bestehe darin, die Christen und ihre Kirchen im Nahen Osten in einer Weise zu unterstützen, dass sie und die anderen religiösen Minderheiten in den Ursprungsländern des Christentums nicht ausgelöscht werden, schreibt die Hilfsorganisation. Das Christentum habe sich vor 2.000 Jahren vom Nahen Osten, der Wiege dieser Weltreligion, in alle Welt ausgebreitet.

Drei Massnahmen gefordert
Für die Gegenwart und die Zukunft soll laut der Kampagne sichergestellt werden, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen, - das Prinzip der Gleichheit und Unveräusserlichkeit der Rechte - den Schutz aller syrischen und irakischen Staatsbürger garantieren, unabhängig von Rasse, Religion oder Status.

Zweitens sollen menschenwürdige Lebensbedingungen durch die Bereitstellung von angemessenem Wohnraum, Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Bildung für alle Bürger gewährleistet werden, insbesondere für zurückkehrende Flüchtlinge und Binnenflüchtlinge.

Im Weiteren sollen verantwortliche Führungspersönlichkeiten und Organisationen identifiziert und ermutigt werden, in der Versöhnung und im Wiederaufbau der syrischen und irakischen Zivilgesellschaft eine zentrale und tragende Rolle zu spielen.

12-jähriger Iraker übergibt Petitionsurkunde
Als Botschafter der Christen in Syrien und dem Irak waren laut Open Doors der 12-Jährige Noeh und sein Vater Hathem aus Karamles, Nordirak, bei der Übergabe der Petition an das Büro des Untergeneralsekretärs der Vereinten Nationen dabei. Es sei dabei auch zu einem Treffen mit hochrangigen Vertretern aus Kirche und Politik, wie dem Leiter des Aussenamts im Entwicklungsprogramm der UN (UNDP), Michael O'Neill, gekommen.

Laut Philippe Fonjallaz, Geschäftsführer von Open Doors Schweiz und Österreich haben während den sieben Jahren Sammelzeit Menschen aus 143 Ländern die Petition unterschrieben. 65.000 Unterschriften kommen demnach direkt aus dem Irak, 27.376 aus der Schweiz.

Ausgrenzung der Christen auch durch die muslimische Mehrheitsgesellschaft
Schon vor der Machtergreifung durch den IS hätten Christen im Irak durch die muslimische Mehrheitsgesellschaft Beraubung, Enteignung, gesellschaftliche Ausgrenzung und Diskriminierung erlebt, auch im politischen und wirtschaftlichen Leben, so das Hilfswerk. So seien den Christen Arbeitsstellen verweigert und der Schulbesuch verunmöglicht worden. Zu staatlicher Unterstützung oder Sozialdiensten hätten sie als Christen keinen Zugang gehabt. Es sei auch zu Entführungen, Anschlägen und Morden gekommen. Die Christen wollten aber in ihrer Heimat bleiben, schreibt Open Doors. Der 12-Jährige Noeh besuche in seinem Heimatort wieder die Schule und helfe der Familie beim Aufbau des zerstörten Hauses.

Unterstützungsorganisationen in der Schweiz
Ideell wurde die Petition in der Schweiz von folgenden Organisationen unterstützt: Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund (SEK); Schweizerische Evangelische Allianz (SEA); Christian Solidarity International (CSI); Hilfe für Mensch und Kirche (HMK); Aktion für verfolgte Christen und Notleidende (AVC) und Licht im Osten.

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Recht auf Glaubenswechsel - „Nagelprobe der Religionsfreiheit“
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Berlin/Deutschland, 19.12.2017 / APD

Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit werde nach wie vor weltweit verletzt. Christen seien davon besonders betroffen. Darauf wiesen in Berlin die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber, und der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), hin. Beide Kirchen veröffentlichten nach 2013 zum zweiten Mal gemeinsam einen „Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit“.

Probleme mit der Religionsfreiheit auch in Europa
Der Bericht gibt einen Überblick zur globalen Lage des Menschenrechts auf Religionsfreiheit und zeigt, in welchem Mass und auf welche Weise die religiöse Freiheit von Christen in vielen Ländern und Regionen missachtet oder eingeschränkt werde. Laut dem Ökumenischen Bericht sei die Situation von Christen im Nahen Osten nach wie vor besonders bedrängend. Aufgrund langfristiger Trends und der Auswirkungen der Terrorherrschaft des sogenannten Islamischen Staates drohe in einigen Ländern ein Ende der christlichen Präsenz. Auch in Teilen Afrikas, etwa im Norden Nigerias, würden Christen Opfer islamistischer Gewalttäter. Daneben stünden autoritär regierte Länder, wie China, Vietnam und Nachfolgestaaten der Sowjetunion, welche religiöse Aktivitäten der staatlichen Herrschaft unterstellten und sie deshalb engmaschig überwachten und einschränkten. In den zurückliegenden Jahren habe darüber hinaus die Unterdrückung bestimmter Religionen zur Förderung eines traditionellen religiös-kulturellen Erbes an Bedeutung gewonnen. Der Bericht nennt Myanmar und Indien als Beispiele für diesen „kulturalistischen“ Trend. Der Ökumenische Bericht richtet die Aufmerksamkeit aber auch auf Europa, wo religiöse Zeichen und Bekenntnisse zunehmend aus dem öffentlichen Bereich, etwa aus Schulen, verbannt würden.

Das Recht, den Glauben zu wechseln: „Nagelprobe der Religionsfreiheit“
Schwerpunktthema des von den Kirchen vorgelegten Berichts ist das Recht, den Glauben zu wechseln und einen neuen Glauben anzunehmen. Nach den internationalen Menschenrechtskonventionen handele es sich dabei um einen integralen Bestandteil der Religionsfreiheit. Der Ökumenische Bericht spricht von einer „Nagelprobe der Religionsfreiheit“. Bischöfin Bosse-Huber hob die Bedeutung, die diesem Thema beizumessen sei, hervor: „In manchen islamisch/islamistisch geprägten Ländern ist jeglicher Glaubenswechsel verboten. Wenn also jemand vom Muslim zum Christ wird, dann kann dies lebensgefährlich werden.“ So könnten sich etwa im Iran Menschen nur im Verborgenen zur Kirche bekennen und seien dennoch in höchstem Masse gefährdet.

Autor des inhaltlichen Schwerpunkts im Bericht ist Dr. Heiner Bielefeldt, Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit. Er stellt fest, dass sich am Thema Konversion die Geister scheiden und schlussfolgert: „Nur wenn die Möglichkeit zum Glaubenswechsel rechtlich eröffnet ist, kann auch das Verbleiben innerhalb einer Religionsgemeinschaft als Ausdruck persönlicher Freiheit verstanden werden.“ Dazu gehöre, dass Menschen das Recht zugestanden werde, über ihre grundlegenden Überzeugungen nachzudenken, eventuell aufkommende Zweifel offen zu kommunizieren, sich mit anderen Überzeugungen aktiv auseinanderzusetzen und gegebenenfalls ihre Glaubensgemeinschaft zu verlassen und sich neu zu orientieren. Auch das Recht, andere Menschen zum Glaubenswechsel einzuladen, zähle zur Religionsfreiheit.

Ein Netzwerk von Information
„Durch unsere Partnerkirchen und -gemeinden sowie durch kirchliche Hilfswerke und unsere Missionswerke sind wir in vielen Ländern vor Ort vernetzt und dadurch gut informiert“, so Bischöfin Petra Bosse-Huber. Regelmässig gebe es durch Berichte der kirchlichen Dienste und Werke gute Einblicke in die konkrete Situation von Menschen in Not, die der Öffentlichkeit weitergeben würden. Ausserdem besuchten Vertreter der beiden grossen Kirchen in Deutschland die Partner, um sich ein eigenes Bild zu machen und auch durch die „stille Diplomatie“ des Gesprächs, etwa mit Regierungsvertretern, den Christen in Bedrängnis zu helfen.

Keine konkreten Zahlen über verfolgte Christen
Erzbischof Ludwig Schick betonte, dass dem Ökumenischen Bericht die Auswertung einer Vielzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen zugrunde läge. Auf quantitative Einordnungen sei aus methodischen Gründen weitgehend verzichtet worden. „Für genaue Angaben über die Zahl der weltweit verfolgten Christen ist ein weitaus komplexeres wissenschaftliches Instrumentarium notwendig, als es bislang vorgelegt wurde.“ Der Bericht lege den Schwerpunkt auf die Erforschung der Ursachen von Bedrängnis und Verfolgung von Christen.

Es gebe zwar ein vielfaches Interesse daran, die Verfolgungssituationen auch zahlenmässig einzuschätzen, wie es beispielsweise „Open Doors“ mit dem jährlichen „Weltverfolgungsindex“ tue. „Doch wir haben uns dagegen entschieden, vermeintlich konkrete Zahlen zu repräsentieren“, so Schick. Als Gründe nannte er: Je intensiver Verfolgungssituationen untersucht würden, desto deutlicher wären die Schwierigkeiten einer zahlenmässigen Erfassung. Quantitative Aussagen setzten ein weitaus komplexeres Instrumentarium voraus, als bislang von unterschiedlichen Organisationen oder Instituten vorgelegt werden konnte. Zudem seien Verfolgungssituationen häufig nicht nur beziehungsweise nicht eindeutig religiös begründet. Es gebe neben religiösen auch sich überlappende ethnische, wirtschaftliche, soziale und politische Spannungsfelder. Ausserdem solle der Eindruck vermieden werden, als seien individuelles Leid und persönliche Unrechtserfahrungen messbar, kategorisierbar und damit auch in Vergleich oder gar in Konkurrenz zu den Erfahrungen anderer zu setzen.

Gebetstage für verfolgte Christen
Die Veröffentlichung des Ökumenischen Berichts ist Teil der Bemühungen der beiden grossen Kirchen in Deutschland auf die Situation bedrängter Christen aufmerksam zu machen und die Betroffenen zu unterstützen. Zum jährlichen Gebetstag für bedrängte und verfolgte Christen laden die evangelische Kirche am zweiten Sonntag der Passionszeit (Reminiszere) am 25. Februar 2018 sowie die römisch-katholische Kirche am 26. Dezember 2017 (Stephanustag) ein.

Der „Ökumenische Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit“ ist unter
www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/oekumenischer_bericht_religionsfreiheit2017.pdf
als PDF-Datei abrufbar.

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Religionsfreiheit ein zentrales Menschenrecht - Zur Situation der Christen in Nigeria
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Berlin/Deutschland, 19.12.2017 / APD

Die römisch-katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat am 29. November in Berlin eine Arbeitshilfe zur Situation der Christen in Nigeria vorgestellt. Die Publikation ist Teil der DBK-Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“.

Alle Verfolgten im Blick haben
„Die Religionsfreiheit ist ein zentrales Menschenrecht“, betonte Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, bei einem Pressegespräch in Berlin. Dabei gelte es alle wegen ihres Glaubens Bedrängten und Verfolgten im Blick zu haben, nicht nur die Christen. Im Rahmen der seit 2003 durchgeführten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ stelle die DBK jedes Jahr ein Land oder Gebiet in den Vordergrund. Im vergangenen Jahr waren dies die Arabische Halbinsel, Syrien und der Irak. In diesem Jahr gehe es um Nigeria.

Nigeria: ein zerrissenes Land
Nigeria sei mit rund 200 Millionen Einwohnern und mehr als 400 verschiedenen ethnischen Gruppen das bevölkerungsreichste und kulturell vielfältigste Land des afrikanischen Kontinents, erläuterte Schick. Die Einwohner bekennen sich jeweils etwa zur Hälfte zum Christentum und zum Islam. Eine kleinere Bevölkerungsgruppe fühle sich weiterhin der traditionellen afrikanischen Religion verbunden. Während der Süden des Landes mit den dominierenden Völkern der Yoruba und Igbo mehrheitlich christlichen Konfessionen angehöre, sei im Norden des Landes, in dem die Ethnien der Hausa-Fulbe und Kanuri dominierten, der Islam vorherrschend. Regelmässig komme es in der Region zu Attentaten, Entführungen und brutaler Gewalt durch die islamistische Gruppe Boko Haram, deren Terror seit 2009 rund 20.000 Menschen zum Opfer gefallen seien. Zusätzlich konkurrierten muslimische Nomaden mit mehrheitlich christlichen Bauern um das knapper werdende fruchtbare Land. Immer wieder würden ganze Dörfer durch die Gewalt ausgelöscht.

Gemeinsam für den Frieden
„Natürlich spielt die religiöse Zugehörigkeit in den Auseinandersetzungen eine Rolle“, hob Erzbischof Schick hervor. Doch nicht selten diene die Religion auch dazu, bereits vorhandene Konflikte aufzuladen. Schick wies auf die Notwendigkeit hin, die ökonomische und politische Benachteiligung einzelner Gruppen zu beenden, die grassierende Korruption zu bekämpfen und eine funktionierende Verwaltung aufzubauen. Von Bedeutung seien zudem die Bemühungen um interreligiöse Verständigung. „Das gemeinsame Engagement der Kirche und der lokalen muslimischen Würdenträger für den Frieden hat das Verhältnis zwischen Gläubigen der beiden Religionsgemeinschaften in einigen Regionen entspannt.“

Benachteiligung von Christen im Norden Nigerias
Bischof Matthew Hassan Kukah aus dem nigerianischen Bistum Sokoto erläuterte die Situation vor Ort. Fast alle Grenzen der heutigen 19 Bundesstaaten im Norden Nigerias deckten sich mit denen des alten muslimischen Kalifats von Sokoto (1804 - 1903). 1903 eroberten Briten das Kalifat von Sokoto und setzten auch im Norden Nigerias mit Gewalt den Kolonialstaat durch. 1960 erlangte Nigeria die Unabhängigkeit von Grossbritannien, doch das Ende des Kalifats von Sokoto würde bis heute bei vielen Muslimen als Schande betrachtet. Viele Muslime im Norden Nigerias behandelten das Christentum deshalb als Anhängsel des Westens. Sie bevorzugten die Anhänger der eigenen Religion und betrachteten Nichtmuslime als minderwertig und zweitklassig. Christen bekämen kein Land zum Bau von Kirchen und religiösen Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Unter den Beschäftigten im mittleren und höheren Staatsdienst seien keine Christen zu finden. In keinem der zwölf nördlichen Bundesstaaten wären Christen in den Parlamenten vertreten. Daher gebe es niemanden, der sich um die Interessen der Christen kümmere. Sie würden auch nicht zum Militär und anderen staatlichen Sicherheitsdiensten zugelassen. Trotz dieser Schwierigkeiten seien Christen weiterhin in der Region aktiv.

Wenn ein Erzbischof und ein Emir gemeinsam handeln
Der Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks Missio in Aachen, Prälat Dr. Klaus Krämer, würdigte die interreligiösen Friedensaktivitäten in den vom islamistischen Terror besonders betroffenen Diözesen Maiduguri und Jos. Schon 2004 sei es in Yelwa zu blutigen Unruhen mit mehreren Hundert Toten gekommen. „Der Erzbischof von Jos, Ignatius Kaigama, griff in dieser Situation zum Telefon und bat den Emir von Wase, als die höchste muslimische Autorität in der Stadt Jos, mit ihm nach Yelwa zu fahren. Der willigte ein. Die beiden religiösen Führer wollten die Gewalt beenden – trotz grosser Gefahr für das eigene Leben“, berichtete Krämer. Gemeinsam seien sie vor mehrere Tausend Menschen, Christen wie Muslime, getreten. „Die Atmosphäre war aufgeheizt. Sie baten die Menschen eindringlich, das Morden zu stoppen. Sie ermahnten sie: Nicht der Islam und auch nicht das Christentum erlauben, im Namen Gottes zu töten.“ Die Menschen hätten tatsächlich auf sie gehört.

Die aktuelle Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz nenne Beispiele dafür, dass auch Jahre später in mittlerweile anderen Situationen der Bedrohung und Bedrängnis immer wieder Menschen in Nigeria bereit seien, sich für Dialog und Versöhnung einzusetzen. Das Internationale Katholische Missionswerk Missio unterstütze Projekte, die den Menschen vor Ort Hilfe böten. Der hungernde, sterbende, kranke, heimatlose, hoffnungslose Mensch stehe dabei im Mittelpunkt, unabhängig von religiöser Zugehörigkeit. Zugleich werde in den Projekten Versöhnungsarbeit betrieben. Es sollen Alternativen zur Gewalt aufgezeigt werden, damit Misstrauen überwunden und die interreligiöse Zusammenarbeit gestärkt werde.

Arbeitshilfe Nigeria
Die Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen“ wurde von den römisch-katholischen deutschen Bischöfen 2003 ins Leben gerufen, um für die Lage bedrohter Christen zu sensibilisieren. Jährlicher Höhepunkt der Initiative ist der Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen am 26. Dezember, dem Stephanustag, der in allen deutschen Diözesen begangen wird. Die Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Nigeria“ kann im Internet unter www.dbk-shop.de/de/deutsche-bischofskonferenz/arbeitshilfen/solidaritaet-verfolgten-bedraengten-christen-unserer-zeit-nigeria.html bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

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ADRA (Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe)

Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA-International (Adventist Development and Relief Agency) ist die weltweite Hilfsorganisation der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe. ADRA unterhält ein Netzwerk mit etwa 120 regionalen und nationalen ADRA-Büros. ADRA gewährt die Hilfe unabhängig von politischer sowie religiöser Anschauung oder ethnischer Herkunft.

ADRA Schweiz ist ein im Handelsregister eingetragener Verein und geniesst Steuerfreiheit. Das Hilfswerk wurde von der schweizerischen Fachstelle für Spenden sammelnde, gemeinnützige Institutionen (ZEWO) zertifiziert. Das ZEWO-Gütesiegel steht für den zweckbestimmten und transparenten Umgang mit Spenden. ADRA Schweiz zählt zu den Partner-Hilfswerken der Schweizer Glückskette: www.glueckskette.ch Adresse: ADRA Schweiz, Gubelstrasse 23, Postfach 5126, CH-8050 Zürich. Telefon +41 (0)44 515 03 10; Fax +41 (0)43 300 21 12; Email: info@adra.ch Web Site: www.adra.ch; Postcheckkonto: 80-26526-3

ADRA Deutschland e.V. ist als gemeinnützig und mildtätig anerkannt und hat den Sitz in Darmstadt. Das Hilfswerk besitzt das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI). Adresse: ADRA Deutschland, Robert-Bosch-Strasse 10, D-64331 Weiterstadt. Telefon +49 (0)6151 8115 0; Fax +49 (0)6151 8115 12. Email: info@adra.de Web Site: www.adra.de

ADRA Österreich wurde 1992 als unabhängige Hilfsorganisation registriert und trägt seit 2002 das Spendengütesiegel als Zeichen für den verantwortungsvollen Umgang mit Spendengeldern. Adresse: ADRA Österreich, Prager Strasse 287, A-1210 Wien, Telefon +43-(0)1-3196043; Fax: +43 (0)1 319 60 43-499; Email: office@adra.at Web Site: www.adra.at

ADRA Schweiz schickt 3.355 Weihnachtspakete nach Moldawien
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Zürich/Schweiz, 19.12.2017 / APD

Ende November sind 3.355 Weihnachtspakete der Adventistischen Entwicklung- und Katastrophenhilfe ADRA Schweiz per Eisenbahn für benachteiligte Kinder nach Moldawien verschickt worden. An der Weihnachtspaketaktion „Kinder helfen Kindern“ beteiligten sich rund 50 ADRA Ortsgruppen in der Schweiz.

Die Weihnachtsaktion „Kinder helfen Kindern“ werde schon viele Jahre durchgeführt, sagte Sibylle Schuppli, Kommunikationsverantwortliche bei ADRA Schweiz. Die Aktion spreche sich herum, sodass beim Hilfswerk Anrufe von Personen eingegangen seien, die sich auch beteiligen wollten. Die Pakete aus der Schweiz werden laut ADRA seit 2011 von der Partnerorganisation ADRA Moldawien an Kinder in Waisenheimen, verarmte Familien sowie an behinderte Kinder im Land verteilt. Wer ein Paket wolle, müsse sich über Sozialämter, Schulen, Vereine oder das Netzwerk von ADRA Moldawien beim Hilfswerk melden, das dann die Selektion vornehme.

Moldawien ist eines der ärmsten Länder Europas und liegt zwischen Rumänien und der Ukraine. 2017 sind rund 140 Pakete mehr als im Rahmen der letztjährigen Weihnachtsaktion aus der Schweiz nach Moldawien verschickt worden, so ADRA Schweiz.

Rund 50 ADRA Ortsgruppen in der ganzen Schweiz beteiligen sich laut dem Hilfswerk an der Aktion. So seien Standaktionen durchgeführt und in Schulen Werbung gemacht worden. Schulklassen sowie Kirchengemeinden stellten Geschenkpakete für benachteiligte Kinder in Moldawien zusammen.

Orthodoxe Christen feiern Weihnachten am 6. und 7. Januar. Eine bis zwei Personen werden bei der Verteilung der Pakete den Geschäftsleiter von ADRA Schweiz begleiten und später auf der Webseite sowie auf der Facebookseite von ADRA Schweiz darüber berichten: www.adra.ch | blog.sbbcargo.com/31772/wenn-der-schlitten-vom-samichlaus-nicht-mehr-reicht/

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Medien

Deutschland: Schüler lernen mit PC und Internet überwiegend zu Hause
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Stuttgart/Deutschland, 19.12.2017 / APD

Im Rahmen der JIM-Studie 2017 (Jugend, Information, Multi- Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest wurden Zwölf- bis 19-Jährige in Deutschland neben der generellen Mediennutzung auch zu ihrem Medienumgang im Hinblick auf Hausaufgaben, Lernen und Schule befragt.

Mädchen nehmen sich mehr Zeit für die Hausaufgaben
Insgesamt verbringen Schülerinnen und Schüler im Alter von zwölf bis 19 Jahren nach eigener Schätzung durchschnittlich 97 Minuten an einem Wochentag mit ihren Hausaufgaben mit und ohne Computer und Internet. Mädchen investieren mit 115 Minuten deutlich mehr Zeit als Jungen (80 Minuten). Knapp die Hälfte ihrer Lern- und Hausaufgabenzeit (45 Prozent oder 44 Minuten) arbeiten die zwölf- bis 19-jährigen Schülerinnen und Schüler jeden Tag zuhause am Computer oder im Internet für die Schule. Die digitale Hausaufgabenzeit steigt mit zunehmendem Alter der Jugendlichen von einer guten halben Stunde bei den Zwölf- bis 13-Jährigen auf eine gute Stunde bei den volljährigen Schülern an.

In der Schule Whiteboards und stationäre Computer
Wenn es dagegen um den Einsatz digitaler Medien in der Schule geht, so scheinen bislang nur das Whiteboard (31 Prozent) und der Computer (22 Prozent) nennenswert im Schulalltag mit einer Nutzung von mindestens mehrmals pro Woche angekommen zu sein. Smartphones (13 Prozent), Laptops (9 Prozent) oder Tablet-PCs (4 Prozent) spielen noch immer keine grosse Rolle. Auch die weitere Betrachtung der Nutzung zumindest einmal im Monat bestätigt dieses Bild: Nur jeder zehnte Schüler nutzt im Zeitraum von vier Wochen einen Tablet-PC in der Schule (11 Prozent), jeder Vierte ein Notebook (25 Prozent) und jeder Dritte ein Smartphone (31 Prozent). Nur Whiteboards (43 Prozent) und stationäre Computer (59 Prozent) kommen bei jedem zweiten Schüler monatlich zum Einsatz.

Jugendliche schwach bei Kalkulationsprogrammen
Neben der Häufigkeit der Nutzung verschiedener digitaler Medien an der Schule nimmt die JIM-Studie 2017 auch die Kompetenzen der Jugendlichen im Umgang mit Standardsoftware in den Blick. Die Jugendlichen wurden gebeten, sich selbst zu benoten, wie sie ihre Fähigkeiten in Bezug auf die Basisprogramme Word, Excel und PowerPoint oder Programme anderer Softwareanbieter mit vergleichbarer Funktionalität einschätzen. Besonders fit sehen sich Jugendliche bei Textverarbeitungsprogrammen wie Word. Hier gibt sich jeder Fünfte die Note 1, jeder Zweite bewertet sich mit einer 2. Ähnlich positiv ist die Bewertung bei PowerPoint: Im Umgang mit Präsentationsprogrammen geben sich fast zwei Drittel der Jugendlichen eine 1 oder 2. Deutlich schlechter schätzen Jugendliche ihre Fähigkeiten bei Kalkulationsprogrammen wie Excel ein. Hier geben sich nur sieben Prozent die Note 1 und ein Fünftel die Note 2.

JIM-Studie 2017
Die Studienreihe JIM wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest seit 1998 jährlich in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Für die Befragung wurden 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren im Frühsommer 2017 telefonisch befragt. Die JIM-Studie 2017 ist im Internet unter www.mpfs.de als PDF-Datei abrufbar.

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Schweden: Spatenstich für neues TV-Studio
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St. Albans/England, 19.12.2017 / APD

Nahe der schwedischen Stadt Malmö fand Anfang November der Spatenstich zur Erweiterung von LifeStyleTV statt. LifeStyleTV ist ein privater Fernsehsender, der sein adventistisches Programm seit 2006 rund um die Uhr per Satellit für ganz Skandinavien ausstrahlt, teilte die Kommunikationsabteilung der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Nord- und Südosteuropa (tedNews) mit.

Bis August 2018 soll das neue 950 Quadratmeter grosse TV-Studio fertiggestellt werden. Durch das neue Studio sei es möglich, eine grössere Vielfalt an TV-Programmen zu produzieren, so tedNEWS. Bisher sei 12 Jahre lang das Wohnzimmer eines Wohnhauses als Sitz des Studios von LifeStyleTV genutzt worden. 70 Prozent der geplanten Kosten von umgerechnet 840.000 Franken für das neue Studio seien bereits durch Spenden gedeckt, so Claus Nybo, Gründer und Direktor des Senders. Weitere Hilfen werden jedoch noch benötigt. „Wenn Gott uns ruft, dann mögen wir nicht alles haben, was wir benötigen, doch Gott wird dafür sorgen“, so die Überzeugung von Nybo.

Repräsentanten der skandinavischen überregionalen Kirchenleitungen, der teilkontinentalen Kirchenleitung der Siebtenten-Tags-Adventisten in Nord- und Südosteuropa (TED) sowie engagierte Ehrenamtliche nahmen an der Feierstunde des Spatenstichs teil. Pastor Victor Hulbert, Abteilungsleiter für Kommunikation und Medien der TED, dankte in seiner Ansprache für den bedeutenden Beitrag des Senders. „Die Technologie hat sich verändert, doch die Botschaft bleibt die gleiche“, sagte Hulbert.

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Brasilien: adventistische Filme ausgezeichnet
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Silver Spring, Maryland/USA, 19.12.2017 / APD

Am 15. November erhielten zwei Filmproduktionen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Südamerika auf dem 5. Internationalen Christlichen Filmfestival (FICC) in Rio de Janeiro/Brasilien Auszeichnungen in den Kategorien „Bester Film“, „Bester Film in mittlerer Länge“ und „Bester Film der Gattung Fiktion“. Dies teilte die nordamerikanische Kirchenzeitschrift Adventist Review (AR) mit.

„Die Rettung – Erlösung bis zum Äussersten“ („O Resgate – Salvação ao Extremo“)
Der Film „O Resgate – Salvação ao Extremo” („Die Rettung - Erlösung bis zum Äussersten“) gewann in der Kategorie „Bester Film in Mittel-Länge“ und bekam die Trophäe als „Bester Evangelistischer Film 2017“ unter 176 eingereichten Filmen. Seine Handlung wird durch die Geschichte von Adan (Maurício Pitanga) und seiner Verlobten Joana (Daniela Paschoal) bestimmt, die sich aus Abenteuerlust auf eine Bergbesteigung in Chile vorbereiten. Aufgrund eines unerwarteten Sturmes ereignet sich ein Unglück, welches das Leben des Paares und das von Adans älterem Bruder Miguel (Leonardo Goulart) dauerhaft verändert. Er freue sich sehr über die Auszeichnungen, sagte Leonardo Goulart: „Weil der Film direkt – wenn auch in einem metaphorischen Kontext – über das Leben Jesu spricht, meine ich, dass man nicht evangelistischer sein kann“. Der Film ist in der Originalsprache auf YouTube abrufbar unter:
www.youtube.com/watch?v=gXeVlGnBLp8

„Entscheidungen“ („Escolhas“)
Der zweite adventistische Film „Escolhas“ („Entscheidungen“) gewann in der Kategorie „Bester Film der Gattung Fiktion“. Die Geschichte thematisiert Situationen, wenn Menschen ihren Glauben verlieren aber aufgrund von Gebeten und Handlungen anteilnehmender Mitmenschen wieder neu zu glauben beginnen. Der Film versuche aufzuzeigen, dass es wichtig ist, mit den Menschen im Dialog zu bleiben, welche die Kirche verlassen haben, so AR.

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Personen

Neuer Pastor für die Adventgemeinde Lenzburg (Hunzenschwil)
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Zürich/Schweiz, 19.12.2017 / APD

Ben Bornowski (29) hat den zweijährigen Praxisteil der theologischen Ausbildung in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten als Pastoralassistent abgeschlossen. Er war in dieser Zeit in der Gemeinde Zürich-Affoltern (Zürich II) und Schaffhausen tätig. Ab dem 1. Januar 2018 begleitet er als Pastor die Adventgemeinde Lenzburg, die sich in Hunzenschwil versammelt, und beendet gleichzeitig seine Mitarbeit in Schaffhausen. Ab dem 1. August 2018 wird er zusätzlich auch die Leitung der Gemeinde Reinach/AG übernehmen und gleichzeitig die Mitarbeit in der Gemeinde Zürich-Affoltern beenden.

Ben Bornowski wird im Kanton Aargau mit dem Bezirkspastor Paul Wright zusammenarbeiten, der für die vier Adventgemeinden im Kanton Aargau zuständig ist: Aargau, 70 Mitglieder; Lenzburg (Hunzenschwil), 49 Mitglieder; Mellingen, 42 Mitglieder und Reinach, 56 Mitglieder.

„Ich verstehe mich als Mensch auf Augenhöhe. Im Miteinander möchte ich Lebensraum gestalten, nicht im Alleingang“, sagte Bornowski gegenüber APD. „Als Pastor bin ich kein Eventmanager oder Hausmeister – ich bin Teil der Familie Gottes und damit zusammen mit meinen Gemeindegliedern bemüht, Menschen den Glauben zu präsentieren, der mich trägt und mir Halt gibt.“ Eine christliche Gemeinde müsse für die Menschen in ihrer Umgebung relevant sein, sonst verliere sie ihre Daseinsberechtigung, so Bornowski. „Als Pastor möchte ich nahbar und erreichbar sein - ein Gegenüber im Gespräch, in der Seelsorge oder beim Sport.“

Werdegang
Der amerikanisch-deutsche Doppelbürger schloss eine dreijährige Ausbildung zum Kinderpfleger in Bayern/Deutschland und zum Heilerziehungspfleger in Köln/Deutschland ab. Anschliessend arbeitete Bornowski drei Jahre als Heilerziehungspfleger in einer Tagesstätte für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. Das vierjährige Theologiestudium absolvierte er am adventistischen Seminar Schloss Bogenhofen in Oberösterreich. 2015 bis 2017 war er Pastoralassistent in den Adventgemeinden Zürich II und Schaffhausen tätig.

Er spiele gerne Baseball und Squash, so Bornowski, zudem lese er gerne und geniesse das Musikhören. Er ist mit Katharina verheiratet. Seit 2016 sind sie Eltern eines Kindes.

Adventgemeinde Lenzburg (Hunzenschwil)
Die Adventisten versammeln sich in Hunzenschwil am Samstag zum Gottesdienst in den Räumlichkeiten der Evangelisch-methodistischen Kirche 3x3 Region Lenzburg. Er werde nebst den üblichen pastoralen Tätigkeiten in der Seelsorge und beim Predigen, auch individuellen Religions- oder Bibelunterricht erteilen, sagte Ben Bornowski. Im Weiteren werde er sich auch in der lokalen Jugendarbeit sowie in jener der Deutschschweiz bei Lagern und Events engagieren.
Webseite der Adventgemeinde Lenzburg (Hunzenschwil):
lenzburg.adventgemeinde.ch/

Ökumenische Kontakte
Die Adventisten sind Mitglied der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB) und haben den Gaststatus in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK-CH). In sechs kantonalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (BL/BS, GE, SH, TI, VD, ZH) sind sie Mitglieder oder haben den Gaststatus.

Adventisten in der Schweiz
Eine Vorläufergemeinde der protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten entsteht 1867 in Tramelan/Jura. 1883 wurden in Basel und Tramelan die ersten Gemeinden gegründet. Im Jahre 1901 wurden die Kirchengemeinden in der Schweiz entsprechend der Sprachzugehörigkeit in zwei „Vereinigungen" aufgeteilt: in die "Deutschschweizerische Vereinigung" mit Sitz in Zürich und in die „Fédération de la Suisse Romande et du Tessin" mit Sitz in Renens/VD. Beide Verwaltungsregionen bilden gemeinsam die nationale Kirchenleitung „Schweizer Union“.

Ende Dezember 2016 lebten 4.652 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz. Einige Hundert Kinder und Jugendliche sind in der Mitgliederzahl nicht enthalten, da die protestantische Freikirche keine Kinder tauft, sondern ihnen den Entscheid zum Kirchenbeitritt in einem Alter überlässt, wenn sie sich selbst entscheiden können. Die Adventisten feiern den Gottesdienst am biblischen Ruhetag, dem Samstag (Sabbat), in 54 Kirchgemeinden und fünf Gruppen. Weltweit sind mehr als 20 Millionen Personen durch die Glaubenstaufe Mitglieder der Kirche geworden.

Mehr Informationen über die Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz:
www.adventisten.ch/adventisten/

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Adventgemeinde Reigoldswil und Bezirk Basel mit neuem Pastor
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Zürich/Schweiz, 19.12.2017 / APD

Manuel Soutullo Campuzano (38) hat während vier Jahren als Pastoralassistent die vier Kirchgemeinden der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Kanton Aargau begleitet. Ab dem 1. Januar 2018 übernimmt er als Pastor die Verantwortung für die Adventgemeinde Reigoldswil/BL und arbeitet im Bezirk Basel mit.

Manuel Soutullo Campuzano wird im Kanton Basel-Landschaft und Basel-Stadt mit dem Bezirkspastor Wolfgang Lepke zusammenarbeiten. Gemeinsam betreuen sie die Adventgemeinde Basel, die Gruppe der Latinos sowie die Gruppe Le Qlt mit total 264 Mitgliedern. Der Aufgabenschwerpunkte für Manuel Soutullo sind die Adventgemeinde Reigoldswil, mit 76 Mitgliedern, sowie die Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk. Sein Vorgänger im Bezirk, Pastor Tim Selinger, hat per 1. Dezember die Bezirksleitung für die Adventgemeinden in der Innerschweiz übernommen: Baar, Brunnen und Luzern.

„Mein besonderes Anliegen besteht darin, den Menschen eine praktische Religion zu vermitteln und dass alle zu einem lebenswerten Leben finden können“, sagte Soutullo Campuzano gegenüber APD.

Werdegang
Der Spanier absolvierte ab 2001 ein vierjähriges Kunststudium an der Facultad de Bellas Artes, Universidad Politécnica Valencia, Spanien und arbeitete anschliessend als Illustrator und Grafiker. Von 2006 bis 2011 durchlief er den Diplomstudiengang Theologie an der Universidad Adventista del Plata, Argentinien. Ab 2011 arbeitete er in Zürich für zwei Jahre in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten als HisHands-Freiwilliger für die Latino-Gemeinde (Zürich III), in Oerlikon sowie für die angolanische Gruppe (Zürich IV). Von 2013 bis 2017 betreute er als Pastoralassistent während vier Jahren die Adventgemeinden im Kanton Aargau, zuerst in Aarau, Mellingen und Reinach, danach in Hunzenschwil.

Manuel Soutullo Campuzano liebt die Kunst und das Zeichnen. Das Ehepaar erwartet im Januar das zweite Kind.

Adventgemeinde Reigoldswil
Die adventistische Kirchgemeinde Reigoldswil hat 76 Mitglieder. Er werde nebst den üblichen pastoralen Tätigkeiten in der Seelsorge und beim Predigen, auch individuellen Religions- oder Bibelunterricht erteilen, sagte Manuel Soutullo Campuzano. Im Weiteren werde er sich auch in der Bezirksjugendarbeit sowie in jener der Deutschschweiz, bei Lagern und Events, engagieren.
Webseiten:
Adventgemeinde Basel: basel.adventgemeinde.ch
Gruppe Le Qlt: leqlt.adventgemeinde.ch/
Adventgemeinde Reigoldswil: reigoldswil.adventgemeinde.ch/

Mehr Informationen über die Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz:
www.adventisten.ch/adventisten/

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Neuer Pastoralassistent für die Adventgemeinden im Bezirk Bern
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Zürich/Schweiz, 19.12.2017 / APD

Nach vierjährigem Theologiestudium beginnt Hannes Fickenscher (24) am 1. Januar 2018 seine Tätigkeit in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Er wird als Pastoralassistent in den Adventgemeinden Bern, Burgdorf und Murten mitarbeiten.

Hannes Fickenscher wird im Kanton Bern mit dem Bezirkspastor und Mentor Christian Frei zusammenarbeiten. Gemeinsam werden sie die Adventgemeinde Bern mit einer Gruppe Latinos, total 248 Mitglieder, sowie die Adventgemeinden Burgdorf, 30 Mitglieder, und Murten (Altavilla), 30 Mitglieder, sowie eine Gruppe in Bärau/Emmental betreuen.

„Mein Ziel sehe ich darin, Menschen hin zur Bibel zu begleiten – keinem verstaubten historischen Werk mit einigen sinnvollen spirituellen Gedanken, sondern einem Buch, das auch heute noch zeigt, wie man ein verantwortliches, glückliches und von Nächstenliebe geprägtes Leben führen kann“, sagte Fickenscher gegenüber APD. „Wer die Bibel liest, darf dort einem Gott begegnen, der mehr Interesse an einem hat, als Verliebte füreinander, der sich mehr für einen einsetzt, als Eltern für ihre Kinder und der das Leben zum Positiven verändern will“, so Fickenscher.

Werdegang
Der Deutsche arbeitete nach der Matura im Jahr 2012 für neun Monate als Erzieher und Koordinator in einem bolivianischen Kinderheim, wo er auch seine Spanischkenntnisse vertiefen konnte. Anschliessend studierte er von 2013 bis 2017 am Seminar Schloss Bogenhofen, in Oberösterreich, Theologie.

Hannes liebt es zu lesen, Musik zu hören, zu joggen und Mountainbike zu fahren. Er ist verheiratet mit Hanna.

Adventgemeinden im Bezirk Bern
Er werde nebst den üblichen pastoralen Tätigkeiten in der Seelsorge und beim Predigen, auch individuellen Religions- oder Bibelunterricht erteilen, sagte Hannes Fickenscher. Im Weiteren werde er sich auch in der Bezirksjugendarbeit sowie in jener der Deutschschweiz, bei Lagern und Events, engagieren. Zudem sei im März 2018 in Kerzers/FR eine Schöpfungsexpo geplant.

Webseiten:
Adventgemeinde Bern: bern.adventgemeinde.ch/
Adventgemeinde Burgdorf: burgdorf.adventgemeinde.ch/
Adventgemeinde Murten (Altavilla): murten.adventgemeinde.ch/
Mehr Informationen über die Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz:
www.adventisten.ch/adventisten/

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Buchrezensionen

Timo Plutschinski, Der Auftrag: Wenn Christen Politik und Gesellschaft verändern
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Timo Plutschinski, Der Auftrag: Wenn Christen Politik und Gesellschaft verändern, Giessen: Brunnen Verlag, 2017, 208 Seiten, Paperback, 15 €, ISBN 978-3-7655-1500-2

Das 208 Seiten starke Buch gibt einen kurzen Einblick in das Spannungsfeld von Politik und Christentum. Der Autor, Jahrgang 1976, der mit seiner Frau und zwei Töchtern in Hamburg lebt, nähert sich als Theologe und Netzwerker der komplexen Thematik zunächst geschichtlich, dann theologisch um zum Schluss ganz praktisch in der Gegenwart anzukommen.

Aufbau und Gliederung
Das Buch hat sieben Kapitel, wobei die ersten zwei ganz allgemein „Politik in der Bibel“ und „das Erbe der Reformation“ beschreiben. Das dritte Kapitel beleuchtet speziell das „politische und gesellschaftliche Engagement in der Geschichte der evangelikalen Bewegung“. In Kapitel vier zeigt der Autor „theologische Barrieren“ auf, die seiner Meinung nach dazu geführt haben, dass sich evangelikale Christen bisher eher weniger in der Politik engagiert haben. Die letzten drei Kapitel wollen „gesellschaftspolitisches Engagement“ bei den Evangelikalen neu entdecken, „den Auftrag wahrnehmen“ und in vier konkreten Beispielen Politik praktisch werden lassen (diese Beispiele werden jeweils von anderen Autoren verantwortet). Das Buch endet mit einem „Ausblick“, einer Liste mit „Organisationen und Initiativen“ in diesem Bereich und einer „Bibliografie“.

Timo Plutschinski reisst im geschichtlichen Teil interessante Fragestellungen an: Betrieb Jesus aktiv Politik? (S. 31) und: Wie stand Paulus zur Sklavenfrage? Er sieht die Zwei-Reiche-Lehre Luthers als „sozialethische Lähmung“ (S. 45), kritisiert Calvins intoleranten Gottesstaat in Genf und streift Schwärmer und Täufer. Einige prominente Namen in der Geschichte der evangelikalen Bewegung werden aufgeführt, wie Francke und Bodelschwingh, die sich sozialpolitisch engagiert haben.

„Heilsindividualismus“ und eschatologische Selbstvergessenheit
Als theologische Barrieren für politisches Engagement macht Plutschinski das unklare Verständnis vom Reich Gottes aus, das sich zwischen Diesseitigkeit und Jenseitigkeit bewegt. Die Prädestinationslehre und die Auswirkungen gnostischer Theologie hemmen nach Meinung des Autors ein Mitwirken ebenso. Ganz selbstkritisch zeigt der Theologe im Allgemeinen auf, wie sich evangelikale Christen allzu oft in der Antithese zwischen Gottesliebe und Nächstenliebe, zwischen Glaube und Werk, zwischen Eschatologie und Ethik, Evangelisation und Diakonie sowie Bekehrung und sozialer Verantwortung aufgerieben haben (S. 115).

Der Autor beklagt „Heilsindividualismus, Abschottung und unfruchtbare Resignation“ von Christen gegenüber der „verlorenen Welt“ (S. 125) und plädiert für eine christliche Sozialethik, die sich weder in einer Diffamierung der modernen Gesellschaft noch in einer unkritischen Annahme des Gegebenen zeigt. Vielmehr zitiert er als dritten Weg W. Bragg mit dem Konzept der Transformation: „Transformation ist Teil von Gottes ständigen Bemühungen in der Vergangenheit, die ganze Schöpfung zurückzubringen – zu sich und zu ihrer rechtmässigen Bestimmung. Ausserdem ist Transformation die Hilfe gegen persönliche und strukturelle Sünde.“ (S. 126).

Christliche Sozialromantik?
Für Plutschinski ist klar: „Christen müssen sich aktiv in die politische Arbeit einbringen.“ (S. 130). Das beinhalte schon der Schöpfungsauftrag, der zu einer Weltgestaltung und nicht zu einer Erduldung aufruft. Politik beginne mit der Überlegung, den Alltag der Menschen vor Ort menschlicher und somit schöpfungsähnlicher gestalten zu wollen. Diese Einmischung ins Gegebene sieht der Autor als Willensakt, der Kompromisse, Zusammenarbeit und Widerstand beinhalte. „Politisches Engagement ist Arbeit“ – daran lässt er keinen Zweifel.

Doch ist Plutschinski kein hoffnungsloser Romantiker, der Ideal und Realität vermischt. Er sagt klar: „Die Botschaft der Bibel darf nicht dazu missbraucht werden, idealistische Vorstellungen von einer heilen Welt zu wecken.“ (S. 125). „Ein Idealzustand ist angesichts des ‚Gefallenseins der Welt‘ vonseiten der Politik nicht zu erreichen. Doch gerade da ist eine ‚Ethik der Gnade‘ vonnöten, sodass jeder Beteiligte in dem Bewusstsein ans Werk geht, in einem sündigen System als sündiger Mensch noch das Bestmögliche und Gottgefälligste zu tun.“ (S. 135).

Lesetipp
Das Buch „Der Auftrag“ bietet einen guten Einstieg in die Thematik. Leicht zu lesen ist es auch für den interessierten Laien geeignet, der sich selbstkritisch informieren möchte. Der geschichtliche Teil ist dabei etwas knapp und eklektizistisch. Die dargestellten Glaubensüberzeugungen, die eine gewisse Weltferne begünstigen würden, regen zu weiteren theologischen Diskussionen an. Die vier aktuellen Beispiele von engagierten Christen machen Mut für die Zukunft. Dabei bleibt für den Leser neben aller neugewonnenen Information die Frage offen: Wo stehe ich zwischen den Spannungspolen Eschatologie und Ethik, Evangelisation und Diakonie, zwischen Bekehrung und persönlicher sozialer Verantwortung?
Claudia Mohr

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Wir bedanken uns für die freundliche Zusammenarbeit
und wünschen Ihnen ein glückliches Neues Jahr 2018

Die Redaktion der Nachrichtenagentur APD Schweiz

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Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ging aus der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts hervor. Gegenwärtig (6/2017) zählt sie über 20 Millionen erwachsene Mitglieder in 215 Staaten und Territorien der Erde. In der Schweiz sind 4.652 Mitglieder in 54 Gemeinden und drei Gruppen organisiert. Die einzige Glaubensgrundlage der Adventisten ist die Bibel.