Stimmen aus der Ökumene zum Tod von Johannes Paul II.

Ökumene

Österreich: Evangelischer Bischof zum Tod von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Wien/Österreich, 02.04.2005 / epd-ö

Als einen „großen Brückenbauer“ und ein „herausragendes Beispiel für die Nachfolge Jesu Christi“ hat der evangelisch-lutherische Bischof Mag. Herwig Sturm den verstorbenen Papst Johannes Paul II. gewürdigt.

Die am 2. April veröffentlichte Stellungnahme hat folgenden Wortlaut:

"Zum Tod von Papst Johannes Paul II. drücke ich den katholischen Mitchristen die tiefe Anteilnahme der Evangelischen Kirche in Österreich aus.

Papst Johannes Paul II. war eine faszinierende Persönlichkeit und ein herausragendes Beispiel für die Nachfolge Jesu Christi mit allen Kräften des Verstandes, der Seele und mit letztem körperlichen Einsatz. Wir gedenken seiner mit hohem Respekt, mit Dank an Gott für diesen bedeutsamen Menschen und im Glauben an die Überwindung des Todes in der Auferstehung Jesu Christi.

Mit seinem Leben und Wirken war er der weltweit bekannteste Christ.
Sein Eintreten für den Schutz jedes Lebens und gegen den Krieg im Irak war ein Zeugnis, durch das sich auch nichtkatholische Christen vertreten wissen.

Die Bedeutung Papst Johannes Paul II. für die Beseitigung des Eisernen Vorhanges und die Einigung Europas wird in die Geschichte eingehen. Sein Bekenntnis der Schuld und die Bitte um Vergebung für Irrtümer und Versäumnisse der katholischen Kirche, vor allem gegenüber den Juden, war ein großer Schritt zur Versöhnung. Das interreligiöse Gebet in Assisi und die Gesprächsbereitschaft im ökumenischen und interreligiösen Dialog hat Barrieren überwunden und Räume der Begegnung geöffnet.

Persönlich erinnere ich mich noch gut an den Gottesdienst, den der Papst im Kreise von Vertretern der Ökumene in der evangelischen Christuskirche in Salzburg 1988 gefeiert hat, und an die persönliche Begegnung anlässlich des dritten Papstbesuches in Österreich im Salzburger Dom 1998. Für die Beziehung zwischen Lutheranern und Katholiken wird die Unterschrift unter die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die in der Amtszeit dieses Papstes am Reformationstag 1999 in festlichem Rahmen geleistet wurde, unvergesslich und wegweisend bleiben.

Papst Johannes Paul II. hat die Bitte Jesu, dass alle eins seien, immer wieder angesprochen und eine ehrliche Sehnsucht nach Einheit unter allen Christen vermittelt. Die Umsetzung in konkrete Schritte hat er nicht vollzogen.

Dieser Papst war mit seinem Leben und Wirken ein großer Brückenbauer. Nach seinen eigenen Worten war er durch sein Amt zugleich das größte Hindernis für die Einheit der Christen.
Als evangelische Christen sehen wir den Willen Christi mehr in der konziliaren Gemeinschaft der Kirchen als in der hierarchischen Gestalt einer Kirche verwirklicht. Für die ganze Christenheit war Johannes Paul II. aber ein unbeirrbarer, herausfordernder und zugleich weitherziger und liebenswerter Papst.“

Bischof Mag. Herwig Sturm

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Lutherischer Weltbund LWB würdigt den Papst als einen "wahrhaft aussergewöhnlichen Menschen" uparrowprint druckenemail versenden

Genf/Schweiz, 02.04.2005 / LWI

Der Tod von Papst Johannes Paul II. am Abend des 2. April markiere nicht nur das Ende des Lebens "eines wahrhaft aussergewöhnlichen Menschen", sondern auch eines höchst bedeutsamen Pontifikats der römisch-katholischen Kirche, das mit einer entscheidenden Phase der Menschheitsgeschichte zusammengefallen sei, so der Lutherische Weltbund (LWB) in einer Erklärung, die unmittelbar nach dem Tod des 84-jaehrigen Papstes veröffentlicht wurde.

Die römisch-katholische Kirche habe während des Pontifikats von Papst Johannes Paul II. "wesentlich zu bedeutenden ökumenischen Prozessen beigetragen", insbesondere zu dem Netz bilateraler Dialoge zu Lehrfragen, für das sie sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil konsequent engagiert habe, betonte der Generalsekretär des LWB, Pfr. Dr. Ishmael Noko, in seiner Erklärung.

Die bilateralen Beziehungen zwischen dem Lutherischen Weltbund und der römisch-katholischen Kirche hätten während des Pontifikats von Johannes Paul II. "eine fruchtbare Entwicklung genommen", erklärte Noko. Dies gelte insbesondere für die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre". Mit deren Unterzeichnung am 31. Oktober 1999 in Augsburg (Deutschland) durch beide weltweite Gemeinschaften sei ein Meilenstein in dieser Beziehung erreicht worden. Die Gemeinsame Erklärung, so Noko, "stellt einen bedeutenden ökumenischen Durchbruch dar, der über die bilateralen Beziehungen der direkt beteiligten unterzeichnenden Parteien hinausgeht".

Noko würdigte weiterhin die besondere Ausrichtung des Papstes auf persönliche Beziehungen, seine tiefe Spiritualitaet, die ihn in der Ausübung seiner grossen Verantwortung geprägt habe, sowie seine unermüdliche Suche nach den angemessensten Möglichkeiten für den römischen Pontifex, der Einheit der Kirche zu dienen. Der LWB-Generalsekretär hob die Enzyklika "Ut Unum Sint" hervor, in der der Papst BischöfInnen unterschiedlicher christlicher Traditionen weltweit eingeladen habe, sich an der Diskussion darüber zu beteiligen, wie das Papstamt den Dienst an der Einheit der ChristInnen am besten ausüben koenne.

Während für viele Kirchen die Institution des Papsttums an sich ausserhalb der Möglichkeiten liege, die sie für sich selbst übernehmen könnten, würden gleichzeitig jedoch viele ChristInnen anerkennen, dass Papst Johannes Paul II. einen wahrhaft beispielhaften pastoralen Dienst der Einheit gelebt habe, so Noko.

Auf seinen Reisen in viele Länder der Welt habe der Papst öffentlich die Messe an Altären gefeiert, die oft inmitten eines komplexen gesellschaftlichen und politischen Umfelds errichtet worden seien. Die "eucharistische Botschaft der Versöhnung in Christus" sei hierdurch in eindringlicher Weise greifbar geworden, obwohl nur römisch-katholische Gläubige zum Empfang der Eucharistie eingeladen gewesen seien. Noko unterstrich, dass die ökumenischen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der eucharistischen Gemeinschaft auch weiterhin ein dringliches Anliegen in der Suche nach der Einheit der ChristInnen bleibe.

Papst Johannes Paul II. habe das Friedenspotenzial, das ein Handeln aus dem Glauben berge, erkannt, so LWB-Generalsekreäer Noko. Dem Papst sei es in einzigartiger Weise gelungen, verschiedene ReligionsführerInnen in gemeinsamer Reflexion und vom Gebet geprägtem Engagement für den Frieden zusammenzuführen.

Der LWB-Generalsekretär zeigte sich überzeugt, dass Papst Johannes Paul II. aufgrund seines intensiven und aktiven Engagements für soziale Gerechtigkeit sowie seines Einsatzes "für die freie und allgemeine Ausübung religiösen Glaubens als fundamentales Menschenrecht" in Erinnerung bleiben werde. Sein Pontifikat "war gepraegt von der unermuedlichen Suche nach Möglichkeiten, wie die römisch-katholische Kirche in den verschiedenen Weltregionen dazu beitragen könnte, das aus politischer und wirtschaftlicher Unterdrückung, Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe oder der sozialen Schicht sowie aus Armut, Hunger und Krankheit erwachsende Leid zu lindern".

"Möge der Heilige Geist das Vermächtnis von Papst Johannes Paul II. dem göttlichen Plan entsprechend wirksam machen", betonte Noko zum Abschluss seiner Erklärung.

Der am 18. Mai 1920 in Wadowice, einer Kleinstadt in der Nähe von Krakau (Polen), geborene Karol Józef Wojtyła wurde am 16. Oktober 1978 im Alter von 58 Jahren zum Papst gewählt. Wojtyła empfing 1946 die Priesterweihe, 1958 wurde er zum Weihbischof von Krakau ernannt. 1964 erhob ihn Papst Paul VI. zum Erzbischof von Krakau und drei Jahre später erfolgte die Ernennung zum Kardinal. Als Oberhaupt der weltweiten römisch-katholischen Kirche stand Papst Johannes Paul II. mehr als einer Milliarde KatholikInnen vor.

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Hier der der vollständigen Wortlaut der Erklärung von LWB-Generalsekretär Pfr. Dr. Ishmael Noko zum Tod von Papst Johannes Paul II.:

Erklärung des Generalsekretärs des Lutherischen Weltbundes, Pfr. Dr. Ishmael Noko, anlässlich des Todes von Papst Johannes Paul II.

Mit dem Tod von Papst Johannes Paul II. geht nicht nur das Leben eines wahrhaft aussergewöhnlichen Menschen zu Ende, sondern auch ein höchst bedeutsames Pontifikat der römisch-katholischen Kirche, das mit einer entscheidenden Phase der Menschheitsgeschichte zusammenfiel.

Johannes Paul II. wurde zu einer Zeit zum Papst gewählt, als noch niemand die Stabilität der kommunistischen Systeme Osteuropas in Zweifel zog. Mit seiner Rolle bei den Veränderungen, die schliesslich zum Fall des Eisernen Vorhangs und zur Öffnung der Grenzen in Europa führten, leistete er einen bedeutenden Beitrag zur Geschichte dieser Region und der Welt.

Aufgrund der konservativen Haltung von Johannes Paul II. wurde das Engagement dieses Papstes für die ökumenische Bewegung bisweilen hinterfragt. Es muss jedoch anerkannt werden, dass die römisch-katholische Kirche während seines Pontifikats wesentlich zu bedeutenden ökumenischen Prozessen beigetragen hat, insbesondere zu dem Netz bilateraler Dialoge zu Lehrfragen, für das sich die römisch-katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil konsequent engagiert hat.

Papst Johannes Paul II. wird in Erinnerung bleiben um seiner besonderen Ausrichtung auf persönliche Beziehungen und seiner tiefen Spiritualität willen, die ihn in der Ausübung seiner ungeheuren Verantwortung prägte. Aus der unermüdlichen Suche von Johannes Paul II. nach den angemessensten Möglichkeiten für den römischen Pontifex, der Einheit der Kirche zu dienen, erwuchs seine Enzyklika "Ut Unum Sint", in der er die BischöfInnen unterschiedlicher christlicher Traditionen weltweit einlud, sich an der Diskussion darüber zu beteiligen, wie das Papstamt den Dienst an der Einheit der ChristInnen am besten ausüben könnte. Zwar liegt für viele Kirchen die Institution des Papsttums an sich ausserhalb der Möglichkeiten, die sie für sich selbst üebernehmen könnten, viele ChristInnen würden jedoch gleichzeitig anerkennen, dass Johannes Paul II. einen wahrhaft beispielhaften pastoralen Dienst der Einheit lebte.

Für den Lutherischen Weltbund, der seit 1967 einen internationalen theologischen Dialog mit der römisch-katholischen Kirche führt, haben die bilateralen Beziehungen zwischen beiden weltweiten Gemeinschaften im Verlauf des Pontifikats von Johannes Paul II. eine fruchtbare Entwicklung genommen. Mit der Formulierung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" und den Feierlichkeiten zu ihrer Unterzeichnung am 31. Oktober 1999 in Augsburg (Deutschland) wurde ein Meilenstein in dieser Beziehung erreicht. Die Gemeinsame Erklärung bringt eine Übereinstimmung in Grundwahrheiten im Blick auf die biblische Lehre von der Rechtfertigung zum Ausdruck, bei der es sich um einen der zentralen Streitpunkte der Reformationszeit handelte. Sie stellt einen bedeutenden ökumenischen Durchbruch dar, der über die bilateralen Beziehungen der direkt beteiligten unterzeichnenden Parteien hinausgeht.

In der gegenwärtigen Phase der ökumenischen Bewegung fällt es nicht leicht, sich vorzustellen, wie weitere grundlegende Fortschritte weltweit erzielt und wie zwischen der römisch-katholischen Kirche und anderen Kirchen Formen der Gemeinschaft verwirklicht werden können. In diesem Bereich werden in Zukunft neue Initiativen von Seiten der römisch-katholischen Kirche erforderlich sein.

Vom Beginn seines Pontifikats an engagierte sich Johannes Paul II. intensiv für soziale Gerechtigkeit und setzte sich aktiv für die freie und allgemeine Ausübung religiösen Glaubens als fundamentales Menschenrecht ein. Angesichts der immer deutlicher zu Tage tretenden enormen sozialen Herausforderungen, die aus der Globalisierung erwachsen, warnte Johannes Paul II. die Welt berechtigterweise vor den gefährlichen Folgen liberaler Marktkräfte.

Das Pontifikat von Johannes Paul II. war geprägt von der unermüdlichen Suche nach Möeglichkeiten, wie die römisch-katholische Kirche in den verschiedenen Weltregionen dazu beitragen könnte, das aus politischer und wirtschaftlicher Unterdrückung, Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe oder der sozialen Schicht sowie aus Armut, Hunger und Krankheit erwachsende Leid zu lindern. Er scheute sich nie, schwierige und risikoreiche Herausforderungen anzunehmen, oft entgegen den Empfehlungen seiner Berater. Bis in die letzten Tage seines Lebens hinein engagierte er sich persönlich bei der Lösung von Konflikten, insbesondere dort, wo religiöse Motive eine Rolle spielten. Der Papst brachte seine grosse Besorgnis über die aktuellen Spannungen weltweit zum Ausdruck, die manche Stimmen als Konflikt zwischen der muslimisch-arabischen Welt und dem christlichen Westen darstellen.

Johannes Paul II. erkannte das Friedenspotenzial, das ein Handeln aus dem Glauben birgt, und so es gelang ihm, in einer Form wie niemand sonst bisher, verschiedene ReligionsführerInnen in gemeinsamer Reflexion und vom Gebet geprägtem Engagement für den Frieden zusammenzuführen, wobei er den Schwerpunkt ausdrücklich bei dem durch Kriege und zahllose Konflikte verursachten qualvollen Leiden der Welt setzte.

Seine Reisen führten ihn in viele Teile der Welt, er feierte öffentlich die Messe an Altären, die oft inmitten eines komplexen gesellschaftlichen und politischen Umfelds errichtet worden waren. Die eucharistische Botschaft der Versöhnung in Christus wurde in eindringlicher Weise greifbar, obwohl nur römisch-katholische Gläubige zum Empfang der Eucharistie eingeladen waren.

Die ökumenischen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der eucharistischen Gemeinschaft bleiben auch weiterhin ein dringliches Anliegen in der Suche nach der Einheit der ChristInnen, und die Kirchen sind aufgerufen, ihre Aufmerksamkeit auf diesen Bereich zu konzentrieren, damit in den kommenden Jahren mutige Schritte des Glaubens möglich werden.

Im Zusammenhang mit dem Wechsel vom zweiten zum dritten Jahrtausend ermutigte Papst Johannes Paul II. alle christlichen Kirchen, angesichts aller Fehlerhaftigkeit Busse zu tun und umzukehren, um mit Christus versöhnt und durch ihn gestärkt das neue Jahrtausend zu beginnen. Der Tag der Vergebung für die Sünden der Söhne und Toechter der Kirche war ein bewegendes Ereignis im Jubiläumsjahr, mit dem Johannes Paul II. geistliche Wegweisung zur Reue unter dem Kreuz Christi anbot.

Johannes Paul II. hinterlässt das Vermächtnis, der bisher meistgereiste Papst der Geschichte zu sein. Wie der Apostel Paulus seine vierte Missionsreise nach Spanien nicht verwirklichen konnte, so war es auch Johannes Paul II. nicht mehr möglich, die äusserst bedeutungsvollen Reisen zu unternehmen, die er geplant hatte. Sein Leben war eine mühevolle Pilgerreise im echten Sinn des Wortes, die ihn physisch wie spirituell enorm forderte. Wir wissen, dass er sich, egal ob zu Hause oder auf Reisen, täglich Stunden im Gebet sammelte, um Gottes Willen zu erkunden. Auch in diesem Sinne gab Johannes Paul II. Menschen in den verschiedensten geistlichen Leitungspositionen, ja Fuehrungspersöenlichkeiten und Gläubigen in allen Lebensbereichen ein Beispiel.

Möge der Heilige Geist das Vermächtnis von Papst Johannes Paul II. dem göttlichen Plan entsprechend wirksam machen.

Pfr. Dr. Ishmael Noko
Generalsekretär LWB

Genf
2. April 2005

* * *

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegruendet, zaehlt er inzwischen 138 Mitgliedskirchen, denen rund 66 Millionen ChristInnen in 77 Laendern weltweit angehoeren.

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Erklärung des EKD-Vorsitzenden zum Tod Papst Johannes Pauls II. uparrowprint druckenemail versenden

Hannover/Deutschland, 02.04.2005 / EKD

"Mit Papst Johannes Paul II. hat die Welt einen eindrücklichen Zeugen des Evangeliums verloren", erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in einer ersten Reaktion auf den Tod des Kirchenoberhauptes am 2. April. Johannes Paul II. werde als einer der bedeutendsten Päpste in die Kirchengeschichte eingehen. Unter seinem ungewöhnlich langen Pontifikat habe die römisch-katholische Kirche weltweit an öffentlicher Präsenz und Ansehen gewonnen. Huber würdigte die charismatische Persönlichkeit des Papstes. "Seine Menschlichkeit und seine Frömmigkeit haben den Papst aus Polen zu einem bedeutenden geistlichen Führer und einer moralischen Instanz gemacht." Johannes Paul II. habe dem Papsttum über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus eine außerordentliche Popularität verschafft. Dankbar erinnere sich der Ratsvorsitzende an die persönlichen Begegnungen mit dem Papst, zuletzt bei einer Privataudienz im August 2004 in Castel Gandolfo. "Die Evangelische Kirche in Deutschland trauert mit ihren katholischen Brüdern und Schwestern um Papst Johannes Paul II. Durch seinen Tod ist die Welt ärmer geworden, sie hat einen großen Menschen verloren. Gott schenke seiner Seele Frieden in der Freiheit von allem körperlichen Leid."

Hannover, den 2. April 2005

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Erklärung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) zum Tod von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Freiburg im Uechtland/Schweiz, 02.04.2005 / SBK

Heute, am 2. April 2005, ist unser Heiliger Vater, Papst Johannes Paul II., im Alter von 84 Jahren in die ewige Heimat gerufen worden.

Die Schweizer Bischofskonferenz, zusammen mit den Katholiken und Katholikinnen in der Schweiz und der ganzen Welt, ist tief betrübt über den Tod des Heiligen Vaters. Wir sind überaus dankbar für den Dienst, den Papst Johannes Paul II. der Kirche und der Welt in über 25 Jahren erwiesen hat und sind überzeugt, dass im Wirken von Papst Johannes Paul II. Gottes Segen für die ganze Welt spürbar geworden ist. Sein Einsatz auf der Bühne der Weltpolitik hat wesentlich zum endgültigen Verschwinden des eisernen Vorhangs und zu einer Versöhnung von einst verfeindeten Mächten geführt. Sein unbeirrbares Einstehen, ja seine mahnenden Worte und sein persönliches Beispiel zur Verwirklichung des Friedens unter den Volkern und Religionen gaben diesem Pontifikat eine weltgeschichtliche Bedeutung.

Papst Johannes Paul II. hatte während seines Pontifikates das unermüdlich umgesetzt, was er bei seiner Antrittsrede als Programm für die Kirche erklärte: "Habt keine Angst! Öffnet, ja reisst die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiss, was im Herzen des Menschen ist."

Papst Johannes Paul II. war ein Begleiter und Anwalt der Armen. Sein Vertrauen in die Jugend hat die Herzen der Menschen angesteckt und es liess keinen unberührt, wenn er ihr immer wieder zurief: "Ihr seid die Hoffnung der Kirche und der Welt. Ihr seid meine Hoffnung". Unermüdlich setzte er sich auch für die Familien ein, in denen er eines der wertvollsten Güter der Menschheit sah, aber auch eines der am meisten bedrohten. Stets hielt er an der Pflicht der Kirche fest, sich mit dem auseinanderzusetzen, was der wirtschaftliche, politische, kulturelle und soziale Alltag fordert. Er war sich bewusst, dass eine rasch sich wandelnde Welt ethische Wegweiser braucht, und er fand die Antworten auf dieses Bedürfnis in der Wahrheit und in der Liebe Christi für alle Menschen. Er hatte den Mut, die Fehler von Verantwortlichen der Kirche in der Vergangenheit einzugestehen und für begangenes Unrecht um Verzeihung zu bitten. Es lag ihm am Herzen, auch mit anders denkenden Menschen im Gespräch zu sein, ihre Auffassungen zu respektieren und ernst zu nehmen. Die Einheit der christlichen Kirchen und das grundlegende Recht auf Religionsfreiheit waren zeit seines Pontifikates eines seiner wichtigsten Anliegen. Trotz aller Schwierigkeiten ziehen sich seine Bemühungen für die Ökumene wie ein roter Faden durch sein Wirken. Immer forderte er die innere Erneuerung der Kirche, die Umkehr im Glauben und das unmissverständliche Zeugnis für die Liebe Gottes in unserer Welt.

Auch wir, die Schweizer Bischöfen, sind dem Papst dankbar für sein persönliches Zeugnis, seine Liebe zur Kirche und seinen Mut, zum Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft für die Wahrheit einzustehen. Dazu gehörte ganz besonders sein prophetischer Einsatz für die Wahrung der Würde des menschlichen Lebens.

Wir möchten alle Pfarreien und alle Gläubigen in der Schweiz dazu aufrufen, in Gebet und Gottesdienst des verstorbenen Dieners des Herrn, unseres Heiligen Vaters Papst Johannes Pauls II., zu gedenken und für ihn zu beten.

Freiburg, 2. April 2005

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK)

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Der Ökumenische Rat der Kirchen zum Tod von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Genf/Schweiz, 02.04.2005 / ÖRK

PAPST JOHANNES PAUL II.:
HERAUSRAGENDE PERSÖNLICHKEIT DES MODERNEN CHRISTENTUMS,
EINER DER MUTIGSTEN GEISTIGEN FÜHRER UNSERER ZEIT

Nachdem der Heilige Stuhl heute den Tod Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. bekanntgegeben hat, erklärt der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pastor Dr. Samuel Kobia, mit dem Ausdruck tiefer Anteilnahme:

"Seine Heiligkeit, Papst Johannes Paul II., wird uns als einer der mutigsten geistlichen Führer unserer Zeit in Erinnerung bleiben. Seinen Mut brachte er in seiner Krankheit genauso wie in der Ausübung seines Amtes, in seinen Schriften wie auch in seinen Verlautbarungen zum Ausdruck. In der einen ökumenischen Bewegung bekannte er sich immer wieder zum tiefen und unumkehrbaren Engagement der römisch-katholischen Kirche für die Ökumene. In seiner Antwort auf die Herausforderungen, mit denen die Kirche in der Welt konfrontiert ist, eröffnete er den Dialog mit anderen religiösen Traditionen und setzte sich unermüdlich für Fragen sozialer Gerechtigkeit wie auch für moralisch-ethische Werte ein. Als Afrikaner erinnere ich daran, welche große Bedeutung er der Afrika-Synode beigemessen hat und wie sehr er sich seelsorgerlich mit den Völkern Afrikas identifiziert hat."

Das Beileid wird geteilt vom Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses, Katholikos Aram I., der betont:

"Seine Heiligkeit, Papst Johannes Paul II., wird als eine herausragende Persönlichkeit der modernen Geschichte des Weltchristentums im Gedächtnis bleiben. Mit unermüdlichem Engagement hat er sich dafür eingesetzt, das Evangelium Christi im Leben der Menschen lebendig werden zu lassen. Sein prophetisches Zeugnis lautete unbeirrt, dass menschliche Gesellschaften von moralischen Werten geleitet sein müssen. Er hat sich der Einheit der Christen zutiefst verpflichtet gefühlt. Er ist anderen Religionen mit Offenheit und einer klaren Vision von einem gemeinsamen Leben als versöhnte Gemeinschaft inmitten von Vielfalt begegnet. Er hat sich stets als Anwalt der Gerechtigkeit, der Menschenrechte und der Freiheit verstanden. All dies hat ihn zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit gemacht, die große Dinge erreicht hat. Als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen und als armenischer Katholikos von Kilikien hatte ich das Privileg, seiner Heiligkeit bei verschiedenen Anlässen zu begegnen, und die Kraft seines Glaubens, die Tiefe seiner Weisheit und die Klarheit seiner Vision kennen zu lernen."

Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK), Genf
2, April 2005

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Der Rat SEK zum Hinschied von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Bern/Schweiz, 02.04.2005 / Rat des SEK

Der Rat SEK zum Hinschied von Papst Johannes Paul II.

In einem Brief an die Schweizer Bischofskonferenz bekundet der Rat SEK sein Beileid zum Hinschied von Papst Johannes Paul II. Er würdigt darin insbesondere seine unermüdliche Vermittlung grundlegender christlicher Werte und seine Bemühungen um Völkerverständigung und Frieden.

«Durch seine mit Tapferkeit ertragene Krankheit ist Papst Johannes Paul II. für viele leidende Menschen zu einem Beispiel der Hoffnung und Zuversicht geworden» bekräftigt der Rat SEK den Schweizer Bischöfen und den römisch-katholischen Mitchristen.

Auf unzähligen Reisen ist es dem Papst gelungen, grundlegende christliche Werte zu vermitteln und Menschen in schwierigen Lebensumständen Hoffnung zuzusprechen. Über die Grenzen der römisch-katholischen Welt hinaus hat das Wirken des Papstes Christinnen und Christen dazu ermutigt, in der Nachfolge Jesu Christi zu leben und zu wachsen. Die grossen Bemühungen des Papstes um Völkerverständigung und Frieden sind zum Segen für viele Menschen geworden. In herausragender Weise hat der Papst den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen gefördert und sich für Versöhnung insbesondere auch in Europa eingesetzt. Dass er dabei die Vertreter der drei abrahamitischen Religionen wiederholt miteinander ins Gespräch gebracht hat, bleibt auch für die reformatorischen Kirchen von Bedeutung.

Die römisch-katholische Kirche und die Kirchen der Reformation sind sich im Verlauf der Zeit stetig näher gekommen. Noch aber ist die Einheit zwischen unseren Kirchen schmerzlich unvollkommen. Nicht in allem vermögen Evangelische Christen dem Engagement von Papst Johannes Paul II zu folgen. Unbestritten aber ist das Wissen darum, dass dieser Papst sein Leben in den Dienst am Leib Christi gestellt hat. Dafür ist auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund sehr dankbar. Mögen deshalb auch die von Papst Johannes Paul II. mit Nachdruck verfolgten ökumenischen Initiativen dazu beitragen, dass die Hindernisse zwischen unseren Konfessionen kleiner werden.

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Christkatholische Kirche der Schweiz: Die Römisch-katholische Kirche verliert mit Papst Johannes Paul II. eine starke Persönlichkeit uparrowprint druckenemail versenden

Bern/Schweiz, 02.04.2005 /

Die Römisch-katholische Kirche verliert mit Papst Johannes Paul II. eine starke Persönlichkeit

Die Christkatholische Kirche der Schweiz drückt der Römisch-katholischen Kirche ihre geschwisterliche Anteilnahme zum Ableben von Papst Johannes Paul II. aus. Mit ihm verliert die Welt eine starke, charismatische Persönlichkeit, die sich während ihrer Amtszeit um die christliche Ökumene und in besonders innovativer Weise um die interreligiöse Verständigung verdient gemacht hat. Auch durch sein soziales und politisches Engagement war der Papst für viele Menschen ein Vorbild.

Die Christkatholische Kirche wünscht der Römisch-katholischen Kirche den Beistand des Heiligen Geistes für das bevorstehende Konklave und die Wahl des neuen Papstes.

Bern, 2. April 2005
Maja Weyermann
Informationsbeauftragte der
Christkatholischen Kirche der Schweiz

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Hans Küng würdigt Papst Johannes Paul II.: Eine zwiespältige Bilanz uparrowprint druckenemail versenden

Zürich/Schweiz, 03.04.2005 / NZZ

Eine zwiespältige Bilanz

Von Hans Küng

Johannes Paul II. - ein Papst vieler grosser Gaben und vieler falscher Entscheidungen. Er vertrat die Menschenrechte nach aussen, verweigerte sie aber nach innen den Bischöfen, Theologen, den Frauen vor allem. Als grosser Marienverehrer predigte er hehre Frauenideale, aber verbot zugleich den Frauen die Pille und verweigerte ihnen die Ordination. Er predigte gegen Massenarmut und Elend in der Welt, aber machte sich gleichzeitig mit seiner Einstellung zur Geburtenregelung und Bevölkerungsexplosion an diesem Elend mitschuldig. Er propagierte ein traditionelles zölibatäres männliches Priesterbild und trug damit Mitverantwortung für den katastrophalen Priestermangel, den Zusammenbruch der Seelsorge in vielen Ländern und die nicht mehr vertuschbaren Pädophilie-Skandale im Klerus. Er betrieb eine inflationäre Zahl von Heiligsprechungen, aber liess zugleich die Inquisition gegen missliebige Theologen, Priester, Ordensleute vorgehen. Er trat als Lobredner der Ökumene auf, aber belastete zugleich stark die Beziehungen zu den orthodoxen wie den reformatorischen Kirchen und verhinderte die Anerkennung ihrer Ämter und die Abendmahlsgemeinschaft von Evangelischen und Katholiken. Er hatte zwar am Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen, aber missachtete die dort beschlossene Kollegialität des Papstes mit den Bischöfen und zelebrierte den Triumphalismus des Papsttums bei jeder Gelegenheit. Er suchte das Gespräch mit den Weltreligionen, aber qualifizierte zugleich die nichtchristlichen Religionen als defizitäre Formen von Glauben ab. Er trat als wortmächtiger Anwalt der privaten und öffentlichen Moral auf, aber machte sich zugleich durch weltfremden Rigorismus als moralische Autorität unglaubwürdig.

Schweizer Theologe Hans Küng

Schweizer Theologe Hans Küng

Durch seine Widersprüche hat dieser Papst die Kirche zutiefst polarisiert, ihr zahllose Menschen entfremdet und sie nach dem Höhepunkt der Glaubwürdigkeit zur Zeit Johannes' XXIII. und des Zweiten Vatikanischen Konzils in eine epochale Krise gestürzt. Katholische Hierarchen und ihre publizistischen Helfershelfer machen für diese Krise gerne allein die säkulare Welt, die laxe Moral der Menschen und die Auflösung der Werte verantwortlich. Doch so leicht darf man sich das nicht machen: Viele dieser Probleme sind hausgemacht, und die Krise ist vor allem selbstverschuldet. Die Politik dieses Pontifikats weiterzuführen, hiesse den ungeheuren Problemstau noch verstärken und die Krise der katholischen Kirche geradezu ausweglos machen.

Der neue Papst muss sich zu einem Kurswechsel entscheiden und der Kirche Mut zu Neuaufbrüchen einflössen - im Geist Johannes' XXIII. und in Konsequenz der Reformimpulse des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Hans Küng, Präsident der Stiftung Weltethos und Professor emeritus der Ökumenischen Theologie an der Universität Tübingen, war von 1962 bis 1965 offizieller Berater des Zweiten Vatikanischen Konzils (Peritus), ernannt von Papst Johannes XXIII.

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Badischer Landesbischof Fischer zum Tod von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Karlsruhe/Deutschland, 03.04.2005 /

Konsequenter Zeuge des Glaubens

Tief betroffen zeigt sich Landesbischof Ulrich Fischer vom Tod des Papstes. „Die Welt hat einen konsequenten Zeugen des Glaubens verloren“, so der badische Bischof. Der Landesbischof sprach den Katholiken in Baden sowie auf der ganzen Welt sein Beileid und Mitgefühl aus. Die evangelischen Christen in Baden trauern gemeinsam mit ihren römisch-katholischen Mitchristen um einen bedeutenden Kirchenführer.

Landesbischof Ulrich Fischer zum Tod von Johannes Paul II.:

„Mit Johannes Paul II. ist ein konsequenter Zeuge des Glaubens an Jesus Christus gestorben. Mich hat stets beeindruckt, wie unbeirrbar Johannes Paul II. in aktuellen Fragen das Zeugnis des christlichen Glaubens eingebracht hat. In seinem langen Pontifikat hat sich der Papst unschätzbare Verdienste um die Überwindung der Grenzen als auch der dezidiert antireligiösen Regime in Europa erworben. Sein konsequentes Eintreten für den Frieden gegenüber den Mächtigen der Welt, auch beim letzten Irak-Krieg, hat er immer nur als Konsequenz seines tiefen Glaubens verstanden. Damit hat er für das Christentum im Weltgeschehen einen wichtigen Dienst übernommen und Zeugnis abgelegt.

Johannes Paul II. hat immer wieder seinen Wunsch und Willen bekräftigt, mehr ökumenische Gemeinsamkeit zwischen den Kirchen zu erreichen. Kein Papst vor ihm ist auf andere Religionen so offen und dialogbereit zugegangen. Mit seinem ökumenischen Willen hat er – bei allem, was an Schmerzlichem im evangelisch-katholischen Miteinander seines Pontifikates geschah – manches ermöglicht, was zuvor noch nicht denkbar war, wie beispielsweise die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre aus dem Jahr 1999.

Besonders bedauern werden den Tod des Papstes auch viele Jugendliche, die den Papst zum Weltjugendtag in Köln erwartet haben. Ein Ereignis, an dem auch viele Jugendliche der Evangelischen Landeskirche in Baden lebhaft Anteil nehmen.

Ich wünsche mir, dass die römisch-katholische Kirche auf dem von Johannes Paul II. eingeschlagenen Weg das ökumenische Zeugnis der Kirchen weiterentwickelt. Möge Papst Johannes Paul II. im Frieden Gottes ruhen, und möge der katholischen Kirche erneut ein starker Glaubenszeuge als Papst geschenkt werden.“

Landesbischof Ulrich Fischer
Evangelische Landeskirche in Baden
3. April 2005

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Ökumenisches Netzwerk "Initiative Kirche von unten" zum Pontifikat von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Bonn/Deutschland, 03.04.2005 / IKvu

Das Ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" (IKvu) blickt kritisch zurück auf die Amtszeit eines Papstes, die im Wesentlichen bestimmt war durch die Ambivalenz zwischen einem römisch-katholischen Fundamentalismus und dem Bemühen um Frieden und Ökumene.

Das Pontifikat Johannes Paul II. war von Anfang an geprägt von der Verteidigung des traditionellen Glaubens und der Abgrenzung vom Zeitgeist einer "unchristlichen Welt". Unfähig, die Zeichen der Zeit anders als in den Kategorien von Gut und Böse zu deuten, orientierte sich die Politik Johannes Paul II. daher an einem neuen katholischen Fundamentalismus. Dies führte bei Themen wie Empfängnisverhütung und AIDS, Gleichberechtigung von Frauen, Schwulen und Lesben auch außerkirchlich immer wieder zu fatalen Koalitionen mit entsprechenden Strömungen im Islam und im Protestantismus.

Kirchenreformerischen Bestrebungen für eine Öffnung der Kirche, die ökumenisch und basiskirchlich orientiert und mit demokratischen Strukturen versehen angemessen auf die Probleme der Zeit zu antworten hätte, wurden vehement unterdrückt. Einem sich öffnenden theologischen Denken setzte der Papst frühzeitig Grenzen, was immer wieder zu Protest und Lehrzuchtverfahren führte - hierfür stehen stellvertretend die Feministische Theologie und die lateinamerikanische Befreiungstheologie, sowie die Namen von Hans Küng, Leonardo Boff und Eugen Drewermann.

So zeichnet Johannes Paul II. verantwortlich für den Niedergang des jungen, sozial engagierten Katholizismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vor allem seine konsequente Personalpolitik bei Bischofsernennungen und bei der Besetzung von theologischen Lehrstühlen, die weltweit nur eigene Parteigänger förderte, sowie das Schließen von befreiungstheologisch orientierten Ausbildungsstätten in Lateinamerika beendete systematisch den Frühling in der Kirche, der mit dem II. Vatikanischen Konzil aufgebrochen war. Damit begann in der katholischen Kirche eine neue Eiszeit: Zensur und Zentralismus, Lehrverbote und Denunziationen, die Verrechtlichung der Theologie und Repression gegen Reformbemühungen entfremdeten zahlreiche Menschen von dieser Kirche. Zuletzt sicherte ein Treueeid für alle Priester schon auf unterster Ebene die Stabilisierung des römischen Zentralismus.

Demgegenüber hat Johannes Paul II. mit seiner klaren Ablehnung des Irakkrieges weltweit viele Sympathien auch bei nichtkirchlich geprägten Menschen erlangt. Ebenso zu würdigen sind seine Bemühungen um eine interkonfessionelle und interreligiöse Ökumene. Die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre beendete 1999 den Streit, an dem die Einheit der westlichen Kirche vor fast 500 Jahren zerbrochen war. Johannes Paul II. war auch der Initiator der Weltfriedensgebete, die seit 1986 die Religionen aufrufen, sich gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung zu engagieren.

Die Zukunft wird zeigen, was von einem der längsten Pontifikate in der Geschichte des Papsttums bleiben wird. Nun muss das Konklave mit der Frage der Nachfolge zugleich darüber entscheiden, wie sich die römisch-katholische Kirche weiterentwickeln wird - zu wünschen wäre ein Anknüpfen an die positiven Ansätze des II. Vatikanischen Konzils und ihre Weiterentwicklung hin auf die Nöte der Menschen in der einen globalisierten Welt. Zu befürchten steht jedoch die Fortsetzung einer Politik der Besitzstandswahrung und der Abgrenzung vom Zeitgeist einer vermeintlich unchristlichen Welt.

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ZdK-Präsident Meyer zum Tod von Papst Johannes Paul II uparrowprint druckenemail versenden

Bonn/Deutschland, 03.04.2005 / ZdK

Mit Johannes Paul II. ist einer der Großen der Kirchengeschichte und der Weltgeschichte von uns gegangen. Als 1978 mit dem Polen Karol Wojtyla nach vier Jahrhunderten wieder ein Nichtitaliener zum Papst und Bischof von Rom gewählt wurde, merkte die Welt auf. Schon seine ersten Äußerungen wurden als ein Zeugnis der Kirche für die Freiheit verstanden, das weitreichende Konsequenzen haben würde. Seine erste Enzyklika „Redemptor hominis“ nannte der damalige ZdK-Präsident Hans Maier ein Programm „im Ringen um Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Frieden“. Unermüdlich hat Johannes Paul II. dieses Programm in Rom und auf zahlreichen Auslandsreisen verkündet, besonders eindrucksvoll bei seinen Besuchen in Polen. Zehn Jahre nach dem Beginn des Pontifikats kam es in seiner polnischen Heimat zum endgültigen Durchbruch zur Freiheit, die sich rasch in den Nachbarländern ausbreitete, darunter auch in der damaligen DDR. Diese geschichtliche Bewegung war die Grundlage für die Wiedervereinigung Deutschlands und Europas. Für die Ermutigung der Menschen zur Freiheit sind wir Deutschen dem verstorbenen Papst zu besonderem Dank verpflichtet.

Während seines ganzen Pontifikats trat Johannes Paul II. für den Frieden zwischen den Menschen und Völkern und für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit als Grundlagen einer menschlichen Gesellschaft ein. Sein unbedingtes Eintreten gegen den Krieg als Mittel der Politik machte ihn weltweit zum geachteten Mann des Friedens. Seine mahnenden Worte galten nicht nur den Mächtigen der Politik, sondern auch den Mächtigen in der Wirtschaft. Schon bald nach dem Zusammenbruch des Kommunismus warnte er vor den Folgen eines ungezügelten Profitstrebens. Ein besonderes Anliegen war ihm die Förderung der Einheit der Christen auf der Grundlage ihres gemeinsamen Glaubens. Dankbar erinnern wir uns seiner Botschaft an den Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin. Eine Sache des Herzens und der Überzeugung war ihm die Versöhnung zwischen den Christen und den Juden. Um der Menschen und des Friedens willen suchte er die Begegnung mit Repräsentanten der anderen Weltreligionen.

Papst Johannes Paul II. verzehrte sich im Einsatz für den Glauben und die Kirche. In diesem Dienst setzte er nicht auf Institutionen und strukturelle Reformen, wie sie im Gefolge des II. Vatikanums von vielen erwartet werden, sondern ganz auf die Begegnung der Menschen mit den unwandelbaren Wahrheiten des Glaubens, die er in Worten und symbolischen Handlungen von großer Eindruckskraft zur Wirkung brachte. In einer Zeit, in der Diesseitsorientierung und Ichbezogenheit weit verbreitet sind, wurden seine lange und schwere Krankheit und sein tapferes Sterben zum Zeugnis der Hingabe und des Glaubens an Gott. Durch seinen persönlichen Einsatz im Dienste Gottes, in dem er sich nicht schonte, hat er sich weltweite Achtung erworben und dem Gedächtnis der Zeitgenossen fest eingeprägt.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken wird die persönlichen Begegnungen seiner gewählten Repräsentanten mit dem Heiligen Vater in dankbarer Erinnerung bewahren. Durch diese Treffen und durch die Botschaften des Papstes an die Deutschen Katholikentage haben wir Stärkung und Ermutigung für ein Leben aus dem Glauben heraus erfahren.

Prof. Dr. Hans Joachim Meyer
Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)
Samstag, den 2. April 2005:

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Leitender Bischof der VELKD Hans Christian Knuth würdigt verstorbenen Papst: uparrowprint druckenemail versenden

Hamburg/Deutschland, 03.04.2005 / VELKD

In einem Kondolenzschreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, hat der Vorsitzende der Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Bischof Dr. Knuth, die Verdienste des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. gewürdigt und den Trauernden sein Mitgefühl ausgesprochen.

In dem Schreiben heißt es: “Mit Betroffenheit haben wir die Nachricht vom Tod Papst Johannes Paul II. aufgenommen. Wir teilen die Trauer unserer römisch-katholischen Schwestern und Brüder um einen Papst, der sich mit ganzer Kraft eingesetzt hat für die innere Stärkung der Kirche, für den Dienst der Kirche in der Welt, besonders an den Schwachen und Leidenden. Diesen Zielen diente die hohe Zahl seiner Pastoralreisen in alle Welt ebenso wie die von ihm besonders geförderten Treffen der Jugend.

Auch in unserer Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche würdigen wir seine eindringlichen Mahnungen gegen Krieg und Gewalt in aller Welt und seinen Ruf zur Versöhnung, um die er in Reue auch für seine Kirche gebeten hat.

In der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche und im Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes danken wir Gott um seines Dieners Johannes Paul II. willen für dessen unablässiges Bemühen zugunsten einer vertieften Gemeinschaft aller christlichen Kirchen und eines friedlichen Verhältnisses der Religionen untereinander.

Wir rufen in Erinnerung, dass er bei seinem Besuch in Deutschland 1980 der ökumenischen Gemeinschaft unserer Kirchen im Heimatland der Reformation einen wichtigen Schritt ermöglicht hat, die gegenseitigen Lehrverurteilungen der Reformationszeit gemeinsam neu zu prüfen und soweit wie möglich aufzuarbeiten. Mit seiner Enzyklika “Ut unum sint” und dem neu gefassten Ökumenischen Direktorium hat er Maßstäbe gesetzt. Er hat zugleich darin ökumenische Chancen aufgezeigt, die noch lange nicht ausgeschöpft sind.

Als einen Höhepunkt der ökumenischen Entwicklung in seiner Amtszeit sehen wir die “Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre”, die am Reformationstag 1999 in Augsburg von beiden Seiten feierlich bestätigt wurde. Wir wissen um das Verdienst Papst Johannes Paul II. zu diesem bedeutsamen Schritt auf dem Weg zur Gemeinschaft unserer Kirchen. Die große ökumenische Feier zur Eröffnung der Gebetswoche für die Einheit der Christen im Jahr 2000 in Rom hat vor aller Welt deutlich gemacht, wie ihm diese Einheit persönlich am Herzen lag. Vor dem Angelus am 20. Februar 2005 hat er diese Haltung einmal mehr bestätigt; als er sagte: “Das Petrusamt ist im wesentlichen Dienst an der Einheit der Kirche.”

Auch wenn wir in manchen Fragen eine andere Auffassung zu vertreten haben als der heimgerufene Papst, mindert dies nicht die hohe Wertschätzung für einen großen Diener in der Kirche Jesu Christi.

Mit unseren römisch-katholischen Glaubensgeschwistern befehlen wir den Heimgegangenen der Gnade und Liebe unseres Gottes, und mit ihnen verbindet uns die Hoffnung auf die Auferweckung von den Toten, die Christus auch Johannes Paul II. erworben hat. In dieser Hoffnung mögen alle getröstet werden, die um ihn trauern.”

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Der Catholica-Beauftragte der VELKD, Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, würdigt die ökumenischen Bemühungen des Papstes uparrowprint druckenemail versenden

München/Deutschland, 03.04.2005 / VELKD

Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich hat in einer ersten Reaktion auf den Tod von Johannes Paul II. die Verdienste des Papstes um die Ökumene sowie seinen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt gewürdigt. Der verstorbene Papst sei gerade zuletzt „in seiner ganzen Schwäche und Gebrochenheit des Leibes die vielleicht größte Gestalt unserer Tage“ gewesen, zeigte sich Friedrich beeindruckt von der Lebensleistung des aus Polen stammenden Geistlichen, der „die Weltkirche durch seine Person zusammengehalten hat“.

„Was in meinem Gedächtnis von ihm bleiben wird, ist das Charisma des Nachfolgers Jesu Christi im Leiden, des mächtigen Weltbischofs in seiner Gebrechlichkeit, der ganz von Jesus Christus her lebte“, schrieb Friedrich in einem Kondolenzschreiben an den Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, in dem er den römisch-katholischen Christen seine Anteilnahme zum Tod ihres Oberhauptes ausdrückte.

Friedrich, der Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist, erinnerte in einem Beitrag für den Rheinischen Merkur auch an den Einsatz des Papstes für das Zustandekommen der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, die 1999 in Augsburg unterzeichnet worden war und laut Friedrich „den greifbarsten ökumenischen Fortschritt zwischen römischen Katholiken und Lutheranern darstellt“. Dafür habe sich Johannes Paul mit Nachdruck und Erfolg engagiert, ebenso, wie er mit Demut und der Bereitschaft, Schuld der Kirche einzugestehen, auf das Judentum zugegangen sei und auf diese Weise nachhaltig für Versöhnung gearbeitet habe. Der bayerische Landesbischof schrieb, wenn auch nicht vor dem Papstamt an sich, so um so mehr vor dem Menschen, der es innehatte, „verneige ich mich in Respekt und mit Dank für alle Impulse, die er zur Förderung der Einheit gesetzt hat“.

Das Wirken dieses Papstes sei durchaus von Gegensätzen begleitet gewesen, so Friedrich weiter: „Einerseits war er modern und machte sich die zeitgemäßen Formen der Kommunikation zunutze. Auf der anderen Seite war sein Denken aufklärungskritisch, auf konservative Moral bedacht.“ Im Rückblick auf die Lebensleistung des Papstes stehe entsprechend beides nebeneinander, seine Reisetätigkeit und sein medienbewusstes Auftreten, aber auch ein kirchlicher Zentralismus, der in Fragen der Moral und der Disziplin den Ortskirchen wie auch kritischen Theologen wenig eigenen Spielraum gelassen habe. Friedrich betonte jedoch, dass alles, was evangelische Christen an Entscheidungen des Papstes durchaus kritisch sähen, in den Tagen seines Sterbens und besonders mit der Stunde seines Todes in den Hintergrund getreten sei. Gerade im Angesicht des Leidens und Sterbens des Papstes und im Blick auf die von Johannes Paul ausgestrahlte Spiritualität, sei er, so Friedrich, überzeugt: „Gott hat diesen Papst zum Zeugen Jesu Christi gemacht.“

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ÖRK-Generalsekretär Kobia würdigt Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Genf/Schweiz, 03.04.2005 / ÖRK

Papst Johannes Paul II. war eine der herausragendsten Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte, und seine Ausstrahlung ging weit über die römisch-katholische Kirche und die weltweite christliche Gemeinschaft hinaus. Während seines Pontifikats bekräftigte die römisch-katholische Kirche ihre universale Berufung und stärkte ihren inneren Zusammenhalt. Wir werden uns stets mit Dankbarkeit an das Engagement des Papstes für soziale Gerechtigkeit und Versöhnung, für die Menschenrechte und die Würde des Menschen sowie für die Einheit der Christen und für interreligiöse Verständigung erinnern.

Wir erinnern uns auch mit Freude an den Besuch des Papstes in den ersten Jahren seines Pontifikats, 1984, am Sitz des ÖRK. Während eines gemeinsamen Gottesdienstes in der Kapelle des Ökumenischen Zentrums beteten wir zusammen für die volle Gemeinschaft unter den Christen. Johannes Paul II. folgte nicht nur in den Fußstapfen seines Vorgängers Paul VI., der den ÖRK 1969 besucht hatte, sondern er sah in seinem Besuch auch einen Ausdruck seines persönlichen Engagements für die eine ökumenische Bewegung.

Karol Wojtyla, am 18. Mai 1920 in Wadowice (Polen) geboren, wurde 1978 zum Papst gewählt. Zeit seines Pontifikats hat er sich um Zusammenhalt und Kohärenz in der römisch-katholischen Kirche bemüht - durch seine zahlreichen Reisen, die Besuche der Bischöfe in Rom (visitatio liminum), durch sein eindrucksvolles Schriftwerk sowie durch die bewusste Inanspruchnahme kirchlicher Strukturen (z.B. der Bischofssynoden).

In der ersten Hälfte seines Pontifikats beschäftigte Johannes Paul II. besonders die Lage der Menschen, die unter kommunistischer Herrschaft lebten. Mit einer Kombination aus stiller Diplomatie und nachdrücklicher Verurteilung entwickelte er eine kirchliche und politische Ostpolitik und stärkte damit die, die sich gegen die marxistische Ideologie auflehnten, insbesondere in seiner Heimat Polen. In dieser Zeit stellte die bewusste Betonung der Menschenrechte (insbesondere in Redemptor Hominis) und der Religionsfreiheit eine solide Grundlage für die Herausforderung der marxistischen Ideologie und kommunistischen Praxis dar.

In der zweiten Hälfte seines Pontifikats setzte sich Johannes Paul II. mit den vorherrschenden Werten der westlichen Kultur auseinander, stellte die seiner Meinung nach zu nachgiebigen Tendenzen in der menschlichen Sexualität in Frage und bekräftigte eine "Kultur des Lebens" gegenüber einer "Kultur des Todes". Das kam ganz besonders in den verschiedenen Sozialenzykliken zum Ausdruck, die während seiner Amtszeit veröffentlicht wurden - Laborem Exercens, Solicitudo Rei Socialis und Centesimus Annus. Mit dieser Neubekräftigung und Weiterentwicklung des römisch-katholischen Sozialdenkens gelang es ihm, einen Dialog über geeignete Strukturen und Grundlagen für das Leben des Menschen in der Gesellschaft in Gang zu setzen.

In der systematischen Untersuchung wichtiger Themen des christlichen Glaubens und der Probleme, denen sich die Kirche auf der ganzen Welt gegenübersieht, zeigte sich auch das Bestreben des Papstes, die zentralen Wahrheiten des Glaubens und der römisch-katholischen Kirche zu bekräftigen. Das wurde in der Veröffentlichung des Katechismus der römisch-katholischen Kirche deutlich wie auch in der Herausgabe einer Reihe von Lehranweisungen (z.B. Ad Tuendam Fidem).

Indem er bei seiner Wahl zum Papst bewusst den Namen Johannes Paul annahm, wollte Karol Wojtyla nicht nur seinen unmittelbaren Vorgänger ehren, sondern das Reformwerk von Johannes XXIII. und Paul VI. fortsetzen und zu Ende führen. Entsprechend bemühte er sich auch in seiner Arbeit, die Beziehungen zu anderen christlichen Kirchen zu fördern und zusammen mit ihnen nach der Einheit der Christen zu streben.

Ein unmittelbares Anliegen war ihm die Wiederannäherung an die orthodoxen Kirchen und er hat sich unablässig bemüht, die Bande zwischen den 'Nachfolgern' der Brüder Andreas und Petrus zu festigen und weiterzuentwickeln. Bei seinen Besuchsreisen in die ganze Welt hat er jede Gelegenheit ergriffen, mit Verantwortlichen anderer Kirchen zusammenzutreffen und seine römisch-katholischen Kollegen zu ermuntern, sich uneingeschränkt an örtlichen ökumenischen Initiativen und Räten zu beteiligen.

Besonders hervorzuheben ist sein Versuch, eine Vision der Einheit zu formulieren. Seine Enzyklika Ut Unum Sint stützt sich auf die Erkenntnisse und Erfahrungen, die die römisch-katholische Kirche im Laufe ihres Engagements in der ökumenischen Bewegung gewonnen hat, und enthält grundlegende Überlegungen zum Wesen von Dialog und Einheit. Diese Enzyklika ist auch insofern ungewöhnlich, als sie Berichte aus der größeren ökumenischen Bewegung zitiert – insbesondere aus der Arbeit der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des ÖRK.

Um die Schritte zur Einheit zu beschleunigen, lud Johannes Paul II. in dieser Enzyklika andere Kirchen ein, gemeinsam mit ihm über die Rolle und die Struktur des Petrusamtes im Dienst der christlichen Einheit nachzudenken. Ferner lud er seine Kirche ein, sich für die in ihrer Geschichte begangenen Sünden, die zu Spaltungen beigetragen haben, zu entschuldigen. Am sichtbarsten wurde dies während der Feiern zum Heiligen Jahr in Rom, als Johannes Paul am 13. März 2000 andere Kirchen um Vergebung dafür bat, dass sich Vertreter der römisch-katholische Kirche gegen sie versündigt hatten.

Als Bischof von Rom leitete der Papst aus Anlass des 2000. Jahrestags der Geburt des Jesus von Nazareth eine Reihe von Veranstaltungen und Reflexionen über Wirken und Sein der heiligen Dreieinigkeit ein. Dies veranlasste Christen aus unterschiedlichen Kirchen in allen Teilen der Welt, sich an einem zielgerichteten ökumenischen Prozess auf örtlicher und internationaler Ebene zu beteiligen und erwies sich als Ermutigung für die Ökumene vor Ort.

Ferner wurden während dieses Pontifikats auch Bemühungen unternommen, den Dialog mit Menschen anderer Glaubensrichtungen aufzunehmen. Zweimal hat der Papst Verantwortliche der großen Weltreligionen nach Assisi eingeladen (1986 und im Januar 2002, im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und den nachfolgenden Ereignissen), um mit ihnen für den Weltfrieden zu beten und gemeinsam für eine Friedenskultur einzutreten, die der herrschenden Kultur des Krieges entgegengesetzt werden kann.

Seinen klaren und überzeugenden Verlautbarungen und Aktionen für den Frieden, insbesondere während der zwei Golf-Kriege und im palästinensisch-israelischen Konflikt kommt besondere Bedeutung zu. Indem er dieses gemeinsame Anliegen von Kirchen auf der ganzen Welt wie auch der ganzen ökumenischen Bewegung hervorhob, verlieh er der Stimme der Christen in ihrem Engagement für Gerechtigkeit und dauerhaftem Frieden überall Gewicht.

Johannes Paul II. hat in seinem Pontifikat, das eine Zeit tiefgreifender Veränderungen in Kirche und Welt überspannte, großen Mut bewiesen. Eine neue Epoche und ein neues Jahrtausend haben begonnen, die von der römisch-katholische Kirche und von der ökumenischen Bewegung neue Antworten erwarten.

Pastor Dr. Samuel Kobia
Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK)
Genf

2. April 2005

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Erklärung des KEK-Generalsekretärs Keith Clements zum Tod von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Genf/Schweiz, 03.04.2005 / KEK

Mit der Nachricht vom Tod des Papstes Johannes Paul II. schliesst sich die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) Christen aller Traditionen auf der ganzen Welt an, die sich nun in Gebet und Gedanken an Gott wenden, den Gott allen Trostes. Ein Leben und Dienst von epochemachender Bedeutung für die heutige Christenheit ist damit ihrem irdischen Ende zugegangen. Die letzten Jahre der zunehmenden physischen Belastung und des Leidens sind jetzt einem gnädigen Ende zugeführt worden, getragen von der Gnade dessen, der uns erneut sagt :"Ich bin die Auferstehung und das Leben." Wir in der KEK gedenken besonders unserer Brüder und Schwestern in der römisch-katholische Kirche in ihrem schmerzlichen Verlust. Aber wir schliessen uns auch ihren Gebeten an, mit denen sie danken für die Gnade, die wir durch das Leben und Zeugnis von Johannes Paul II. erfahren haben.

Für die Kirchen und Völker Europas war Johannes Paul II. eine Persönlichkeit von ganz besonderer Bedeutung. Als Sohn Polens hat er in seinem Leben so viel von der durch Krieg und Unterdrückung verursachten tragischen Erfahrung im 20. Jahrhundert mitgetragen, zunächst unter der Nazibesatzung und dann unter dem kommunistischen Totalitarismus. Angesichts dieser Erfahrungen hat er auch den feinsten Geist des europäischen Christentums verkörpert, indem er Kompromisse in seinem Glauben und seiner Menschlichkeit ablehnte. Als Leiter der römisch-katholischen Kirche in Polen hat er sich für Freiheit und Menschenrechte sowohl in seinem Heimatland als auch im übrigen Osteuropa eingesetzt. Er hat sich einen sicheren Platz in der Geschichte des Wandels in Europa während des letzten Vierteljahrhunderts erworben. Dies gilt auch für seine lange Amtszeit als Papst, während der er die Sache der grösseren europäischen Einheit und den Bau eines "gemeinsamen europäischen Hauses" gefördert hat, in dem Christen aus Ost und West zusammen leben können.

Kein Aspekt seines Zeugnisses wurde unter allen Christen und Menschen guten Willens mehr geschätzt als sein ständiger Aufruf zum Frieden in der Welt. Dieser Aufruf wurde unterstrichen durch seine weiten Reisen und seine Fähigkeit, seine Überzeugungen so bemerkenswert persönlich, sogar bei den grössten öffentlichen Versammlungen und vor allem gegenüber jungen Menschen, zu vermitteln.

Während der Jahre des Pontifikats von Johannes Paul II. sind sich die Kirchen Europas auf vielen Ebenen sehr viel näher gekommen. Wir in der KEK haben uns über die zunehmende Zusammenarbeit mit dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) gefreut, die ohne die Ermutigung des Papstes nicht möglich gewesen wäre. Gerne erinnern wir uns noch an die Anlässe, bei denen wir als brüderliche Delegierte auf den Sondersynoden der Europäischen Bischöfe in Rom 1991 und 1999 eingeladen waren und unsere Vertreter von Seiner Heiligkeit persönlich empfangen und eingeladen wurden. Bei diesen Gelegenheiten und als die Mitglieder des Gemeinsamen Ausschusses KEK-CCEE von ihm 1998 in Rom empfangen wurden, waren wir beeindruckt von der Aufrichtigkeit seines Wilkommensgrusses, seiner in der Freundschaft geäusserten Spiritualität und seiner Bekräftigung, dass es für die ökumenische Reise keine Alternative gibt.

Diese und andere Beispiele seiner Unterstützung beim Bau von Brücken zwischen der römisch-katholischen Kirche und den anderen Kirchen waren wichtige Zeichen der Hoffnung für uns, trotzdem weiter tiefe theologischen Unterschiede bestehen und neue Probleme und Frustrationen auf dieser ökumenischen Reise in den letzten Jahren aufgetaucht sind. Die Hoffnung enttäuscht uns nicht, wie der Apostel Paulus sagt.

In einer Zeit wie dieser vermischen sich natürlich das direkte Gefühl des Verlusts und der Ungewissheit mit der Erinnerung und den Gedanken an die Vergangenheit. Eine grosse Persönlichkeit unserer Welt hat uns verlassen. Aber es ist auch eine Zeit, in der wir in Glaube und Hoffnung auf den Gott aller Zeiten blicken, dessen Gnade ohne Ende ist und dessen Reich kommen wird. Unsere Gebete für die römisch-katholische Kirche schliessen auch diejenigen ein, die jetzt die feierliche Aufgabe erhalten, einen Nachfolger von Papst Johannes Paul II. zu wählen. Sicherlich wissen sie, dass sie in Gedanken und Gebeten von allen Christen begleitet sind, die darauf hoffen, dass "die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens " in unserer Zeit gestärkt werde. Mögen sie zu diesem Zwecke vor allem die Gegenwart, die Kraft und die Leitung des Heiligen Geistes erfahren, wenn sie sich um diese Entscheidung von so grosser Tragweite für ihre eigene Kirche, für die Hoffnungen aller Christen und für den Frieden und das Wohl der ganzen Menschheit bemühen.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen!

Pfr. Dr Keith Clements
Generalsekretär der KEK
Genf, 3. April 2005

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Patriarch Bartholomaios sieht "Verlust für das Christentum" uparrowprint druckenemail versenden

Istanbul/Türkei, 03.04.2005 / APA/dpa/Agenturen

Das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, hat den Tod von Papst Johannes Paul II. als "Verlust für das Christentum und für die nach Frieden und Gerechtigkeit suchende Weltgemeinschaft" bezeichnet. Johannes Paul habe "für die Wiederherstellung der Einigkeit aller Christen gearbeitet".

"Wir nehmen Anteil an der Trauer von Millionen unserer römisch- katholischen Brüder in der ganzen Welt", heißt es in einer vom Phanar herausgegebenen Erklärung, die am Sonntag gleichzeitig in Istanbul und Athen veröffentlicht wurde. Der Papst habe "entschieden zum Zusammenbruch des atheistischen Kommunismus" beigetragen, betonte der Ökumenische Patriarch.

Johannes Paul II. und Bartholomaios I. waren 2004 zwei Mal in Rom zusammengetroffen. Der Patriarch hatte den Papst zu einem Besuch in Istanbul eingeladen. Bereits 1979 hatte Johannes Paul II. dem 1991 verstorbenen Vorgänger von Bartholomaios, Patriarch Dimitrios I., im Phanar einen Besuch abgestattet. Vor allem wegen des Problems der mit Rom unierten Ostkirchen ist das Verhältnis zwischen orthodoxer und katholischer Kirchenführung belastet.

Die Orthodoxie will nicht akzeptieren, dass das Papsttum seine Jurisdiktion auf ihre traditionellen Gebiete ausdehnt. Den Aufbau katholischer Diözesanstrukturen in Russland hatte Bartholomaios I. als einen "verwerflichen Versuch" verurteilt, "die Schwäche der durch Jahrzehnte der Verfolgung verletzten russischen Kirche auszunutzen."

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Russisch-orthodoxe Kirche trauert um verstorbenen Papst uparrowprint druckenemail versenden

Moskau/Russland, 03.04.2005 / Agenturen

Die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) veröffentlichte am 3. April eine Erklärung auf ihrer Internetseite. Sie hoffe, heisst es dort, das Andenken an den Papst werde dabei helfen, die Schwierigkeiten zwischen ihr und dem Heiligen Stuhl zu überwinden. Die Oberhäupter der russisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche unterhielten zeitlebens äusserst schwierige Beziehungen miteinander: Patriarch Alexi II. warf dem Vatikan vor, seine Gläubigen bekehren zu wollen. Bis zuletzt hatte sich das Moskauer Patriarchat geweigert, einer Russland-Reise des Papstes zuzustimmen.

Hoffnung auf Neuanfang

Die Russische Orthodoxe Kirche hofft nach dem Tod von Johannes Paul auf einen Neuanfang in den Beziehungen zur katholischen Kirche. "Ich hoffe, dass die beginnende neue Periode im Leben der römisch-katholischen Kirche dabei hilft, Beziehungen gegenseitiger Achtung und brüderlicher christlicher Liebe zwischen unseren Kirchen wiederherzustellen", so der Leiter des kirchlichen Aussenamtes, Metropolit Kyrill.

Die Beziehungen zwischen der russisch-orthodoxen und der katholischen Kirche waren während des Pontifikats von Johannes Paul II. in eine schwere Krise geraten. Das Moskauer Patriarchat wirft dem Vatikan vor, in den traditionell orthodoxen Ländern der ehemaligen Sowjetunion aktive Missionsarbeit zu betreiben. Insbesondere kritisieren die Orthodoxen die ihrer Meinung nach aggressive Expansion der an den Vatikan gebundenen griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine.

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Kardinal Friedrich Wetter zum Tod von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

München, 03.04.2005 / Erzbischöfliches Ord

ZUM TOD VON PAPST JOHANNES PAUL II.

von Kardinal Friedrich Wetter,
Erzbischof von München und Freising

München/Jerusalem, 2. April 2005 (ok) Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, der zur Zeit mit Seminaristen des Münchner Priesterseminars das Heilige Land besucht, erklärt zum Tode von Papst Johannes Paul II.:

Der Heimgang unseres Heiligen Vaters erfüllt uns mit Wehmut und Trauer. Mit Johannes Paul II. verliert die katholische Kirche einen großen und kirchengeschichtlich bedeutsamen Papst und die Welt eine herausragende moralische Autorität.

Ich danke dem Herrn, dass er uns in unserer Zeit diesen Papst geschenkt hat, der als Nachfolger Petri die Kirche kraftvoll geleitet und über die „Schwelle der Hoffnung“ ins 21. Jahrhundert geführt hat.

1978 wurde Karol Wojtyla zum Papst gewählt. Seine ersten programmatischen Worte an die Welt lauteten: „Öffnet die Tore für Christus!“ Er selber ging mit Charisma und missionarischer Kraft voran, Türen für Christus aufzustoßen:

• Türen zu allen Völkern und Kontinenten durch seine unzähligen Pastoralreisen;

• Türen in die kommunistischen Länder und in die Dritte und Vierte Welt als ihr Anwalt für Freiheit und Friede, Gerechtigkeit und Menschenwürde;

• Türen zur Ökumene in Ost und West; das interreligiöse Gebet in Assisi, der Besuch in der römischen Synagoge und viele andere ökumenische Begegnungen sind Beispiele seiner Sehnsucht nach Einheit der Christen und der Menschheit;

• Türen zur inneren Erneuerung der Kirche durch seine Anziehungskraft auf die Jugend, die Förderung neuer geistlicher Gemeinschaften, sowie die 1275 Selig- und 488 Heiligsprechungen von Christen als Vorbilder des Christseins in den Herausforderungen unserer Zeit.

Freilich, all dies beschreibt noch nicht den Kern seines Wesens und seiner Ausstrahlung. Johannes Paul II. war vor allem ein Mann des Gebetes, der in einer tiefen Verbundenheit mit Jesus Christus und mit Maria, der Mutter des Herrn, gelebt und aus dieser Kraft heraus die Kirche geleitet und inspiriert hat. Aus dieser tiefen spirituellen Verankerung heraus hat er auch sein langjähriges schweres Leiden gemeistert und der Welt ein Beispiel gegeben, was es heißt, mit Christus zu „leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden“ (vgl. Röm 8,17).

Papst Johannes Paul II. hat uns und der ganzen Kirche ein großes Vermächtnis hinterlassen. Ich danke Gott mit tiefer Bewegung für seinen langjährigen Dienst. Nun gilt es, sein Vermächtnis in Ehren und lebendig zu halten, indem wir mit seinen Worten beten: „Christus bleibe! Bleibe und lebe fort in unserer Zukunft!“

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Oberin Gleixner: Papst hat sich wie kein Anderer für Ökumene eingesetzt uparrowprint druckenemail versenden

Wien/Österreich, 04.04.2005 / ÖRKÖ

Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ)

Die Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Oberin Christine Gleixner, hob am 3, April (Sonntag) die Bedeutung Papst Johannes Pauls II. für den Fortgang der Ökumene hervor. Wie kein anderer habe er sich für die Ökumene eingesetzt. "Der Papst wusste, dass die Glaubwürdigkeit der Christen und ihrer Botschaft von der Glaubwürdigkeit ihrer eigenen inneren Verbundenheit untereinander abhängt, so Gleixner. "Dialog, Verständigung und Abbau von Schranken der Vergangenheit waren ihm ein grosses Anliegen", sagte die ÖRKÖ-Vorsitzende, die zugleich auf die grosse Vergebungsbitte des Papstes im Jahr 2000 verwies.

Von den offenen Fragen, die es im weiteren ökumenischen Dialog zu klären gilt, hob Gleixner vor allem die Frage des Papstamtes hervor, die Johannes Paul II. selbst bereits angeschnitten hatte. In den bisherigen Gesprächen seien "bescheidene und vorsichtige Schritte" in die richtige Richtung gemacht worden, die es fortzuführen gelte, so Gleixner. Weiters stehe die Frage der Kommuniongemeinschaft an, "aber ich glaube, dafür brauchen wir noch Geduld".

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Erklärung des Vorstandes des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich uparrowprint druckenemail versenden

Wien/Österreich, 04.04.2005 / ÖRKÖ

Erklärung des Vorstandes des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich

Nach dem Heimgang von Papst Johannes Paul II gedenkt der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich dankbar dieser großen Persönlichkeit und ihres Einsatzes im Dienst für die Einheit der Christen.

1983 sagte Papst Johannes Paul II beim Ökumenischen Treffen in Wien – im Rahmen des Österreichischen Katholikentages:

"Wir alle blicken bei dieser Zusammenkunft zurück über den Lauf der Jahrhunderte, in denen Österreich durch die Wirren konfessioneller Auseinandersetzungen erschüttert wurde.
Mit der schmerzhaften Erinnerung und der Bitte um Vergebung verbindet unsere Kirche gemäß dem II. Vatikanischen Konzil die ernsthafte Bereitschaft, die unheilvollen Folgen der Vergangenheit zu überwinden.

Der vom Konzil ausgestreute Samen hat hierzulande bereits deutliche Wurzeln geschlagen. Der Prozess der Versöhnung unter den Christen verschiedener Traditionen hat zu sichtbaren Ergebnissen geführt. Ich möchte Sie ermutigen, in Ihren Bemühungen fortzufahren.“

In vielen fruchtbaren Initiativen fand seither diese Ermutigung ihren Widerhall; Initiativen, die auch über die Grenzen des Landes hinaus glaubwürdige Zeichen ökumenischer Zusammenarbeit in Österreich sind. Die Kirchen sind sich der vielen noch offenen Fragen bewusst, dennoch wollen sie heute der bisherigen Entwicklung und des Beitrages von Papst Johannes Paul II. dankbar gedenken.

Mit Hoffnung und Zuversicht wollen sie den eingeschlagenen Weg fortsetzen.

Oberin Prof. Christine Gleixner
Vorsitzende

Bischof Mag. Herwig Sturm
Stellvertretender Vorsitzender

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Beileidsschreiben des Deutschen ACK-Vorsitzenden an Kardinal Lehmann uparrowprint druckenemail versenden

Frankfurt am Main/Deutschland, 04.04.2005 / ACK

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland e.V

Die Stimme des Papstes war auch für nicht-katholische Christen wichtig
Beileidsschreiben des ACK-Vorsitzenden an Kardinal Lehmann

Der Vorsitzende der ACK, Bischof Dr. Walter Klaiber, hat in einem Beileidschreiben an Kardinal Lehmann die Anteilnahme und das Mitgefühl der Mitglieds- und Gastkirchen der ACK zum Ausdruck gebracht. In seinem Schreiben hebt Klaiber hervor, dass Papst Johannes Paul II. die katholische Kirche über ein Vierteljahrhundert geleitet hat, getragen von einem tiefen Glauben an Gottes verlässliches Handeln auch in unserer Gegenwart. Seine Stimme, so Klaiber, war auch für die nicht-katholischen Christen und über die Grenzen der Christenheit hinaus wichtig. Sein konsequenter Einsatz für den Frieden, für soziale Gerechtigkeit und für den unbedingten Schutz des Lebens wurden gehört und beachtet, freilich – zu seinem großen Leidwesen – oft auch nicht befolgt.

Für das Miteinander der Kirchen hat seine Enzyklika UT UNUM SINT große Bedeutung gewonnen. Durch ihr klares Bekenntnis zum Ökumenismus hat sie die Basis für eine ökumenische Annäherung, die das Zweite Vatikanische Konzil geschaffen hat, gefestigt und erweitert. Der Zusammenhang des Rufes zur Einheit und des missionarischen Auftrags der Kirche wurde erneut ins Bewusstsein gebracht.

Beeindruckend war, nach den Worten von Klaiber, auch die Offenheit, mit der der Papst seine Wahrnehmung formulierte, dass für viele ökumenische Partner sein Amt ein Hindernis für die Einheit darstelle. Leider wurde sein entsprechendes Gesprächsangebot zwar gehört, aber nicht weiter konkretisiert.

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Die Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen zum Hinschied von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Utrecht/Niederlande und Bern/Schweiz, 04.04.2005 / APD

Internationale Altkatholische Bischofskonferenz der Utrechter Union

Die Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen zum Hinschied von Papst Johannes Paul II.

In einem Brief an Kardinal Ratzinger drückt der Präsident der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz, Dr. Joris Vercammen, Erzbischof von Utrecht seine Anteilnahme zum Hinschied von Papst Johannes Paul II. aus.

Es werde Jahre dauern, um die interessante und wichtige Rolle, die Papst Johannes Paul II. für das Christentum und die Weltgemeinschaft gespielt habe zu beschreiben.

Erzbischof Vercammen schreibt unter anderem ‚Papst Johannes Paul II. wird als der grosse Papst in Erinnerung bleiben, der die Beziehungen zwischen Ost- und Westeuropa auf eine Weise beeinflusste, dass die unterdrückenden Muster des Kalten Krieges ihre Wirkung verloren, und als derjenige, der dabei half, Europa seine Einheit zurück z u geben.

Erzbischof Vercammen würdigt in seinem Brief auch die Verdienste des Papstes um die Ökumene: ‚ Wie die orthodoxen, die protestantischen und die anglikanischen Kirchenfamilien profitierte auch unsere kleine Kirchengemeinschaft von seinem Bewusstsein, dass die Einheit der Christen eine der wichtigsten Bedingungen für die überzeugende Verkündigung des Evangeliums in der modernen Welt ist.’

Als weiteres Erbe des verstorbenen Ponitfex bezeichnet Erzbischof Vercammen die Schritte zur Versöhnung mit Juden und Muslimen, die dieser möglich machte. ‚Sein offener Geist überwand Vorurteile und öffnete Wege der Zusammenarbeit zwischen den grossen religiösen Traditionen.’

Utrecht und Bern, den 3. April 2005

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COMECE: Ein Papst mit Visionen - Brückenbauer für das neue Europa uparrowprint druckenemail versenden

Brüssel/Belgien, 04.04.2005 / COMECE

Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE)

Ein Papst mit Visionen - Brückenbauer für das neue Europa

Erklärung anlässlich des Todes Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II.

Im Namen der Bischöfe der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) veröffentlicht das Exekutivkomitee der COMECE die folgende Erklärung zum Tode von Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. am 2. April 2005 im Vatikan.

“Der Tod Seiner Heiligkeit Johannes Paul II. markiert das Ende eines historischen Pontifikats. Die Erinnerung an diesen energischen, mutigen und visionären Pontifex, der Leiden und Schwäche mit Würde ertrug, ist eine Inspiration für Millionen von Gläubigen und Nicht-Gläubigen in der ganzen Welt.

Der Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft, die Mitglieder und das Sekretariat dieser Kommission bringen im Gedenken an Papst Johannes Paul II. ihre größte Anerkennung zum Ausdruck. Sie beten, dass er Christus, dem er während seines Lebens mit unverbrüchlichem Mut gedient hat, nun als seinen Herrn und Retter von Angesicht zu Angesicht sehen wird.

Als Diener der Diener Gottes war Papst Johannes Paul II ein Papst mit universellen Visionen in seiner Lehre und in seinem pastoralen Werk. Er war ein Papst für die Welt der Globalisierung; er verkündete die universelle Botschaft Christi als Quelle der Hoffnung für die Menschheit. Seine Vision der menschlichen Würde - fest verwurzelt in der Person Jesu Christi, durch den Gott gelebt, gelitten, gestorben und von den Toten auferstanden ist - war unauflöslich mit dem Gemeinwohl der ganzen Menschheit verbunden. Im Einklang mit seiner Vision suchte er überall, zwischen den Menschen Brücken zu bauen. Er nahm besondere Anstrengungen auf sich, um das ökumenische Verständnis zwischen den christlichen Konfessionen zu vertiefen und die interreligiösen Beziehungen zu fördern und zu stärken.

Europa ist Papst Johannes Paul II. aufgrund seiner Visionen und seines Elans zu großem Dank verpflichtet. Als Sohn Polens erfuhr er die Schrecken des Krieges und die folgenden schmerzlichen Teilung Europas. Von Anfang an stand sein Pontifikat stand unter dem Einfluss seines Einsatzes für die Befreiung von den Fesseln der Unterdrückung. Er entwickelte die Vorstellung eines Europas, dessen Teilung durch den Kalten Krieg überwunden werden sollte. In voller Anerkennung der Bedeutung des Europäischen Integrationsprozesses brachte er häufig den Wunsch zum Ausdruck, dass diese freie Organisation solidarischer Völker und Nationen, wie sie in der Europäischen Union erreicht worden ist, eines Tages die Länder Mittel- und Osteuropas umfassen würde, damit Europa „die ihm durch die Geographie und mehr noch durch die Geschichte gegebene Dimension“ erhalten kann (Rede vor dem Europäischen Parlament am 11. Oktober 1989,.

Angesichts der Herausforderungen, denen sich Europa nach der friedlichen Revolution von 1989 stellen musste, war Papst Johannes Paul II davon überzeugt, dass die Kirche eine wichtige Rolle zu spielen habe, um das neue Verhältnis und die Aussöhnung zwischen Ost und West zu fördern. Er berief daher im Jahre 1991 die erste außerordentliche Versammlung der Synode der Bischöfe für Europa ein. Sie verlieh dem Erfahrungsaustausch und dem gegenseitigen Verständnis zwischen den Ortskirchen in Ost- und Westeuropa neuen Schwung.

Seine Vision von Europa war die eines Kontinents mit zwei Lungenflügeln, Ost und West, die im Einklang miteinander atmen - „nicht nur in religiöser, sondern auch in kultureller und politischer Hinsicht“ (Rede vor der COMECE-Vollversammlung im Vatikan am 30. März 2001). Er wurde niemals müde, uns daran zu erinnern, dass die Ausübung der Freiheit im neuen Europa nur dann zur Befreiung führen wird, wenn sie mit der Ausübung von Verantwortung für die Rechte der anderen und für das weltweite Gemeinwohl der Gesellschaft verbunden ist.

Für Papst Johannes Paul II. ist der Humus der christlichen Zivilisation die Quelle der Wertentscheidungen über die Organisation des gesellschaftlichen Lebens, der menschlichen Würde, der Menschenrechte, von Gerechtigkeit und Frieden sowie der Rechtsstaatlichkeit. Wiederholt hat er die Europäer ermutigt anzuerkennen, „dass das Christentum dem europäischen Kontinent einen entscheidenden Beitrag der Erneuerung und der Hoffnung zu bieten hat, indem es mit neuem Schwung die stets aktuelle Botschaft Christi, dem alleinigen Erlöser der Menschheit, verkündet“ (Rede vor der COMECE-Vollversammlung im Vatikan am 30. März 2001).

Sein Aufruf an Europa und die Europäer in seiner denkwürdigen Rede von Santiago de Compostela im November 1982, “Kehre du selbst um! Sei du selbst! Entdecke wieder deine Ursprünge. Belebe deine Wurzeln! … Stelle deine spirituelle Einheit in einem Klima des umfassenden Respekts für andere Religionen und für genuine Freiheit wieder her!“ blieb eine zentrale Sorge seiner mehr als 1000 Reden und Ansprachen zu europäischen Fragen. Er forderte die europäischen Politiker dazu auf, ausgehend von der Religionsfreiheit die Menschenrechte von Individuen, Minderheiten und Völkern zu schützen. Er erklärte, dass der Sorge um das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden soll, wie auch der auf der Ehe gegründeten Familie (Ecclesia in Europa Nr.115).

Nach der Überzeugung von Papst Johannes Paul II „ist Europa vor allem aufgerufen, seine wahre Identität wiederzuerlangen“ (Ecclesia in Europa No. 109). Während er die Erweiterung der Europäischen Union begrüsste, bestand er darauf, dass „der Integrationsprozess vor allem in einer Übereinstimmung der Werte bestehen muss, die im Recht und im Leben ihren Ausdruck finden.“ (Ecclesia in Europa Nr.110).

Angesichts der Herausforderungen, denen sich die europäische Gesellschaft und die Kirche in Europa zu Beginn des neuen Jahrtausends stellen müssen, berief er die zweite Sonderversammlung der Bischofssynode ein. Das Apostolische Schreiben Ecclesia in Europa, das auf die zweite Synode folgte und von Papst Johannes Paul II am 28. Juni 2003 unterzeichnet wurde, bezeugt Jesus Christus als die wahre und letzte Hoffnung für Europa. Indem er den Ausdruck “Kirche in Europa” zum ersten Mal als Subjekt und Akteur gebrauchte (Ecclesia in Europa Nr.45, 65, 69, 105), forderte der Heilige Vater die Ortskirchen und die Christen dazu auf, kontinental zu denken und zu handeln, die Grenzen zu überschreiten und nach neuen Horizonten der Gemeinschaft zu streben. Seine unermüdliche Anstrengung für die Wiederherstellung eines Europas, das auf Solidarität gebaut ist, wird ein lebendiges Vermächtnis seines Pontifikates sein.

Sein Pontifikat war durch seine Bereitschaft gekennzeichnet und gestärkt, dem Willen Gottes bis zum letzten zu folgen. Seine umsichtige und väterliche Führung der Kirche durch ein ereignisreiches und historisches Vierteljahrhundert hindurch und in das neue dritte Jahrtausend hinein ist zu ihrem Ende gekommen. Sein Tod hinterlässt nicht nur die Kirche, sondern auch die Welt in Trauer um eine große, moralische Führungspersönlichkeit.

Seine Ermutigung für die jungen Menschen und sein Mitgefühl mit den Alten, Kranken und Leidenden bezeugten seine Fähigkeit, auf einer sehr persönlichen Ebene zu vielen Menschen Zugang zu finden. Demütig folgte er Jesu Vorbild und war für die Welt ein lebendiges Beispiel für die in der zeitgenössischen Gesellschaft wahrhaftig und ehrfürchtig gelebte Botschaft des Evangeliums.

Die Tage der Trauer werden durch die Gebete für einen Menschen geprägt sein, der im Führen diente, wie er im Dienen führte. Er möge ruhen in Frieden.”

Bischof em. Josef Homeyer von Hildesheim, Präsident der COMECE
Bischof Adrianus van Luyn von Rotterdam, Vizepräsident der COMECE
Erzbischof Hippolyte Simon von Clermont, Vizepräsident der COMECE

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Kondolenzschreiben der methodistischen Bischöfin zum Tod von Papst Johannes Pauls II uparrowprint druckenemail versenden

Frankfurt am Main/Deutschland, 04.04.2005 / EmK

Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland

Kondolenzschreiben der Bischöfin zum Tod von Papst Johannes Pauls II

In diesen Tagen der Trauer um Papst Johannes Paul II. überbringe ich Ihnen sowie allen Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und allen römisch-katholischen Glaubensgeschwistern die tiefe Anteilnahme und Verbundenheit der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Wir sind mit vielen Menschen in aller Welt beeindruckt von dem Zeugnis des Glaubens des verstorbenen Papstes Johannes Paul II.

Er war ein Pontifex - ein Brückenbauer - in seinem Einsatz für Frieden und Versöhnung, er setzte Zeichen, die von vielen gesehen und verstanden wurden, er suchte den Dialog mit den Weltreligionen und er war in seinem entschiedenen Eintreten gegen den Krieg im Irak vielen methodistischen Kirchengliedern nahe. Wir nahmen die ökumenische Leidenschaft des verstorbenen Papstes wahr und wir leisteten unsererseits als Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland einen aktiven Beitrag zum gegenseitigen Kennenlernen und Verständigung, zum Beispiel im Anteilnehmen an den Dialogen des Weltrates Methodistischer Kirchen mit der Römisch-katholischen Kirche. Im Eintreten für mehr sichtbare Einheit unter den Konfessionen kamen wir der Einladung des Papstes zu einem geduldigen ökumenischen Dialog nach. Damit verbunden war aber auch das Leiden daran, dass im jetzt zu Ende gehenden Pontifikat keine weitergehenden Schritte hin zu einer vollen Anerkennung der reformatorischen Kirchen und damit wenigstens zur eucharistischen Gastfreundschaft möglich waren.
Es ist unser Wunsch und Gebet, dass die große Anteilnahme der Menschen in aller Welt am Tod von Papst Johannes Paul II. zu einem tiefen Fragen nach den Wurzeln des christlichen Glaubens führen möge. Dann wird das Lebenszeugnis des verstorbenen Papstes weiter wirken und somit die Botschaft, die uns gemeinsam aufgetragen ist, Gehör finden: Der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Christus gibt Halt im Leben und im Sterben und befähigt zur Weltgestaltung in der Bindung an Gott, den Schöpfer und Liebhaber des Lebens.

Für die Trauerfeierlichkeiten erbitten wir Gottes Segen und Schutz und für das bald folgende Konklave die Leitung des Heiligen Geistes. Als Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland wollen wir auch in Zukunft alles in unseren Kräften stehende tun, um den Dialog mit der Römisch-katholischen Kirche fortzuführen, für die Einheit der Christenheit zu beten und das gemeinsame Zeugnis des christlichen Glaubens in Wort und Tat weiterzugeben, "damit die Welt glaube ..." (Johannes 17,21). In der Verbundenheit des Glaubens an Jesus Christus, den Auferstandenen, verbleibe ich mit herzlichen Grüßen

Bischöfin Rosemarie Wenner
04.04.2005

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Metropolit Augoustinos zum Tod des Papstes Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Bonn/Deutschland, 04.04.2005 / G-O M Deutschland

Griechisch-Orthodoxe Metropolie

Griechisch-Orthodoxe Metropolie

Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland
Exarchat von Zentraleuropa

Zum Tod des Papstes Johannes Paul II.

Mit dem Tod von Papst Johannes Paul II. endet eines der längsten und bedeutendsten Pontifikate des Römischen Stuhles.

Das bedeutet aber nicht, dass unter diesem Papst in der römisch-katholischen Kirche Veränderungen stattgefunden hätten, die von moderner Ideologie geprägt wurden.

Mehr als die Hälfte seines Lebens hat dieser polnische Papst im 20. Jahrhundert unter der Zwangsherrschaft moderner Diktaturen gelebt und deren Unterdrückungen, Verfolgungen und Verführungen am eigenen Leibe und an den Menschen kennen gelernt, die ihm als Priester und Bischof anvertraut waren.

Diese Erfahrungen haben das Wirken des Papstes sicherlich beeinflusst: Bemerkenswert sind: Sein unerschütterlicher Friedenswille, der den wahren Frieden in Christo meint und nicht den, der aus einer weltlichen Herrschaft entspringt. Damit hat er entscheidenden Anteil an der friedlichen Überwindung der Teilung Europas gehabt. Er zielte außerdem auf den Verständigungswillen unter den Religionen der Welt. Und er drängte in der christlichen Ökumene die Kirchen immer wieder auf den Weg zur Einheit, - zu einer Einheit, die die ganze Fülle der göttlichen Heilsgaben ohne Abstriche enthält. Er hielt fest an den unverkürzten Aussagen der Heiligen Schrift und an der Tradition der Kirche.

Papst Johannes Paul II. hat immer die Nähe der Menschen gesucht, - aller Menschen, - der Alten und Jungen, der Menschen aller Völker und Rassen. Hunderttausende haben ihn in aller Welt persönlich erleben können. Ihnen wollte er Zeuge Jesu Christi sein und ist es auch gewesen: ein Zeuge in Liebe und Wahrheit.

Die orthodoxe Kirche fühlt sich allen verbunden, die um den nun Verewigten trauern. Papst Johannes Paul II. hat sich wie auch seine Vorgänger um eine Intensivierung der Gemeinschaft mit der orthodoxen Kirche bemüht. Unvergesslich ist uns der Besuch des Papstes bei der Kirche in Griechenland, der trotz Schwierigkeiten zu einer versöhnenden und versöhnlichen Annäherung führte. Das Ökumenische Patriarchat pflegt bereits seit Jahrzehnten die besten Beziehungen zum Römischen Stuhl, was auch 1964/65 den gemeinsamen Beschluss zur Folge hatte, die Ereignisse in Konstantinopel im Jahr 1054 dem Vergessen anheimzugeben. 1979 verkündeten Papst Johannes Paul II. und Patriarch Dimitrios im Phanar den Beginn eines Dialogs zwischen der katholischen Kirche und der Weltorthodoxie. Besonders bewegend war die letzte Begegnung von Patriarch Bartholomaios und dem römischen Papst am Fest Peter und Paul im Sommer vorigen Jahres in Rom. Es ging dabei auch um die Rückgabe der Reliquien der Heiligen Johannes Chrysostomos und Gregor des Theologen (von Nazianz), die beide Patriarchen von Konstantinopel gewesen sind. Im November 2004 wurden sie nach Istanbul überführt und seitdem in der Kathedrale des Patriarchen aufbewahrt.

Die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland gedenkt in Wehmut und fortdauernder Zuneigung dieses Oberhirten, der uns immer ein Vorbild des Glaubens und der Liebe bleibt.

Metropolit Augoustinos von Deutschland
und Exarch von Zentraleuropa

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Kondolenzbrief des Stammapostels der Neuapostolische Kirche zum Tod von Papst Johannes Paul II. uparrowprint druckenemail versenden

Zürich/Schweiz, 05.04.2005 / NAP

Kondolenzbrief des Präsidenten und Stammapostels der Neuapostolischen Kirche - International


An das
Kardinalskollegium der
Römisch-katholischen Kirche
Via della Conciliazione 54
SCV-00120 CITTÀ DEL VATICANO


Zürich, den 05. April 2005

Eminenzen, sehr geehrte Herren Kardinäle

Zum Tod von Papst Johannes Paul II. möchte ich Ihnen meine aufrichtige Anteilnahme
aussprechen. Ich tue dies auch im Namen der neuapostolischen Christen in aller Welt.
Papst Johannes Paul II. war über die Konfessionsgrenzen hinaus eine in aller Welt geschätzte
Persönlichkeit des christlichen Glaubens. Er hat sein Leben ganz in den Dienst des
Evangeliums Christi gestellt und dabei keine Anstrengungen gescheut, seinen empfangenen
Auftrag zu erfüllen.

Während seines fast 27-jährigen Pontifikats hat er die Römisch-katholische Kirche mit sicherer
Hand geleitet. Durch sein Charisma hat er nicht nur die Herzen der Jugend gewonnen,
sondern die Zuneigung von Millionen von Gläubigen aus allen Völkern rund um die
Erde. Darüber hinaus hat er mit seiner menschlichen Nähe und Frömmigkeit der gesamten
Christenheit große Dienste erwiesen. Für viele Menschen ist er zum Symbol unerschrockenen
Handelns im Sinne des Evangeliums geworden.

Wir neuapostolische Christen schliessen ihn in unsere Gebete ein.

Mit aufrichtiger Anteilnahme

Neuapostolische Kirche International
R. Fehr
Der Präsident und Stammapostel

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Lutheraner: Papstamt für Protestanten "unannehmbar" uparrowprint druckenemail versenden

Hannover/Deutschland, 06.04.2005 / idea D

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Hans Christian Knuth (Schleswig), hat den verstorbenen Papst Johannes Paul II. einerseits als "aufrechten und glaubwürdigen Christen" gewürdigt, aber gleichzeitig die protestantische Kritik am Papstamt bekräftigt.

Unabhängig von seiner menschlichen Größe seien Rolle und Funktion jedes Papstes für Protestanten "unannehmbar", schreibt Knuth in einen Zeitungsbeitrag. Der Anspruch, Stellvertreter Jesu Christi zu sein, das unfehlbare Lehramt, die uneingeschränkte Rechtsvollmacht über seine Kirche blieben Barrieren zwischen den Kirchen. Auch die religiöse Verehrung Marias sei nicht nachvollziehbar, heißt es in einer von der VELKD in Hannover verbreiteten Pressemitteilung. Knuth: "Hier hat auch dieser offene und liebenswürdige Papst die Einheit nicht vorangebracht." Positiv zu bewerten sei die weitgehende Annäherung im Hauptstreitpunkt, der die Christenheit seit der Reformation spalte – der Rechtfertigungslehre. Dabei geht es um die Frage, ob der Mensch allein durch den Glauben vor Gott gerechtfertigt wird – so die evangelische Überzeugung – oder auch durch gute Werke. Die Verständigung in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999 sei, so Knuth, dem Papst wichtig gewesen. In vielen Sachfragen habe er allerdings die großen Hoffnungen nicht erfüllt, die sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den sechziger Jahren verbunden hätten. Dank des verstorbenen Papstes könne man an der Annäherung der strittigen Positionen "in einer Atmosphäre der gegenseitigen Hochachtung und Glaubensgemeinschaft" weiterarbeiten, so Knuth.

(C) Evangelische Nachrichtenagentur idea

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idea-Kommentar: Ist die ganze Welt katholisch geworden? uparrowprint druckenemail versenden

Wetzlar/Deutschland, 06.04.2005 / idea D

Zu den Reaktionen auf Sterben und Tod von Johannes Paul II.

Nie wurde wohl in Deutschland dem Sterben eines Kirchenführers eine so große Anteilnahme zuteil wie bei Papst Johannes Paul II. Medien, die sonst nichts von einem Jenseits, geschweige denn von Gott wissen wollen, titelten jetzt über den Papst: „Der Unsterbliche“ (so der „Spiegel“). Blätter wie BILD, die sonst auf so gut wie jeder Seite gegen Weisungen des Papstes verstoßen, schreiben plötzlich, er sei eine „moralische Autorität“ gewesen.

Ja, BILD meint sogar zu wissen, wie der Papst in den Himmel kam: Maria selbst habe ihn „in der Falte ihres Mantels zu Gott getragen“. Und der Bundeskanzler, der mit seiner Politik bei ethischen Entscheidungen mit so gut wie allem gegen das steht, was der Papst forderte, erklärt jetzt, die Welt sei durch den Tod des Papstes „ärmer“ geworden. Was für eine Schizophrenie!

Evangelische Anbiederung?

Eine derartige Ehrbezeugung ist einem Protestanten jedenfalls noch nie zuteil geworden. Der Tod höchster evangelischer Repräsentanten wäre der „Tagesschau“ bestenfalls die 28. Meldung wert. Und während der Weltkirchenrat öffentlich gar nicht mehr zu existieren scheint, hat man – verfolgt man die Massenmedien – das Gefühl, die ganze Welt sei katholisch. „Rom“ braucht auch gar nicht mehr seine Lehre vom Papst als „Stellvertreter Christi“ zu verteidigen. Selbst atheistische, linke Blätter haben das Wirken von Johannes Paul II. in einer Weise beschrieben, als ob es sich tatsächlich um einen überirdischen Menschen gehandelt habe. Dazu haben freilich auch evangelische Bischöfe beigetragen. Das Höchste, was ihnen widerfahren konnte (so wird von einigen freimütig bekannt), sei ein Besuch beim Papst gewesen. Gerade das berührt merkwürdig, denn die katholische Kirche erkennt die evangelische Ordination – und damit ihr Amt – gar nicht an. Selbst freikirchliche Repräsentanten redeten den Papst mit „Heiliger Vater“ an. Nie wurde also dem Papstamt nach der Reformation so viel Ehre erwiesen wie jüngst.

"Mit Freude in Marias Hände"

Dabei ist der Papst katholisch geblieben. So waren, laut seinem Sekretär, seine letzten Gedanken: „Ich gebe mich völlig mit Freude in die Hände der Jungfrau Maria.“ In seinem im letzten Jahr erschienenen Buch schrieb er, daß er auch den Mann Marias, Josef, um Hilfe angerufen habe. Für Martin Luther war beides „antichristlich“. Doch die Faszination dieses Papstes ist so groß gewesen, daß kein evangelischer Bischof dagegen mehr Einspruch erhob. Die Reformation ist eben fast 500 Jahre her.

Was wir vom Papst lernen können

Dabei könnten evangelische Christen und besonders ihre leitenden Repräsentanten tatsächlich eine Menge von diesem Papst lernen, denn auf ethischem Gebiet stand er in vorbildlicher, nachzufolgender Weise auf biblischem Boden, wenn er eindeutig Abtreibung, praktizierte Homosexualität und Sterbehilfe ablehnte. Und das größte aller Phänomene bei diesem Papst dürfte wohl sein, daß gerade er, der sich selbst gegen Kondome und außereheliche Sexualität wandte, also alles, was quasi mittlerweile selbstverständlich scheint, von zahllosen Jugendlichen bejubelt wurde und jetzt von Massenmedien als fast göttliche Instanz geehrt wird. Könnte es sein, daß dahinter eine tiefe Sehnsucht nach klarer, hammerharter Orientierung steckt – oder zumindest nach Überzeugungen, an denen man sich reiben kann? Daß man deshalb im tiefsten den Papst bewundert? Auch wenn man meinte, ihn jahrelang öffentlich kritisieren zu müssen? Zeitgeistsurfer sind eben nur einen winzigen Augenblick gefragt, um danach verachtet zu werden. Von den evangelischen Kirchenführern jedenfalls, die den Papst in Sachen Abtreibung als rückständig belächelten, redet jedenfalls niemand mehr.

Helmut Matthies. Chefredakteur und idea-Leiter

(C) Evangelische Nachrichtenagentur idea e. V.

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Historiker: Papst nicht vorschnell das Prädikat "der Große" geben uparrowprint druckenemail versenden

Rom/Italien, 06.04.2005 / Kathpress

Der Kirchenhistoriker Walter Brandmüller hat davor gewarnt, dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. vorschnell das Prädikat "der Grosse" zuzuschreiben. Die Kirche kenne bislang nur zwei Päpste, denen sie den Beinamen "der Grosse" verliehen habe, nämlich die Kirchenlehrer Leo (um 400-461) und Gregor (um 540-604), sagte der Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften im Deutschlandfunk. Eine solche Zuschreibung solle späteren Generationen vorbehalten bleiben. Prälat Brandmüller äusserte sich trotz seiner persönlichen Verbundenheit mit Johannes Paul II. skeptisch zu den Versuchen, den verstorbenen Papst umgehend mit dem Beinamen "der Grosse" zu versehen.

Im Redemanuskript der Predigt von Kardinal Angelo Sodano hatte am Sonntag die Bezeichnung "Johannes Paul der Grosse" gestanden. Der Kardinal verzichtete aber dann bei seiner Ansprache auf diesen Begriff. Papst Leo der Grosse wurde im Jahr 440 zum Papst gewählt. Er festigte entscheidend die Stellung des Bischofs von Rom und wird deshalb von Historikern als der erste wirkliche "Papst" mit Macht zur Leitung der gesamten abendländischen Kirche angesehen. Als erster Papst wurde Leo in der Peterskirche beigesetzt.

Unter Gregors Herrschaft musste das Papsttum nach der Katastrophe der Völkerwanderung die politische Macht in Italien übernehmen: Er schloss die Gebiete Mittelitaliens zu einem einheitlichen Ganzen zusammen, das zum Grundstein des Kirchenstaates wurde. Es gelang ihm, Roms traditionellen Anspruch auf die kirchliche Vormachtstellung gegenüber dem Patriarchen von Konstantinopel sowie den anderen Bischöfen der Kirche durchzusetzen. Gregor initiierte auch die Re-Christianisierung Englands. Er trug wesentlich zur Durchsetzung der benediktinischen Mönchsregel bei und förderte das Klosterwesen, eine Liturgiereform sowie die Einführung der so genannten gregorianischen Choräle.

(C) Katholische Nachrichtenagentur Kathpress, Wien

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Papst-Vermächtnis: "Ich bin froh, seid ihr es auch!" - von Michael Rutz uparrowprint druckenemail versenden

PAPST JOHANNES PAUL II.
Im Mittelpunkt der Kirche – der Mensch. Das ist sein Vermächtnis „Ich bin froh, seid ihr es auch!“

von Michael Rutz

Das Lebenswerk von Johannes Paul II. hat die Welt menschlicher gemacht. Mit seiner Unbeugsamkeit nötigt er selbst Kritikern Respekt ab.

Keiner hat bisher so weltweit, so öffentlich gelebt. Und keiner ist so öffentlich gestorben. Die Welt nahm in den letzten Tagen live Abschied von diesem Papst. Sie blickte auf seine Fenster, als er verschied, sie begleitete seine sterblichen Reste in den Petersdom und von dort ins Grab. Selbst jene, die kirchenfern sind, haben gespürt: Mit Johannes Paul II. ging ein ganz Grosser aus diesem Leben.

„Im Mittelpunkt der Kirche steht der Mensch“– dieser Leitsatz hat sein Pontifikat bestimmt. Deshalb hat er die Aufmerksamkeit der Menschen gesucht. Er wollte ihnen begegnen, in Rom und auf seinen mehr als einhundert Reisen. Er hat diese Reisen fernsehgerecht inszeniert, weil er nicht nur jene 350 Millionen Gläubigen erreichen wollte, die ihn auf seinen Reisen direkt erlebten, er wollte auch die anderen inspirieren, daheim am Fernseher. Dieser Papst wusste um die suggestive Kraft des Fernsehbildes, er sah in den Medien wichtige Kanzeln der Gegenwart, er baute auf die machtvolle Beförderung, die Botschaften durch die Medien erfahren.

Es waren gute Botschaften, die dieser Papst im Gepäck hatte. Indem er mit einer zuvor eurozentrierten Kirche aufbrach in die Welt, hat er in vielen Erdteilen die Idee des Christentums tiefer verankert als zuvor, er hat den Katholizismus stärker gemacht, als er je war. Er hat vorgelebt, welche grosse Lebensfreude sich aus spiritueller Kraft ziehen lässt. Er hat aber auch keinen Zweifel daran gelassen, dass der Christ in der Pflicht steht, diese Welt politisch mitzugestalten, und welche Leitlinien dafür gelten.

Christen, das war dabei die wohl wirkungsvollste Botschaft, wissen zu unterscheiden zwischen weltlicher und kirchlicher Macht, die eine zuständig für das Wohl, die andere für das Heil der Menschen. Totalitäre Staaten haben sich deshalb mit dem Christentum nicht arrangieren können; Kommunisten, Faschisten und Nationalsozialisten haben jene stets verfolgt, die neben den verordneten totalitären Ikonen noch einen anderen Gott kannten und daher jedem Gottkaisertum, jeder Theokratie entgegentraten. Das war die fundamentale Überzeugung, die der polnische Papst vorlebte und predigte, deshalb haben ihn die kommunistischen Führer des ehemaligen Ostblocks derart gefürchtet, dass sie Attentate auf ihn organisierten – alles ohne Erfolg: Johannes Paul II. trug mit seinem Freiheitswillen wesentlich dazu bei, die kommunistischen Systeme zum Einsturz zu bringen.

Sachwalter der Armen

Die andere Botschaft: Im Mittelpunkt des christlichen Menschenbildes steht das Engagement für die Schwachen, für die Benachteiligten dieser Welt. Sie haben Anspruch auf Zuspruch, aber – im politischen Staat – eben auch auf ein christlich fundiertes Gesellschaftssystem, das eine ausgleichende Sozialpolitik, eine chancenfördernde Bildungspolitik und ein Rechtssystem kennt, vor dem alle Menschen gleich sind. Die Entschiedenheit, mit der Papst Johannes Paul II. seine Gesellschaftskritik in kapitalistischen wie kommunistischen Systemen vortrug, hat ihm die Gefolgschaft der Menschen eingebracht, die sich von ihm verstanden und vertreten fühlten, die in ihm ihren Sachwalter sahen. Er hat Demokratie gepredigt, die Teilhabe der Menschen. Auch deshalb war er stolz darauf, dass manche ungerechterweise Mächtige der Welt Opfer seiner strikten Vorstellung von Gerechtigkeit wurden.

Wider den Zeitgeist

Doch: Alles Bemühen um die Sozialität einer Gesellschaft bleibt sinnlos, wenn sie nicht aufbaut auf einem unbedingten Schutz des Lebens: am Lebensanfang, am Lebensende, inmitten des Lebens durch Krieg und Drangsalierung. Johannes Paul II., der Lebensschützer – seine unbeugsame Unbequemlichkeit hat den Zeitgeist nicht akzeptiert, der viele Gründe kennt, den Schutz des Lebens zu relativieren – durch die diversen Indikationen der Abtreibung am Anfang des Lebens, durch Variationen der Sterbehilfe am Lebensende. Das hat ihm den Vorwurf der Rückständigkeit eingetragen, dass er ihn an dieser Stelle mit Stolz akzeptiert hat, war eine seiner stärksten Seiten. Auch in dieser Frage drohte der Papst nie: Er hat stets zum Leben ermutigt und zu überzeugen versucht.

Johannes Paul II. hat auf all diesen Feldern wesentlich dazu beigetragen, jenen ethischen und moralischen Grundwortschatz zu sichern, ohne den ein Zusammenleben der Völker, aber auch ein individuell verantwortetes Leben nicht möglich ist. Er hat selbst grossen Zweiflern überzeugend dargelegt, wie wichtig der Beitrag des Christentums angesichts der Aufgabe ist, die normativen Bestandsvoraussetzungen einer Gesellschaft zu formulieren im Kampf gegen die „Pathologien der Vernunft“, wie Joseph Kardinal Ratzinger das einmal genannt hat.
Diese ethisch-moralische Autorität hat die katholische Kirche zu einem weltweit wirksamen politischen Faktor gemacht. Papst Johannes Paul II. gab ihr die Kraft, vielfältig zu vermitteln, im politischen Zwist ebenso wie im kulturellen. Er hat so die Wege offen gehalten für das grosse Zukunftsthema: eine Verständigung des Islam nicht nur mit den anderen Religionen, sondern seine Verständigung auch mit einer aufgeklärten Welt.

Es ist wahr: Johannes Paul II. hatte eine feste Botschaft. Eine Position aber verlangt auch um ihrer Klarheit willen Kompromisslosigkeiten und Grenzziehungen. Anders als mit solchen unzweideutigen Standpunkten kann auch die Aufgabe nicht gelingen, eine weltumspannende Kirche in so vielen Kontinenten zusammenzuhalten, in denen die Lebensverhältnisse höchst unterschiedlich sind. Indem er seiner Kirche Vorgaben machte, schloss er auch Missverständnisse aus, liess er Beliebigkeiten nicht entstehen. Für diejenigen, die ihm in seinen Auffassungen folgten, war das ein Segen. Den anderen gab er einen Massstab für ihre Abweichung, für ihr Gewissen.

Angesichts der Leistung dieses Papstes greift es zu kurz, ihn nur anhand jener wenigen Fragen zu beurteilen, in denen manche westeuropäische Christen Dissens verspüren: etwa bei den, nach allen Erfolgen, noch offenen Fragen der christlichen Ökumene; der aktiven Rolle der Frau in der Kirche; beim Pflichtzölibat oder der kirchlichen Sexualmoral. In diesen Fragen mag sich durch kommende Päpste etwas ändern oder auch nicht. Die Standfestigkeit Johannes Pauls II. aber wird hier selbst jenen Respekt abnötigen, die anderer Meinung sind und sich in diesen Themen an ihm und ihrer Kirche reiben konnten.

Prinzipienfest handeln

Sie alle wissen, dass diese Welt, die an so vielen Stellen brüchig geworden ist, äusserlich wie innerlich, im Grunde nichts dringlicher braucht als Menschen, die mit ganz festen Überzeugungen für eine menschenwürdige Welt eintreten, die davon nicht nur reden, sondern sie durchzusetzen suchen. Das sind nicht jene, die sich dem Zeitgeist beugen, die einem liberalistischen Individualismus huldigen. Vielmehr kommt es auf die an, die an einem ethisch-moralischen Grundbestand für die res publica interessiert sind. Sie geben der Welt jene notwendige Form, in der auch das Formlose überleben kann.

Die letzten Worte Johannes Pauls II., so heisst es, seien gewesen: „Ich bin froh, seid ihr es auch.“ Da ist einer, der vorgemacht hat, wie es gehen kann: prinzipienfest leben, für diese Prinzipien kämpfen, diese Welt fröhlich zu akzeptieren in der Überzeugung, Christen müssten immer etwas erlöster aussehen als die anderen.

Johannes Paul II. hat all das getan, er war am gelöstesten, wenn er feiern konnte, zumal mit jungen Leuten. Und er hat schliesslich gezeigt, dass der Tod zum Leben gehört und auch er Anlass sein kann zu Hoffnung.

© Rheinischer Merkur
Erschienen in der Nummer 14 (07.04.2005)

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Die evangelischen Kirchen sagen: "Unser Bruder in Christus" uparrowprint druckenemail versenden

von Johannes Friedrich

Zu den wichtigsten Impulsen des Papstes zählt sein ökumenisches Engagement, sagen die evangelischen Kirchen "Unser Bruder in Christus"

Sein beispielloses Charisma hat auch dazu beigetragen, dass die alten Verurteilungen zwischen Konfessionen Geschichte wurden.

Es stand schlecht um den Papst. Sein Gesundheitszustand war die Topmeldung in den Nachrichtensendungen. Das Telefon ging im evangelischen Bischofsbüro. Eine Kirchengemeinde aus der ostbayerischen Diaspora erkundigte sich: "Wenn der Papst stirbt, sollen wir Evangelischen dann auch die Totenglocke läuten?"

Gewiss ist diese Frage Zeichen für gewachsene ökumenische Solidarität und Anteilnahme unter Nachbarn. Aber sie ist mehr: Dieser Papst hat alle, Katholiken wie Nichtkatholiken, Christen und Nichtchristen, berührt. Er war eine starke, in all seiner Widersprüchlichkeit überzeugende Persönlichkeit, in seiner ganzen Schwäche und Gebrochenheit des Leibes die vielleicht grösste Gestalt unserer Tage, eine – wieder in aller Widersprüchlichkeit – moralische Autorität, die sich mit dem vollen Gewicht ihres Amtes für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt eingesetzt hat.

Flut von Heiligsprechungen

Zur Zeit Martin Luthers tobte in der abendländischen Kirche der Kampf zwischen Kurialisten und Konziliaristen. Die Kurialisten sahen den Weg der Kirche in einer Stärkung der Zentralgewalt. Die Konziliaristen legten Wert auf Kollegialität der Bischöfe und das Gewicht und die Stimme der Ortskirchen. Luther liess sich nicht in eine dieser Alternativen drängen, sondern formulierte grundlegende Anfragen an das Selbstverständnis und die Rolle des Papsttums. Johannes Paul II. war ein vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägter Theologe. Aber er war kein Konziliarist. Er war auch kein Kurialist. Für vatikanische Innenpolitik hat er sich kaum je interessiert. Mit dem Pontifikat Johannes Pauls sind wir vielmehr einem ausgeprägten Papalismus begegnet. Er war der Weltbischof, der die Weltkirche durch seine Person zusammengehalten hat. Und er tat es vor allem auf drei Weisen: durch seine über hundert pastoralen Reisen, durch seine Lehrschreiben und durch die von ihm ausgehende Spiritualität.

Sein zuletzt erschienenes Buch "Erinnerung und Identität" hilft, den philosophisch-theologischen Denkansatz des Papstes zu verstehen. Die zentrale Stelle ist meines Erachtens seine Auseinandersetzung mit der Aufklärungsphilosophie René Descartes. Dessen "Ich denke, also bin ich" gilt ihm als autonome Selbstdefinition des Menschen, als A-Theismus, der die Pforten der Hölle öffne. Für Johannes Paul ist der Mensch nur recht verstanden als koordiniert von Christi Kreuz und Auferstehung her. Das aber ist auch der Anspruch, mit dem er, der Papst, selbst auftritt und Autorität in der Kirche einfordert. "Reisst die Türen auf für Christus!", ruft er bei seiner ersten Predigt in die Welt. Welt und Kirche begreifen, dass dies nicht nur ein Aufruf zu Mission und Evangelisierung ist, sondern die Sendung der Kirche markiert.

Durch seine Reisen erreicht das Dogma vom päpstlichen Jurisdiktionsprimat erst wahre Geltung. Er ist die weltweit präsente Autorität in Fragen der Lehre, der Moral und auch der Disziplin. Zu keiner Zeit gab es wohl mehr Disziplinierungen von unbotmässigen Theologen. Dieser Papst, der in den achtziger Jahren in Polen und ab 1989 in ganz Osteuropa so sehr für die Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt eintrat, wird nicht in die Erinnerung eingehen als der, der grössere Freiheit innerhalb der Kirche gewährte.

Einerseits war er modern und machte sich die zeitgemässe Kommunikation zunutze. Auf der anderen Seite war sein Denken tief in der Scholastik gegründet, aufklärungskritisch, auf personale Autorität und konservative Moral bedacht. Auf der einen Seite steht sein beispielloses Charisma, auf der anderen Seite sein kompromissloses Nein zur kirchlichen Schwangerschaftsberatung, zur Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion, sein grundsätzliches Nein zur eucharistischen Gastfreundschaft für Katholiken bei anderen Konfessionen und zum Diakonat für die Frau.

Die Flut seiner Heilig- und Seligsprechungen! Ich sehe wohl das Anliegen, gegen die Grundstimmung, es gebe keine mutigen Christen mehr, einen Kontrapunkt zu setzen, so versteht es jedenfalls Bischof Klaus Küng. Andererseits haben sie teilweise eine problematische Tendenz: Mit Pius IX. wurde nicht nur erstmals ein Papst selig gesprochen, noch dazu einer, der die Gegenreformation und die Gegenaufklärung bejubelt hatte, sondern das Papsttum als solches, denn Pius IX. war der Papst, mit dessen Namen sich Unfehlbarkeitsdogma und Jurisdiktionsprimat verbinden. Die Seligsprechung des Gründers von Opus Dei erhebt zwar den spirituellen Führer einer Laienbewegung zur Ehre der Altäre, aber es ist eben eine unbedingt papsttreue Laienbewegung. Vollends irritiert ist man, wenn der Papst bei der Seligsprechung des letzten österreichischen Kaisers auf den Zusammenhang zwischen dem Vornamen des Kaisers und seinem eigenen zu sprechen kommt. Ganz ohne Zweifel: Johannes Paul war, das wird bei uns Evangelischen oft unterschätzt, stark an der Ökumene gelegen. Auch darin war er ein vom Konzil durch und durch geprägter Theologe. Seine erste Auslandsreise führte ihn zum Patriarchen von Konstantinopel. Bereits ein Jahr später besuchte er Deutschland, und es kam zur Begegnung mit den leitenden Geistlichen der Evangelischen Kirche. Bei diesem Besuch entstand die Anregung, in einer bilateralen Kommission zu untersuchen, ob die gegenseitigen Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts heute noch kirchentrennend seien. Im Gefolge dieser Arbeit kam es auch zur denkwürdigen Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" 1999 in Augsburg, die derzeit den greifbarsten ökumenischen Fortschritt zwischen römischen Katholiken und Lutheranern darstellt. Daran, dass diesem Papst sehr an der Unterzeichnung gelegen war, besteht kein Zweifel. Dass der Vatikan die Pfarreien und Ortskirchen angehalten hat, mit den lutherischen Nachbarn die Gemeinsame Erklärung in Gebet und Lernen mit Leben zu füllen, ist ein starkes Zeichen seines Einsatzes für Ökumene und Einheit. Beim Abschied von seinem ersten Deutschlandbesuch 1980 auf dem Münchner Flughafen sagte der Papst: "Ich stelle mich voll und ganz in den Strom der Sehnsucht nach Einheit." Hier sieht man deutlich: Ökumene, Einheit ist nicht das Ergebnis kirchenpolitischer Schritte, sondern eine Bewegung des Heiligen Geistes, von der wir uns mit auf den Weg nehmen lassen – oder auch nicht. Einheit und Sendung der Kirche sind untrennbar. Die ökumenische Bewegung kann nur im Rahmen der Sendung der Kirche stattfinden.

Johannes Paul wusste aber, dass es von Menschen verantwortete Hindernisse der Einheit gibt. Die ökumenisch bedeutsamste seiner 14 Enzykliken, "Ut unum sint" von 1995, bezeichnet die Suche nach der sichtbaren Einheit der Kirche als zentral für die Sendung der Kirche, weil sie in Gottes Heilswillen und im Bekenntnis zum einen Christus ihren Grund hat. Offenheit dagegen braucht es für die geschichtlich gewordenen Formen, selbst für die Form der Ausübung des Papsttums. Darum regte der Papst in diesem Lehrschreiben an, sich über ein für alle Seiten akzeptables Papstamt zu verständigen.

Am 25. November 2003 griff Johannes Paul beim Treffen von der Fokular-Bewegung nahe stehenden Bischöfen einen Satz aus dem Ökumenismusdekret auf: "Die Kraft der Liebe drängt uns, aufeinander zuzugehen, und hilft uns, in einer Haltung des Hinhörens, des Dialogs, der Umkehr und der Erneuerung zu leben". Und dann fügte er an: "Nur eine intensive ökumenische Spiritualität, die als Nachfolge Christi und in voller Verfügbarkeit den Eingebungen des Heiligen Geistes gegenüber gelebt wird, hilft uns, mit dem nötigen Schwung diese Zwischenzeit zu leben, in der wir uns den Fortschritten und Rückschlägen sowie den Licht- und Schattenseiten unseres Weges der Versöhnung stellen müssen." In diesem Wort an die Bischöfe, Vertreter vieler Konfessionen, ist das ökumenische Grundanliegen Johannes Pauls greifbar.

Johannes Paul II. hat versucht, die Weltkirche wie ein Monarch durch seine Person zusammenzuhalten, wobei er seine Person immer von der Koordinate Christus her verstanden hat. Mag sein, dass einige Kommentatoren nun im Rückblick auf sein Leben sagen werden: Daran hat er sich aufgerieben und verschlissen. Wir wissen, dass dieser Papst sich von Christi Kreuz und Auferstehung ohne Wenn und Aber her verstanden hat und so sein Leiden in der Passion Christi aufgehoben sah, ja mehr: für ihn das Leiden als Nachfolge des gekreuzigten Christus anzunehmen war.

Gebrechlicher Weltbischof

Fragt man: Welche Botschaft hatte Johannes Paul II.?, wird die Antwort lauten müssen: Er hatte nicht nur eine Botschaft, er war eine Botschaft: Der Weltbischof war er, aber nicht Bild der triumphierenden Kirche, sondern des leidenden Christus. Ich wage zu sagen: Gott hat diesen Papst, der dem Anspruch des Stellvertreters Christi Gestalt geben wollte, zum Zeugen Christi gemacht. Die Autorität der Kirche und in der Kirche ist die des leidenden Christus. Ihm ist die Auferstehung und das Leben verheissen. Aber wie Mose das Gelobte Land, so sehen auch wir es nur von ferne, selbst als Papst. In seiner Schrift „Von den Conciliis und Kirchen“ nennt Martin Luther folgende Kennzeichen der Kirche: Wort Gottes, Taufe, Abendmahl, die beauftragten Menschen, das gottesdienstliche Gebet und das Leiden um Christi willen: "Wo du solches siehst, da sei gewiss, dass hier die Kirche ist."

Was von Johannes Paul überdauern wird, lässt sich schwer sagen. Dass nach ihm wieder ein Papst in dieser Weise die Weltkirche mit seiner Person und Autorität zusammenhalten kann, ist nicht zu erwarten. Ob die Grundanliegen seiner Lehrschreiben Bestand haben werden, steht dahin. Was in meinem Gedächtnis von ihm bleiben wird, ist dieses Charisma des Nachfolgers Christi im Leiden, des mächtigen Weltbischofs in seiner Gebrechlichkeit, der ganz von Christus her lebt. Im Jahr 2000 sprach Johannes Paul: "Im Kreuz Christi erhält alles Leiden eine Möglichkeit von Sinn." Vor ihm, nicht vor dem Papstamt, verneige ich mich mit Respekt und mit Dank für alle Impulse zur Förderung der Einheit, die er, unser Bruder in Christus, Johannes Paul, der Bewegung unserer Sehnsucht nach Einheit gesetzt hat. Bischof für uns Evangelische war er nicht. Aber mit uns war er Christ.

Der Autor ist Landesbischof der Evangelischen Kirche in Bayern und Catholica- Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands.

© Rheinischer Merkur
Erschienen in der Nummer 14 (07.04.2005)

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Papst-Vermächtnis: "Ich bin froh, seid ihr es auch!" - von Michael Rutz uparrowprint druckenemail versenden

PAPST JOHANNES PAUL II.
Im Mittelpunkt der Kirche – der Mensch. Das ist sein Vermächtnis „Ich bin froh, seid ihr es auch!“

von Michael Rutz

Das Lebenswerk von Johannes Paul II. hat die Welt menschlicher gemacht. Mit seiner Unbeugsamkeit nötigt er selbst Kritikern Respekt ab.

Keiner hat bisher so weltweit, so öffentlich gelebt. Und keiner ist so öffentlich gestorben. Die Welt nahm in den letzten Tagen live Abschied von diesem Papst. Sie blickte auf seine Fenster, als er verschied, sie begleitete seine sterblichen Reste in den Petersdom und von dort ins Grab. Selbst jene, die kirchenfern sind, haben gespürt: Mit Johannes Paul II. ging ein ganz Grosser aus diesem Leben.

„Im Mittelpunkt der Kirche steht der Mensch“– dieser Leitsatz hat sein Pontifikat bestimmt. Deshalb hat er die Aufmerksamkeit der Menschen gesucht. Er wollte ihnen begegnen, in Rom und auf seinen mehr als einhundert Reisen. Er hat diese Reisen fernsehgerecht inszeniert, weil er nicht nur jene 350 Millionen Gläubigen erreichen wollte, die ihn auf seinen Reisen direkt erlebten, er wollte auch die anderen inspirieren, daheim am Fernseher. Dieser Papst wusste um die suggestive Kraft des Fernsehbildes, er sah in den Medien wichtige Kanzeln der Gegenwart, er baute auf die machtvolle Beförderung, die Botschaften durch die Medien erfahren.

Es waren gute Botschaften, die dieser Papst im Gepäck hatte. Indem er mit einer zuvor eurozentrierten Kirche aufbrach in die Welt, hat er in vielen Erdteilen die Idee des Christentums tiefer verankert als zuvor, er hat den Katholizismus stärker gemacht, als er je war. Er hat vorgelebt, welche grosse Lebensfreude sich aus spiritueller Kraft ziehen lässt. Er hat aber auch keinen Zweifel daran gelassen, dass der Christ in der Pflicht steht, diese Welt politisch mitzugestalten, und welche Leitlinien dafür gelten.

Christen, das war dabei die wohl wirkungsvollste Botschaft, wissen zu unterscheiden zwischen weltlicher und kirchlicher Macht, die eine zuständig für das Wohl, die andere für das Heil der Menschen. Totalitäre Staaten haben sich deshalb mit dem Christentum nicht arrangieren können; Kommunisten, Faschisten und Nationalsozialisten haben jene stets verfolgt, die neben den verordneten totalitären Ikonen noch einen anderen Gott kannten und daher jedem Gottkaisertum, jeder Theokratie entgegentraten. Das war die fundamentale Überzeugung, die der polnische Papst vorlebte und predigte, deshalb haben ihn die kommunistischen Führer des ehemaligen Ostblocks derart gefürchtet, dass sie Attentate auf ihn organisierten – alles ohne Erfolg: Johannes Paul II. trug mit seinem Freiheitswillen wesentlich dazu bei, die kommunistischen Systeme zum Einsturz zu bringen.

Sachwalter der Armen

Die andere Botschaft: Im Mittelpunkt des christlichen Menschenbildes steht das Engagement für die Schwachen, für die Benachteiligten dieser Welt. Sie haben Anspruch auf Zuspruch, aber – im politischen Staat – eben auch auf ein christlich fundiertes Gesellschaftssystem, das eine ausgleichende Sozialpolitik, eine chancenfördernde Bildungspolitik und ein Rechtssystem kennt, vor dem alle Menschen gleich sind. Die Entschiedenheit, mit der Papst Johannes Paul II. seine Gesellschaftskritik in kapitalistischen wie kommunistischen Systemen vortrug, hat ihm die Gefolgschaft der Menschen eingebracht, die sich von ihm verstanden und vertreten fühlten, die in ihm ihren Sachwalter sahen. Er hat Demokratie gepredigt, die Teilhabe der Menschen. Auch deshalb war er stolz darauf, dass manche ungerechterweise Mächtige der Welt Opfer seiner strikten Vorstellung von Gerechtigkeit wurden.

Wider den Zeitgeist

Doch: Alles Bemühen um die Sozialität einer Gesellschaft bleibt sinnlos, wenn sie nicht aufbaut auf einem unbedingten Schutz des Lebens: am Lebensanfang, am Lebensende, inmitten des Lebens durch Krieg und Drangsalierung. Johannes Paul II., der Lebensschützer – seine unbeugsame Unbequemlichkeit hat den Zeitgeist nicht akzeptiert, der viele Gründe kennt, den Schutz des Lebens zu relativieren – durch die diversen Indikationen der Abtreibung am Anfang des Lebens, durch Variationen der Sterbehilfe am Lebensende. Das hat ihm den Vorwurf der Rückständigkeit eingetragen, dass er ihn an dieser Stelle mit Stolz akzeptiert hat, war eine seiner stärksten Seiten. Auch in dieser Frage drohte der Papst nie: Er hat stets zum Leben ermutigt und zu überzeugen versucht.

Johannes Paul II. hat auf all diesen Feldern wesentlich dazu beigetragen, jenen ethischen und moralischen Grundwortschatz zu sichern, ohne den ein Zusammenleben der Völker, aber auch ein individuell verantwortetes Leben nicht möglich ist. Er hat selbst grossen Zweiflern überzeugend dargelegt, wie wichtig der Beitrag des Christentums angesichts der Aufgabe ist, die normativen Bestandsvoraussetzungen einer Gesellschaft zu formulieren im Kampf gegen die „Pathologien der Vernunft“, wie Joseph Kardinal Ratzinger das einmal genannt hat.
Diese ethisch-moralische Autorität hat die katholische Kirche zu einem weltweit wirksamen politischen Faktor gemacht. Papst Johannes Paul II. gab ihr die Kraft, vielfältig zu vermitteln, im politischen Zwist ebenso wie im kulturellen. Er hat so die Wege offen gehalten für das grosse Zukunftsthema: eine Verständigung des Islam nicht nur mit den anderen Religionen, sondern seine Verständigung auch mit einer aufgeklärten Welt.

Es ist wahr: Johannes Paul II. hatte eine feste Botschaft. Eine Position aber verlangt auch um ihrer Klarheit willen Kompromisslosigkeiten und Grenzziehungen. Anders als mit solchen unzweideutigen Standpunkten kann auch die Aufgabe nicht gelingen, eine weltumspannende Kirche in so vielen Kontinenten zusammenzuhalten, in denen die Lebensverhältnisse höchst unterschiedlich sind. Indem er seiner Kirche Vorgaben machte, schloss er auch Missverständnisse aus, liess er Beliebigkeiten nicht entstehen. Für diejenigen, die ihm in seinen Auffassungen folgten, war das ein Segen. Den anderen gab er einen Massstab für ihre Abweichung, für ihr Gewissen.

Angesichts der Leistung dieses Papstes greift es zu kurz, ihn nur anhand jener wenigen Fragen zu beurteilen, in denen manche westeuropäische Christen Dissens verspüren: etwa bei den, nach allen Erfolgen, noch offenen Fragen der christlichen Ökumene; der aktiven Rolle der Frau in der Kirche; beim Pflichtzölibat oder der kirchlichen Sexualmoral. In diesen Fragen mag sich durch kommende Päpste etwas ändern oder auch nicht. Die Standfestigkeit Johannes Pauls II. aber wird hier selbst jenen Respekt abnötigen, die anderer Meinung sind und sich in diesen Themen an ihm und ihrer Kirche reiben konnten.

Prinzipienfest handeln

Sie alle wissen, dass diese Welt, die an so vielen Stellen brüchig geworden ist, äusserlich wie innerlich, im Grunde nichts dringlicher braucht als Menschen, die mit ganz festen Überzeugungen für eine menschenwürdige Welt eintreten, die davon nicht nur reden, sondern sie durchzusetzen suchen. Das sind nicht jene, die sich dem Zeitgeist beugen, die einem liberalistischen Individualismus huldigen. Vielmehr kommt es auf die an, die an einem ethisch-moralischen Grundbestand für die res publica interessiert sind. Sie geben der Welt jene notwendige Form, in der auch das Formlose überleben kann.

Die letzten Worte Johannes Pauls II., so heisst es, seien gewesen: „Ich bin froh, seid ihr es auch.“ Da ist einer, der vorgemacht hat, wie es gehen kann: prinzipienfest leben, für diese Prinzipien kämpfen, diese Welt fröhlich zu akzeptieren in der Überzeugung, Christen müssten immer etwas erlöster aussehen als die anderen.

Johannes Paul II. hat all das getan, er war am gelöstesten, wenn er feiern konnte, zumal mit jungen Leuten. Und er hat schliesslich gezeigt, dass der Tod zum Leben gehört und auch er Anlass sein kann zu Hoffnung.

© Rheinischer Merkur
Erschienen in der Nummer 14 (07.04.2005)

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Die evangelischen Kirchen sagen: "Unser Bruder in Christus" uparrowprint druckenemail versenden

von Johannes Friedrich

Zu den wichtigsten Impulsen des Papstes zählt sein ökumenisches Engagement, sagen die evangelischen Kirchen "Unser Bruder in Christus"

Sein beispielloses Charisma hat auch dazu beigetragen, dass die alten Verurteilungen zwischen Konfessionen Geschichte wurden.

Es stand schlecht um den Papst. Sein Gesundheitszustand war die Topmeldung in den Nachrichtensendungen. Das Telefon ging im evangelischen Bischofsbüro. Eine Kirchengemeinde aus der ostbayerischen Diaspora erkundigte sich: "Wenn der Papst stirbt, sollen wir Evangelischen dann auch die Totenglocke läuten?"

Gewiss ist diese Frage Zeichen für gewachsene ökumenische Solidarität und Anteilnahme unter Nachbarn. Aber sie ist mehr: Dieser Papst hat alle, Katholiken wie Nichtkatholiken, Christen und Nichtchristen, berührt. Er war eine starke, in all seiner Widersprüchlichkeit überzeugende Persönlichkeit, in seiner ganzen Schwäche und Gebrochenheit des Leibes die vielleicht grösste Gestalt unserer Tage, eine – wieder in aller Widersprüchlichkeit – moralische Autorität, die sich mit dem vollen Gewicht ihres Amtes für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt eingesetzt hat.

Flut von Heiligsprechungen

Zur Zeit Martin Luthers tobte in der abendländischen Kirche der Kampf zwischen Kurialisten und Konziliaristen. Die Kurialisten sahen den Weg der Kirche in einer Stärkung der Zentralgewalt. Die Konziliaristen legten Wert auf Kollegialität der Bischöfe und das Gewicht und die Stimme der Ortskirchen. Luther liess sich nicht in eine dieser Alternativen drängen, sondern formulierte grundlegende Anfragen an das Selbstverständnis und die Rolle des Papsttums. Johannes Paul II. war ein vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägter Theologe. Aber er war kein Konziliarist. Er war auch kein Kurialist. Für vatikanische Innenpolitik hat er sich kaum je interessiert. Mit dem Pontifikat Johannes Pauls sind wir vielmehr einem ausgeprägten Papalismus begegnet. Er war der Weltbischof, der die Weltkirche durch seine Person zusammengehalten hat. Und er tat es vor allem auf drei Weisen: durch seine über hundert pastoralen Reisen, durch seine Lehrschreiben und durch die von ihm ausgehende Spiritualität.

Sein zuletzt erschienenes Buch "Erinnerung und Identität" hilft, den philosophisch-theologischen Denkansatz des Papstes zu verstehen. Die zentrale Stelle ist meines Erachtens seine Auseinandersetzung mit der Aufklärungsphilosophie René Descartes. Dessen "Ich denke, also bin ich" gilt ihm als autonome Selbstdefinition des Menschen, als A-Theismus, der die Pforten der Hölle öffne. Für Johannes Paul ist der Mensch nur recht verstanden als koordiniert von Christi Kreuz und Auferstehung her. Das aber ist auch der Anspruch, mit dem er, der Papst, selbst auftritt und Autorität in der Kirche einfordert. "Reisst die Türen auf für Christus!", ruft er bei seiner ersten Predigt in die Welt. Welt und Kirche begreifen, dass dies nicht nur ein Aufruf zu Mission und Evangelisierung ist, sondern die Sendung der Kirche markiert.

Durch seine Reisen erreicht das Dogma vom päpstlichen Jurisdiktionsprimat erst wahre Geltung. Er ist die weltweit präsente Autorität in Fragen der Lehre, der Moral und auch der Disziplin. Zu keiner Zeit gab es wohl mehr Disziplinierungen von unbotmässigen Theologen. Dieser Papst, der in den achtziger Jahren in Polen und ab 1989 in ganz Osteuropa so sehr für die Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt eintrat, wird nicht in die Erinnerung eingehen als der, der grössere Freiheit innerhalb der Kirche gewährte.

Einerseits war er modern und machte sich die zeitgemässe Kommunikation zunutze. Auf der anderen Seite war sein Denken tief in der Scholastik gegründet, aufklärungskritisch, auf personale Autorität und konservative Moral bedacht. Auf der einen Seite steht sein beispielloses Charisma, auf der anderen Seite sein kompromissloses Nein zur kirchlichen Schwangerschaftsberatung, zur Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion, sein grundsätzliches Nein zur eucharistischen Gastfreundschaft für Katholiken bei anderen Konfessionen und zum Diakonat für die Frau.

Die Flut seiner Heilig- und Seligsprechungen! Ich sehe wohl das Anliegen, gegen die Grundstimmung, es gebe keine mutigen Christen mehr, einen Kontrapunkt zu setzen, so versteht es jedenfalls Bischof Klaus Küng. Andererseits haben sie teilweise eine problematische Tendenz: Mit Pius IX. wurde nicht nur erstmals ein Papst selig gesprochen, noch dazu einer, der die Gegenreformation und die Gegenaufklärung bejubelt hatte, sondern das Papsttum als solches, denn Pius IX. war der Papst, mit dessen Namen sich Unfehlbarkeitsdogma und Jurisdiktionsprimat verbinden. Die Seligsprechung des Gründers von Opus Dei erhebt zwar den spirituellen Führer einer Laienbewegung zur Ehre der Altäre, aber es ist eben eine unbedingt papsttreue Laienbewegung. Vollends irritiert ist man, wenn der Papst bei der Seligsprechung des letzten österreichischen Kaisers auf den Zusammenhang zwischen dem Vornamen des Kaisers und seinem eigenen zu sprechen kommt. Ganz ohne Zweifel: Johannes Paul war, das wird bei uns Evangelischen oft unterschätzt, stark an der Ökumene gelegen. Auch darin war er ein vom Konzil durch und durch geprägter Theologe. Seine erste Auslandsreise führte ihn zum Patriarchen von Konstantinopel. Bereits ein Jahr später besuchte er Deutschland, und es kam zur Begegnung mit den leitenden Geistlichen der Evangelischen Kirche. Bei diesem Besuch entstand die Anregung, in einer bilateralen Kommission zu untersuchen, ob die gegenseitigen Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts heute noch kirchentrennend seien. Im Gefolge dieser Arbeit kam es auch zur denkwürdigen Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" 1999 in Augsburg, die derzeit den greifbarsten ökumenischen Fortschritt zwischen römischen Katholiken und Lutheranern darstellt. Daran, dass diesem Papst sehr an der Unterzeichnung gelegen war, besteht kein Zweifel. Dass der Vatikan die Pfarreien und Ortskirchen angehalten hat, mit den lutherischen Nachbarn die Gemeinsame Erklärung in Gebet und Lernen mit Leben zu füllen, ist ein starkes Zeichen seines Einsatzes für Ökumene und Einheit. Beim Abschied von seinem ersten Deutschlandbesuch 1980 auf dem Münchner Flughafen sagte der Papst: "Ich stelle mich voll und ganz in den Strom der Sehnsucht nach Einheit." Hier sieht man deutlich: Ökumene, Einheit ist nicht das Ergebnis kirchenpolitischer Schritte, sondern eine Bewegung des Heiligen Geistes, von der wir uns mit auf den Weg nehmen lassen – oder auch nicht. Einheit und Sendung der Kirche sind untrennbar. Die ökumenische Bewegung kann nur im Rahmen der Sendung der Kirche stattfinden.

Johannes Paul wusste aber, dass es von Menschen verantwortete Hindernisse der Einheit gibt. Die ökumenisch bedeutsamste seiner 14 Enzykliken, "Ut unum sint" von 1995, bezeichnet die Suche nach der sichtbaren Einheit der Kirche als zentral für die Sendung der Kirche, weil sie in Gottes Heilswillen und im Bekenntnis zum einen Christus ihren Grund hat. Offenheit dagegen braucht es für die geschichtlich gewordenen Formen, selbst für die Form der Ausübung des Papsttums. Darum regte der Papst in diesem Lehrschreiben an, sich über ein für alle Seiten akzeptables Papstamt zu verständigen.

Am 25. November 2003 griff Johannes Paul beim Treffen von der Fokular-Bewegung nahe stehenden Bischöfen einen Satz aus dem Ökumenismusdekret auf: "Die Kraft der Liebe drängt uns, aufeinander zuzugehen, und hilft uns, in einer Haltung des Hinhörens, des Dialogs, der Umkehr und der Erneuerung zu leben". Und dann fügte er an: "Nur eine intensive ökumenische Spiritualität, die als Nachfolge Christi und in voller Verfügbarkeit den Eingebungen des Heiligen Geistes gegenüber gelebt wird, hilft uns, mit dem nötigen Schwung diese Zwischenzeit zu leben, in der wir uns den Fortschritten und Rückschlägen sowie den Licht- und Schattenseiten unseres Weges der Versöhnung stellen müssen." In diesem Wort an die Bischöfe, Vertreter vieler Konfessionen, ist das ökumenische Grundanliegen Johannes Pauls greifbar.

Johannes Paul II. hat versucht, die Weltkirche wie ein Monarch durch seine Person zusammenzuhalten, wobei er seine Person immer von der Koordinate Christus her verstanden hat. Mag sein, dass einige Kommentatoren nun im Rückblick auf sein Leben sagen werden: Daran hat er sich aufgerieben und verschlissen. Wir wissen, dass dieser Papst sich von Christi Kreuz und Auferstehung ohne Wenn und Aber her verstanden hat und so sein Leiden in der Passion Christi aufgehoben sah, ja mehr: für ihn das Leiden als Nachfolge des gekreuzigten Christus anzunehmen war.

Gebrechlicher Weltbischof

Fragt man: Welche Botschaft hatte Johannes Paul II.?, wird die Antwort lauten müssen: Er hatte nicht nur eine Botschaft, er war eine Botschaft: Der Weltbischof war er, aber nicht Bild der triumphierenden Kirche, sondern des leidenden Christus. Ich wage zu sagen: Gott hat diesen Papst, der dem Anspruch des Stellvertreters Christi Gestalt geben wollte, zum Zeugen Christi gemacht. Die Autorität der Kirche und in der Kirche ist die des leidenden Christus. Ihm ist die Auferstehung und das Leben verheissen. Aber wie Mose das Gelobte Land, so sehen auch wir es nur von ferne, selbst als Papst. In seiner Schrift „Von den Conciliis und Kirchen“ nennt Martin Luther folgende Kennzeichen der Kirche: Wort Gottes, Taufe, Abendmahl, die beauftragten Menschen, das gottesdienstliche Gebet und das Leiden um Christi willen: "Wo du solches siehst, da sei gewiss, dass hier die Kirche ist."

Was von Johannes Paul überdauern wird, lässt sich schwer sagen. Dass nach ihm wieder ein Papst in dieser Weise die Weltkirche mit seiner Person und Autorität zusammenhalten kann, ist nicht zu erwarten. Ob die Grundanliegen seiner Lehrschreiben Bestand haben werden, steht dahin. Was in meinem Gedächtnis von ihm bleiben wird, ist dieses Charisma des Nachfolgers Christi im Leiden, des mächtigen Weltbischofs in seiner Gebrechlichkeit, der ganz von Christus her lebt. Im Jahr 2000 sprach Johannes Paul: "Im Kreuz Christi erhält alles Leiden eine Möglichkeit von Sinn." Vor ihm, nicht vor dem Papstamt, verneige ich mich mit Respekt und mit Dank für alle Impulse zur Förderung der Einheit, die er, unser Bruder in Christus, Johannes Paul, der Bewegung unserer Sehnsucht nach Einheit gesetzt hat. Bischof für uns Evangelische war er nicht. Aber mit uns war er Christ.

Der Autor ist Landesbischof der Evangelischen Kirche in Bayern und Catholica- Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands.

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Erschienen in der Nummer 14 (07.04.2005)

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